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Beiträge: SPD Wahlprogramm

geschrieben von: Redaktion am 09.07.2006, 16:37 Uhr
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Auszüge aus dem Wahlprogramm der SPD zu den Themen Bildung und Familie. Das ausführliche Wahlprogramm entnehmen Sie bitte der Internetseite der SPD Berlin.
Frauen und Männer unter 25

Die Berliner SPD wird sich nicht mit der Dauerarbeitslosigkeit von Jugendlichen abfinden. Alle Berliner Jugendlichen muss die Möglichkeit geboten werden, eine Berufsausbildung zu beginnen und abzuschließen. Für die SPD behält die duale Berufsausbildung Priorität. Auch daher ist die Wirtschaft in ihrer Verantwortung gefordert, ausreichend Ausbildungsplätze bereit zu stellen. Als weitergehende Instrumente kommen neben dem Ausbildungspakt Verpflichtungen auf tarifvertraglicher oder gesetzlicher Basis in Betracht. Daneben sind Ergänzungen zum dualen Berufsentwicklungssystem zu entwickeln. Wir werden uns für einer Einstellungskorridor für ausgelernte Auszubildende und Anwärterinnen und Anwärter des Landes Berlin einsetzen, um Überalterung und Fachkräftemängel im öffentlichen Dienst entgegenzuwirken.

Unter den jungen erwerbslosen Erwachsenen in Berlin haben rund 79% keinen Berufsabschluss, 44% keinen Schulabschluss. Wir werden dafür sorgen, dass alle Jugendlichen denen zunächst keine Ausbildung angeboten werden kann, eine passende Qualifizierung erhalten. Insbesondere Arbeitsgelegenheiten für Jugendliche dürfen nur dann angeboten werden, wenn sie einen hohen Qualifizierungsanteil haben. Diese vorübergehenden Beschäftigungs- und Arbeitsangebote („Warteschleife“) müssen Qualifizierungsbausteine (Module) enthalten, die als Teil einer Ausbildung anzurechnen sind. Wo es notwendig ist, muss die Beschäftigung mit dem Nachholen von Schulabschlüssen verknüpft werden.

Stadt des Wissens: Bildung schafft Chancen

Der Zugang zu Bildung muss unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht, Alter und Einkommen gewährleistet sein. Das ist eine wesentliche Grundlage sozialer Gerechtigkeit und Voraussetzung für die Entwicklung der Gesellschaft. Bildung ist mehr als Fachwissen. Toleranz, Demokratie, Gemeinschaft, Menschlichkeit müssen vermittelt und erlebbar gemacht werden.

Die Herausforderungen der demografischen Entwicklung, der Globalisierung und des internationalen Wettbewerbs können wir nur meistern, wenn wir unser Bildungssystem weiter ausbauen und besser qualifizieren. Wir haben ein im Bundesvergleich sehr gut ausgestattetes Bildungs- und Betreuungsangebot für die kleinen Berlinerinnen und Berliner. Die Bedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind bereits jetzt in kaum einem anderen Bundesland besser als in Berlin.

Kleine Kinder haben Freude am lernen: Auch Kitazeit ist Bildungszeit. Deshalb gestalten wir alle Berliner Kitas konsequent zu Bildungs- und Erziehungseinrichtungen um. Die mit allen Trägern abgeschlossene Qualitätsvereinbarung verpflichtet jede Berliner Kita zur Umsetzung des Berliner Kita-Bildungsprogramms, das in Fachkreisen über Deutschland hinaus große Anerkennung findet Alle Berliner Erzieherinnen und Erzieher werden dazu fortgebildet.

Darüber hinaus haben wir erreicht, dass ab 2007 das letzte Kita-Jahr kostenfrei ist. Dadurch ist für alle Kinder ein Jahr vorschulischer Förderung sichergestellt. Kinder werden so besser auf die Schule vorbereitet.

Mit dem neuen Schulgesetz ist eine umfassende Reform der Berliner Schule eingeleitet und wird Schritt für Schritt umgesetzt. Damit stärken wir die kindliche Sprachkompetenz, verkürzen die Zeit zum Abitur, verbessern die Qualität des Unterrichts und fördern bildungsbenachteiligte Kinder besser als bisher.

Wir wollen die Anzahl der Schülerinnen und Schüler mit Fachabitur und Abitur erhöhen. Wir haben den Schulen mehr Selbständigkeit und Verantwortung gegeben, das Ganztagsschulangebot in der Grundschule flächendeckend ausgebaut, unser Schul- und Sportstättensanierungsprogramm über 40 Millionen Euro jährlich erfolgreich fortgesetzt und junge Lehrer eingestellt. In den Schulen haben wir ein abgestimmtes System von Maßnahmen zur Qualitätssicherung installiert - von regelmäßigen Tests und Vergleichsarbeiten über Schulinspektionen bis zur Intensivierung der Fort- und Weiterbildung.

