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Das Jugendamt: Unterstützung, die ankommt

geschrieben von: Redaktion am 20.03.2011, 11:48 Uhr
paperpress589 
Jugendämter haben einen schlechten Ruf, weil sie in der Öffentlichkeit häufig als eine Behörde wahrgenommen werden, die Eltern ihre Kinder wegnimmt oder mal wieder unfähig war, eine Kindesmisshandlung zu verhindern. Dass kein Kind den Eltern aus Böswilligkeit entzogen wird, und dass für so einen Fall eine richterliche Entscheidung notwendig ist, wird selten ausführlich dargestellt. Um Kindesmisshandlungen wirksam zu bekämpfen, müsste der Staat jeder Familie einen Sozialarbeiter zuteilen. Das ist natürlich Unsinn. Die Regionalen Sozialdienste sind meist unterbesetzt und die Sozialarbeiter schrammen ständig am Limit der Leistungsfähigkeit vorbei. Seit Jahrzehnten gelten die Jugendämter als Sparbüchse der Finanzpolitiker.
Einrichtungen und Dienste wurden und werden an freie Träger abgegeben, weil man eigenes Personal und Geld einsparen muss. Aufgaben an freie Träger zu übertragen, ist nicht verwerflich, ganz im Gegenteil. Es geschieht bloß meistens nicht aus inhaltlichen, sondern finanziellen Gründen, und das ist verwerflich.

Gerade im Bereich der vorbeugenden Kinder- und Jugendarbeit, also beispielsweise im Betreiben von Freizeiteinrichtungen, ist in den letzten Jahren immer mehr gekürzt worden. Schön, wenn eine Freizeiteinrichtung dadurch gerettet werden kann, dass man sie an einen freien Träger überträgt. In vielen Fällen wurden aber Einrichtungen einfach geschlossen, weil nicht einmal mehr das Geld vorhanden war, um dem freien Träger eine Zuwendung zu bezahlen. Präventive Aufgaben, so genannte freiwillige Leistungen, zählen nichts bei den Finanzern. Und wenn es um gesetzliche Leistungen, wie beispielsweise Hilfen zur Erziehung geht, erregen sich die Finanzer erneut, weil die Kosten zu hoch sind. Nicht selten wird Jugendämtern unterstellt, sie gingen zu großzügig mit der Verteilung der Hilfen um. Als wenn das ein Finanzpolitiker beurteilen könnte. Noch gelten das Wort und die Beurteilung der Fachleute. Wenn eine Hilfe erforderlich ist, muss sie gewährt werden, egal, ob die Mittel dafür im Haushaltsplan schon aufgebraucht sind oder nicht.

Neben den gesetzlichen Leistungen der Jugendämter gab es – zumindest in Berlin – früher noch eine breite Palette anderer Angebote zum Beispiel im Bereich der Politischen Bildung und der Internationalen Jugendarbeit. Jugendämter veranstalteten Aktionen in „Licht, Luft und Sonne“. Ferienzeltlager und Freizeiten für Kinder und Jugendliche. Was ist davon übrig geblieben? So gut wie nichts.

Hätte der Autor dieses Beitrages, der über 40 Jahre als Sozialarbeiter in der offenen Jugendarbeit haupt- und ehrenamtlich tätig ist, nicht so eine gute Erziehung seitens seiner Eltern genossen, würde er jedem Politiker auf die Schnauze hauen, der sagt, „Kinder sind unsere Zukunft.“ Natürlich sind sie das. Bloß warum investiert man so wenig in diese Zukunft? Mir ist selbstverständlich bekannt, was der Senat alles für die Bildung und für die Kitas getan hat. Wie sinnvoll ist es jedoch, immer weitere Schulen zu schließen oder einen Kitaplatz kostenlos anzubieten, wenn gleichzeitig die Tagesstätten der Eigenbetriebe durch den Senat nicht ausreichend finanziert werden? Die Konzepte haken an allen Enden.

