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Ehlert rechnet mit Bluhm und Fritsch ab

geschrieben von: Redaktion am 22.11.2011, 14:06 Uhr
paperpress597 
Wenn man eine Weile nichts von der Treberhilfe gehört hatte, war das selten ein gutes Zeichen. Beim letzten Geschäftsführerwechsel wurde nicht einmal mehr, wie sonst üblich, die Presse ein-geladen. Gideon Joffe ist längst Geschichte, Stephan Hildebrandt heißt der amtierende. Wie viel er noch zu sagen hat, ist eine andere Frage, weil sich darum nun erst einmal der Insolvenzverwalter kümmert. Mit der Nachricht am 15. November, dass die Treberhilfe Insolvenz angemeldet hat, rechnete man schon länger. Immerhin hat sie sich gehalten, obwohl immer wieder behauptet wurde, sie sei am Ende.
Wer nun alles am Ende ist, wird sich zeigen. Zwei auf jeden Fall: Sozialsenatorin Carola Bluhm und ihr Staatssekretär Rainer-Maria Fritsch, beide Linkspartei. Bluhm hat ihren Schreibtisch schon geräumt und sitzt nun im Abgeordnetenhaus, Fritsch darf die Geschäfte noch weiterführen, bis der neue Senat ernannt wurde. Bluhm und Fritsch sind also auch Geschichte, wie so mancher Geschäftsführer der Treberhilfe. Treberhilfe-Gründer Harald Ehlert, der mal wieder lange, zu lange, geschwiegen hat, rechnet nun mit Bluhm und Fritsch in einem Interview mit der Berliner Morgenpost vom 22.11.2011 ab. Endlich, es wurde auch Zeit.

Auf die Frage, wie er sich nach der Insolvenz fühle, sagte er: „Ich bin sauer, verärgert. Die politische Verfolgungsjagd geht über Arbeitsplätze hinweg. Nach meinem Eindruck haben Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke) und der noch amtierende Staatssekretär nichts unversucht gelassen, die Treberhilfe aus Wahlkampfgründen zu zerstören. Durch die rechtswidrige Kündigung der Trägerverträge und die anschließende Nichtzahlung der offenen Rechnungen wurden finanzielle Schwierigkeiten der Treberhilfe provoziert.“

Dass er sich seinerzeit aus der Geschäftsführung der Treberhilfe zurückgezogen hat, als Ermittlungen, die bis heute zu nichts geführt haben, gegen ihn eingeleitet wurden, hält er aus heutiger Sicht für einen Fehler. „Ich konnte dadurch der öffentlichen Desinformation und den Angriffen schlechter entgegentreten. Ich bin damals davon ausgegangen, dass die Sozialwirtschaft als Wirtschaftsfaktor in der Öffentlichkeit stärker anerkannt ist. Aber Frau Bluhm hat dieses Thema bewusst politisch aufgebaut - und Sozialpolitik wurde durch Sozialneid-Debatten ersetzt.“

Heute gibt er das zu, was paperpress immer von ihm gefordert hatte, nämlich nicht aggressiv genug auf die Vorwürfe reagiert zu haben. „Die Treberhilfe und ich haben den Desinformationen zu wenig widersprochen. Wir waren auch zu unerfahren im Umgang mit der Medienöffentlichkeit. Die Überzeugung, dass man mit Zurückhaltung in der Auseinandersetzung der Treberhilfe hilft, hat sich als Irrtum erwiesen.“ Zu den Finanzdaten will sich Ehlert in dem Gespräch mit der Morgenpost nicht äußern. 4,5 Millionen Euro Schulden soll das Unternehmen haben. Wie viele Forderungen die Treberhilfe aus nicht bezahlten Leistungsrechnungen hat, ist nicht bekannt. Es ist von über einer Million Euro die Rede.

„Es ist äußerst bemerkenswert“, sagt Harald Ehlert, „dass die Konkurrenten, wie ich gehört habe, schon in größerem Umfang Interesse an einer Übernahme von Unternehmensteilen bekundet haben. Ich habe den Eindruck, es gibt viele, die in der Treberhilfe die Beute sehen, auf die sie seit Monaten gewartet haben. Ich glaube, dass es gelingen kann, die Treberhilfe als Gesamt-Unternehmen fortzuführen. Die Akzeptanz insbesondere bei den Wohnungslosen und der gute Ruf auf der Straße sprechen dafür.“

Als Eskapaden will Ehlert sein Verhalten, zum Beispiel der Dienst-Maserati, nicht bewertet wissen und schon gar nicht, dass er damit der Sozialbranche geschadet habe. „Frau Bluhm hat mit ihrer trägerfeindlichen Politik der Branche geschadet. Meine angeblich unmoralischen Verhaltensweisen wurden politisch instrumentalisiert…Die inhaltliche Diskussion über die Leistungsfähigkeit und die stabilisierende Wirkung für die soziale Sicherheit in Berlin haben die Sozialunternehmen nicht selbstbewusst thematisiert. Die soziale und innere Sicherheit, die die Sozialunternehmen garantieren, stand nicht im Vordergrund. Stattdessen wurde über die Gehälter von Geschäftsführern der Sozialunternehmen öffentlich diskutiert.“

Den Maserati hat Ehlert frühzeitig als Provokation bezeichnet. Dafür hat er sich vor einem Jahr entschuldigt. „Das Auto diente als Vorwand, meine gute Marktposition anzugreifen.“ Inzwischen sieht Harald Ehlert ein, dass sein Social-Profit-Projekt der Auslöser für den Kampf gegen die Treberhilfe war. „Man hat die Treberhilfe und mich erfolgreich diskreditiert, nachdem wir Konzepte für den Erfolgswettbewerb in unserer Branche vorgestellt haben. Es wurde eine niveaulose Diskussion über Sozialneid gegenüber Sozialmanagern geführt. Statt sich zu fragen, welches Sozialunternehmen den Menschen, für die es arbeitet, am erfolgreichsten und effektivsten hilft. Darin liegt das größte politische Versagen der Senatorin und ihres Staatssekretärs.“

Im Insolvenzverfahren sieht Ehlert eine Chance für die Treberhilfe, ihre wichtige Rolle im Netz der sozialen Sicherung fortzusetzen. „Hoffentlich dann ohne politische Störungen.“

Die Vorgänge um die Treberhilfe sind ein Lehrbuchstück, wie man zu mächtig gewordene Konkurrenten eliminiert. Hand in Hand mit der Politik. Wir können uns an dieser Stelle nur selbst zitieren: „Es geht hier nicht um einen Maserati“, paperpress Nr. 455 März 2010.

Ed Koch

Das Interview mit Harald Ehlert führte die Morgenpost-Redakteurin Brigitte Schmiemann

  
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