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Nachhilfeunterricht über die Sozialbranche

geschrieben von: Redaktion am 20.10.2013, 10:56 Uhr
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Am Landgericht Berlin wird gegenwärtig der vermutlich letzte Akt einer Geschichte verhandelt, die die Gemüter seit 2010 erhitzt. Es geht um die so genannte „Maserati-Affäre“. Dass sich der Geschäftsführer eines gemeinnützigen Sozialunternehmens mit einer Edelkarosse durch die Ge-gend chauffieren ließ, empörte den Otto-Normalverbraucher mächtig. Auch die Branche selbst und vor allem die Politik waren geschockt, allerdings ist das Maß der Verlogenheit dieser in Worte kaum zu fassen.

Anstatt den Treberhilfe-Gründer, Gesellschafter und Geschäftsführer Harald Ehlert auf der An-klagebank sitzen zu sehen, sähe ich lieber die damalige Leitung der Senatssozialverwaltung und des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg vor einem Untersuchungsausschuss. In unserem Newsletter 497 Z9 vom 30.09.2013 haben wir die Hintergründe des Handelns der Diakonie auf-gezeigt.

Ehlert muss sich vor Gericht nun wegen Vorwürfen wie privater Fahrten mit seinem Dienstwagen und der Erschleichung der Gemeinnützigkeit verantworten. Selbst wenn, was ich mir nach dem bisherigen Verlauf des Verfahrens kaum vorstellen kann, Ehlert wegen Privatfahrten verurteilt würde, muss die Frage erlaubt sein, ob der Aufwand den Ertrag rechtfertigt. Ich weiß, dass es darum vor Gericht nicht geht. Jeder Anzeige muss erst einmal nachgegangen werden, auch wenn sie noch so fadenscheinig und unsinnig erscheint. Irgendwann müsste dann aber doch einmal die Notbremse gezogen werden. Der Bund der Steuerzahler moniert zu Recht die Ver-schwendung von Steuermitteln. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass er sich einmal über teure Prozesse aufgeregt hat, die letztlich niemanden nützen.

In diesem Falle komme ich mir vor wie in einem Film von Guido Knopp und einer Folge von „ZDF History“, die „Detektive der Geschichte“. Die Treberhilfe des Harald Ehlert existiert nicht mehr. Sie wurde in einem beispiellosen Selbstreinigungsprozess gemeinschaftlich von Teilen der Sozi-albranche und Politik vom Markt gefegt. Ehlert selbst hat so ziemlich alles verloren, wofür er jahrzehntelang erfolgreich gearbeitet hat. Was will man also mit diesem aufwendigen Verfahren überhaupt noch bewirken? Und aufwendig ist der Vorgang. Da sitzen drei Berufsrichter und zwei Schöffen, der Staatsanwalt und noch viele weitere bezahlte Bedienstete, ganz abgesehen von den Anwälten, die der Angeklagte mitbringt. Da gehen viele Tausend Euro auf die Reise, die man lieber für eine Augenoperation von Justitia verwenden sollte. Und dann noch das Gebäude des Landgerichts in der Turmstraße. Das ist in hohem Maße beeindruckend. Die Heizkostenab-rechnung möchte ich jedoch nicht sehen. Die Sicherheitskontrollen am Eingang stören den geüb-ten Flugpassagier nicht. Vielmehr ist man verwundert über die Möglichkeit der Erteilung von Auskünften. Es gibt einen entsprechenden Schalter, an dem man aber nur den Hinweis auf eine lange Pinnwand erhält, an der sich unzählige Zettel befinden, auf denen steht, gegen wen wann und wo an diesem Tag verhandelt wird. Da ich am letzten Freitag nicht wusste, in welchem Saal der nächste Verhandlungstag gegen Ehlert stattfindet, begann ich also laut vor mich hinschimp-fend mit der Suche, was dazu führte, dass mir ein Justizbeamter erfolgreich half. Warum es nicht möglich ist, eine schlichte Liste, vielleicht noch alphabetisch sortiert vorliegen zu haben, weiß ich nicht.

Das Treppenhaus des Gebäudes mit den verschlungenen Aufgängen erinnert ein wenig an Har-ry Potters Hogwarts. Jeden Augenblick rechnet man damit, dass sich die Treppen bewegen und einen doch ganz woanders als gewünscht hinbringen. Verzierungen über den großen Türen, lange unergründliche Gänge, all das hat nur einen Sinn, nämlich denjenigen einzuschüchtern, der hier her muss. Die mächtige unabhängige Justiz befriedigt sich hier Tag ein Tag aus an ih-rem Status.

Zurück zum Prozess

Ich weiß nicht, der wievielte Prozesstag am 18. Oktober stattfand und wie viele es noch geben wird. Die Vorwürfe gegen Ehlert wiegen schwer. Spätestens seit Al Capone wissen wir, dass Steuervergehen effektiver geahndet werden können als Mord. Dem Staat des Staates vorzuent-halten, wird seit über 2.000 Jahren geahndet. Heute verzichtet man jedoch auf das Handabha-cken der Steuersünder.