Die Jugendämter müssen täglich aus wenig viel machen, denn die Erwartungen sind hoch. Wer vom Jugendamt finanzielle Unterstützung erwartet, der steht regelmäßig vor der Tür und fordert diese (zu Recht) ein. Dennoch haben die Ämter kein gutes Standing im gesellschaftlichen Ansehen. Und was macht man dagegen?

Eine Imagekampagne

Zitat: Unter dem Motto „Das Jugendamt. Unterstützung, die ankommt." laden die Jugendämter in Deutschland Bürgerinnen und Bürger ein, sich über die Aufgaben und Angebote der rund 600 Jugendämter in Deutschland zu informieren. In den Aktionswochen vom 3. Mai bis zum 8. Juni 2011beteiligen sich Jugendämter bundesweit mit vielfältigen Aktionen und Veranstaltungen an der Kampagne. Ob mit einem Tag der offenen Tür, einem Familienfest oder einer Vortragsreihe - das Ziel der Jugendämter ist es, ihre Kompetenzen und Leistungen in der Öffentlichkeit vorzustellen und Kinder, Jugendliche und Erwachsene zum Dialog einzuladen.

Am 3. Mai findet der Auftakt in Berlin mit Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder (CDU) statt: „Die Arbeit der Jugendämter ist unverzichtbar, damit alle Eltern und Kinder die Chance haben, sicher, gesund und glücklich zusammenzuleben. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begleiten Kinder, Jugendliche und Eltern in schwierigen Situationen mit qualifizierten Leistungs- und Beratungsangeboten in den unterschiedlichen Lebensphasen. Sie leisten einen wichtigen Beitrag dazu, dass möglichst alle Eltern in die Lage versetzt werden! die alltäglichen Herausforderungen der Erziehung meistern zu können."

Engagiert und professionell

Von der Organisation einer qualitätsvollen Kinderbetreuung über die Erziehungsberatunq, den Schutz des Kindeswohls und die Förderung von Jugendlichen bis hin zur Schaffung einer Kinder- und familienfreundlichen Umwelt:

Die rund 600 Jugendämter in Deutschland sind in vielfältiger Weise für die Bildung, Beratung und Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Eltern verantwortlich. Dabei setzt das Jugendamt auf vorbeugende, Familienunterstützende Angebote, die dazu beitragen, positive Lebensbedingungen für Familien zu schaffen.

„Die Fachkräfte in den Jugendämtern sind Profis für alle Fragen rund um die Erziehung. Viele Leistungen der Jugendämter sind in der Öffentlichkeit aber wenig bekannt. Unsere Aktionswochen laden Eltern, Kinder und Jugendliche dazu ein, die Arbeit der Jugendämter kennen zu lernen und die zahlreichen Angebote zu nutzen", berichtet Birgit Zeller, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Landesjugendämter.

Die Kampagne wird von der BAG Landesjugendämter gemeinsam mit den Jugendämtern in den Städten und Landkreisen umgesetzt. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie die kommunalen Spitzenverbände unterstützen die Kampagne. Zum Abschluss kommen die Akteure am 8. Juni 2011 im Rahmen des 14. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetags in Stuttgart zusammen.

Weitere Informationen:
www.unterstuetzung-die-ankommt.de

Den Text der Kampagne kann man getrost unterschreiben. Letztlich wird es aber nicht reichen, den Bürgerinnen und Bürgern ihr Jugendamt näher zu bringen, wenn keine Bereitschaft zur auskömmlichen Finanzierung besteht. Dennoch unterstützen wir diese Kampagne, weil es wichtig ist, dass die Jugendämter aus ihren verstaubten Behördenecken herauskommen. Wenn die Menschen begreifen und erfahren, dass das Jugendamt für und nicht gegen sie eingestellt ist, hat sich der Aufwand dieser bundesweiten Aktion schon gelohnt. „Unterstützung, die ankommt!“ Dieses Motto ist klug gewählt. Hoffen wir, dass sich der Aufwand lohnt.

