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Wie geht es eigentlich der "Neuen Treberhilfe"?

geschrieben von: Redaktion am 30.11.2012, 17:34 Uhr
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Wir erinnern uns. Es gab einmal in Berlin einen freien Träger, der sich um Obdachlose, problembeladene Jugendliche und junge Erwachsene kümmerte. Das war die Treberhilfe gGmbH. Alles lief gut. Alle waren zufrieden mit den Angeboten und Leistungen des Trägers. Immer wieder wurden neue Projekte entwickelt. Der Träger wuchs und wuchs, hatte 280 Mitarbeiter und machte rund zwölf Millionen Umsatz, Tendenz steigend. Apropos Umsatz: im Gegensatz zu anderen, größeren Trägern, war die Treberhilfe gGmbH diesbezüglich unteres Mittelfeld. Der Geschäftsführer der Treberhilfe, Harald Ehlert, war ein ehrgeiziger Mann. Er erfand die Social-Profit Formel, mit der er beweisen wollte, dass von 100 Prozent aufgewendeter Sozialkosten 115 Prozent an den Staat wieder zurückfließen. Ehlert erhielt Unterstützung durch anerkannte Professoren und Wirtschaftsberatungen. Wenn man in die Prävention investiert, spart man an anderer Stelle viel Geld. Das ist die etwas vereinfachte Formel. Berechnungsgrundlage war jedoch die Treberhilfe. Und da wurde das Problem sichtbar. Andere Sozialunternehmen könnten unter Umständen diese Rendite überhaupt nicht erwirtschaften. Und wenn Social-Profit zum Maßstab der Auftragserteilung an Sozialunternehmen geworden wäre, sähen viele sehr schwach aus. Der damalige SPD-Partei- und Fraktionschef Michael Müller (SPD) befürchtete dann auch auf der inzwischen legendären Veranstaltung zu Social Profit am 12. Februar 2010 im Rathaus Schöneberg, eine „dramatische Veränderung der Trägerlandschaft“, wenn das Rechenmodell allgemein verbindlich werden würde.
Müller hatte Recht. Die Trägerlandschaft hat sich verändert, obwohl die Social Profit-Formel nie eingeführt wurde. Kurz nach der Veranstaltung am 12. Februar 2010 begann das, was wir heute unter „Maserati-Affäre“ kennen. Plötzlich entdeckte man, dass Geschäftsführer Ehlert einen Maserati als Dienstwagen fuhr und mehr Gehalt als die Bundeskanzlerin bezog. Vorher hatte das niemand gestört. Dass Ehlert mit einem Maserati und seine Prokuristen mit schicken weißen BMWs unterwegs waren, wusste jeder. Schließlich fuhren alle diese Fahrzeuge nicht nachts; sie standen vor den Ämtern, in denen neue Verträge verhandelt wurden. Es interessierte keinen, weil alles mit der Treberhilfe gut lief. Und es würde heute noch gut laufen, besser als je zuvor. Und vielleicht hätten sich der Finanzsenator mit seinem Bentley und Ehlert mit seinem Jaguar (dabei handelt es sich um die Privatfahrzeuge der Herren) auch mal an einer Ampel getroffen. Beide wären zufrieden gewesen, der eine mit dem, was er an Sozialleistungen zu zahlen hat, der andere mit dem, was er an Sozialleistungen bekommen hat.
Nein, das ist keine Verschwörungstheorie: die Treberhilfe und Harald Ehlert sind systematisch fertig gemacht worden, aus Angst! Der Tag wird kommen, wo diese Behauptung wasserdicht beweisbar ist. So lange warten wir noch mit dem Nennen der Namen der Täter. Die Treberhilfe ist in die Insolvenz getrieben worden, weil man ihr einerseits die Aufträge entzog und andererseits Rechnungen nicht bezahlte. Ehlert und seine Treberhilfe hatten keine Chance. Die Gegner waren zu mächtig. Jeder weiß, wer sich da verbündet hatte.

Am 30. November 2011, also genau vor einem Jahr, übernahm der Evangelische Diakonieverein Berlin-Zehlendorf e.V. die insolvente Treberhilfe. In der Pressemitteilung von damals hieß es (auszugsweise):

„Nur zwei Wochen nach Anmeldung der Insolvenz wird die Treberhilfe Berlin vom Evangelischen Diakonieverein Berlin-Zehlendorf e.V. übernommen. Damit kann der vorläufige Insolvenzverwalter Christian Köhler-Ma alle rund 100 Arbeitsplätze der Treberhilfe retten und die weitere Betreuung der Obdachlosen sichern. Der 1894 gegründete Diakonieverein ist mit rund 2.000 Schwestern und Pflegern Träger der größten evangelischen Schwesternschaft in Deutschland und vor allem im Bereich der Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege tätig. Mit der Übernahme der Treberhilfe Berlin will der Diakonieverein seinen Arbeitsbereich um die Betreuung von Obdachlosen erweitern.

