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SPD-Kassierer übernimmt Treberhilfe

geschrieben von: Redaktion am 03.03.2010, 09:22 Uhr
paperpress577 
Wie sang schon Claire Waldorff in dem berühmten Lied von Otto Reuter aus dem Jahre 1927: „Nehm'n Se 'n Alten, nehm'n Se 'n Alten! Hab'n Se 'n etwas aufgefrischt, ist er besser oft wie 'n Junger - und - stets besser als wie nischt! Was ihm fehlt an Temprament, das ersetzt er - durch Talent. Drum: Könn' Sie kein' Jüngren haben, nehm Se sich 'n alten Knaben.“
Der neue Chef der Treberhilfe, Jens Fischer, wird mir sicherlich diese etwas flapsige Einleitung verzeihen. Über 66-jährige hat sich ja Udo Jürgens schon hinreichend musikalisch geäußert: „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an, …da hat man Spaß daran, …da kommt man erst in Schuss, …ist noch lang noch nicht Schluss“.

Jens Fischer war also, wie heute der TAGESSPIEGEL meldet, Bürochef von Helmut Schmidt. Wenn er seinem früheren Chef etwas abgeschaut hat, dann wird demnächst ein rauer Wind in der Zentrale der Treberhilfe wehen. Fischer fährt „Bus oder Bahn“, ein Hinweis, der angesichts des Fuhrparks der Treberhilfe dringend nötig ist, um die Gemüter zu beruhigen. Und von seinem Wohnort in Kreuzberg bis zur Hauptstraße in Schöneberg, will er mit dem Fahrrad anreisen. Für meinen Geschmack ein bisschen zu viel Vorschussbescheidenheit. „Zwischen dem neuen Treberhilfe-Chef und dem alten gibt es kaum Gemeinsamkeiten“, erfährt man aus dem TAGESSPIEGEL. Wörtlich: „Ich bin kein Feuerkopf.“ Ist Harald Ehlert etwa einer?

„Der 66-jährige Unternehmer ist seit Montag Interimsgeschäftsführer des skandalerschütterten Sozialunternehmens“, meldet der TAGESSPIEGEL. „Bekannt wurde Fischer vor allem als Bürochef von Altkanzler Helmut Schmidt. Zehn Jahre lang sorgte er sich um die Geschäfte des SPD-Politikers, bis er 1990 zur Aufbauarbeit nach Brandenburg abkommandiert wurde. Für den ersten Ministerpräsidenten Manfred Stolpe organisierte er den Wahlkampf und schrieb Reden, anschließend kümmerte er sich um den Aufbau der Wirtschaftsförderung. Erfahrungen als Geschäftsführer hat Fischer in ehemaligen Treuhandunternehmen gesammelt.“ Ehrenamtlich saß er im Aufsichtsrat des „Potsdamer Oberlin-Hauses, einem Sozialunternehmen mit 1.500 Mitarbeitern. Seit 2006 ist er Kuratoriumsvorsitzender der Diakonie-Stiftung Lazarus. Daher kennt er den Vorstand des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg, Thomas Dane, persönlich. Als dieser ihn anrief und um Hilfe bat, habe er spontan zugesagt“, erzählt Fischer dem TAGESSPIEGEL. „Ich habe Lust dazu.“ Zum beurlaubten Treberhilfe-Chef Harald Ehlert sagt Fischer dem TAGESSPIEGEL nur so viel: „Manche Dinge sind schwer zu begreifen. Ich habe etwas andere Vorstellungen.“

Für die nächsten Monate will Fischer der Treberhilfe vorstehen. Geprägt wird die vorläufige Arbeit aber wohl von Prüfaufträgen, um festzustellen, ob alles korrekt bei der gemeinnützigen GmbH abgelaufen ist. Bisher steht nur fest, dass sie Überschüsse erzielte, diese investierte beziehungsweise dazu nutzte, das Stammkapital zu erhöhen. Die Investition in einen Maserati brachte allerdings den Geschäftsführer Harald Ehlert zu Fall. Dass dieser irgendwann wieder die Geschäfte der Treberhilfe übernimmt, ist eher unwahrscheinlich. Ob Fischer es schafft, so viel Vertrauen wieder herzustellen, dass der Treberhilfe nicht die Auftraggeber weg brechen, ist der eigentlich spannende Punkt. Fischer könnte auch der Abwickler werden. Nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Treberhilfe einen neuen Namen erhält oder in einen anderen Träger aufgeht.

Das größte Projekt, das die Treberhilfe gegenwärtig plant, befindet sich in der Monumentenstraße, wo auf dem Gelände der ehemaligen Schwielowseegrundschule mehrere soziale Einrichtungen und die neue Zentrale der Treberhilfe entstehen sollen. Die BERLINER ZEITUNG meldet heute, dass der erste Bauabschnitt des acht Millionen teuren Projektes planmäßig beginnen soll, da Verträge bestünden. „Somit könnten die vorgesehenen Einrichtungen für Jugend und Familie realisiert werden“, schreibt die BERLINER ZEITUNG. „Auch die neue Zentrale der Treberhilfe soll dort wie vorgesehen entstehen. Nicht gebaut wird laut Christiane Lehmacher-Dubberke, Sprecherin der Diakonie, eine Obdachlosenunterkunft mit 100 Plätzen.“

Jens Fischer ist für den Kreisverband Kreuzberg der SPD als Kassierer tätig. „Mit korrekter Buchführung kennt er sich also bestens aus. So einen können sie bei der Treberhilfe gut gebrauchen“, meldet der TAGESSPIEGEL.

Mitglied der SPD zu sein, ist per se nichts Kritikwürdiges. Man fragt sich allerdings schon, ob es im Sozialbereich vornehmlich Sozialdemokraten gibt. Und ob es in einer momentan derart aufgeladenen Stimmung die richtige Entscheidung ist, ein SPD-Mitglied mit so einer Aufgabe zu betrauen, weiß ich nicht. SPD-Mitglieder müssen sich natürlich nicht verstecken, aber in der öffentlichen Wahrnehmung sieht eben alles ein wenig anders aus. Da sind gerade zwei SPD-Mitglieder aus ihren Geschäftsführerjobs bei einer landeseigenen Wohnungsgesellschaft geworfen worden, ein SPD-Abgeordneter klebt (noch) an seinem Stuhl und versteht die Botschaft des Regierenden Bürgermeisters offenbar nicht. Ein SPD-Sozialunternehmer wurde kalt gestellt und durch einen anderen SPD-Mann ersetzt. Jens Fischer ist sicherlich genau der richtige Fachmann, den die Treberhilfe jetzt braucht. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass mal für eine gewisse Zeit die SPD-Nähe in den Hintergrund rücken würde. Es kann ja wohl nicht sein, dass es keine anderen fähigen Unternehmer gibt, die kein Parteibuch mit sich führen.

Davon einmal abgesehen kann man Jens Fischer und der Treberhilfe nur wünschen, dass langsam wieder Ruhe einkehren möge, zum Wohle der betreuten Menschen und zum Wohle der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Ed Koch


  
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