Ed Koch


Hintergrundinformationen:

Geschichte des Jugendamtes
in Deutschland:
von der Gründung bis heute

Das Jugendamt als örtlicher Träger der Jugendhilfe ist eine etwa 100 Jahre alte Institution

Die Existenz des Jugendamtes geht auf das Reichsjugendwohlfahrtsgesetz (RJWG) von 1922 zurück, das erstmals Kornmunen verpflichtete, eigenständige Jugendämter einzurichten.

Nach 1933 übernahm das NS-Regime die Kontrolle über die Jugendwohlfahrt und übertrug Bürgermeistern und Landräten die Geschäftsführung der Jugendämter.

Von 1947 bis 1953 waren die Jugendämter dem Innenministerium zugeordnet.

1953 wurde die öffentliche Jugendhilfe wieder in die Selbstverwaltung der Kommunen überführt. Das RJWG wurde erneut in Kraft gesetzt und die Einrichtung von Jugendämtern, die seither aus der Jugendamtsverwaltung und dem Jugendhilfeausschuss bestehen, wieder vorgeschrieben.

Am 11. August 1961 wurde das RJWG in „Jugendwohlfahrtsgesetz" (JWG) umbenannt. Die Gesetzesnovelle führte erstmals individuelle Rechtsansprüche auf Leistungen der Jugendhilfe ein und stärkte die Position der freien Träger.

Ende 1990 verabschiedete der Bundestag das Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG), SGB VIII, das einen Wandlungsprozess anstieß: Das Jugendamt entwickelte sich zur dienstleistungsorientierten Fachbehörde. Neben der Schaffung einer kinderfreundlichen Umwelt und der Förderung junger Menschen rücken vor allem die Beratung und Unterstützung von Eltern bei der Erziehung in den Mittelpunkt. Der Hilfe zur Selbsthilfe, der Beteiligung der Betroffenen an allen Entscheidungen und der Autonomie der Familie kommt ein hoher Stellenwert zu. Nur wenn Eltern Unterstützung ablehnen, ihre Erziehungsverantwortung aber nicht ausreichend wahrnehmen oder sie missbrauchen, ist das Jugendamt verpflichtet, unmittelbar den Schutz und das Wohl von Kindern zu gewährleisten. Dazu kann es auch im Zusammenwirken mit dem Familiengericht die R echte von Eltern begrenzen.

Gesetzliche Neuregelungen konkretisierten in den vergangenen Jahren vor allem die Aufgaben des Jugendamtes zum Schutz von Kindern und Jugendlichen bei Gefährdungen und bauten die Kindertagesbetreuung weiter aus.

Quellen: Schilling, Johannes (1997): Soziale Arbeit. Entwicklungslinien der Sozialpädagogik/Sozialarbeit. Neuwied u.a. Merchel, Joachim (2003): Trägerstrukturen der sozialen Arbeit. Eine Einführung. Weinheim, München.


Daten und Fakten zur Situation
Von Familien, Kindern
und Jugendlichen in Deutschland

2009 lebten insgesamt 81,8 Millionen Menschen in Deutschland. Davon waren 20,3 Millionen Kinder und Jugendliche bis 25 Jahre, 11 Millionen unter 15 Jahre und 9,3 Millionen 15 bis 25 Jahre alt.

Die Gesamtzahl aller Familien in Deutschland betrug 2009 11,9 Millionen:

• 71 % (8,5 Millionen) der Familien waren Ehepaare mit Kindern.

• 22 % (2,6 Millionen) allein erziehende Mütter und Väter mit Kindern

• 7 % (808.000) Lebensgemeinschaften mit Kindern

Unabhängig von den Formen des Zusammenlebens stellt Erziehung für viele Familien eine echte Herauforderung dar. Das zeigt der steigende Beratungsbedarf: 2009 hat für mehr als 500.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland eine erzieherische Hilfe begonnen. Gründe für die Unterstützung sind unter anderem: Belastung der jungen Menschen durch familiäre Konflikte, eingeschränkte Erziehungskompetenz der Eltern, unzureichende Förderung, Betreuung und Versorgung in der Familie sowie schulische oder berufliche Probleme der jungen Menschen.

