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Wurstigkeit?

geschrieben von: Redaktion am 20.12.2011, 15:20 Uhr
paperpress598 
Wurstigkeit bedeutet Gleichgültigkeit, Desinteresse, Trägheit. In einem Artikel des Tagesspiegels vom 18. Dezember berichtet dieser über die angebliche Kritik an Wowereits Wurstigkeit. Diese Kritik soll aus der SPD selbst kommen. Wenn man als Redakteur des Tagesspiegels lange genug viele SPD-Leute abtelefoniert, findet man immer welche, die sich zur Kritik berufen fühlen. Natürlich ohne Namensnennung, denn aus der Hecke schießt es sich besser. Hörensagen nennt man so etwas bei den Juristen. In Journalistenkreisen ist es durchaus üblich, Zitate und Meinungen von Menschen zu veröffentlichen, die nicht zurückzuverfolgen sind.
Dieses Stilmittels bedient sich auch der Tagesspiegel, die große seriöse Hauptstadtzeitung mit bundespolitischem Ansehen. Keine Frage, der Tagesspiegel ist eine bedeutende Zeitung, die es zu lesen lohnt. Ebenso wie es lohnt, die Kommentare des Chefredakteurs Lorenz Maroldt auf Radio Eins dienstags um kurz nach acht zu hören. Immer auf den Punkt gebracht, scharfzüngig, oft auch ein satirischer Leckerbissen.

Im Wurstigkeitsartikel vom 18.12. geht es um den Rücktritt, oder besser die Entlassung von Justizsenator Michael Braun. „Schweigen, verteidigen, CDU gewähren lassen – wie der Regierende und die Parteispitze in der Affäre Braun agierten, wird in der SPD kritisch gesehen. Man habe ‚einfach mit am Rand gestanden’, statt das Wort zu ergreifen“, schreibt der Tagesspiegel.

„Wie die SPD die Enthüllungen über Brauns Wirken als Notar für dubiose Verkäufer von Schrottimmobilien begleitet hat, sei ein ‚Trauerspiel’, schimpft eine Funktionärin, die wie die meisten Gesprächspartner ihren Namen nicht lesen will.“ Warum nicht? Was befürchtet die Frau? Unter dem neuen Fraktionschef Raed Saleh braucht sie doch keine Angst vor Repressalien zu haben. Schließlich hat sich Saleh mehrfach als Wowereit-Kritiker hervorgetan und sich regelrecht nach oben gemeckert. „Sie ist empört über die ‚Sprachlosigkeit meiner Partei’. Das sei der ‚denkbar krasseste Fehlstart’ für die rot-schwarze Koalition.“ Mein Gott, was für ein Schmarren. Braun stand schon lange bei den Anwälten von Schrott-Immobilien-Opfern auf der Liste. So lange er „nur“ Notar war, war es wenig öffentlichkeitswirksam, gegen ihn vorzugehen. Juristisch ist ihm bis heute nichts anzuhängen. Aber schließlich leben wir in einer Hochkultur der Moral und da gelten andere Maßstäbe, hoffentlich auch für den Noch-Bundespräsidenten. Erst als Braun Senator wurde, lud man die Waffen durch. Erfolgreich. Weil ein Senator zurückgetreten ist, von einem „krassen Fehlstart“ zu sprechen, halte ich für reichlich übertrieben. Und die „Sprachlosigkeit“ der SPD zu beklagen, ist wirklich naiv. In einer Koalition, verehrte unbekannte Funktionärin, sieht man tunlichst davon ab, den Partner öffentlich zu maßregeln. Dann kann man nämlich gleich die ganze Sache vergessen. Und weitere Alternativen für eine Regierungsbildung gibt es nicht, das sollte auch in der SPD bekannt sein. Natürlich muss sich Wowereit hinter seinen Se-nator stellen, so lange dieser nicht rechtkräftig wegen irgendetwas verurteilt wurde. Gibt es keine Seminare für SPD-Funktionäre, in denen ihnen gewisse Grundregeln beigebracht werden? Unter anderem, lass Dich nicht aufs Glatteis führen von Tagesspiegel-Redakteuren.

Der Tagesspiegel: „Die neue Situation nach den gescheiterten Koalitionsgesprächen mit den Grünen und das überraschende Bündnis mit der jahrelang verfemten Union sei noch nicht verarbeitet. Immerhin haben mutmaßlich bis zu vier SPD-Abgeordnete dem Regierenden ihre Stimme verweigert und auf dem Parteitag war jeder fünfte Delegierte gegen den ausgehandelten Koalitionsvertrag.“ Ja, so sind die Sozis. Solidarität geht ihnen über alles, vor allem, wenn es die eigenen Leute betrifft.

