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Wem gehört die "Neue Chance gGmbH"?

geschrieben von: Redaktion am 01.10.2010, 11:20 Uhr
paperpress584 
Mit dem Begriff „Skandal“ ist die Sozialbranche in den letzten Monaten häufig, und meistens fahrlässig, belegt worden. Dabei geht es, um die Erinnerung aufzufrischen, um Einzelfälle, bei denen bislang nicht geklärt ist, ob es überhaupt Fälle sind. Auslöser der medialen Schlacht, die ihres Gleichen sucht, waren ein Dienstwagen und das Jahreseinkommen des Geschäftsführers der Treberhilfe, Harald Ehlert. Bis heute ist nicht bewiesen, ob es sich um Verfehlungen, Vorteilsname oder sonstiges handelt. Ob wegen eines „Luxusdienstwagens“ die Gemeinnützigkeit der Treberhilfe-Gesellschaft auf dem Spiel steht, ist ebenso ungeklärt, wie die Vorwürfe gegen Ehlert. Kein Verfahren ist abgeschlossen. Auch die so genannte „Kommission 75“ der Sozialverwaltung, hat noch nichts Handfestes vorgelegt. Natürlich muss die Frage erlaubt sein, warum alles so lange dauert. Zwischenzeitlich wurde und wird von interessierter Seite die Treberhilfe madig gemacht, wo sich nur eine Gelegenheit bietet. Harald Ehlert ist zum Buhmann der Sozialbranche geworden. Durch sein mächtiges Erscheinungsbild und forsches Auftreten, scheint er geradezu die Idealbesetzung für diese Rolle zu sein. Aber, das wird häufig vergessen: Ehlert ist nach wie vor ein unbescholtener Bürger, und die Treberhilfe ein anständiges Unternehmen. Das geht bei der Form der Berichterstattung, die uns seit Monaten beschäftigt, meistens unter. Und wenn man keine juristisch verwertbaren Angriffpunkte hat, wird die Moralkarte gespielt. Das ist angesichts des Zustandes unserer Gesellschaft wirklich lächerlich.
Die Wende?

Ziemlich überrascht waren die Beobachter des Kampfes zwischen Sozialverwaltung, Diakonie und Treberhilfe, als sie am Dienstag, dem 14. September 2010, im TAGESSPIEGEL einen Beitrag lasen, der schon in gewisser Weise eine Sensation ist. In den ersten drei Absätzen des Artikels geht es um Altbekanntes. Alle Vorwürfe werden noch einmal aufgelistet. Aber, wie gesagt, nichts davon ist bislang strafrelevant oder führt zu Konsequenzen gegen die Treberhilfe. Wochenlang ist von verschiedenen Seiten immer wieder behauptet worden, dass die Treberhilfe vor der Insolvenz stehe. Jetzt sagte Diakonie-Vorstand Thomas Dane dem TAGESSPIEGEL: „Eine Insolvenz steht nicht mehr unmittelbar bevor“. Das allein aus dem Munde von Herrn Dane zu hören, ist schon mehr als nur bemerkenswert. Viel überraschender ist jedoch die Aussage, dass die Diakonie die Geschäftsanteile der von ihr gegründete „Auffanggesellschaft“ „Neue Chance“ wieder abgegeben hat. Das teilte Herr Dane dem TAGESSPIEGEL mit. Zur Erinnerung: „Die Neue Chance gGmbH war eine 100%ige Tochtergesellschaft des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e.V. Die Gesellschafterfunktionen nahm der Vorstand des Diakonischen Werkes wahr.“ So stand es noch am 17.9.2010 auf der Internetseite www.neuechanceberlin.de. Inzwischen kann man auf der Seite nicht mehr erfahren, wem die Ge-sellschaft gehört. Auch unter „Aktuelles“ ist auf der Seite nichts zu finden. Abgegeben worden sein soll lt. TAGESSPIEGEL die „Neue Chance“ an die „Gesellschaft für betreutes Wohnen“. Das meldet auch die taz am 22.9.2010. „Die Diakonie hat ihre Anteile an der Neuen Chance zum 1. September dem sozialen Trä-ger Gebewo übertragen“. Unter www.gebewo.de findet man (Stand 1.10.2010) nichts über die „Neue Chance“, keinen Hinweis, keinen Link. Bei so viel Transpa-renz wird einem richtig schwindelig.