Die Zukunft der Einzelnen wie der gesamten Gesellschaft ist eine Frage sozialer Kompetenz und eines leistungsfähigen Bildungssystems. Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit gibt es nur, wenn alle entsprechend der individuellen Fähigkeiten bestmöglich gefördert und gefordert werden.

Bildung ist Zukunft - Bildungspolitische Prioritäten

Wir werden das Berliner Bildungssystem so weiter entwickeln, dass alle Schülerinnen und Schüler einen ihren Fähigkeiten entsprechenden Abschluss erzielen können und die Absolventinnen und Absolventen unserer Schulen und Hochschulen in nationalen und internationalen Vergleichen einen Spitzenplatz einnehmen. Deswegen haben wir uns folgende Ziele gesetzt:

• Alle Kinder sollen bei der Einschulung angemessen Deutsch sprechen können. Dazu werden wir die Sprachförderung der Kinder durch Sprachstandsfeststellungen und Sprachkurse weiter intensivieren und verlässliche Angebote der Familienbildung und Sprachangebote für Eltern in direkter Anbindung an Kita-Standorte entwickeln und ausbauen.
• Wir werden die Erzieherinnen und Erzieher zur Sprachförderung in den Kitas weiter qualifizieren und die Ausbildung entsprechend verbessern.
• Wir werden die Schulabbrecherquote in den nächsten zehn Jahren mindestens halbieren.
• Der Anteil der Klassenwiederholer und derjenigen, die beim Schulübergang von der Grundschule in die Mittelstufe scheitern, wird weiter reduziert. Außerdem werden mehr Jugendliche eines Jahrgangs die Hochschulzugangsberechtigung erwerben und ein Studium aufnehmen.
• Die Berufsweltorientierung der Schulen wird verbessert. Die Schulen sollen ihre Selbständigkeit dazu nutzen, eigene Initiativen zur stärkeren Zusammenarbeit mit weiterführenden Bildungseinrichtungen und Unternehmen zu ergreifen.
• Kinder und Jugendliche sollen am kulturellen Leben der Stadt teilhaben können. Kulturelle Bildung muss durch bessere Koordinierung der kulturellen Einrichtungen und Bildungsinstitutionen verstärkt werden.
• Die Bildungsverwaltung wird sich stärker als bisher als Dienstleister der Schulen ausrichten und durch kontinuierliche Fort- und Weiterbildungsangebote die Qualität von Bildung und Erziehung erhöhen.
• Das Schul- und Sportstättensanierungsprogramm wird fortgesetzt und ein Investitionsprogramm zum Ausbau von Mensen auch an den Oberschulen gestartet. Damit werden wir das Angebot und die Qualität von Ganztagsschulen weiter erhöhen.
• Wir werden allen Schulen ein Budget für Persona I mittel zur Verfügung stellen, mit dem sie selbständig Vertretungen organisieren können.
• Zur Sicherung des künftigen Lehrerbedarfs an Berliner Schulen wird es in den nächsten Jahren einen Einstellungskorridor geben, so dass die gut ausgebildeten Berliner Referendarinnen und Referendare eine Beschäftigungsmöglichkeit an Berliner Schulen erhalten.
• Wir stehen für lebenslanges Lernen aus Gründen der Zukunftsfähigkeit wie sozialer Gerechtigkeit. Deshalb fördern wir die dafür notwendigen Rahmenbedingungen und Institutionen.

Wir wollen eine Schule, in der Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und ihre Kinder gemeinsam Verantwortung tragen. Hierzu gehört es auch, das Engagement der Eltern zu unterstützen und einzufordern. Deshalb weiten wir die Selbständigkeit der Schulen konsequent aus. Wir werden eine Internetplattform einrichten, über die die Schulen Zugriff auf noch nicht fest angestellte junge Lehrkräfte und andere Qualifizierte haben. So werden wir den Unterrichtsausfall weiter reduzieren.

Um diese Ziele zu erreichen, brauchen wir mehr Transparenz und Wettbewerb unter den Bildungseinrichtungen. Wir werden deshalb neben den Schulprogrammen auch die Ergebnisse der Vergleichsarbeiten öffentlich zugänglich machen. Dabei werden wir darauf achten, dass qualifizierte Vergleichsmöglichkeiten die Unterschiede im Umfeld der Schulen und damit die unterschiedlichen Rahmenbedingungen berücksichtigen.