Quellen: Statistisches Bundesamt (www.destatis.de), Daten zur Bevölkerung in Deutschland nach Altersgruppen. Statistisches Bundesamt. Gesundheitsberichterstattung des Bundes (www.gbe-bund.de), Tabellen Farmilien, Mikrozensus. Bundeskinderschutzgesetz, Zahlen und Daten, NZFH 2010. Statistisches Bundesamt (www.destatis.de). Pressemitteilung Nr. 359 vom 7.10.2010.

Daten und Fakten zu den
Jugendämtern in Deutschland

Organisation der Jugendämter

In Deutschland gibt es 591 Jugendämter (Stand: 15.1.2011)

Nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) muss jeder Landkreis und jede kreisfreie Stadt ein Jugendamt einrichten (§ 69 Abs. 3 SGB VIII). Überörtliche Aufgaben wie z. B. die Fortbildung der Fachkräften oder die Entwicklung von Empfehlungen und Arbeitshilfen nimmt in jedem Bundesland das jeweilige Landesjugendamt wahr.

Für die Ausgestaltung und Umsetzung der Aufgaben ist der Landkreis bzw. die Stadt zuständig. Die Verantwortung trägt die Landrätin/der Landrat oder die Oberbürgermeisterin/der Oberbürgermeister.

Aufbau und Organisation der Jugendämter unterscheiden sich je nach Größe und sozialer Struktur der Stadt oder des Landkreises, nach kommunalpolitischen Schwerpunktsetzungen und verwaltungsinternen Richtlinien.
Die Organisationsstruktur der Jugendämter ist zweigliedrig: Ein Jugendamt besteht neben der Verwaltung aus dem Jugendhilfeausschuss, einem Entscheidungsgremium, das sich sowohl aus Vertreterinnen und Vertretern politischer Parteien als auch aus Fachkräften der Jugendhilfe vor Ort zusammensetzt.

Gesetzlicher Auftrag der Jugendämter

Die Aufgaben der Jugendhilfe sind im Kinder- und Jugendhilfegesetz geregelt. Oberster Auftrag der Jugendhilfe ist es, junge Menschen in ihrer Entwicklung zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten zu fördern.

Die Leistungen und Aufgaben der Jugendhilfe werden gemeinsam von freien Trägern und vom Jugendamt erbracht. Nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz trägt das Jugendamt in doppelter Weise die Gesamtverantwortung:

Sicherstellung der Infrastruktur: Das Jugendamt ist dafür verantwortlich, dass in der jeweiligen Stadt bzw. dem Kreis genügend gut erreichbare Angebote der Kinder- und Jugendhilfe zur Verfügung stehen. Die Angebote können durch freie Träger oder durch das Jugendamt selbst erbracht werden.

Gewährleistungsverantwortung: Kinder, Jugendliche und Familien haben Ansprüche und Rechte. Das ist vorrangig das Recht auf Entwicklungsförderung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit. Weitere Rechte sind z. B. das Recht auf Schutz vor Gefährdungen, das Recht auf einen Kindergartenplatz und das Recht auf Beteiligung. Das Jugendamt garantiert, dass die Rechtsansprüche erfüllt und gesetzliche Vorgaben eingehalten werden, auch wenn ein konkretes Angebot wie z. B. sozialpädagogische Familienhilfe von einem freien Träger durchgeführt wird.

Die Aufgabenbereiche im Überblick

Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und erzieherischer Kinder- und Jugendschutz

Zum Beispiel: Förderung der Jugendverbände, Jugendzentren, Projekte für benachteiligte Jugendliche, Elternbildung zur Medienerziehung oder zur Suchtvorbeugung.

In Deutschland profitieren Kinder, Jugendliche und Familien von etwa 18.000 Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit, die die Jugendämter direkt betreiben oder über finanzielle Zuwendungen fördern. Dort arbeiten 49.000 Fachkräfte.

2008 wurden insgesamt 89.150 Maßnahmen der Jugendarbeit - außerschulische Jugendbildung, Kinder- und Jugenderholung, internationale Jugendarbeit und Fortbildungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern - von öffentlichen stellen finanziell gefördert.

