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Abschied von Fritz Rau und Henning Vosskamp

geschrieben von: Redaktion am 20.08.2013, 20:10 Uhr
paperpress618 
Das war mal wieder ein Tag, an dem man dachte, dass doch alles nicht wahr sein könne. Erst erfuhr man vom Tod Henning Vosskamps und wenig später Fritz Rau. Ich weiß nicht, ob sich beide kannten. Eines haben sie jedoch gemeinsam, nämlich viel für die Musikszene in Berlin getan. Henning Vosskamp, der bis zu seiner Pensionierung vor fünf Jahren beim SFB/RBB als hörbare Radiolegende tätig war. Daran, dass er die einst Maßstäbe setzende Jugendfunksendung s-f-beat „erfunden“ hat, wie heute einige Zeitungen melden, kann ich mich nicht erinnern. Er war einer der späteren Moderatoren, wie auch Juliane Barthel. Gründungssprecher waren Ulli Herzog (Mo + Mi), Hans-Rainer (Pfeifen-)Lange (Di + Fr) und Hans-Dieter Frankenberg (Do). Sei es drum. Vosskamps Stimme war eine Wohltat, seine Musik- und Gesprächssendungen ein Format, nach dem man heute vergeblich sucht. Klaus Hoffmann hat ihn sogar in einem seiner Bücher verewigt. Vosskamp hatte immer gute Laune und war zu allerlei Späßen aufgelegt. Als er vor – gefühlt – 40 Jahren Gastdiscjockey in einer meiner Veranstaltungen war, schrieb er ins Gästebuch: „Nach dem Mord an Erika, flog er nach Nordamerika!“ Ich glaube, es war Klaus Hoffmanns 60ster Geburtstag, als ich ihn auf diesen Eintrag ansprach. Ja, das ist glaubwürdig, sagte er. Seine Stimme verstummte im Radio leider schon vor fünf Jahren, nun hat er mit 70 Jahren viel zu früh die Welt verlassen. Und wie so oft, bleibt nur eines, die Erinnerung an eine schöne, bessere Radiozeit.

Mit Fritz Rau verbinde ich viele aufregende Erlebnisse Ende der 60er Jahre in Berlin. In PA-PERPRESS Nr. 410 vom März 2006 erschien der nachfolgende Beitrag, den ich an dieser Stelle gern noch einmal veröffentlichen möchte, so wie man bei Todesfällen im Fernsehen alte Filme zu Ehren der Verstorbenen zeigt. Und – wie gesagt – es bleibt die Erinnerung an eine bessere Zeit, nicht, weil per se früher alles besser war, wie wir älteren Leute gern behaupten. Nein, in den Fällen Vosskamp und Rau ist es tatsächlich so.

aus PAPERPRESS Nr. 410 – März 2006

Der bekannteste und erfolgreichste deutsche Konzertveranstalter Fritz Rau (Jahrgang 1930) hat seine Lebensgeschichte aufgeschrieben. "50 Jahre Backstage".

Fritz Rau ist eine imposante Erscheinung. Er wäre ein angesehener Jurist, sicher sogar ein respektabler Richter geworden. Bei seinen Verhandlungen hätte es niemand gewagt, dazwischenzuquatschen, so wie bei diesen Fernsehrichtern. Er hat Jura studiert. Das Studium abgebrochen, später wieder aufgenommen und erfolgreich abgeschlossen. Aber, „er hat das Herz eines Künstlers“, so Nana Mouskouri. Und vor allem hat er ein Herz für die Musik, für gute Musik. Vom Jazz über den Blues zum Rock. Er stand jedoch nie als Künstler auf der Bühne, sondern stets dahinter, da, wo ein Konzertveranstalter hingehört.
50 Jahre hat Fitz Rau Backstage verbracht. Er nennt das „die andere Seite des Konzerts“. Dorthin fällt wenig Licht. Die Scheinwerfer sind auf die Bühne gerichtet, auf der sich die Musiker dieser Welt treffen. „Die Künstler sind die Sonne an unserem Konzertfirmament; diejenigen, die auf der Bühne Licht und Wärme spenden. Backstage ist davon höchstens ein Mondlicht zu sehen, als schwacher Abglanz der Bühnensonne.“ Die Rolling Stones, deren Mitglieder er kennen lern-te, als sie noch nicht die Stones waren, Jethro Tull, The Doors, Janis Joblin, Emerson, Lake & Palmer, Eric Burdon, Bruce Springsteen, Queen, Santana, Simon & Garfunkel, Ike & Ti-na Turner, Paul McCartney, Prince, Rod Stewart, Stevie Wonder, Frank Sinatra, Johnny Cash,…..diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Nicht nur die internationalen Stars wurden von Fritz Rau betreut, sondern auch die deutschsprachigen wie Udo Jürgens, Udo Lindenberg und vor allem Peter Maffay, mit dem er eines der größten und großartigsten Projekte schuf: Ta-baluga und Lilli.

