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Beiträge: Eigentlich nur ein Rugby-Spiel

geschrieben von: Redaktion am 07.02.2010, 10:59 Uhr
paperpress576 
Wahre Geschichten als Vorlage für einen Film, haben den Nachteil, dass man vorab im Lexikon das Ende nachlesen kann. Somit wird kein Geheimnis verraten, wenn der Hinweis auf ein Happy-End gleich hier am Anfang des Beitrages steht.
„Invictus – Unbezwungen“ ist der Titel des neuen Films von Clint Eastwood als Produzent und Regisseur. Er kommt noch während der 60sten Berlinale am 18. Februar in die Kinos. Nicht erst am Schluss, sondern gleich hier zu Beginn möchte ich Ihnen diesen Film ans Herz legen. Es geht um Sport und Politik und darum, wie beide vereint etwas erreichen können, was mit herkömmlichen Mitteln kaum möglich ist. Der Film beginnt am 11. Februar 1990. Nach fast 28 Jahren öffneten sich für den südafrikanischen Freiheitskämpfer gegen die Apartheid, Nelson Mandela, die Gefängnistore. Der damalige Staatspräsident Frederik Willem de Klerk gab dem internationalen Druck nach und entließ den wohl bekanntesten Gefängnisinsassen der Welt. Auch die verbotene Organisation von Mandela, der ANC (African National Congress) wurde wieder zugelassen.

Die Öffentlichkeit hatte seit Jahrzehnten nur ein Bild von Mandela vor Augen, das 1988 auf einer sowjetischen Briefmarke erschien. Wer allerdings geglaubt, besser gesagt, befürchtet hatte, einen gebrochenen Mann aus dem Kerker kommen zu sehen, hatte sich geirrt. Bei Haftende war Mandela immerhin 72 Jahre alt. Ungebrochen, vor allem aber unbezwungen, hat er die vielen Jahre in dem Glauben durchgehalten, dass die Apartheid irgendwann ein Ende finden würde. Mandela verließ das Gefängnis nicht von Rachegedanken zerfressen, sondern von Versöhnung beseelt. Die weitere Geschichte ist bekannt. 1993 erhielten er und de Klerk den Friedensnobelpreis, 1994 wurde Mandela der erste schwarze Präsident Südafrikas und blieb es bis 1999. Fast 92-jährig ist Nelson Mandela heute nach wie vor ein Symbol für Freiheit und Menschenwürde. Der Film schildert die wichtige Anfangsphase seiner Präsidentschaft. Eine Schlüsselszene gleich zu Beginn: die Bodyguards seines Vorgängers, alles kräftige Weiße, melden sich zum Dienst beim Sicherheitschef von Mandela, dessen Team ausnahmslos aus Schwarzen besteht. Trotz Personalknappheit und seines dringenden Wunsches nach Verstärkung, will er die Weißen wegschicken. Als diese ihm ein Schreiben von Mandela mit ihrer Berufung vorzeigen, eilt der Sicherheitschef aufgeregt in das Präsidentenbüro. „Die Regenbogennation beginnt hier, Versöhnung beginnt hier, Vergebung beginnt hier“, ist Mandelas Reaktion. Er weiß, dass er als Präsident in der Öffentlichkeit auch über seine Bodyguards wahrgenommen wird. Deshalb besteht er auf die Schwarz-Weiße Mischung, die sich nach anfänglichen Vorurteilen auf beiden Seiten als ideal erweist. Von diesen zwar als klein erscheinenden, aber nachhaltigen visionären Entscheidungen, die für die Entwicklung eines demokratischen Südafrikas so wichtig waren, lebt der Film.

Bei der Besetzung eines Historienfilms gibt es immer wieder Fehlentscheidungen. Aber es gibt auch die Idealbesetzung. Mit Morgan Freeman ist diese Idealbesetzung gelungen. Freeman überzeugt als Mandela, seine Körperhaltung, seine Gestik, die Art zu sprechen.

Ein Land zu versöhnen, in dem die Menschenrechte wie in kaum einem anderen Land mit Füßen getreten wurden, war und ist eine schwere Aufgabe. Nach dem Sieg des ANC gelüstete es nicht wenigen Schwarzen nach Rache an den Weißen. Nicht mit Waffen, obwohl ein Bürgerkrieg nicht ausgeschlossen war, aber vielleicht mit der Wegnahme von Privilegien.

