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Treberhilfe: Nur die halbe Wahrheit

geschrieben von: Redaktion am 17.11.2011, 10:06 Uhr
paperpress597 
Natürlich wird heute in allen Medien über die längst erwartete Insolvenz der Treberhilfe berichtet. Dass allerdings „mit der Insolvenz eine Affäre zu Ende geht, die Anfang 2010 mit einer rasanten Fahrt ....auf einer Landstraße im Müritzkreis begann“, wie DER TAGESSPIEGEL schreibt, darf bezweifelt werden. Der Vorgang Treberhilfe ist längst noch nicht beendet.
Leider schreiben die meisten Zeitungen nur die halbe Wahrheit. Die Insolvenz der Treberhilfe wurde nicht durch den Maserati oder das stattliche Gehalt von Firmengründer Harald Ehlert verursacht, sondern weil die öffentlichen Auftraggeber in Millionenhöhe die Verträge mit der Treberhilfe kündigten und dem Unternehmen auf diese Weise nach und nach die Einkünfte entzogen, wie als einzige Zeitung die BERLINER MORGENPOST heute richtig schreibt.

Nicht nur das. Rechnungen der Treberhilfe wurden offenbar liegen gelassen. Wie hoch die Außenstände der Treberhilfe sind, hat der beredte Insolvenzverwalter bislang nicht mitgeteilt. Die Treberhilfe bezifferte vor einigen Monaten die Außenstände mit über einer Million Euro. Anstatt jedoch in die Offensive zu gehen, schweigt die Treberhilfe derzeit. Gab es noch vor einiger Zeit regelmäßig Pressekonferenzen, auf denen ebenso regelmäßig neue Geschäftsführer vorgestellt wurden, so schweigt man sich jetzt aus. Die BERLINER MORGENPOST meldet: „Gideon Joffe ist als Geschäftsführer längst von Stephan Hildebrandt abgelöst worden.“ Nun, Gideon Joffe steht nach wie vor als Geschäftsführer auf der Internetseite der Treberhilfe. Auf dieser Seite ist aber auch die letzte „aktuelle Pressemitteilung“ vom 17.12.2010.

Immer wieder wird behauptet, dass die scheidende Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke) gegen Harald Ehlert eine Strafanzeige erstattet habe. Eine unrichtige Aussage wird durch ständiges wiederholen nicht wahrer. Tatsache ist, dass sich Frau Bluhm, ohne eigene Erkenntnisse in dieser Sache zu haben, einer Strafanzeige des Diakonischen Werkes lediglich angeschlossen hat. Entschieden ist bis heute nichts. Es gibt also gegen Harald Ehlert nicht einmal ein eröffnetes Verfahren. „Auch die Finanzbehörden leiteten eine Prüfung ein, die noch nicht abgeschlossen ist“, schreibt die BERLINER MORGENPOST. Nichts ist abgeschlossen, kein Verfahren, kein Urteil. Bei jemanden, der als Sozialunternehmer einen Maserati fährt und monatlich so viel verdient wie die Bundeskanzlerin, braucht man in dieser Gesellschaft auch kein rechtskräftiges Urteil. Es gilt das gesunde Volksempfinden, verbreitet durch die Medien.

Ehlert war nie Mutter Theresa, sondern ein knallhart kalkulierender Unternehmer, dem es vielleicht nicht gleichgültig war, ob er mit Marmelade oder Obdachlosenquartiere handelt, der allerdings seine Firma kaufmännisch und nicht sozialromantisch führte. So wie es übrigens in fast allen Sozialunternehmen der Stadt und des Landes üblich ist. Die Treberhilfe war keineswegs vom Umsatz her der größte Player im Social-Business. Da gibt es ganz andere, bei denen es um viel mehr Geld geht. Und alle leisten für ihre Klienten eine ordentliche Arbeit. So wie man von einem Straßenbauunternehmen erwartet, dass der Belag hält, erwartet der Staat, dass es den Menschen, die von einem Sozialunternehmen betreut werden, gut geht. Niemand würde auf die Idee kommen, sich über den Dienstwagen oder das Monatsgehalt des Geschäftsführers einer Straßenbaugesellschaft aufzuregen. Der Straßenbau wird übrigens auch aus Steuermitteln finanziert, und da geht es um ganz andere Summen als bei der Unterbringung von Obdachlosen. Ich weiß, jetzt kommt wieder der Einwand, aber die Sozialunternehmen sind doch gemeinnützig. Mit Verlaub, das ist scheißegal. Wer profitiert denn von der Gemeinnützigkeit der Sozialunternehmen? Die Klienten? Nein. Der Staat selbst. Durch die Befreiung von der Körperschaftssteuer können die Sozialunternehmen ihre Leistungen preiswert anbieten. Und das heißt, der Staat spart auf diesem Wege das Geld ein, das er als Steuererleichterung gewährt hat.

