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Verarscht

geschrieben von: Redaktion am 16.06.2012, 06:58 Uhr
paperpress604 
Er sieht aus, als könne er nicht bis drei zählen. Der Junge, der sich Ray nannte und Robin heißt, nicht aus dem Wald, sondern aus den Niederlanden stammt. Fünf Tage lang ist er auch nicht nordwärts gelaufen, wie er vorgab, sondern auf anderem Wege nach Berlin gekommen, und zwar aus westlicher Richtung. Und wo meldet man sich, wenn man in Berlin ankommt? Natürlich im Roten Rathaus. Was den nicht 17-, sondern 20-jährigen bewogen hat, von September 2011 bis jetzt die Berliner Behörden zu verarschen, wird man sicherlich in den nächsten Tagen und Wochen erfahren. Unter den zahllosen Anfragen, die beim Jugendamt Tempelhof-Schöneberg eingingen, Robin persönlich sprechen zu wollen, werden sicherlich auch welche sein, die für die Exklusivrechte ein paar große Scheine auf den Tisch legen werden. Man kann nur hoffen, dass das Jugendamt von der Übergabe des Geldes rechtzeitig erfährt, um sich seinen Anteil abzuziehen. 30.000 Euro sind in dem dreiviertel Jahr vermutlich an Kosten für Unterkunft und Verpflegung, Taschengeld und Kleidung zusammengekommen, die das Jugendamt für ihn aufwenden musste.

Caspar Hauser, Pinocchio, Hauptmann von Köpenick. Diese Vergleiche hinken alle und würden ihn nur aufwerten. Er ist ein Lügner und Betrüger, nichts weiter. Er hat Jugendhilfeleistungen erschlichen. Geld, das an anderer Stelle im Land Berlin dringend benötigt wird. Natürlich muss er angezeigt und alles unternommen werden, um das Geld zurückzubekommen. Sein Vormund sollte so schnell wie möglich durch einen Gerichtsvollzieher ersetzt werden, der jede künftige Einnahme überwacht.

Sozialarbeiter neigen ja häufig dazu, in Tätern Opfer zu sehen. Sicherlich hatte der arme junge eine schwere Kindheit. Tatsache ist, dass er erzählt hat, seine Mutter sei bei einem Autounfall ums Leben gekommen, sein Vater verstorben und von ihm im Wald vergraben worden. In Wahrheit lebt seine Mutter und lebte noch sein Vater, als er Anfang September 2011 die Flocke machte. Sein Vater hat ihn intensiv gesucht, wurde krank und ist im Februar 2012 tatsächlich verstorben. Eine tragische Geschichte, die jedoch kein Mitleid für Robin erzeugen darf.

Dass es so lange gedauert hat, ihn zu identifizieren, ist offenbar dem Umstand geschuldet, dass man in den Niederlanden einen Erwachsenen als vermisst gemeldet hatte, in Berlin aber ein vermeintlich Minderjähriger angekommen ist. Aus diesem Vorgang sollte man lernen, wie künftig in einer hoch technisierten Welt die entsprechenden Daten zusammengefügt werden können.

Das Medieninteresse an diesem Fall ist unbeschreiblich. Schon im September 2011 gab es keine Zeitung, kein Radio- oder Fernsehsender, der nicht beim Jugendamt Tempelhof-Schöneberg vorstellig geworden ist, um Näheres über – damals noch – Ray zu erfahren. Da er Englisch sprach, vermutete man, dass er aus England stamme. Alle, die in Great Britain Zeitungen herausgeben oder Nachrichten senden, riefen im Rathaus Friedenau, dem Sitz des Jugendamtes Tempelhof-Schöneberg an. Dann glaubte plötzlich ein Ehepaar aus der Schweiz, dass es sich bei Ray um ihren Enkel handeln könnte. Schon waren alle Medienschaffenden der Schweiz in der Leitung. Und gestern, als nun die niederländische Identität des Ray-Robin bekannt wurde, rief halb Holland an. Und aus Deutschland natürlich auch alle, nicht nur die so genannte Boulevard-Presse, sondern auch jene, hinter denen der berühmte kluge Kopf steckt. Selbst CNN interessiert sich für Robin.

Nein, die Geschichte ist nicht komisch. Und wer sich darüber aufregen möchte, wie leicht man deutsche Behörden an der Nase herumführen kann, der sollte mal darüber nachdenken, welche Alternativen es gegeben hätte. Bei uns bekommt jeder Hilfe, der sie benötigt. Niemand wird zurückgelassen, weder auf der Straße noch in einem fiktiven Wald. In einem Sozialstaat muss Vertrauen an oberster Stelle stehen, selbst auf die Gefahr hin, verarscht zu werden. Wenn dann aber dieser Fall eintritt, muss der Sozialstaat als Rechtsstaat zurückschlagen. Robin darf mit seiner Geschichte nicht durchkommen. Für sein neunmonatiges Abenteuer in Berlin auf Kosten des Steuerzahlers muss er jeden Cent erstatten!

Ed Koch

  
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