Quelle: Statistisches Bundesamt (www.destatis.de), Pressemitteilung Nr. 485 vom 14.12.2009.

Förderung der Erziehung in der Familie

Zum Beispiel: Familienbildung, Beratung in allgemeinen Fragen der Erziehung, Familienerholung, Beratung bei Trennung oder Scheidung der Eltern

Im Jahr 2008 haben die Jugendämter 119,3 Millionen Euro in die „Allgemeine Förderung der Familie" investiert.

Quelle: Arbeitsstelle Knder- und Jugendhilfestatistik an der Technischen Universität Dortmund
(http://www.alqstat.uni-dortmund.de)

Kindertagesbetreuung

Zum Beispiel: Kindergarten, Tagesmütter und -väter, Kinderkrippe, Hort

92,6 % (1.922.168) aller Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren besuchten 2010 eine Kindertageseinrichtung.

23,1 % (472.000) aller Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren wurden 2010 in Kindertageseinrichtungen oder in öffentlich geförderter Kindertagespflege betreut.

Der Ausbau der Kinderbetreuung, insbesondere für unter Dreijährige, ist eine gesetzliche Aufgabe und aktuell ein zentraler Arbeitsschwerpunkt der Jugendämter vor Ort. Er umfasst sowohl quantitativ die Erweiterung des Platzangebots wie auch qualitativ z. B. die Umsetzung des Bildungsauftrags in der frühkindlichen Erziehung.

Quelle: Statistisches Bundesamt (www.destatis.de). Pressemitteilung Nr. 409 vom 10.11.20 10

Hilfen zur Erziehung

Zum Beispiel: Erziehungsberatung, sozialpädagogische Familienhilfe, Gruppenangebote zum sozialen Lernen, Erziehungsbeistandschaften, Erziehung in einer Pflegefamilie, Heimerziehung, intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung

2009 hat für 509.404 junge Menschen eine Hilfe zur Erziehung begonnen. Insgesamt wurden 954.398 Kinder, Jugendliche und junge Volljährige von Leistungen der Hilfen zur Erziehung erreicht. Rechnerisch nahmen damit etwa 6 % eine entsprechende Leistung in Anspruch.

Hilfen zur Erziehung sind zu einem großen Teil ambulante Leistungen. 442.836 Kinder, Jugendliche und Erziehungsberechtigte nutzten 2009 die Angebote der Erziehungsberatungsstellen. 226.421 weitere ambulante Hilfen erreichten zudem 346.288 junge Menschen im Rahmen von anderen Angeboten wie z. B. sozialpädagogische Familienhilfe und leisteten einen Beitrag zur Ergänzung und Unterstützung familiärer Erziehung.

Die Notwendigkeit einer Vollzeitpflege oder Heimerziehung war 2009 bei 165.274 jungen Menschen gegeben: 69.972 lebten bei Pflegefamilien und 95.302 in Heimen oder betreuten Wohnformen.
Quelle: Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendhilfestatistik an der Technischen Universität Dortmund. (http://www.af Kinderschutz

Zum Beispiel: Hilfen für Kinder, die in ihrer Entwicklung gefährdet sind, körperlich misshandelt oder sexuell missbraucht werden, Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen

33.700 Kinder und Jugendliche wurden 2009 durch die Jugendämter in Obhut genommen. Eine lnobhutnahme ist eine kurzfristige Maßnahme der Jugendämter zum Schutz von Kindern und Jugendlichen, wenn sie sich in einer akuten, sie gefährdenden Situation befinden. Jugendämter nehmen Minderjährige auf deren eigenen Wunsch, auf Wunsch der Erziehungsberechtigten oder auf Initiative Anderer (etwa der Polizei oder von Erzieherinnen bzw. Erziehern) in Obhut und sorgen dafür - meistens für Stunden oder einige Tage - dass sie an einem geschützten Ort gut betreut in Sicherheit sind.

24 % (8.212) der Inobhutnahmen wurden auf eigenen Wunsch und

75 % (25.188) von Amts wegen aufgrund akuter Gefährdung veranlasst.

