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Es geht hier nicht um einen Maserati

geschrieben von: Redaktion am 28.02.2010, 09:28 Uhr
paperpress577 
Wer nach dem Medienrummel der letzten Wochen immer noch der Meinung sein sollte, es ginge hier um eine „Sozialmaserati“-Dienstwagenaffäre, der irrt sich. „Ich gönne jedem die Früchte seiner Arbeit, Neid kommt in meinem Vokabular nicht vor, wie sich Harald Ehlert hier allerdings präsentiert, halte ich für vollkommen daneben.“ Man erlaube mir dieses Eigenzitat. Es stammt aus der Januar 2009-Nummer von paperpress (441). In einem großen Beitrag auf Seite 3 des TAGESSPIEGEL vom 22.12.2008 war zuvor all das den verblüfften Leserinnen und Lesern mitgeteilt worden, worüber sich heute aller fürchterlich aufregen. Dass es keinen Aufschrei gibt, wenn in paperpress irgendetwas veröffentlicht wird, kann ich ja noch verstehen, aber nach dem Beitrag im TAGESSPIEGEL habe ich fest damit gerechnet, dass das geschieht, was nun über ein Jahr später die Schlagzeilen, Radio- und Fernsehkommentare füllt.
Vor allem widert mich die gekünstelte Empörung des Diakonischen Werkes an. Vorstandsmitglied Thomas Dane erklärte leicht schlafmützig, dass er alles Mögliche über den Maserati dachte, aber eben nicht das, was im TAGESSPIEGEL vor über einem Jahr nachzulesen war. Deshalb gab es zu einem früheren Zeitpunkt für ihn keinen Grund tätig zu werden. Die noch größeren Schlafmützen befinden sich allerdings beim Paritätischen Wohlfahrtsverband, der erst aufwachte, als die Presse vorstellig wurde. Und da man keinen Einfluss auf die gGmbH hat, eben weil sie nicht Mitglied im Paritätischen ist, schießt man sich auf den zum Verband gehörenden gemeinnützigen Treberhilfe-Verein ein. Der Vorstand sei seinen Kontrollpflichten nicht nachgekommen, empört man sich. Und was hat der Paritätische getan?

Harald Ehlert ist nicht zu bedauern. Er hat sich die Suppe selbst eingebrockt. Schlimmer: er hat den Dolch geliefert und die Eintrittskarten für seine Hinrichtung selbst verkauft. Dass er jemals auf den Chefposten der Treberhilfe zurückkehren könnte, ist unwahrscheinlich. Auch dass die Marke „Treberhilfe“ überlebt, halte ich für nicht realistisch. Möglich wäre ein anderer Name, Aufteilung auf andere Träger, what ever!? Wer von den Zuwendungsträgern würde es noch wagen, der Treberhilfe einen Auftrag zu erteilen? In Friedrichshain-Kreuzberg hat man die Geschäftsbeziehungen schon eingefroren. Sorge machen muss man sich um die 280 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Treberhilfe. Hier trägt jetzt das Diakonische Werk die Verantwortung. Schließlich hat es das Gesetz des Handelns an sich gezogen und Ehlert kalt gestellt. Die Besetzung des Aufsichtsrates ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten. Thomas Dane, O.K., Heidi Knake-Werner? Was soll das? Sie hat genau so wenig Ahnung von der Materie wie ihre Nachfolgerin Carola Bluhm, die in zahllosen Interviews nur ihre Hilflosigkeit dokumentiert. Die Krönung ist jedoch, zwei Vorstandsmitglieder der Treberhilfe e.V. in den Aufsichtsrat zu berufen, darunter Christian Jäger, dem in einem Morgenpost-Artikel „Finanztricks“ vorgeworfen werden, die er gemeinsam mit Harald Ehlert durchgeführt habe. So erlangt man keine Glaubwürdigkeit. Ein Aufsichtsrat muss überwiegend aus unabhängigen und nicht involvierten Menschen bestehen. Diese Chance ist nun vertan worden.