Über alle „seine“ Künstler und darüber, wie man Konzertveranstalter wird und es erfolgreich bleibt, kann man spannende und anrührende Geschichten in den Erinnerungen nachlesen, die Fritz Rau Ende 2005 in seinem Buch „50 Jahre Backstage“ veröffentlicht hat. (19,90 € www.palmyra-verlag.de). Zum Beispiel wie Marlene Dietrich dem fiebrigen Fritz Rau die Brust mit Wick VapoRub einrieb „Das wird Dir gut tun“, oder der heimische Kanarienvogel durch ein Versehen aus seinem Käfig entwich und Jimi Hendrix in die Haarpracht flog. Wer auf Bettge-schichten aus ist, oder nachlesen möchte, wer wann welchen Joint geraucht hat, kommt nicht auf seine Kosten. Das Buch von Fritz Rau hat keine Unterlassungsklagen zu fürchten. Man kann auch von spannenden Erlebnissen berichten ohne den Beteiligten an die Wäsche zu gehen. Fritz Rau liebt seine Künstler und sie lieben ihn.

Sein Lebensmotto: „Das Beste für viele!“ „Das meint“, so Fritz Rau in seinem Buch, „kein Ergebnis, das wir schon erreicht hätten, sondern eine Aufgabe, der wir uns immer wieder stellen müssen: Das bestmögliche Konzert für so viele Menschen wie möglich!“ Die zweite Hälfte des 20sten Jahrhunderts hat Fritz Rau mit seinen Konzerten bereichert, er hat Millionen von Menschen die Künstler so nahe wie möglich gebracht, auf großen und kleinen Bühnen, in Sälen, Hallen und Open Air. Und immer live!

Anfang März stellte er in einer von Radio Eins promoteten Lesung im Quasimodo sein Buch vor. Dazu waren nicht nur alte Hasen der Musikszene erschienen, sondern auch viele Jüngere. Radio Eins-Musikchef Peter Radszuhn, eine ebenso markante wie angenehme Stimme des Rundfunks, begrüßte die Gäste und sprach nach gut 90 Minuten Lesung die Schlussworte, bei denen sich Fritz Rau und er herzlich umarmten. Ulla Meinecke umrahmte die Lesung musikalisch, begleitet von Ingo, einem hervorragenden Gitarristen. Auf der Rückseite von Büchern steht immer in knapper Form, warum man dieses Buch kaufen muss. Selten stimmen Werbetext und Inhalt des Werkes so überein, wie im Falle „50 Jahre Backstage“. Ein Auszug des Klappentextes, dem man sich getrost anschließen kann: „Anregend und informativ sind besonders auch die Passagen seines Buches, in denen Rau in einer klaren Sprache kultur- und gesellschaftspolitisch Stellung bezieht. So wendet er sich entschieden gegen die fragwürdige Unterscheidung von E- (Ernster, Anmd.Red.) und U-Musik (Unterhaltung, Anmd.d.Red.) sowie gegen eine als elitär verstandene öffentliche Kulturförderungspraxis. Rau bezieht demgegenüber engagiert Position für eine ‚Demokratisierung der Kultur’. Das Buch ist somit ein besonderes Vermächtnis zur populären Musik. Raus Erinnerungen sind ein Muss für alle Musikliebhaber und Kulturinteressierte“.

Wenn man über Fritz Rau schreibt, dürfen zwei andere Namen nicht unerwähnt bleiben. Horst Lippmann und Norman Granz. Lippmann wurde 1927 in Eisenach geboren, 1997 starb er in Frankfurt am Main. Dazwischen lagen 70 Jahre für den Jazz. Schon Anfang der 40er Jahre, als in Deutschland diese Musik das Hakenkreuzsiegel „Entartet“ aufgedrückt bekam, knüpfte er Kontakte zu Jazzmusikern um Emil Mangelsdorf und Carlo Bohländer. Horst Lippmann spielte Schlagzeug, und er verfasste eine der ersten deutschen Jazz-Zeitschriften: „Mitteilungen für Freunde der modernen Tanzmusik.“ Seine Jazzbegeisterung musste er teuer bezahlen. Die Nazis steckten ihn ins Gefängnis. Er überlebte und empfand das Kriegsende mehr als viele andere als Befreiung.

