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Das Ende eines Märchens

geschrieben von: Redaktion am 20.03.2011, 11:51 Uhr
paperpress589 
Märchen gehen meistens gut aus. Vielleicht war Knut auch gar kein Märchen. Gab es ihn wirklich, den kleinen Eisbären, der sich im Laufe von vier Jahren zu einem großen schweren Jungen entwickelt hatte? Tausende werden ja sagen, denn sie haben ihn live gesehen, immer und immer wieder. Für den Berliner Zoo war Knut mehr als nur ein gutes Geschäft. Wie traurig muss es in unserer Gesellschaft zugehen, wenn sich die Menschen in einen Bären verlieben, weil sie vermutlich von ihren eigenen Artgenossen genug haben? Erst stirbt vor zweieinhalb Jahren der Ziehvater des Eisbären, nun er selbst. Unerwartet, ohne irgendein vorheriges Anzeichen, bei Thomas Dörflein ebenso wie bei seinem Kuscheltier.
Dieses Jahr fing nicht gut an. Schon am 3. Januar musste ich die schwarze Krawatte umbinden und einen alten Freund zu Grabe tragen. Im Freundes- und Bekanntenkreis ging es danach immer weiter. Die schwarze Krawatte stets griffbereit. Gerhard Hellwig, der Gründer der Schöneberger Sängerknaben, verabschiedete sich von dieser Welt, der frühere Regierende Bürgermeister Dietrich Stobbe verstarb, um nur zwei bekanntere Namen zu nennen. Heute stoße ich in den Todesanzeigen erst einmal auf meinen eigenen Namen, erkenne aber schnell, dass ich weder 1924 geboren bin, noch Zolloberamtsrat war, und ich letztlich den Eindruck habe, noch zu leben.

Warren Christopher ist tot, der ehemalige US-Außenminister. Ich hatte ihn beim Besuch von Bill Clinton in Berlin kennen gelernt. Ein netter älterer Herr, nun ist er 85-jährig in Los Angeles verstorben. Zwei Jahre älter ist Lisa Wiesler geworden. Auch an sie bleibt nur die Erinnerung. Sie war Rechtsanwältin, vor allem aber Sozialdemokratin mit einem wachen Gespür für Gerechtigkeit. Auch Wolfgang Spier, der König des Boulevard-Theaters, ist gestorben. Ein Mann, der jahrzehntelang die Menschen in seinen Rollen und mit seinen Stücken zum Lachen brachte.

Natürlich berühren uns die Todesanzeigen von Menschen, die wir persönlich kannten, sehr intensiv. Die ständig wiederholten Bilder im Fernsehen vom tausendfachen Tod in Japan sind zu abstrakt. Vielmehr interessiert uns, ob Wetterlagen möglich sind, die atomar verseuchte Luft bis zu uns bringen könnte. Dass Gaddafi seine Bürger ermordet, nehmen wir zur Kenntnis und freuen uns darüber, dass jetzt die USA, Frankreich und Groß Britannien den Despoten aufs Korn nehmen. Wieder sterben Menschen.

Ist es richtig, dass in all diesem Chaos die BZ am Sonntag mit einem 16-seitigen Sonderteil über den Tod von Knut berichtet und der RBB gestern Abend sein Programm umstellte und einen Bericht zur Primetime über das Leben des Eisbären sendete? Vielleicht ja. Die Trauer um ein Tier, das für viele Menschen zum Alltag gehörte, ist konkret und sie bietet einen Anlass, den ganzen aufgestauten Emotionen freien Lauf zu lassen. Um 15.22 Uhr starb am Samstag Knut. Um 15.45 Uhr, schreibt die BZ, begann der Luftkrieg gegen Libyen. Diesmal haben andere zurückgeschossen. Und wo bleibt das Positive: Morgen ist Frühlingsanfang.

Ed Koch

  
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