Die „GEBEWO soziale Dienste gGmbH“ ist ebenso wie die „Neue Chance gGmbH“ im Mitgliederverzeichnis des Diakonischen Werkes aufgeführt. Es fand also mal wieder ein Insichgeschäft statt. Eine Diakonie-Tochter wechselte zu einem anderen Diakonie-Mitglied. Es ist wirklich unglaublich, was in diesem Verband alles so geschieht. Ganz toll ist vor allem, dass man die Treberhilfe gezwungen hat, einen Aufsichts- und Betriebsrat zu installieren. Uns würde interessieren, bei wie vielen Mitgliedern der Diakonie und bei ihr selbst, ein Betriebsrat existiert. Da die Diakonie eine kirchliche Institution ist, fällt einem spontan der Vergleich von dem Splitter im Auge des anderen und dem Balken im eigenen ein.

Kümmern sich eigentlich mal die zuständigen Senatsverwaltungen um den Fall „Neue Chance“? Immerhin bietet die „Neu Chance“ den Jugendämtern ihre Dienste an. Das Verfahren ist ungewöhnlich, denn die Gesellschaft wendete sich nicht etwa an die Behördenleitungen, sondern an einzelne Sachbearbeiter.

Die „Neu Chance“ bietet die gleichen Leistungen wie die Treberhilfe an. Sie bemüht sich um Aufträge, das ist ihr gutes Recht. Konkurrenz belebt das Geschäft. Aber, sollte es nicht die Aufgabe der „Neuen Chance“ sein, als Auffanggesellschaft für die Treberhilfe zu dienen, wenn diese Pleite geht? Als Konkurrenzunternehmen, das Aufträge, Klienten und Mitarbeiter der Treberhilfe übernimmt, trägt sie doch unter Umständen eher dazu bei, dass die Treberhilfe geschwächt wird. Wie lautet eigentlich das Motto: Wenn die Treberhilfe nicht von alleine pleite geht, helfen wir nach?

Wir haben den Geschäftsführer der Treberhilfe Frank Biskup zu dem TAGESSPIEGEL-Artikel vom 14.9. 2010 befragt. Er sagte uns wörtlich: „Die Neue Chance hat über ehemalige Mitarbeiter der Treberhilfe Berlin massiv Klienten abgeworben. Dies unter dem Deckmantel des ethisch moralisch einwandfreien Umgangs und als Gegenpol zur angeblich ach so schlimmen Treberhilfe. Kaum wird auch für die langsam Denken-den offenbar, dass eine Insolvenz (obwohl von interessierten Kreisen immer wieder herbeigeredet) nicht bevorsteht, wird die ‚Ware’ Mensch (Klienten und Mitarbeiter) dem Vernehmen nach von der selbsternannten Moral-Instanz Diakonie an ein anderes Unternehmen weiter verkauft. Das ist zwar nicht verboten – ob es aber zur Transparenz im Umgang mit Klienten und Mitarbeitern beiträgt, ist zweifelhaft.

Wir müssen erst einmal davon ausgehen, dass diese Gesellschaft eben zu ähnlichen Bedingungen und Konditionen wie die Treberhilfe arbeiten wird. So ist die Neue Chance mit den Mitarbeitern und deren Klienten zu einem Spielball wirtschaftlich-diakonischer Interessen geworden.“

Es wird Zeit, dass die Diakonie einen Schlussstrich unter den Versuch zieht, eine Auffanggesellschaft in Reserve halten zu wollen. Und zwar nicht durch Ver-kauf, sondern durch Auflösung. Dazu böte sich eine wirklich „Neue Chance“, nämlich mit dem Nachfolger des Diakonie-Vorstands Thomas Dane.

Ed Koch

  
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