Das große Projekt der Treberhilfe an der Monumentenstraße ist stark gefährdet. Wurde es noch kürzlich als begrüßenswerte Innovation gefeiert, macht es heute die Presse als „Prestigevorhaben“ nieder. Sozialstadträtin Dr. Sibyll Klotz (Grüne) erklärt im TAGESSPIEGEL „Wir brauchen keine weiteren Einrichtungen für Obdachlose in Schöneberg“. Auf dem Gelände sollte auch die neue Zentrale der Treberhilfe entstehen. Auch diese wird niemand mehr brauchen. Ebenso wie das Fortbildungszentrum in Caputh. Einen derartigen Fall von Selbstzerstörung gab es in der Sozialbranche Berlins meines Wissens noch nie. Wer jedoch glaubt, dass der Maserati Schuld am Untergang Harald Ehlerts und vermutlich auch der Treberhilfe sei, der befindet sich auf dem Holzwege.

Die Seite 2 unserer Februar-Nummer begann auch mit diesem Foto. Es zeigt Harald Ehlert bei der Veranstaltung zum Thema „Social Profit“ am 12. Februar 2010 im Rathaus Schöneberg. Nur wenige Tage später platzte die Maserati-Bombe. Zufall? Wohl kaum.

Chronologie des Aufstiegs und Falls
der Treberhilfe:

Der Verein Treberhilfe Berlin entstand 1988 in der Region Schöneberg-Nord aus dem Zusammenschluss von zwei eingetragenen Vereinen: Der Verein der Aktiven Hilfe e.V. betrieb zuerst nur mit ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen, dann mit ABM-Kräften und ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen den Treberladen in der Mansteinstraße mit sechs Plätzen. Um den Problemen der jungen Menschen erfolgreich begegnen zu können, waren mittelfristig weder die Finanzierung noch die Qualifikationen der Helferinnen und Helfer ausreichend. Im Verein zur Beratung und Unterstützung obdachloser junger Menschen e.V. waren engagierte Sozialarbeiter/innen aus verschiedenen Beratungsstellen und Institutionen tätig.

1988 schlossen sich die beiden Vereine zum Treberhilfe Berlin e.V. zusammen, um die Arbeit zu professionalisieren, die sich zunächst auf die Krisenintervention bei 18- bis 25-jährigen Obdachlosen, konzentrierte.

1989 wurden der Treberladen Schöneberg in der Yorckstraße 53 eröffnet und das Wohnprojekt Schöneberg als Anschlusshilfe eingerichtet.

1990 fanden Planung und Vorbereitung einer weiteren Übergangseinrichtung und eines Wohnprojektes im Norden Berlins statt.

1991 nahmen der Treberladen Wedding und das ihm angeschlossene Wohnprojekt Wedding in der Nazarethkirchstraße 39 ihre Arbeit auf.

1991 wurden Räume für die Geschäftsstelle der Treberhilfe in der Hauptstraße 130 gefunden und bezogen.

1991 nahmen im Dezember die beiden Kontakt- und Beratungsstellen in der Marienstraße 12 in Mitte und in der Niederbarnimstraße 21 in Friedrichshain ihre Arbeit auf.

1991 begannen die Aufbauarbeiten für zwei Übergangseinrichtungen mit insgesamt 20 Plätzen und einem Wohnprojekt im Ostteil der Stadt / Bezirk Mitte.

1991 wuchs mit der Anzahl der Projekte die Mitarbeiterzahl von fünf hauptamtlichen und fünf freien Mitarbeitern auf 25 Hauptamtliche.

1992: Aufbau einer Kriseneinrichtung und einer Übergangseinrichtung für junge Volljährige mit 12 Plätzen sowie des Wohnprojektes Mitte in der Marienstraße 11 mit dem Ziel der Inbetriebnahme 1993.

1992: Neustrukturierung der Verwaltungsbereiche, insbesondere der Planung und Betriebswirtschaft.

1993 erhielt die Treberhilfe von der Senatsverwaltung für Soziales den Auftrag zum Aufbau eines Projektes der Straßensozialarbeit. Noch im selben Jahr nahmen das Team City mit dem Schwerpunkt Bahnhof Zoo und das Team Wagenburgen zur Betreuung der Berliner Rollheimer ihre Arbeit auf.

