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Das Gaucklerfest

geschrieben von: Redaktion am 18.03.2012, 12:14 Uhr
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Gaukler sind Unterhaltungskünstler. Dahinter können sich getrost Politiker und Schauspieler versammeln, so wie heute im Reichstagsgebäude zur 15ten Bundesversammlung. Unter den rund 1.200 Wahlberechtigten durften sich auch wieder Showgrößen mischen, zu denen ich mal Leute wie Otto Rehhagel dazu zähle. Interessant war zu beobachten, wer zur Anwesenheitsüberprüfung in welchen Fraktionssaal marschierte. Rehhagel, Frank Elstner und die unvermeidliche Alice Schwarzer durchschritten die Türen zur CDU/CSU-Fraktion, während man bei der SPD Ingo Appelt und Jan Josef Liefers entdecken konnte.
Ansonsten sah man Leute, die man schon für tot gehalten hatte, zumindest aber dachte, sie hätten sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Großer Gott, was war das für ein Schaulaufen. Alles, was in diesem Lande aktiv Politik betreibt oder irgendwann einmal betrieben hat, versammelte sich unter der Kuppel des Reichstages. Für viele Ehemalige sind Bundesversammlungen die einzige verbliebene Möglichkeit, in den endlosen Abstimmungs- und Auszählungspausen noch einmal vor eine Kamera gebeten zu werden. Und da die Zeiträume zwischen den Versammlungen immer kürzer wurden, steht dieses schöne Erlebnis häufiger im Terminkalender.

Die Eröffnungsrede von Bundestagspräsident Norbert Lammert war hervorragend. Der Mann ist einfach super. Nüchtern und sachlich, aber mit einem hintergründigen Humor trug er seine Rede vor. Bei der Erwähnung der im Grundgesetz festgelegten Amtszeit des Bundespräsidenten von fünf Jahren, kam im Saal Heiterkeit auf. Lammert ließ auch die Umstände des Rücktritts von Christian Wulff nicht unerwähnt, ohne zu versäumen, allen Beteiligten am Drumherum die Leviten zu lesen.

Traditionell wurde in den letzten Jahrzehnten der Bundespräsident am 23. Mai, dem Verfassungstag, gewählt. Dieser Termin ist nun abhanden gekommen. Der Zufall wollte es, dass diese Wahl auf den 18. März fiel. Auf den 18. März fallen gleich mehrere bedeutsame historische Ereignisse, so die März-Revolution von 1848 und die erste und einzige freie Wahl in der DDR 1990. Diesen Tag künftig als Wahltermin für die Bundespräsidentenwahl festzulegen, ist eine gute Idee.

Der Ausgang der Wahl von Joachim Gauck war keine große Überraschung. 991 von 1.228 gültigen Stimmen erhalten zu haben, ist ein großer Erfolg. 108 Enthaltungen sind allerdings ein kleiner Wermutstropfen. Und dass Beate Klarsfeld mit 126 Stimmen drei mehr bekam, als die Linke Abgeordnete hat, ist zumindest ein kleiner Achtungserfolg für die Nazijägerin und Bundeskanzlerohrfeigerin. Gauck ging in seiner erfrischend kurzen Rede natürlich auch auf die erste freie Volkskammerwahl in der DDR ein.

So, nun warten wir mal ab, wie sich unser neues Staatsoberhaupt macht. Die Diskussion über die Notwendigkeit des Amtes wird wohl erst einmal verstummen.

Die Bundesversammlung im Reichstag war sein Fest, aber auch das Gaucklerfest der Eitelkeiten. Über die Zusammensetzung dieser Bundesversammlung sollte man gelegentlich noch einmal nachdenken. Ohne Klassenunterschiede kam die Versammlung natürlich nicht aus, schließlich gibt es im Reichstagsgebäude mehrere Ebenen, und nicht jeder darf dort herumlaufen, wo er will. Die Delegierten durften sich natürlich frei bewegen, für die Gäste sah es da schon anders aus. Einige, sozusagen die Premiumgäste, durften auf die Besuchertribünen und konnten alles hautnah miterleben. Die einfachen Gäste durften sich auf der Fraktionsebene tummeln, wo es für 2,10 Euro Kaffee aus Pappbechern, und eine Brezel für 1,55 Euro gab. Der von der Fraktionsebene direkte Blick in den Plenarsaal wurde den Gästen auch verwehrt, weil man einfach die Vorhänge von innen zugezogen hatte. Dafür durften die Gäste in den Fraktionssälen Platz nehmen und die Fernsehübertragung anschauen.

Nach dem Ende der Bundesversammlung waren dann alle Klassenunterschiede vom Tisch und rund 2.000 Menschen drängelten sich am Buffet, das, wie Norbert Lammert in Anspielung auf die vorangegangene Wahl bemerkte, nach einem Wahlgang frischer sein wird als nach drei. Zu diesem Zeitpunkt war ich aber schon längst wieder zu Hause, hatte auf eigene Kosten zu Mittag gegessen und den Ausgang der Veranstaltung vom Schreibtisch aus im Fernsehen verfolgt, ohne Gedrängel und ohne Gaukler.

Ed Koch

  
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