Entzieht doch einfach allen Sozialunternehmen die Gemeinnützigkeit und lasst sie die Steuern bezahlen, die gewerbliche – die gibt es nämlich auch – Sozialunternehmen zahlen müssen. Die Betreuungssätze würden zwar steigen, aber dieses pseudomoralische Gemeinnützigkeitsgequatsche würde endlich aufhören.

Die Treberhilfe hatte früher einen guten Ruf, erinnert sich die BERLINER ZEITUNG. Und alles sei zu Ende gewesen wegen des Maseratis und der Gehälter. Hungerlöhne seinen gezahlt worden, während sich die Treberhilfebosse das Geld in die Tasche steckten. Bei welcher Pressekonferenz hat die BERLINER ZEITUNG gefehlt? Ist nicht glaubhaft dargestellt worden, dass die Gehälter bei diesem Sozialunternehmen teilweise besser waren als bei staatlichen Stellen? Wollen wir hier wirklich eine Debatte über Hungerlöhne aufmachen, wo sich gerade fast alle auf eine Mindestbezahlung verständigen?

Dass erst durch die Geschwindigkeitsübertretung in der Provinz der Maserati aufgefallen sei, ist derartig verlogen, dass sich wirklich die Balken biegen. Die Sozialbranche und vor allem die Politik wussten genau, mit welchem Auto Ehlert durch die Gegend fuhr. Keinen hat es interessiert. Und warum? Weil die Treberhilfe gute Arbeit leistete und immer wieder neue Ideen entwarf, wie man Menschen mit bestimmten Bildungs- und Betreuungsmaßnahmen helfen kann. So kreativ , im positiven Sinne, wie Ehlert, war kaum ein anderer. Er verstand sein Unternehmen nicht als Verwaltung von Betreuungsfällen, sondern als Auftrag, innovative Lösungen für die Probleme der Klienten zu kreieren.

Die Geschwindigkeitsübertretung und die daraus folgende Weigerung von Ehlert, ein Fahrtenbuch zu führen, war die lange gesuchte und endlich gefundene Gelegenheit der Sozialbranche, einen unliebsamen Konkurrenten loszuwerden. Zu schnell wurde die Treberhilfe zu groß und zu mächtig. Und leider wurde Ehlert in diesem Sog auch zu größenwahnsinnig. Sein Socail-Profit-Projekt mit dem er eine messbare Renditemarke für Sozialunternehmen einführen wollte, brach ihm letztlich das Genick. Ehlert hatte den Bogen überspannt. Die Branche drehte den Daumen nach unten. Ein Kartell aus Vertretern der Sozialbranche und der Landes- und Bezirks-Politik unternahm alles, um die Treberhilfe vom Markt zu drängen. Die Diakonie gründete sogar eine Auffanggesellschaft, die die Treberhilfe schlucken sollte. Inzwischen ist dieses Unternehmen irgendwo angesiedelt und hofft nun wahrscheinlich darauf, Klienten aus der Insolvenzmasse der Treberhilfe übernehmen zu können.

Der Tagesspiegel schreibt: „Die Einsetzung eines Aufsichtsrates unter Beteiligung des Senats und der Sozialverbände scheiterte am Widerstand des Gesellschafters Ehlert“. Am ersten so genannten Aufsichtsrat waren Thomas Dane, damals Chef des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg und die ehemalige Linken-Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner beteiligt. Also nichts mit Senat, höchsten Ex-Senat. Als Ehlert erkannte, dass dieser Aufsichtsrat nur ein Ziel hatte, nämlich die Treberhilfe möglichst schnell in eine andere Trägerschaft zu überführen, zog Ehlert die Notbremse.

Das alles ist Geschichte und auf Hunderten von Seiten nachzulesen. Am Ende wird vielleicht sogar nicht einmal ein Verfahren gegen Ehlert eingeleitet. Das nützt ihm und der Treberhilfe gar nichts. Die mächtige Sozialbranche hat gesiegt und einen zu aufmüpfigen und leider extrem extrovertierten Konkurrenten in die Knie gezwungen. Niemand interessiert sich mehr für Social-Profit. Und vor lauter Angst geben die Sozialunternehmen eine Transparenzerklärung nach der anderen ab. Was für ein erbärmliches Bild mit dem die Branche den Eindruck vermittelt, als sei bislang alles intransparent gewesen. Prüfungen der Senats- und Bezirksverwaltungen gab es immer, vor allem auch von den Finanzämtern. Die Sozialbranche soll nicht so tun, als habe sie sich für irgendetwas zu entschuldigen. Für eines schon, und das betrifft nicht die gesamte Branche, sondern nur einige besonders interessierte Unternehmen, nämlich einen aus ihrer Mitte fertig gemacht zu haben.

Nein, der so genannte Fall Treberhilfe ist längst noch nicht am Ende. Das einzige, was wirklich endet ist die Amtszeit von Sozialsenatorin Carola Bluhm und ihres Staatssekretärs Rainer-Maria Fritsch. Und das ist wirklich sehr gut so.

Ed Koch

  
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