1993 begann die Treberhilfe Berlin, anfänglich in Zusammenarbeit mit der ARBES-GmbH (als AB-Maßnahmeträger), mit der Aufbauplanung des Jugendhilfeprojektes Villa Chance in Berlin-Adlershof.

1994 erhielt die Treberhilfe von der Senatsverwaltung für Jugend den Auftrag zum Aufbau eines Wohnprojektes für junge Volljährige nach § 41 Kinder- und Jugendhilfegesetz. Noch im selben Jahr konnte das neue Team die Realisierung in der Heerstraße 90 beginnen.

1995 wurde das Wohnprojekt Friedrichshain eröffnet und begann mit der Betreuung junger Erwachsener nach § 72 BSHG.

1996 wurde die Villa Chance als Inobhutnahme- und Kriseneinrichtung nach § 42 KJHG für Kinder und Jugendliche von 12 bis 17 Jahren in akuten Krisensituationen eröffnet. Die Erlaubnis zur Inobhutnahme wurde damit erstmals einem freien Träger übertragen. Angegliedert wurde eine Übergangseinrichtung nach § 34 KJHG für die Weitervermittlung dieser Kinder und Jugendlichen in dauerhafte Unterbringungsformen.

1997 erteilte die Senatsverwaltung für Jugend die Betriebserlaubnis für das betreute Einzelwohnen nach § 34 KJHG für Jugendliche von 16 bis 18 Jahren.

1998 erhielt der Bereich Straßensozialarbeit der Treberhilfe Berlin von der Senatsverwaltung für Jugend eine Zuwendung für die Durchführung eines Modellprojektes Flexible Einzelfallhilfe an den Brennpunkten für straffällige Kinder und Jugendliche nach § 35 KJHG. Diese Zuwendung bezog sich eingegrenzt auf den Personenkreis von Kindern und Jugendlichen, der im Zusammenhang mit der Diskussion „Pro und Kontra geschlossene Heime“ diskutiert wurde.

1998 entwickelte die Treberhilfe folgende neue Angebote: Einzelfallhilfen nach § 30 KJHG, (Erziehungsbeistandschaften), Familienhilfe nach § 31 KJHG und flexible Einzelfallhilfe nach § 35 KJHG.

1998 stellte die Treberhilfe einen Antrag bei der Senatsverwaltung für Arbeit, berufliche Bildung und Frauen auf Förderung eines Verbundprojektes Aufbau und Konzeptionierung eines gemeinsamen Intranet- und Controllingsystems aus Mitteln der Europäischen Gemeinschaft, mit dem Ziel der Qualitätsverbesserung der Angebote durch wirtschaftliche Optimierung des Ressourceneinsatzes.

1999 startete die Treberhilfe Berlin mit diesem trägerübergreifenden Verbundprojekt.

1999 wurde im IV. Quartal des Jahres im Norden Berlins eine weitere Regionale Kriseneinrichtung für Minderjährige eröffnet. Das Projekt Chance Nord bietet im Rahmen des § 42 KJHG die Unterkunft, Beratung, Betreuung und Begleitung für Minderjährige von 12 bis 17 Jahren in Krisensituationen an.

2001 nahm ein zweites Team der Helpline 35 seine Arbeit in den Büroräumen der Mansteinstrasse 6 im Bezirk Schöneberg auf.

2001 zogen das Treberhaus Mitte als Kriseneinrichtung für junge Volljährige, der Bereich Ambulante Hilfen und die Beratungsstelle von der Marienstrasse in die Ackerstraße 147 im Bezirk Mitte.

2002 entstand das dritte Team der Helpline 35 in der Mainzer Strasse 59 in Neukölln und zog das Wohnprojekt Schöneberg von der Winterfeldstrasse in die Leberstraße.

