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When life gives you lemons make Lemonade - Interview mit Gayle Tufts

geschrieben von: Redaktion am 20.12.2011, 08:50 Uhr
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paperpress-Chefredakteur Chris Landmann hatte eine Woche vor Heilig Abend Gelegenheit mit der sehr charmanten amerikanischen Entertainerin, Gayle Tufts, im TIPI am Kanzleramt unter anderem über ihre Wurzeln, Berlin, ihre aktuelle Show und ihre Pläne für 2012 zu sprechen.
paperpress: Sie sind, wenn ich das sagen darf, eine großartige und multitalentierte Frau, die sich einer großen Fangemeinde erfreuen kann. Neben zahlreichen Bühnenshows haben Sie auch drei Bücher geschrieben. Ist Ihnen diese Begabung bzw. die Fähigkeit, Menschen so zu begeistern, in die Wiege gelegt worden, also entstammen Sie einer Entertainerfamilie?

Gayle Tufts: [schmunzelt] Nein, überhaupt nicht. Obwohl, ich stamme von people persons or people people ab. Mein Vater war Barkeeper, meine Mutter Supermarktkassiererin. Die hatten immer etwas mit Leuten zu tun gehabt und hatten auch immer einen großen Sinn für Humor. Ich glaube, ich komme von einem Zuhause, wo wir viel gelacht haben als Kinder. Ich habe einen älteren Bruder und eine Schwester, die sind auch sehr witzig. Wir haben viel Quatsch gemacht als Kinder. Diese Lust zum Entertainen kommt vielleicht tatsächlich von meinem Vater. Als Bar-keeper war er wirklich immer ein guter Gastgeber. Ich hab' auch eine Cousine, die hat eine Tanzschule gehabt. Mit vier durfte ich – so kurz nach dem Gehen – Steptanzen lernen.

paperpress: 1984 sind Sie erstmals nach Berlin gekommen und seit 1991 leben Sie fest in die-ser Stadt. Was ist an Berlin so besonders, dass eine amerikanische Entertainerin sich hier beruf-lich verankert und auch zuhause fühlt? Leben Sie gerne in Berlin? Was hat Berlin, was Brockton nicht hat?

Gayle Tufts: [lacht sehr herzlich] Viele Brücken...Viel Natur... Ich liebe diese Stadt, weil, sie hat diese „dichotomy“ auf English, diese Zwiespältigkeit. Von Alt und Neu, von Historisch und Mo-dern, von Ost und West; und natürlich von Großstadt und Natur. Ich liebe das, dass man in 20 Minuten – egal wo man ist – mit dem Fahrrad oder der S-Bahn fahren kann, und man ist draußen im Wald oder am See. Das finde ich wirklich toll. Das macht die Lebensqualität so hoch hier. Es macht es ein bisschen karg im Winter, aber dafür herrlich im Sommer. Und natürlich die kulturel-le Vielfältigkeit hier. Das ist eine Stadt mit – nach der Wiedervereinigung – drei Opernhäusern, vielen Theatern, vielen Symphonieorchestern; geschweige denn die Museen, Kirchen und galle-ries. Ich bin hierher gekommen, um ab 1991 fest hier zu leben. Ich war erstmals hier 1984. Ein-fach diese Entwicklung in dieser Stadt zu sehen, war faszinierend für mich.

Aber es sind auch diese Institutionen what we would call Cabaret auf Englisch. Das ist aber auf Deutsch nicht zu übersetzen mit Kabarett, weil das ist mehr, was wir Political Comedy oder Political Theatre nennen. Diese wunderschöne Tradition aus den 20er Jahren von Max Reinhardt, von Bertolt Brecht, einfach... Ich liebe dass es in Berlin immer noch diese Tradition von eines kleines Theater in einem Hinterhof oder einem Hinter-Hinterhof gibt. Man geht immer ein bisschen mehr weiter nach hinten und man findet noch einen Ort, wo noch etwas Interessantes ist. Und diese Tradition liegt immer noch in der Luft.

Es ist interessant. Ich finde als Amerikanerin - wir denken immer wegen des Films „Cabaret“ von Bob Fosse daran - dass so diese 20er Jahre sind, dieses Verruchte. Eine Frau, ein Mann, ein Klavier. Ein kleiner „Smoky Room“. Als ich erstmals hierher kam, war das nicht da. Ich war ein bisschen enttäuscht. Und dann habe ich realisiert, ach, es gibt keine Frauen, die das im Moment machen. Ute Lemper war nicht mehr hier. Das war so diese Dietrich-Allür, aber witzig. Es gab in dieser Zeit - in den 80er Jahren - keine Frau, die witzig war und eine echte Frau war und die ir-gendwie mit ein bisschen Glamour über das Leben ... da war keine Bette Midler or Mary Tyler Moore, die damals zwischen die Genres gesprungen ist. So ich habe mir gedacht, hey, es gibt eine Marktlücke. Das ist etwas, die brauchen mich.

paperpress: Wenn man von Gayle Tufts spricht, fällt automatisch der Begriff „Dinglish“, Ihr Mar-kenzeichen. Ich kann mir vorstellen, dass für Sie als English Native Speaker die deutsche Spra-che eine gewisse Herausforderung darstellte, richtig?