‚Bei der insolventen Treberhilfe Berlin mussten wir sehr schnell eine Lösung finden, da das Unternehmen bereits seit vier Monaten mit den Löhnen im Rückstand war und die weitere Arbeit für die Obdachlosen immer schwieriger geworden wäre. Unter schwierigsten Bedingungen mussten wir diese Insolvenz bearbeiten, denn die Anmeldung zur Insolvenz erfolgte sehr spät, die Verbindlichkeiten waren mit rund 4,5 Millionen Euro hoch und wir konnten nur wenig Substanz verkaufen. Es gab zwar mehrere Interessenten, aber man riss sich nicht um die Treberhilfe’, so der vorläufige Insolvenzverwalter Christian Köhler-Ma von der Berliner Kanzlei Leonhardt. ‚Deshalb bin ich sehr froh, dass wir mit dem Evangelischen Diakonieverein einen im Bereich der Sozialarbeit sehr erfahrenen Verein gefunden haben. Damit sind die 100 Arbeitsplätze der Mitarbeiter gesichert und sie haben wieder eine sichere Perspektive. Vor allem dürfte diese Übernahme eine gute Nachricht für alle Obdachlosen sein, die um den Verbleib in ihren Wohnungen fürchteten, für die die Treberhilfe keine Miete mehr überwiesen hatte.’

‚Mit dem Evangelischen Diakonieverein erhält die Treberhilfe einen soliden Partner mit über 100 Jahren Erfahrung in der Sozialarbeit in Berlin. Damit die heutige Übernahme auch zu einem dauerhaften Erfolg wird, sind nun die Bezirksämter und Vermieter in Berlin gefordert. Die Bezirksämter können die neue Treberhilfe unterstützen, in dem sie mehr Obdachlose schicken. Die Vermieter erhalten sichere Mieteinnahmen von der neuen Treberhilfe. Dafür sollten sie allerdings auch die Mietverträge zu den alten Bedingungen fortführen und den Diakonieverein nicht durch Mieterhöhungen zusätzlich belasten. Das wäre ein nachhaltiger Beitrag der Bezirksämter und der Vermieter für die Obdachlosen und die Stadt Berlin’, so Köhler-Ma.“

Ein Jahr später gab es eine weitere Pressemitteilung, die bislang auf der Internetseite des Trägers nicht veröffentlicht, aber den Medien per Mail zugestellt wurde. Darin heißt es:

„Der Evangelische Diakonieverein Berlin-Zehlendorf e.V. zieht ein Jahr nach Gründung der Neuen Treberhilfe gGmbH eine erste Bilanz. Vor einem Jahr, am 1.12.2011, hat der Evangelische Diakonieverein Berlin-Zehlendorf e.V (EvDV, die Neue Treberhilfe gGmbH gegründet und den Geschäftsbetrieb der insolventen Treberhilfe Berlin gGmbH übernommen. Damit wurde den Mitarbeiter/innen sowie deren Klientinnen eine neue Perspektive gegeben. Der Ev. Diakonieverein ist 100%iger Gesellschafter der Neuen Treberhilfe gGmbH. Jan Dreher, kaufmännischer Vorstand des Ev. Diakonievereins, sagt über das jüngste Engagement des EvDV: ‚Wie sind mit den Entwicklungen des vergangenen Jahres zufrieden.’ Die Geschäftsführung der Neuen Treberhilfe ist Anfang des Jahres mit Diakonieschwester Susette Schumann und Sebastian Kalkowsky besetzt worden. Auch die Doppelspitze sieht das vergangene Jahr als erfolgreich an. Sebastian Kalkowsky, der das Finanz- und Rechnungswesen des EvDV leitet, sagt: ‚Wie sind im Plan. Es war allen Beteiligten klar; dass wir einen ganz neuen Träger gegründet haben, was anfänglich immer eine Herausforderung darstellt.’