2003 zog der Treberladen Wedding in die Leberstrasse und arbeitete als Treberhaus Schöneberg weiter. Der Umzug stellte sicher, dass die Leistungserbringung im Rahmen des Leistungsvertrages für den Leistungstyp Kriseneinrichtungen gem. § 93 BSHG entsprechend der Standards gewährleistet werden konnte.

2004 beteiligte sich die THB am Ausschreibungsverfahren zur Übernahme einer Jugendfreizeiteinrichtung im Bezirk Tempelhof Schönberg. Seit Mai 2004 ergänzt das Angebot der Jugendfreizeiteinrichtung Pallasladen auf Grundlage des § 11 SGB VIII die Angebotspalette des Trägers. Als Pilotprojekt sollte am Standort Pallasladen das Angebot einer Jugendfreizeiteinrichtung verknüpft werden mit dem Angebot sozialer Gruppenarbeit. Seit November 2004 bietet die Treberhilfe Berlin gGmbH die Soziale Gruppenarbeit gem. § 29 SGB VIII mit zunächst zwei Gruppen an.

2005: Eröffnung der "Villa denkMal": nach dem Prinzip "Mitarbeiter schulen Mitarbeiter" wird in den mit modernster Technik ausgestatteten Räumen in Caputh ein komplexes und auf die Fort- und Weiterbildungsbedarfe der Mitarbeiter zugeschnittenes Programm angeboten. 2005 beteiligt sich die Treberhilfe Berlin an der Ausschreibung des Bezirksamtes Mitte um die Weiterführung des bis dahin bezirklichen Aufnahmeheimes zur Unterbringung wohnungsloser Menschen in der Osloer Straße 80. Die THB gewinnt die Ausschreibung und das Heim soll zum 1.1.2006 übergeben werden.

2006: Seit 1.1.2006 arbeitet die Treberhilfe Berlin in der Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH. Als diese ist sie Mitglied im Landesverband des Diakonischen Werkes und wirkt in den Fachverbänden WEX sowie dem Fachverband Erzieherische Hilfen aktiv mit.

Anmerkung: Gesellschafter sind zu gleichen Teilen der Verein und Harald Ehlert, der Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH wird. Ehlerts Einlage: 15.500 Euro. Stammkapital der gGmbH: 25.000 Euro. Nach Angaben der BERLINER MORGENPOST wurde die Einlage aus Überschüssen der gGmbH in den folgenden drei Jahren auf eine Million Euro erhöht. Ehlert erhält seine Einlage in Höhe von 15.500 Euro erstattet.

2006: Im Januar wurde als zusätzliches Angebot für alle Einrichtungen und Standorte der durch Sozialarbeiter betreute Treberhilfe Internet Club (TIC) eröffnet. Hier werden Kenntnisse rund um EDV und Internet vermittelt, Beratungen und Internetrecherche sowie Unterstützung bei der Arbeits- und Wohnungssuche und bei der Erstellung von Bewerbungen angeboten.

2006 wurden als Ergebnis der Ausschreibung zum bezirklichen Familienobdach im Ortlerweg die Vertragszeichnung und Übernahme abgeschlossen. Die Einrichtung in Steglitz-Zehlendorf befindet sich seit März in Trägerschaft der Treberhilfe Berlin gGmbH.

2007: Im Juni fand der Umzug und die Eröffnungsfeier des Wohnprojekts in Neukölln, direkt am S-Bahnhof Sonnenallee statt.

2007: Im August 2007 nimmt das inzwischen siebte Wohnprojekt am Standort Hellersdorf den Betrieb auf.

Anmerkung: 2007 wird der Maserati als Dienstwagen für den Geschäftsführer Harald Ehlert gekauft – Mietkauf zwischen 70 und 90 Tausend Euro.

2008: Am 10.1.2008 fand die Eröffnung der neuen Schulungsräume der Treberhilfe Berlin Akademie statt.

2008: Anfang des Jahres wird der Trägervertrag zu dem Angebot "Aktiv" gezeichnet. Das ehemalige tages strukturierende Angebot (TSA) kann nun als sozialpädagogische Betreuung und Begleitung nach §13.3 SGB VIII für Kinder und Jugendliche von 14 bis 17 Jahren angeboten werden.

