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Ein Rathaus ist ein Rathaus

geschrieben von: Redaktion am 26.12.2012, 14:35 Uhr
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Seit Jahren wird in den Medien immer wieder darüber berichtet, dass sich der Bezirk Tempelhof-Schöneberg von seinem Rathaus im Ortsteil Friedenau trennen will. Natürlich geht es nur ums Geld. Ständig weniger werdende Beschäftigte führen offenbar zu der Erkenntnis, dass man nicht mehr drei Rathäuser benötigt, sondern nur zwei, ganz abgesehen von zahlreichen Nebenstellen, die über den Bezirk verstreut sind. Mit wie wenig Mitarbeiter eine Bezirksverwaltung ihre Aufgaben überhaupt noch erfüllen kann, wird nur am Rande diskutiert.
In der Ausgabe vom 26. Dezember 2012 der Berliner Woche ist zu lesen, dass nun erst 2014 das Rathaus „verkaufsbereit“ sein soll. Nach ersten Planungen hätte es längst seinen Eigentümer wechseln sollen, denn bereits 2011 hat die Bezirksverordnetenversammlung den unsäglichen Beschluss gefasst, sich von dem Rathaus zu trennen. Angeblich würde der Bezirk eine Million Euro jährlich einsparen, wenn er das Rathaus abgäbe. 15 Millionen Euro, schreibt die Berliner Woche, würden die Umbauten im Rathaus Schöneberg und im ehemaligen Gesundheitsamt Mariendorf kosten, um die Beschäftigten aus Friedenau dort unterbringen zu können. Im Rathaus Friedenau befinden sich die meisten Dienststellen des Jugendamtes, neben zwei weiteren in der Mariendorfer Strelitzstraße und der Lichtenrader Briesingstraße. Vermutlich eine Million Euro Schaden ist durch einen mutwillig herbeigeführten Wasserschaden im Februar 2012 im Rathaus Friedenau entstanden. Angeblich ist der Bezirk auf diesen Kosten nicht sitzen geblieben, sondern hat der Finanzsenator die Rechnung übernommen. Und da sind wir schon bei der Methode der öffentlichen Verwaltung, „Meine Tasche, Deine Tasche“. Schön, dass der Bezirk nicht für die Vandalismusschäden aufkommen musste, sondern das Land. Es handelt sich unterm Strich jedoch um Steuergelder. Und dem Steuerzahler ist es egal, wie der Senat die Gelder in der Stadt zwischen Haupt- und Bezirksverwaltung aufteilt.

Wenn man jetzt schon von 15 Millionen Euro Umbaukosten ausgeht, kann man bei den Erfahrungen in dieser Stadt bis zur Fertigstellung getrost von erheblich mehr ausgehen. Und wenn jemand sagt, Ende 2014 werden die Beschäftigten umziehen können, dann glaubt daran ohnehin niemand. Nichts bleibt im Kostenrahmen und nichts wird rechtzeitig fertig. Woher der Bezirk überhaupt die 15 Millionen Euro nehmen will, ohne an anderen Stellen Grausamkeiten zu begehen, versteht ohnehin niemand.

Der Bezirk macht es sich mit der Aufgabe der Immobilie recht einfach. Keine Alternativplanung in eigener Regie. So könnte man ja vielleicht Teile der Bezirksverwaltung dort lassen und freie Räume vermieten. Es gibt sicherlich viele Vereine und Institutionen im Bezirk, die Räume suchen.

Ein Rathaus hat eine wichtige Bedeutung im Kiez, vor allem, wenn sich ihn ihm eine Bibliothek und ein Kindertheater befinden. Mit erheblichen Mitteln ist der Schlesiensaal des Rathauses, in dem das Theater Morgenstern tätig ist, nach dem Wasserschaden wieder hergerichtet worden. Da freut sich der Nachmieter. Apropos. Die Vorstellung, dass sich im Rathaus Friedenau ein Hotel einquartieren könnte, ist ziemlich abwegig. Eher geht man von einer anderen Behörde aus. Es gebe Verhandlungen mit potentiellen Nachmietern, sagt Bürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) der Berliner Woche. „Es sieht im Moment nicht so aus“, sagt die Bürgermeisterin, „als würde das Haus lange leer stehen.“

Auch hier wäre die Überlegung nicht falsch, sich das Rathaus mit anderen zu teilen, ehe man es völlig aufgibt. 2014 wird der Bezirk 100 Jahre Rathaus Schöneberg feiern. Die 100-Jahrfeier der Eröffnung des Rathauses Friedenau 2017 wird dann wohl nie-mand mehr feiern wollen.