Lippmann und Rau begegneten sich erstmalig 1955 beim Deutschen Jazzfestival in Frankfurt am Main, wo Bandleader Kurt Edelhagen eine „blutjunge, sensationelle Sängerin“ vorstellte: Caterina Valente. Das Konzert war ausverkauft. Lippmann war Veranstalter. Rau, eigens per Anhalter aus Heidelberg angereist, wollte unter allen Umständen hinein und scheiterte am Veranstalter höchst persönlich. Das Scheitern quittierte Rau mit einem „Du bist ein Arschloch!“ Das nächste Treffen der beiden fand ein Jahr später statt. Inzwischen hatte Rau Ende 1955 sein erstes Konzert veranstaltet, ausverkauft. Unter den Gästen, offenbar mit vorher erworbener Eintrittskarte: Horst Lippmann. Und als sie sich 1956 zum zweiten Male persönlich begegneten, wovor Fritz Rau verständlicher Weise einen gewissen Bammel hatte, begrüßte ihn Horst Lippmann mit den Worten: “Na du Hitzkopf, hast du dich inzwischen abgeregt?“ Und wie lautet jener legendäre Casablanca-Satz? „Das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft!“

Zuerst musste Fritz Rau aber buckeln. Aktentaschenträger war seine Aufgabe. Aber, ein begab-ter. Norman Granz hat es Rau letztlich mitzuverdanken, dass Lippmann Rau zu seinem 50:50-Teilhaber machte. Und so entstand Lippmann + Rau GmbH & Co. KG, die erfolgreichste Konzertagentur in Deutschland und weit darüber hinaus.

Bevor die im ersten Teil dieses Beitrags erwähnten Pop- und Rockmusikgrößen die Bühnen von Lippmann + Rau eroberten, waren es in den Anfängen die Jazz-Legenden, die der amerikanische Impresario Norman Granz unter Vertrag hatte. Ella Fitzgerald, Duke Ellington, Count Basie, Oscar Peterson und viele mehr. Die Zusammenarbeit mit Norman Granz bescherte, vor allem uns Berliner, eine Fülle von unvergessenen Konzerten. Und so erlaubt sich der Autor dieses Beitrages ein Kapitel außerhalb der Erinnerungen von Fritz Rau hinzuzufügen, nämlich sei-ne Begegnung mit Fritz Rau und Norman Granz an einem sommerlichen Tag in Berlin des Jahres 1969, also vor 37 Jahren. Er war gerade 20 Jahre alt geworden und besuchte die letzte Klasse in der Berufsschule für Groß- und Außenhandelskaufleute in Schöneberg. Seit zwei Jahren war er nebenbei „Manager“ von mehreren Rockbands und hatte – wenig erfolgreich – auch Konzerte veranstaltet. Sein Kontakt zur legendären Radiosendung s-f-beat war gut, dort gab man seine Veranstaltungen und Bandauftritte durch. Besonders mit dem Donnerstagsmoderator vom s-f-beat, Hans-Dieter Frankenberg, verband ihn eine Freundschaft. Frankenberg hat bis zur unsäglichen Neustrukturierung von 88,8, der auch Nero Brandenburg (RIAS-Treffpunkt) mit seiner Deutschen Schlagerparade zum Opfer fiel, jeweils sonntags um 23 Uhr eine Stunde lang gute Jazzmusik gesendet.