2008: Übernahme des Obdachlosenheims Wedding, Panorama Nord am 1.2.2008. Nach fast zweijähriger Verhandlung mit dem Bezirk gelingt es, das Obdachlosenheim "Panorama Nord" im Bezirk Wedding unter Leitung der THB weiterzuführen.

2008: Im Februar kommt es zur Zeichnung des Trägervertrages zum § 19. Eine neue Leistungslinie für die THB. Ab sofort können Mutter, Vater und Kind betreut werden.
Anmerkung: Die Angaben entstammen der Internetseite der Treberhilfe. Sie enden im März 2008. Wir führen sie fort:

2008: Die Treberhilfe schaltet nach der US-Wahl eine halbseitige Anzeige im TAGESSPIEGEL und gratuliert Barack Obama, dem neuen Präsidenten der USA.

Anmerkung: Das war der Anfang vom Ende!

2008: Am 22.12.2008 erscheint auf Seite 3 des TAGESSPIEGEL ein ausführlicher Beitrag über Harald Ehlert und die Treberhilfe, Überschrift: „Hol schon mal den Maserati“. Am 24.12.2008 erscheint in paperpress-online ein ausführlicher Kommentar dazu, der in der Januar-Nummer auch in der Printversion abgedruckt wird.

2009: Am 17.6.2009 will Harald Ehlert mit den Bezirksverordneten in Tempelhof-Schöneberg den Kauf des Grundstücks Monumentenstraße feiern. Auf dem Gelände der ehemaligen Schwielowsee-Grundschule soll ein soziales Zentrum entstehen, darunter auch die neue Zentrale der Treberhilfe. Im Ältestenrat kann man sich nicht darauf verständigen, die Einladung anzunehmen. Die Feier wird abgesagt. Ehlert macht in den Bezirksverordneten der CDU und der Grünen die Schuldigen aus und lädt sie zum Sommerfest der Treberhilfe wieder aus. (paperpress 447 – Juli 2009)

Am 3.7.2009 findet auf der Bismarckshöhe in Werder das Sommerfest der Treberhilfe statt. Rund 500 Gäste feiern bis weit nach Mitternacht. Zwar glauben viele, dass das Feuerwerk der Höhepunkt der Veranstaltung sei, in Wirklichkeit liegt der Zündstoff aber in einem ganz anderen Programmpunkt. Harald Ehlert stellt zur Begrüßung der Gäste diesen den Zwischenbericht der „Social Profit“-Studie vor. Damit will er beweisen, dass Sozialunternehmen dem Staat mehr einbringen, als er für die Maßnahmen aufwendet. Es klingt jedoch schon durch, dass diese „Social-Profit“-Marke künftig ein Kriterium für die Auftraggeber von Maßnahmen an freie Träger sein könnte. Ehlert behauptet, die Treberhilfe erziele eine Rendite von 19 Prozent.

Anmerkung: Das Verhängnis nimmt seinen Lauf.

Ende 2009 erscheint eine weitere halbseitige Anzeige im TAGESSPIEGEL.

2010: Am 12.2.2010 findet im Rathaus Schöneberg die Fachtagung zum „Social Profit“ statt. Die Studie liegt nun vor. Nicht 19, sondern 15 Prozent Rendite erzielt die Treberhilfe, das heißt, von jedem in eine Maßnahme der Treberhilfe investierten Euro erhält der Staat 1,15 Euro zurück. In Nr. 454 – Februar 2010 – berichtet paperpress ausführlich über diese Fachtagung, Titel: „Profit durch Non Profit?!“. Der SPD Landes- und Fraktionsvorsitzende Michael Müller befürchtet eine „dramatische Veränderung der Trägerlandschaft, wenn dieses Modell zum Kriterienkatalog wird.

Wenige Tage nach der Fachtagung wird bekannt, dass der Dienstwagen Harald Ehlerts, der erwähnte Maserati, am 5. Juni 2009 auf einer Landstraße in Mecklenburg-Vorpommern mit 26 Stundenkilometern mehr als erlaubt geblitzt wurde. Weil Ehlert es ablehnt, als Strafe von nun an ein Fahrtenbuch zu führen, steht ein Gerichtstermin am 24.2.2010 an (zu dem es nicht mehr gekommen ist).