Nach der umfassenden Reform durch das Schulgesetz werden die Schulen in den nächsten Jahren eine gesicherte Ausstattung erhalten, die es ihnen ermöglicht, ihre Arbeit kontinuierlich fortzuführen und dabei der Verbesserung der Unterrichtsqualität und der Entwicklung von Schule als Lern- und Lebensort besonderes Augenmerk zu widmen. Die bildungspolitische Debatte um die Zukunft der Schule ist damit aber nicht beendet. Auch über die Umsetzung des Schulgesetzes hinaus wird sich Schule in Berlin weiter verändern müssen. Wir haben aus den Bildungsstudien der vergangenen Jahre und aus den Erfahrungen in Skandinavien die richtigen Schlüsse gezogen: Unsere Kinder sollen länger gemeinsam lernen. Wir wollen die soziale Auslese des deutschen Schulsystems überwinden. Wir werden deshalb ein Konzept für eine Gemeinschaftsschule entwickeln. Im ersten Schritt werden wir Initiativen von Schulen zur schulformübergreifenden Kooperation unterstützen. Erfolgreiche Gesamtschulen wollen wir zu Gemeinschaftsschulen ausbauen.

Schule und Kita in sozialer Nachbarschaft

Schulen und Kitas sind keine isolierten Bildungseinrichtungen. Sie müssen sich öffnen, in ihre sozialen Nachbarschaften integrieren und Verantwortung in ihrem Umfeld übernehmen. Deshalb werden wir die Zusammenarbeit der Schulen und Kitas mit der Jugendhilfe, der lokalen Wirtschaft, den bezirklichen Job-Centern, der Bundesagentur für Arbeit und anderen Einrichtungen intensivieren.

Unsere besondere Verantwortung liegt darin, auch denen eine Perspektive zu geben, die keine hohen und höchsten Abschlüsse erreichen. Wir werden die Hauptschülerinnen und Hauptschülern bei ihrer Ausbildungswahl und der Suche nach einem Ausbildungsplatz besser unterstützen als bisher. Dafür ist die Zusammenarbeit der Schulen mit der Wirtschaft, der Bundesagentur für Arbeit und anderen Einrichtungen erforderlich.

Jugendliche brauchen Förderung und Schutz. Damit Kinder und Jugendliche gute Bedingungen für ihre Entwicklung bekommen, sind neben einem gut funktionierenden Bildungssystem eine sie fördernde Familie, ausreichend Möglichkeiten für wohnortnahe Freizeitaktivitäten, bedarfsgerechte und flexible Hilfen sowie eine Vielzahl von Angeboten an die Familien unabdingbar. Mit sozialraumorientierter Jugendhilfe wollen wir erreichen, dass die
notwendigen Hilfen im Kiez angeboten werden und passgenau ankommen. Jugendhilfe wird in Zukunft regional organisiert sein und sich mit den Schulen und den anderen Institutionen, Projekten und Vereinen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, vernetzen. Frühzeitige Unterstützung bietet die größtmöglichen Chancen auf Erfolg. Deshalb gehen wir u.a. konsequent gegen Schulschwänzen vor und nehmen gleichzeitig die Eltern in die Verantwortung. Jugendhilfe muss unterstützen, aber auch in Gefährdungssituationen unverzüglich und konsequent eingreifen. Um Gefährdungssituationen rechtzeitig erkennen und richtig einschätzen zu können, müssen alle Institutionen und Bezugspersonen von Kindern und Familien zusammenarbeiten.

Familienpolitik

Familie ist dort, wo Kinder sind. Unser Land braucht Kinder, denn sie verkörpern die Zukunftschancen einer alternden Gesellschaft. Die SPD sieht sich in der Verpflichtung, für alle, die es wünschen, Familie lebbar zu machen. Dazu gehören Rahmenbedingungen, die insbesondere die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsarbeit ermöglichen, aber auch die Kinder in ihrer Entwicklung unterstützen. Wir haben in den letzten Jahren hier in Berlin bereits einen guten Weg beschritten, den wir kontinuierlich fortsetzen werden.

Familien müssen materiell besser abgesichert werden. Kinder dürfen kein Armutsrisiko sein. Die SPD setzt sich daher entschieden für das neue Elterngeld ein. Es bleibt darüber hinaus weiter bei der 3-jährigen Elternzeit mit Arbeitplatzgarantie und Teilzeitanspruch. Finanzielle Erleichterungen sind verstärkt dort zu gewähren, wo Kinder erzogen werden.

Familien brauchen eine kinderfreundliche Infrastruktur. Berlin muss eine Stadt sein, in der Kinder überall willkommen sind. Auf Landes- und Bezirksebene tritt die SPD dafür ein, bei allen geplanten Maßnahmen die besonderen Bedürfnisse von Familien zu berücksichtigen.

Die SPD engagiert sich nachhaltig dafür, dass die Berliner Unternehmen durch flexibel gestaltete Arbeitsplatzangebote, Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsarbeit ermöglichen. Dies gilt ausdrücklich für Mütter und Väter. Dazu wird die erfolgreiche Allianz für die Familie mit den lokalen Bündnissen weiter flächendeckend ausgebaut.



  
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