„Unangenehm aufgestoßen ist einigen Genossen der Rückhalt für den schon mächtig unter Druck stehenden Justizsenator Braun vor einer Woche im Abgeordnetenhaus, als Wowereit kein ‚juristisches Fehlverhalten’ sah, das einen Rücktritt erfordere. Immerhin ernenne der Regierende Bürgermeister die Senatoren. Wer die Richtlinienkompetenz habe, ‚sei auch für die moralischen Maßstäbe und die politische Hygiene verantwortlich’, sagt ein Abgeordneter“ dem Tagesspiegel. Welcher Abgeordnete? Was ist denn das für ein Blödian? So funktioniert Politik nicht, Herr Abgeordneter. Richtlinienkompetenz = verantwortlich für Moral und Hygiene? Donnerwetter.

„Von anderer Seite heißt es, es sei falsch gewesen, dass Wowereit anfänglich deutlich zu verstehen gegeben habe, die Affäre sei alleiniges Problem der CDU. Vielmehr hätte man dem Koalitionspartner früher Stoppsignale setzen müssen, heißt es. So würde das Problem der Glaubwürdigkeit auch die Sozialdemokraten belasten.“ „Von anderer Seite“, noch eine Funktionärin oder ein unbekannter Abgeordneter? Wowereit tat gut daran, die CDU nicht zum Rücktritt von Braun zu zwingen.

Dem Tagesspiegel ist es auch gelungen, Leute mit gesundem Menschenverstand zu finden, auch wenn diese ebenfalls namenlos sind: „Mancher verteidigt Wowereits Zurückhaltung, weil dieser der CDU damit keinen Anlass für einen Schulterschluss mit dem Justizsenator gegeben habe. ‚Ein Rausschmiss Brauns durch Wowereit hätte den sofortigen Bruch der Koalition bedeutet’, ist ein Parlamentarier sicher.“ So ist es. „Aber konstatiert wird auch, dass Wowereit bei der Behandlung des Skandals eine ‚gewisse Wurstigkeit’ gezeigt habe, wie manchmal, wenn ihn etwas nicht richtig interessiere. Zu sehr habe Wowereit den Eindruck zugelassen, er interessiere sich nur begrenzt dafür, wie die CDU die ihr zugestandenen Ressorts besetzt.“ Es hat weder den Regierenden Bürgermeister noch die SPD zu interessieren, wie die CDU ihre Ressorts besetzt. Wowereit deshalb Wurstigkeit vorzuwerfen, passt mal wieder gut ins Bild.

Und endlich, jetzt kommen Namen in den Artikel. „Der Schöneberger Abgeordnete Lars Oberg widerspricht, dass die SPD untätig zugeschaut habe. Die klaren Signale aus der SPD hätten vielmehr dazu beigetragen, dass die CDU handelte. Als Michael Braun sein Amt damit retten wollte, dass er nur die Verantwortung für den Verbraucherschutz abgab, habe Wowereit dem CDU-Landeschef und Innensenator Frank Henkel deutlich gemacht, dass die SPD dies nicht akzeptiere.“

Nun, reden wir mal zum Schluss über die Wurstigkeit des Tagespiegels. Ist es wichtig, wie eine Bezirksbürgermeisterin mit Vornamen heißt? Für die Betreffende schon. Die von Tempelhof-Schöneberg heißt Angelika und nicht Gabriele Schöttler. Bis zur diesjährigen Wahl gab es in Treptow-Köpenick eine Bezirksbürgermeisterin mit Namen Gabriele Schöttler, die keineswegs nach Tempelhof-Schöneberg wechselte. Der Tagesspiegel ist nicht gerade die Zeitung in Berlin, der der Lokalteil aus den Bezirken besonders am Herzen zu liegen scheint. Jeder macht mal einen Fehler und verschreibt sich. Beim Artikel vom 19.12. über die neuen Bezirksbürgermeister Berlins, hätte man schon darauf achten müssen, dass alle Namen richtig geschrieben sind. Sonst ist es eben wurstig.

Heute wird in einem Beitrag des Tagesspiegels betrauert, dass Christian Walther, bekannt aus der Abendschau und die letzten Jahre Pressesprecher von Senator Jürgen Zöllner, seinen Posten verliert. Ersetzt wird Walther in Sandra Scheeres Senatsverwaltung für Jugend, Bildung und Wissenschaft durch Thorsten Metter, der bislang Pressesprecher der Abgeordnetenhausfraktion war. Der Tagesspiegel vermutet, dass Walther der „Stallgeruch und die Vernetzung innerhalb der SPD“ fehlte. Walther ist parteilos, Metter SPD-Mitglied. Mal abgesehen davon, dass die Personalentscheidungen von Senator Zöllner manchmal etwas abenteuerlich waren, ist es das Recht jedes Senators, sich seine Crew selbst zusammenzustellen. Ein Senator braucht Leute seines Vertrauens um sich herum. „Ob sein (Metters) Weggang (aus der Fraktionspressestelle) mit dem Wechsel an der Fraktionsspitze von Michael Müller zu Raed Saleh in Zusammenhang steht, war nicht zu erfahren“. Manchmal gelingen den Redakteuren gar lustige Sätze.

Ed Koch

  
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