1 % (310) der lnobhutnahmen waren so genannte Herausnahmen, das heißt, die Kinder wurden gegen den erklärten Willen der Sorgeberechtigten zu ihrem Schutz in Obhut genommen.

Für die Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen gibt es vielfältige Gründe, z.B.:

Bei 44 % (14.756) ist die Überforderung der Erziehungsberechtigten der Grund.

Bei 22 % (7.231) waren Beziehungsprobleme ausschlaggebend.

Knapp 2 % (612) erfolgten aufgrund von Anzeichen für sexuellen Missbrauch.

Weil eine Gefährdung des Kindeswohls anders nicht abzuwenden war, haben die Gerichte in Deutschland im Jahr 2009 in etwa 12.200 Fällen den vollständigen oder teilweisen Entzug der elterlichen Sorge angeordnet. In etwa 9.500 Fällen übertrugen die Gerichte das Sorgerecht ganz oder teilweise auf die Jugendämter. In den übrigen Fällen wurde das Sorgerecht z.B. von Einzelperson en übernommen.

Quellen: Statistisches Bundesamt (www.destatis.de). Pressemitteilung Nr. 234 vorn 25.06.2009. Statistisches Bundesamt (www.destatis.de). Pressemitteilung Nr. 250 vorm 15.7.2010. Statistisches Bundesamt www.destatis.de), Kinder- und Jugendhilfestatistiken. Vorläufige Schutzmaßnahmen 2009.

Beistandschaft, Vormundschaft, Pflegschaft

Zum Beispiel: Beratung und Unterstützung Alleinerziehender u. a. bei der gerichtlichen Feststellung der Vaterschaft oder der Geltendmachung von Unterhaltsansprüchen (Beistandschaft); Ausübung des Sorgerechts durch das Jugendamt oder durch einen Einzelvormund, wenn Eltern die Interessen ihrer Kinder nicht (Vormundschaft, z B. nach einem Sorgerechtsentzug oder bei Minderjährigen Müttern) oder nur zum Teil (Pflegschaft) vertreten können oder dürfen.
2009 unterstützten die Jugendämter 640.151 Kinder und Jugendliche durch eine Beistandschaft. Eine Beistandschaft kann von Alleinerziehenden beantragt werden.

Für 31.082 Kinder und Jugendliche hat das Jugendamt zu diesem Zeitpunkt nach einem Sorgerechtsentzug die Vormundschaft ausgeübt.

Quelle: Statistisches Bundesamt (www.destatis.de), Kinder- und Jugendhilfestatistiken - Pfleg-, Vormund-, Beistandschaften, Pflegeerlaubnis 2009

Adoption

Vermittlung von Kindern, die zur Adoption freigegeben wurden, Mitwirkung bei Auslandsadoptionen

2009 vermittelten die Jugendämter 3.888 Adoptivkinder. In etwa der Hälfte der Fälle handelte es sich dabei um Stiefkind- und Verwandtenadoptionen.

Quelle: Statistisches Bundesamt (www.destatis.de). Pressemitteilung Nr. 273 vom 4.8.2010.

Hilfe für Jugendliche im Strafverfahren

Zum Beispiel: Mitwirkung bei Gerichtsverfahren gegen straffällige Jugendliche, Vermittlung von Täter-Opfer-Ausgleich, soziale Trainingskurse

Im Jahr 2008 begleitete und unterstützte jeder Jugendgerichtshelfer durchschnittlich 300 Jugendliche in ihren Strafverfahren.

Quelle: Hoops, Sabrina/Holthusen, Bernd; Das Jugendgerichtshilfeb@rometer. Aktuelle Daten zu Organisation, Kooperation und aktuellen Entwicklungen der Jugendhilfen im Strafverfahren.

Elterngeld, Unterhaltsvorschuss

In vielen Bundesländern sind Jugendämter zuständig für die Auszahlung des Elterngeldes und unterstützen Alleinerziellende finanziell durch Vorschusszahlungen und bei der Durchsetzung ihrer Rechte, z. B. wenn Väter ihren Unterhaltspflichten nicht nachkommen.

Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe

In den Arbeits- und Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe wurden Anfang 2007 knapp 80.0000 Einrichtungen und etwa 619.000 tätige Personen gezählt.

69 % der Beschäftigten arbeiteten in Kindertageseinrichtungen,

12 % in Diensten und Einrichtungen der Hilfen zur Erziehung,

7 % im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit und

6 % in den Jugendamtsverwaltungen.

Zu über 80 % verfügen die Beschäftigten in der Kinder- und Jugendhilfe über einen sozialpädagogisch einschlägigen Berufsabschluss.

Quellen: Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik an der Technischen Universität Dortmund (http://www.akjstat.uni-doltmund.de): komDat Jugendhilfe, 2008, Heft 1 & 2 Autorengruppe Bildungsberichterstattung (Hrsg.): Bildung in Deutschland 2010 (www.bildungsbericht.de)

Ausgaben für die Kinder- und Jugendhilfe

26,9 Milliarden Euro war Bund, Ländern und Gemeinden in 2009 die professionelle Unterstützung, Beratung und Begleitung von Kindern, Jugendlichen und Familien wert: Dieses Volumen wurde insgesamt in die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe investiert - eine Steigerung um 9,4 % (2,3 Milliarden Euro) gegenüber 2008. Hauptgründe für diesen Kostenanstieg sind der qualitative und quantitative Ausbau der Kindertagesbetreuung und der gestiegene Bedarf an Hilfen zur Erziehung. Denn immer mehr Familien benötigen Unterstützung, wenn es um Erziehung geht.

60,2 % (16,2 Milliarden Euro) der Gesamtausgaben flossen in die Kindertagesbetreuung. So wurde der Ausbau der Infrastruktur voran gebracht, die Eltern die Balance zwischen Beruf und Familie sowie Kindern eine positive Entwicllung ermöglicht.

26,4 % (7,1 Milliarden Euro) wurden für Hilfen zur Erziehung aufgewendet, die Kindern, Jugendlichen und Familien helfen, Probleme, Konflikte und Krisen zu meistern.

5,8% (1,6 Milliarden Euro) gaben Bund, Länder und Gemeinden für Maßnahmen und Einrichtungen der Jugendarbeit aus, zum Beispiel für außerschulische Jugendbildung, Kinder- und Jugenderholung oder Jugendzentren.

0,5 % (142 Millionen Euro) wurden für den Schutz von Kindern aufgewendet. Dazu zählt insbesondere die Inobhutnahme bei Gefährdung des Kindeswohls.

Quelle: Statistisches Bundesamt (www.destatis.de). Pressemitteilung Nr. 477 vom 20.12.2010
Weitere Informationen: www.unterstuetzung-die-ankommt.de

Gesamtangaben entnommen der Pressemappe der Aktion „Das Jugendamt. Unterstützung, die ankommt.“ neues handeln GmbH Kommunikation für gesellschaftliche Themen.

Anmerkungen:

Von unseren Lesern wissen wir, dass sie auch so schwer verdauliche Beiträge mit großer Aufmerksamkeit lesen. Es ist höchst beachtlich, was die Jugendämter in Deutschland leisten. Schön, dass dem Bund, den Ländern und Gemeinden das Gedöns (Zitat Gerhard Schröder) rund 27 Mrd. Euro WERT ist. Die Summe entspricht zwar neun Prozent vom Bundeshaushalt. Aber natürlich viel weniger von dem Betrag, den der Bundes- und alle Länderhaushalte insgesamt ausmachen und nur ein Prozent vom Bruttoinlandsprodukt in Deutschland. Es ist eben alles relativ. Die Statistischen Zahlen der Jugendhilfe sind beachtlich. Sie berichten jedoch nicht darüber, wie viele Kinder- und Jugendeinrichtungen geschlossen und wie viele Personalstellen in den Jugendämtern abgebaut wurden. Die Kampagne der deutschen Jugendämter könnte vielleicht dazu führen, dass diese in das Bewusstsein vor allem auch der Politik stärker nach vorne rückt. Es geht um mehr als Gedöns.

Ed Koch

  
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