Nachdem sich die Medien nun auf das Thema „Maserati“ stürzen, beruft Harald Ehlert am 18.2.2010 eine Pressekonferenz in eine Weddinger Einrichtung ein. 40 Minuten lässt er die Journalisten warten, dann folgt ein Auftritt, in dem er den „Sozial-Maserati“ rechtfertigt.

In den folgenden Tagen überschlagen sich die Medien bundesweit in ihrer Berichterstattung. Ehlerts Maserati wird sogar Gegenstand von Politmagazinen im Fernsehen. Die RBB-Abendschau berichtet nun fast täglich über den Fortgang der Geschichte. Geschäftsführer aller möglichen Sozialunternehmen teilen mit, welche Fahrzeuge sie dienstlich nutzen. Ehlerts Wagen ist mit Abstand der teuerste.

Das Finale

Sonntag, 21.2.2010: Die (vorerst) letzte halbseitige Anzeige im TAGESSPIEGEL erscheint. Keiner weiß, was die Botschaft bedeuten soll. Das Projekt wurde letztlich verschoben. Wie teuer eine halbseitige Anzeige im TAGESSPIEGEL ist, kann nur vermutet werden. Es dürften aber mehrere zehntausend Euro sein.

Montag, 22.2.2010, 14.00 Uhr: Harald Ehlert lädt erneut zu einer Pressekonferenz in eine Neuköllner Einrichtung ein. 30 Minuten lang erzählen zwei Mitarbeiter der Treberhilfe über ihre Arbeit. Die zahlreich erschienenen Journalisten meutern. Sie wollen wissen, wie die Maserati-Story weitergeht. Harald Ehlert erscheint und verkündet den verblüfften Medienvertretern, dass im Maserati künftig „Rundfahrten durch das soziale Berlin“ stattfinden würden. Der Maserati ist nicht länger der Dienstwagen von Harald Ehlert.

Dienstag, 23.2.2010: Zuerst heißt es, Harald Ehlert lade zu einer weiteren Pressekonferenz ein. Dann werden die Journalisten nach Steglitz in die Zentrale des Diakonischen Werks gebeten. Letztlich handelt es sich um eine gemeinsame Pressekonferenz des Diakonischen Werks, vertreten durch Thomas Dane, und der Treberhilfe, vertreten durch Harald Ehlert. Um 14.05 Uhr beginnt die Pressekonferenz. In einer schriftlich vorliegenden Erklärung heißt es, dass Dane und Ehlert sich künftig die Verantwortung für die gGmbH Treberhilfe teilen werden. In einem Aufsichtsrat sollen Dane und Ehlert gemeinsam sitzen. Kopfschütteln bei den Journalisten. Wie kann ein Geschäftsführer gleichzeitig im Aufsichtsrat sitzen?

Auch wird angekündigt, dass die Treberhilfe eine Personalvertretung erhalten soll. Außerdem teilt Harald Ehlert mit, dass der Maserati, der noch 24 Stunden zuvor als „Transparenzmobil“ für Stadtrundfahrten angeboten wurde, für 30.000 Euro verkauft worden ist.

Um 21.05 Uhr teilt die Medienreferentin der Treberhilfe, Juliane Friese, per E-Mail mit: „Im Zuge der heutigen Pressekonferenz haben die Treberhilfe und das Diakonische Werk Berlin-Brandenburg….. entschieden, vorerst die gesamte Pressearbeit über das Diakonische Werk zu bündeln.“ Es folgt der Hinweis auf die Pressereferentin des Diakonischen Werks Christine Lehmacher-Dubberke.