Der Gesellschafter und die Geschäftsführung sind sich einig, dass im Vordergrund des Handelns Qualität und Nachhaltigkeit stehen. Dies betrifft die Arbeit mit den Menschen vor Ort in den Einrichtungen genauso wie die Perspektive des jungen Unternehmens. Sebastian Kalkowsky fasst zusammen: ‚Es ist unser Ziel, die Neue Treberhilfe für die Zukunft nachhaltig auf ein solides Fundament zu stellen. Die Erwatungen, die wir hatten, sind weitestgehend eingetroffen.’

Ein besonderes Augenmerk auf die Qualität der Arbeit und den fachlichen Austausch legt die Geschäftsführerin Susette Schumann: ‚Bei der Neuen Treberhilfe geht es nicht um schnell, schnell, sondern um fachlich qualifizierte Sozialarbeit.’

Im vergangenen Jahr sind neue Strukturen im Träger etabliert worden. Ein stabiler Mitarbeiterstamm gewährleistet die Kontinuität der Arbeit. Qualitätszirkel und Fortbildungen für die Mitarbeiter/innen ermöglichen eine einheitliche Dokumentation und ergänzen langjährige Erfahrungen mit aktuellem Wissen. ’Es ist uns ein Anliegen, den Fokus insbesondere auf die fachliche Weiterentwicklung zu setzen und auch neue, bedarfsgerechte Modelle der Sozialen Arbeit zu entwickeln’, so Susette Schumann.

Die Neue Treberhilfe bietet Leistungen im Bereich Jugend und Soziales an. Hierzu gehören unter anderem die Betreuung von Minderjährigen, Müttern und Vätern mit Kindern sowie die Beratung von Erwachsenen mit sozialen Schwierigkeiten. Hilfesuchende finden die Neue Treberhilfe an verschiedenen Bürostandorten in der Stadt. Des Weiteren gibt es zwei Wohnungslosen-Einrichtungen. Eine aufsuchende Straßensozialarbeit wird seitens der Neuen Treberhilfe als kleines, spendenfinanziertes Projekt an zwei Tagen die Woche am Bahnhof Zoo weitergeführt. Aktuell wird ein Haus im Bezirk Mitte umgebaut, das im nächsten Jahr als Kriseneinrichtung für Minderjährige genutzt werden soll. Die Einrichtung trägt den Namen ‚Chance Mitte’.“

Ein paar Anmerkungen. Fraglos ist der Evangelische Diakonieverein Berlin-Zehlendorf e.V. ein ehrenwerter Träger. Es ist jedoch völlig unvorstellbar, dass dieser Träger besonders glücklich mit der Übernahme der alten Treberhilfe sein kann. Die Pressemitteilung ist aufgeblasen mit Floskeln, die nichts Konkretes besagen. Wie viele Mitarbeiter/innen von den 100 sind denn heute noch dort tätig? Welche Verträge bestehen mit wem? Wie viele Klienten werden von dem Träger betreut? Wie sieht es mit den Umsatzzahlen für 2011/2012 aus? Harald Ehlert wurde unter anderem immer Intransparenz vorgeworfen. Im Gegensatz zu dem Diakonieverein war Ehlert geradezu schwatzhaft was die Veröffentlichung von Umsatz-, Mitarbeiter- und Klienten-Zahlen anbelangte.

Wir haben übrigens mehrfach versucht, Licht ins Dunkel zu bringen. Wie hoch sind die Einnahmen, wie hoch die Kosten? Gibt es vielleicht Verluste? Wer trägt diese? All diese Fragen wurden von der Geschäftsleitung nicht beantwortet. Keine Behauptung wurde bestätigt, aber auch nicht dementiert. Gerüchte, wonach es inzwischen einen Sozialplan für die Mitarbeiter/innen geben soll, dementierte auf Nachfrage der Betriebsratsvorsitzende Ralf Bittner gegenüber paperpress. Bittner war auch schon Betriebsratsvorsitzender der alten Treberhilfe.

Natürlich kann man sagen, was soll das alles, ist doch egal. Lass die doch machen. So einfach ist es aber nicht. Wir haben es hier mit der gezielten Vernichtung eines erfolgreichen Trägers zu tun, dessen verbliebene Einzelteile verscherbelt wurden. So wie sich alle für die Treberhilfe und ihres Chefs Harald Ehlert interessiert haben, sollten wir uns heute für die Neue Treberhilfe interessieren, und auch für die Neue Chance, in der sich ja auch Teile des alten Trägers versammelt haben. Das Kapitel Treberhilfe ist noch längst nicht abgeschlossen.

Ed Koch

  
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