Die Bürgerinitiative Breslauer Platz warnt: „Das Gebäude sollte auf keinen Fall zum Liegenschaftsfond als Immobilie XYZ abgeschoben werden. Die Friedenauer Bürger beobachten mit wachsender Sorge, wie ihr Rathaus allmählich vom denkmalgeschützten Wahrzeichen zum Schandfleck degeneriert. Seit Jahrzehnten bröckelt der Putz an der Fassade. Auch innen ist das Gebäude in einem bedauernswerten Zustand.“

Nach dem Wasserschaden im Februar 2012 forderte die BI: „Wir erwarten, dass jetzt endlich gehandelt wird. Insbesondere fordern wir: die Überprüfung und Nachbesserung der Gebäudesicherheit: wirksame Türschließungen, Bewegungsmelder, Videoüberwa-chung, Wachdienst. Entwicklung eines nachhaltigen Konzepts für die Sanierung, Erhaltung und Nutzung des Gebäudes in öffentlicher Hand.

Ursprünglich war das Gebäude von Architekt Hans Altmann als multifunktionales modernes Bürgerhaus geplant, ausgestattet mit Feuerwehr, Büros, Sitzungssälen, einer Bank, einer Bücherei sowie mit repräsentativen Räumen wie dem Schlesiensaal – also ein Haus für die Friedenauer Bürger/innen.“

„Berlin ist arm aber sexy und weil Berlin arm ist und unser Rathaus sexy, sollte ein Verkauf an einen privaten Investor der allerletzte Ausweg sein“, schreibt die BI. „Selbst wenn eine neue andere Nutzung durch den Bezirk/Bürger nicht zustande kommen sollte, darf das Grundstück nicht verkauft werden! Ein Verkauf an Investoren kann zum Nachteil des Stadtteils Friedenau werden. Ob ein Investor die Immobilie denkmalgerecht restauriert und einer für Friedenau guten und sinnvollen Nutzung zuführt, ist nicht vorauszusehen.

Wie kann eine neue andere Nutzung aussehen? Voraussetzung ist, dass das Rathaus im Besitz des Bezirks verbleibt: Das Rathaus kann seiner ursprünglichen Bestimmung als Bürgerhaus zugeführt werden. Friedenauer Bürger/innen sollten die Räume weiterhin – und sogar besser – nutzen können wie z.B. für: Veranstaltungen, Gesundheitstage, Tanz und Kinder-Theater, die gut besuchte Gerhard-Hauptmann-Bibliothek, sie könnte ausgeweitet werden und ein noch breiteres Angebot bieten. Friedenau war und ist ein kreativer Stadtteil. Bildende Künstler könnten hier einen Ort für Ausstellungen erhalten.“

Die Friedenauer sprudeln geradezu über, wenn es um ihr Rathaus geht. Die BI setzt sich auch für eine Verschönerung des Breslauer Platzes ein. Dazu fanden bereits Gespräche mit dem Bezirksamt statt. Ende November erhielt die Initiatorin des „Friedenau Netzwerkes“, Magrit Knapp, die Verdienstmedaille des Bezirks für ihr Engagement. Eine schöne Geste, folgen sollten jedoch Überlegungen auch der Bezirksverwaltung, wie das Rathaus für die Bürgerinnen und Bürger Friedenaus erhalten bleiben kann. Eine Immobilie und ein Grundstück kann man nur einmal verkaufen. Etwas irgendwann zurück erwerben zu wollen, siehe Wasserbetriebe, ist ein sehr teures Vorhaben.

Ed Koch

  
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