Lippmann + Rau hatten in jeder großen deutschen Stadt, in der Konzerte von ihnen stattfanden, so genannte „Örtliche Veranstalter“ verpflichtet, die für den Kartenverkauf, die Spielstätten und die Organisation verantwortlich waren. Zu dieser Zeit war Hans-Dieter Frankenberg Lippmann + Raus Berlin-Organisator. Ravi Shankar in der Kongresshalle, John Mayall in der Philharmonie, Pink Floyd in der TU, Duke Ellington in der Philharmonie, das waren nur einige Veranstaltungen, für die Hans-Dieter Frankenberg im Auftrag von Lippmann + Rau verantwortlich war. Auch er hatte einen Assistenten, der in seiner Aktentasche die Eintrittskarten mitsich schleppte. Damals funktionierte das nämlich noch anders als heute, wo man sich am Bildschirm der Konzertkasse die Plätze aussuchen kann und das Kartenoriginal ausgedruckt bekommt. Früher ging man in eine Konzertkasse und erhielt einen Coupon. Dieser wurde dann am Veranstaltungstag gegen das Kartenoriginal eingetauscht. Fehlerquelle: ernorm. Umringt von wartenden, ungeduldigen Menschen, nahm der Assistent die Coupons beispielsweise im Foyer der Kongresshalle entgegen und suchte verzweifelt die Originalkarten.

Nun, aus Frankenberg und Koch wurde niemals Frankenberg + Koch GmbH & Co. KG. Peter Schwenkow hätte in Berlin keine Chance gehabt, zumal bei Koch schon „Berlin Entertainment Service“ auf dem Briefpapier stand. Natürlich kein geschützter Name, und so konnte ihn der neue Gegenkandidat von Klaus Wowereit Jahre später bedenkenlos verwenden.

Zurück zum Sommertag des Jahres 1969. Das genaue Datum konnte nicht mehr ermittelt werden. Ella Fitzgerald hatte sich angesagt. Sie war zweifelsohne die größte Jazzsängerin aller Zeiten. Ein VW-Bus wurde benötigt, um ihr Gepäck und die Instrumente des begleitenden Trios vom Flughafen zum Kempinski zu transportieren. Die Band Selected Four, die von dem Berufsschüler gemanagt wurde, besaß einen, richtiger gesagt, der Lead-Gitarrist Wolfgang Schäfer. Bus und Gitarrist, diesmal als Fahrer, wurden engagiert. Auf ging es zum alten Flughafen Tegel im Französischen Sektor. Das Frankenberg-Team war vor Ort. Fritz Rau tauchte auf. Wie eingangs gesagt: eine imposante Erscheinung. Friedlich und nett, was jedoch nicht lange anhielt. Er konnte auch anders, nämlich sehr laut und heftig werden, wenn irgendetwas nicht so klappte, wie er sich das dachte. Über zwölf Stunden später, als er das Team nach erfolgreichem Konzert zum Abendessen einlud, war jedoch die Ruhe und Freundlichkeit wieder hergestellt.

Man wartete auf die Maschine aus Paris. Stattdessen kam Rolf Eden mit seinem Rolls Royce. Er wollte damit auf das Flugfeld fahren, um Ella abzuholen. Davon war anfänglich die Französische Schutzmacht wenig begeistert. Muss das denn sein, fragte Frankenbergs Assistent den von heute gerechnet 37 Jahre jüngeren Playboy. „Ja, soll sie denn laufen“, fragte Eden mit ebenso strengem wie zornigen Blick. O.K., der Assistent verhandelte, und es gelang, dass alle Fahrzeuge, auch der Bandbus der Selected Four aufs Flugfeld an die Gangway fahren durften. Das galt auch für ein Fernsehteam der Berliner Abendschau mit Hans-Werner Kock (Macht’s jut Nach-barn).

Alle schauten gen Himmel und warteten auf das Air France Flugzeug. Es hatte Verspätung. Also saß die komplette Wartegemeinschaft im dürftigen Casino des Flughafens. Rolf Eden gelang es, eine eiskalte Flasche Wodka zu ordern. Es sollte nicht die einzige Flasche Wodka sein, die an diesem Tag geleert wurde. Die Stimmung wurde gelöster und endlich schwebte Ella ein. Die komplette Mannschaft eilte zum Flugzeug. Ella und ihr Gefolge betraten Berliner Boden. Arg-wöhnisch betrachtete Norman Granz die Szene. Hans-Dieter Frankenberg wollte Ella live für den SFB-Hörfunk interviewen. Sie entschwand jedoch so schnell in Edens Rolls Royce, dass Frankenberg ihr regerecht hinterher steigen musste, um ein paar gehauchte Worte einzufangen. Auch die Abendschau konnte wenig O-Töne einfangen. Immerhin kam der mit den Konzertplakaten beklebte Bandbus in die Abendschau. Als Rolf und Ella wegfuhren, knöpfte sich Norman Granz Frankenberg vor. Keine Presse, hatte er gesagt, und nun das. „Wenn ich sage, keine Presse, dann meine ich keine Presse“, sagte der weltgrößte Jazz-Impresario mit versteinerter Mine in das rötlich angelaufene Gesicht von Hans-Dieter Frankenberg.