Die Presseberichterstattung geht weiter. Und wer hätte das gedacht, jetzt ist auch der Senat aufgewacht. Die Linksparteimitglieder Sozialsenatorin Carola Bluhm und ihr Staatssekretär Rainer-Maria Fritsch, der als Jugendstadtrat in Mitte für Kahlschlag sorgte, machen sich Gedanken über die Hilfesätze. Sind sie gar zu hoch, wenn jemand am Ende des Jahres eine Million Gewinn erzielt? Nun weiß man von der Treberhilfe, dass sie ihre Gewinne nicht hortet, sondern ständig neue Projekte aufzieht und Objekte erwirbt, um Wohnungslosen ein Dach über dem Kopf zu verschaffen. Ehlert hat beteuert, dass er keine Investition verschoben oder nicht getätigt hätte, weil er den Maserati kaufte. Ich halte das für glaubwürdig. Immerhin hat aber die Treberhilfe offenbar auch ihr Stammkapital aus den Überschüssen aufgestockt, was rechtlich legal sein soll. Die Frage, ob die Hilfesätze zu hoch sind, kann man natürlich stellen, vielmehr sollte man jedoch fragen, ob die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ordentlich bezahlt werden.

Mittwoch, 24.2.2010: Das Diakonische Werk teilt mit, dass – wie erwartet – Harald Ehlert keinen Sitz im Aufsichtsrat erhält.

Donnerstag, 25.2.2010: Das Diakonische Werk teilt mit, dass Harald Ehlert von seinem Posten als Geschäftsführer beurlaubt ist. Am selben Tage ist der Vorgang auch Thema im Abgeordnetenhaus.

Freitag, 26.2.2010: Mitteilung des Diakonischen Werkes: „Heute hat die konstituierende Sitzung des Aufsichtsrates der Treberhilfe gGmbH stattgefunden. Die Mitglieder des Aufsichtsrates sind: Carsten Lobbedey, Vorstand des Treberhilfe e.V., Christian Jäger, Vorstand des Treberhilfe e.V., Dr. Heidi Knake-Werner, Senatorin a.D. Thomas Dane, Vorstand Diakonisches Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e.V. wurde zum Aufsichtsratsvorsitzenden bestellt. Es wurden umfassende externe Prüfaufträge erteilt und Jens Fischer, auf Vorschlag des Diakonischen Werkes, zum zweiten Geschäftsführer bestellt. An dieser Stelle möchten wir noch einmal darauf hinweisen, dass: Harald Ehlert seine Gesellschafteranteile abgetreten hat. Dafür erhält er den Betrag zurück, den er persönlich eingezahlt hat: 15.500 Euro.“

Damit endet (vorerst) die Geschichte. Das Durchleuchten aller Geschäfte der Treberhilfe ist in vollem Gange. Daran ist nicht nur der Aufsichtsrat beteiligt, sondern auch die Presse.

Ist Harald Ehlert ein Einzelfall? Sind die, nach Angaben der Treberhilfe, legalen, aber lukrativen Geschäfte, nur von dieser getätigt worden? Müsste es vielleicht oder sogar zwingend in der Sozialwirtschaft mehr Aufsichtsräte, also mehr Kontrolle geben? Bekommen die Träger zu viel, oder nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu wenig? Wird es künftig bei allen Trägern Betriebsräte, also Personalvertretungen geben (müssen)? Vielleicht hat Harald Ehlert etwas losgetreten, was die Sozialunternehmen noch gar nicht abschätzen können. Findet die „dramatische Veränderung der Trägerlandschaft“, die Michael Müller als Folge von „Social Profit“ befürchtet hat, nun auch ohne Profit statt?

Interessant wäre allerdings auch zu wissen, wer, nur wenige Tage nach der „Social-Profit“-Fachtagung, die Maserati-Lawine ins Rollen gebracht hat. Harald Ehlert muss für zu viele Konkurrenten eine Bedrohung gewesen sein. Warten wir ab, wie es weiter geht, vor allem mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Treberhilfe. Ich hoffe, dass nicht ausgerechnet diejenigen, die so viele aus der Arbeitslosigkeit geholt haben, nun selbst dieses Schicksal erleiden müssen. Dafür sollten sich Carola Bluhm und der Aufsichtsrat der Treberhilfe einsetzen.

Ed Koch

  
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