Viele Schwarze hätten es sicherlich als gerecht empfunden, wenn Schilder wie diese, die schöne Badestrände nur für Mitglieder der Weißen Rasse reservierten, einfach umgeschrieben worden wären. Auch weißen Sportmannschaften hätte man gern ihre Namen und Symbole weggenommen. So gab es schon den Beschluss des ANC, der Rugby-Nationalmannschaft, den Springboks, den Namen und die gold-grüne Trikotfarbe zu entziehen. Nelson Mandela erkannte sofort, dass diese Maßnahme die Spaltung vertiefen und nicht zur Versöhnung führen würde. Er appellierte an seine Leute, den Beschluss nicht umzusetzen und hatte Erfolg. Nachdem Südafrika wegen seiner Apartheidpolitik auch sportpolitisch isoliert war, fand 1995 erstmals eine Weltmeisterschaft im Lande statt. Es ging um Rugby, eine ziemlich widerliche Sportart, bei der es wie beim American Football um einen Ball in Form eines verlängerten „Rotationsellipsoids“ geht, also das berühmte Ei. Kräftige Männer gehen aufeinander los, und, anders als beim Football, nicht dick verpackt, sondern im normalen Trikot. Clint Eastwood hat in seinem Film dem Rugbyspiel breiten Raum gewidmet und offenbar Spaß an den brutalen Auseinandersetzungen gehabt, die er – das muss man eingestehen – hervorragend inszenierte.

Die südafrikanische Nationalmannschaft, in der 1995 nur ein Schwarzer mitspielen durfte, hatte keine Erfahrung bei internationalen Turnieren, weil sie dazu nicht eingeladen wurde und weil niemand ins Land kam. Nelson Mandela ließ sich erklären, wie der Turnierablauf vonstatten geht.

Matt Damon spielt mit bewundernswertem Körpereinsatz den Mannschaftskapitän Francoise Pienaar. Mandela weiß, dass es kaum eine Chance gibt, mit der Mannschaft die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Er trifft sich mehrmals mit dem Kapitän und der Mannschaft und vermittelt ihnen, wie wichtig ein Sieg wäre, um die für das Land existenzielle Annäherung zwischen Schwarz und Weiß zu fördern. Die Rugby-Weltmeisterschaft 1995 wird für Nelson Mandela zum Schwerpunkt seiner Innenpolitik. Noch ist die Sportart von Weißen dominiert und sitzen vornehmlich Weiße bei den Spielen in den Stadien. Das hält Mandela nicht davon ab, die Mannschaft im Stadion zu besuchen, wo er auf pfeifende Weiße trifft, die ihn ein Jahr zuvor bei den ersten freien Wahlen in Südafrika mit Sicherheit nicht gewählt haben.

Die Weltmeisterschaft beginnt am 25. Mai 1995. Vor dem Eröffnungsspiel gegen Australien in Kapstadt besucht die Mannschaft Robben Island, jenes Gefängnis, in dem Nelson Mandela weggesperrt wurde, weil er für die Freiheitsrechte seines Volkes kämpfte. Francoise Pienaar (Matt Damon) steht in Mandelas Zelle und breitet die Arme aus, um den schmalen Raum erfühlen zu können. In diesem Augenblick wird ihm klar, wie wichtig die Mission Mandelas ist, wie wichtig es für das Land ist, wenn die Springboks die Weltmeisterschaft erlangen.

Das Team kämpft sich durch, bis nach oben und steht im Endspiel dem Favoriten Neuseeland gegenüber. Der Rest ist Geschichte. Südafrika wird Weltmeister mit 15 zu 12 nach Verlängerung. Auch wenn man das Ergebnis vorher weiß, es ist ein ebenso spannendes wie brutales Spiel, das Clint Eastwood auf die Leinwand gebracht hat.

Nelson Mandela überreicht Francoise Pienaar den Pokal. In den Geschichtsbüchern ist zu lesen, dass die neuseeländische Mannschaft am Abend vor dem Endspiel eine leichte Lebensmittelvergiftung hatte und deshalb geschwächt ins Finale ging. Selbst wenn es so gewesen sein sollte, der sportliche Erfolg der südafrikanischen Nationalmannschaft hat zur Versöhnung zwischen Schwarz und Weiß im Land mehr beigetragen als viele politische Reden. Eine Mannschaft – Ein Land. Der Film endet mit dem Finale am 24. Juni 1995 im Johannisburger Ellis-Park-Stadion.

1999 trafen Neuseeland und Südafrika erneut aufeinander. Diesmal jedoch nicht im Endspiel, sondern im Spiel um den dritten Platz in Wales. Mit 22 zu 18 gewann Südafrika. Die Lebensmittelvergiftung scheint sich lange gehalten zu haben.

2003 allerdings schied Südafrika im Viertelfinale gegen Neuseeland, nach abgeklungener Lebensmittelvergiftung, aus. Neuseeland wurde diesmal Dritter, England Weltmeister. 2007 schied Neuseeland gegen Frankreich im Viertelfinale aus. Südafrika hingegen setzte sich mit 15 zu 6 im Endspiel gegen England im französischen Saint Denis durch und wurde erneut Weltmeister.

Invictus ist mehr als nur ein Film, vor allem aber viel mehr als nur ein Rugby-Spiel.

Ed Koch

  
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