Wie später Fritz Rau erzählte, war Norman Granz kein Freund solcher Aktionen. Er hätte schon für viel geringere Anlässe auch ein Konzert ausfallen lassen. Damals, im Sportpalast. Da wollte man ihn nicht reinlassen, weil er keine Karte hatte. Auch sein Bekunden, er sei der Veranstalter, nutzte wenig. Erst der Hinweis, dass seine Konzerte immer erst dann begönnen, wenn er es sagt, ließ die Kontrolleure stutzig werden. In letzter Minute konnte das Konzert mit dem Einlass von Norman Granz gerettet werden.

Fritz Rau wies uns an, dafür zu sorgen, dass Granz, ohne aufgehalten zu werden, die Philharmonie betreten konnte. Die Crew postierte sich also um den Bühneneingang der Philharmonie, der 1969, als es noch nicht den Kammermusiksaal gab, von allen Seiten offen und gut einsehbar war. Granz kam. Der Pförtner war vorher instruiert worden, außer „Guten Tag“ nichts von sich zu geben. Die Türen wurden aufgerissen und mit einer gewissen Genugtuung betrat Norman Granz die Philharmonie.

Die damals 51-jährige Ella Fitzgerald begeisterte die 2.000 Konzertbesucher in der Philharmonie. Es war, auch aus der Backstage-Perspektive, ein unvergessener, großer Abend. Wodka, Teil 2: Während Ella sang, hatte Norman Granz Appetit auf einen Wodka. Den gab es natürlich im Casino hinter der Bühne nicht. Das erzürnte ihn. Fritz Rau war immer darauf bedacht, Norman Granz nicht zu erzürnen, also wandte er sich an Frankenberg, dieser an seinen Assistenten und dieser an seinen Gitarristen. Der letzte in der Kette fuhr mit 50 DM ausgestattet – damals viel Geld – in Richtung Ku’Damm. Es gelang ihm tatsächlich, in einer Kneipe eine Flasche Wod-ka, für 50 DM, zu bekommen. An ihr klebte noch das Eis aus dem Gefrierfach. Die Flasche wurde auf den Tresen gestellt. Norman Granz wurde informiert und war befriedigt. Er trank keinen einzigen Schluck aus der Flasche. Dafür aber Ellas Roadmanager, und zwar regelmäßig, wenn er an der Flasche vorbeikam, was im Laufe des Abends immer häufiger der Fall war.

Nicht nur, dass Norman Granz bestimmte, wann ein Konzert zu beginnen hatte, er beendete es auch. Die Rufe nach Zugaben verhallten nicht. Zweimal ging Ella zurück auf die Bühne der Philharmonie. Als sie zurückkehrte legte Norman Granz zärtlich aber bestimmt seine rechte Hand um ihr Genick und sagte: „No more, Ella“. Damit war das Konzert beendet.

Es ging zurück ins Kempinski. Fritz Rau lud die Crew zum Essen ein, Ella und Norman fehlten. Ellas Roadmanager erzählte, ebenso wie Fritz Rau, viele schöne Geschichten aus der großen Welt der Unterhaltung. Der Gitarrist der Selected Four und sein Manager spielten am folgenden Wochenende wieder in irgendeinem Jugendclub, ausverkauft. Die Band auf der Bühne im strahlenden Scheinwerferlicht und der Manager Backstage, im Mondlicht.

Ella Fitzgerald stirbt 79-jährig 1996, vier Jahre, nachdem sie noch auf der Bühne stand und Konzerte gab. Die Folgen der Diabetes, an der sie litt, kostete sie nach Ende ihrer Karriere beide Beine. Von diesem gesundheitlichen Rückschlag erholte sie sich nicht mehr. Fünf Jahre nach Ellas Tod, im November 2001, stirbt Norman Granz in Genf. Zwei große Persönlichkeiten haben die Jazz-Geschichte der zweiten Hälfte des 20sten Jahrhunderts geschrieben. Fritz Rau war dabei und ist inzwischen selbst zur lebenden Legende geworden. „Rock’n’Rau Forever“, schrie-ben die Rolling Stones Fritz Rau in sein Buch.

Nachtrag: Am 19. August 2013 ist Fritz Rau 83-jährig in Kronberg gestorben.

Ed Koch

  
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