Gayle Tufts: Absolut, absolut. „Dinglish“ ist wirklich aus der Not geboren. Ich habe kein Wort Deutsch gehabt, als ich erstmals hierher kam. Außer „Schadenfreude“, „Doppelgänger“, „Fahr-vergnügen“, „Gesundheit“, „Kindergarten“ und „Blitzkrieg“. Man kann nur soweit gehen mit diese Begriffe. So hat es etwas gedauert. Und ich bin sehr ungeduldig. Das ist etwas, dass muss ich noch lernen in meinem Leben. Ich konnte nicht warten, bis es perfekt war. Ich würde immer noch warten, wenn das so wäre.

Wie mit meinen Freundinnen bei Dinner-Parties. Immer nach einer Show oder bei Freunden war es immer eine gemischte Crowd. Deutsch-Amerikanische Paare oder Deutsch-Britische Paare oder jemand aus Polen. Ein paar Russen waren auch dazwischen. Wir mussten dann irgendwie einen Weg finden, zu kommunizieren miteinander. Nach ein paar Gläsern Wein hat man das al-les gemischt. Und man lachte dann darüber und fragte „Wie sagt man das?“. Das war so schön, diese flexible Form von Kommunikation. Ich hab' das [Dinglish, Anm.d.Red.] sicherlich nicht ent-deckt. Ich hab' das nur benannt.

paperpress: Sie haben also aus der Not eine Tugend gemacht.
Gayle Tufts: Sozusagen. When life gives you lemons make Limonade.

paperpress: Derzeit stehen Sie mit Ihrer neuen Wintershow „Let it show!“ auf der TIPI-Bühne. Es ist wieder einmal ein Feuerwerk von toller Musik, Witz aber auch Emotionen, das die Zuschauer in Ihren Bann zieht. Können Sie unseren Lesern kurz schildern, wie diese Show entstand bzw. was die Beweggründe für diese Show waren. Was macht diese Show aus?

Gayle Tufts: Ehrlich gesagt, ich wurde gefragt von der künstlerischen Leitung des TIPI, eine Wintershow zu machen. Ich hab' schon zwei Weihnachtsshows hier gemacht, ich habe auch eine Soul- und eine Rockshow gemacht. Ich habe gedacht, eine Wintershow was ist das denn? Das ist interessant, wer könnte das kreieren. Sie [das TIPI, Anm. d. Red.] haben mir wirklich künstlerische Freiheit und Vertrauen gegeben. Das war sehr nett. Und dann habe ich mir gesagt, OK, was ist Winter? Und für mich ist es wie immer bei meinen Shows eine Mischung aus autobiografischen Geschichten, aus Stand-up Comedy, aus Originalliedern und Coversongs, von Leuten, die ich liebe. Und ich habe gedacht, was ich brauche im Winter – weil es so dunkel und kalt ist hier in Nordeuropa – ist etwas, was mich in Bewegung bringt und was mich warm macht. Ich habe mir gedacht, OK, wir haben zwei Teile. Die erste Hälfte ist so Champagnerlaune und Party. Die zweite Hälfte ist dann Rotweinstimmung. Ein paar Balladen, ein paar Tränen vielleicht, aber dann noch mal die Leute zum Lachen, in Bewegung, zu bringen. Das ist, was ich hoffe, dass ich anbiete. Weil ich finde, Winter ist natürlich die Zeit für ein Ende des Jahres. Wir nehmen ein bisschen wahr, was wir das ganze Jahr gemacht haben. Wir bereiten uns vor, ein frisches neues Jahr zu haben. Und ich möchte das mit Energie, mit Positivität – was hier in Deutschland manchmal fehlt - machen. Nicht das die Leute nicht positiv sind, aber man muss sie manchmal ein bisschen schubsen. Hey, guckt mal das Glas ist nicht nur mehr als halb voll, es ist ein echtes Glas.

paperpress: Bis wann kann man Sie hier noch auf der TIPI-Bühne erleben?

Gayle Tufts: Bis zum 15. Januar. Das war auch ein großer Grund, warum wir eine Wintershow gemacht haben. Niemand möchte ein Weihnachtslied hören. Schon am ersten Weihnachtsfeier-tag möchte das niemand mehr hören. Ich habe auch gedacht, hier in Berlin ist es so schön in der vorweihnachtlichen Zeit, weil es alles so schön mit Lichtern überall ist. Die Weihnachtsmärkte sind da. Das ist so cool hier und dann schlagartig, am 2. – das ist echt der Montag des Jahres - ist es, als ob diese ersten zwei Wochen des Jahres wie ein Never ending Montag sind, wo man ein wenig verkatert ist. Und ich habe gedacht, nee, ich möchte, dass man zu meiner Show kommt und sagt: „Hey, wir fangen jetzt frisch an und machen einen schönen Start in 2012.“

paperpress: Aber es gibt doch eine Unterbrechung. Vicky Leandros übernimmt die Bühne für ein paar Tage?

Gayle Tufts: Die Frau Leandros…Griechenland übernimmt, nein besetzt, meine Bühne. Occupy TIPI. Nein, ich muss sagen, ich bin Frau Leandros sehr dankbar. Sie ist eine tolle Frau. Erstmal war ich bisschen, oh schade wir spielen nicht durch. Aber jetzt ist es auch nett für mich ein paar Tage zuhause zu haben, mein eigenes Weihnachten. Man muss irgendwann auf dem Sofa lie-gen. Ich finde das so schön in Deutschland mit diesen zwei Weihnachtsfeiertagen. Die liegen alle auf dem Sofa und gucken Sissi-Filme oder Katastrophenfilme an, „Flammendes Inferno“ oder so. Das muss ich auch machen. „Stirb langsam Teil 8“ mittlerweile… Ich würde das alles auf DVD holen und das einfach nachholen. [lacht herzlich]

paperpress: Sie sind eine viel beschäftigte Künstlerin, die auch in Deutschland viel umherreist. Darüber hinaus engagieren Sie sich für soziale und gemeinnützige Projekte. Wie bringen Sie das alles zeitlich unter einen Hut?

Gayle Tufts: Wie das alle machen. Ich muss auch sagen, ich habe keine Kinder. Ich habe viele Kollegen und Freunde mit Kindern und ich denke, wie machen die das. Als amerikanische Künstlerin ist es etwas, was wir in Amerika lernen: dieser Volunteer Spirit. Ich habe das Glück, in der Öffentlichkeit zu arbeiten. Das ist mein Privileg. Und die andere Seite dieses Privilegs ist natürlich ein bisschen Pflicht. You know, ask not what your country can do for you, ask what you can do for your country. Ich finde, wie es President Kennedy gesagt hat, trifft es auch für unsere Gesellschaft zu. Don’t ask what the Gesellschaft can do for you, ask what you can do for the Ge-sellschaft. Deutschland und Berlin besonders has been very very good to me. Und wenn ich et-was zurückgeben kann, dann bin ich froh.

paperpress: Sie sind, man mag es kaum glauben, 51 Jahre alt. Das sieht man Ihnen wahrlich nicht an. Ihrem Elan und Esprit nach zu urteilen, werden wir Sie noch lange auf der Bühne erle-ben dürfen. Wie sehen Ihre Pläne für das kommende Jahr aus?

Gayle Tufts: Yes, 51 und halb heute. Ich schreib’ ein neues Buch. Das kommt zur Leipziger Buchmesse raus für den Aufbauverlag. Es heißt „Some like it Heiß“. Es ist ein bisschen über Wechseling Jahre und andere Erlebnisse. Eigentlich dieser wunderschöne Moment, wo man sich mit 51 wirklich erwachsen fühlt und denkt, oh my God, the President of the United States ist ein Jahr jünger als ich. Das war sehr ernüchtern für mich. Es ist ein bisschen über was das ist, diese neue Lebensphase zu machen. Wo man denkt, es ist 50 jetzt. Das ist ernst. Oh, guck mal. Ich fand das sehr überraschend für mich. Und auch als Frau ist das körperlich ein Abenteuer. Ich glaube, man muss das machen mit großem Humor und Lebensfreude. Ich habe das Gefühl, besonders hier in Deutschland die Frauen [flüstert] die sagen Wechseljahre nicht. Auf Englisch wir sagen „the change of life“. The change of life ist so schön. Wechseljahre das klingt, wie ein Reifen für Sebastian Vettel wird ausgewechselt oder etwa so: Danke Pitstop, bye bye, Nächste. Ich möchte das ein wenig zelebrieren. Genau wie Winter in „Let it show“. Wir zelebrieren das mit großem Humor. Dass auch die Männer vorbeikommen können und auch ein bisschen lachen. Es ist auch etwas für deutsche Frauen, sie sollten ein Tickchen mehr – vielleicht wir alle – wir müssen einfach über uns selbst lachen, ein bisschen mehr.

Das Buch kommt im März raus und dann gibt es ein neues Programm, eine One-Woman-Show, was auf diesem Buch „Some like it Heiß“ basiert. Das wird in der „Bar jeder Vernunft“ hier in Ber-lin Premiere am 4. April haben und dann für einen Monat gespielt. Und dann bin ich bundesweit wieder auf Tournee. Ich bin aber auch sehr dankbar, genau wie bei Frau Leandros, für die Fuß-ball EM. Weil ich eine kleine Pause machen kann und ich fahre dann nach Amerika und besuche meine Familie. Thank you Europameisterschaft. Man kann nicht im Theater spielen zu dieser Zeit, das ist egal. Niemand kommt ins Theater.

paperpress: Wir wünschen Ihnen, dass Sie auch weiterhin Ihre wundervollen und kreativen Ideen so verwirklichen können, wie Sie es bisher getan haben. Wir bedanken uns für das Inter-view und sagen: Merry Christmas and a Happy New Year!

Gayle Tufts: Dankeschön und the same to you.

  
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