Ob Ehlert ein Steuersünder ist, wird sich vielleicht in dem Prozess herausstellen, oder auch nicht. Ehlert schöpft seine Möglichkeiten vor Gericht aus, nämlich die ganze Geschichte der Tre-berhilfe und der so genannten Maserati-Affäre vorzutragen. Am 30. September dauerte sein Vor-trag über eine Stunde, am 18. Oktober musst man ihm zwei Stunden zuhören, und man war erst bei Punkt 2 von 6 seiner Ausführungen. Ehlert gibt Nachhilfeunterricht über die Sozialbranche, äußerst interessant und spannend, was allerdings kaum noch einen Journalisten interessiert. Hintergründe halten nur auf und den Begriff Recherche kennen immer weniger.

„Geförderte Betriebe sind mit selbstständig wirtschaftenden, wie der Treberhilfe, nicht vergleich-bar“, sagt Ehlert. „Das gilt auch für den Aufgabenbereich des Geschäftsführers, was für diese Verfahren von großer Bedeutung ist.“

Es geht um die Stellung der gemeinnützigen Gesellschaft gegenüber gewerblichen, also steuer-pflichtigen Gesellschaften. Wobei man nicht vergessen darf, dass auch gemeinnützige Gesell-schaften natürlich Umsatzsteuer zahlen.

„Nur Unternehmen mit den gleichen eigenverantwortlichen Voraussetzungen sind vergleichbar. Der richtige Vergleich von Unternehmen ist die Voraussetzung um die Angemessenheit von Be-triebsausstattungen zu prüfen“, erklärt Ehlert. Eine unangemessene Ausstattung, oder eine un-verhältnismäßig hohe Vergütung, oder Ausgaben die dem Zweck der Gesellschaft fremd sind, sollen nach dem Gesellschaftsvertrag der Treberhilfe Berlin gGmbH unterbleiben. Das sind we-sentliche Voraussetzungen für die Gemeinnützigkeit der Treberhilfe Berlin gGmbH. Ob gegen diese Voraussetzungen verstoßen wurde, ist faktisch zu beantworten. Die Verhältnismäßigkeit und Angemessenheit von Dienstwagen und anderen Ausstattungsmerkmalen ist durch ange-messene Vergleiche zu ermitteln. So sieht dies zumindest der Bundesfinanzhof. Nur was im Rahmen des zutreffenden Vergleichs unangemessen ist, kann die Steuerbehörde im Rahmen ihrer pflichtgemäßen Ermessensausübung auch als unangemessen bezeichnen. Damit kommt dem richtigen Vergleich die steuerrechtliche Schlüsselrolle bei der Frage der unangemessenen Ausstattung zu.“ Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Denn hier geht es um die Schlüsselfrage, was an Ausstattung eines gemeinnützigen Unternehmens im Vergleich zu einem gewerblichen angemessen ist. Das Fazit vorweg: Ehlert hätte ein gewerbliches Unternehmen gründen sollen. Dann hätte er zwar weniger Mittel gehabt, um Investitionen vorzunehmen, aber ein italienischer Dienstwagen wäre nie ein Thema gewesen.

„Wenn die Gemeinnützigkeit nicht gefährdet war, weil unrichtige Vergleiche zugrunde gelegt wur-den, und somit die Ausstattung nicht unangemessen war, wären die Vorwürfe gegenstandslos“, sagt Ehlert. Wie bekannt, ist eine der Grundlagen der Anklage gegen Ehlert ein Prüfbericht, der von dem damaligen Diakonie-Chef in Auftrag gegeben wurde. Dazu gibt es ein Gegengutachten, auf das sich die Anklage offenbar nicht stützt. Das Diakonie-Gutachten wurde von der Forensic Management GmbH erstellt, die ihre „Mandanten bei der Ermittlung von internen und externen Betrugs- und Untreuefällen vertritt.“ „Das Gutachten ist getragen von Feststellungen, die nicht bewiesen werden können und folgt einem Duktus, der als tendenziös bezeichnet werden kann“, stellt das Wirtschafts- und Steuerprüfungsunternehmen Verhülsdunk fest.

Nur 16 % der Wohnungslosen werden durch gemeinnützige
Unternehmen betreut

Die Forensic Management GmbH behauptet: „Unternehmen, die wie die Gesellschaft (Treberhil-fe), Obdachlose betreuen, werden in der Regel durch gemeinnützige oder öffentliche Träger be-trieben. Private Träger dürften die Ausnahme darstellen.“ Diese Aussage ist falsch. Nach einer Erhebung des Landesamtes für Gesundheit und Soziales stellt sich die Struktur der Plätze bei der Wohnungslosenunterbringung wie folgt dar (Stand: 28.02.2012): 6.469 Wohnungslose. Betreuung: 5.406 gewerblich betreut, 1.063 gemeinnützig betreut. Das heißt: 84 % der Woh-nungslosen werden in gewerblichen Einrichtungen versorgt, 16 % in gemeinnützigen wie der Treberhilfe, staatliche Angebote existieren nicht. Es kann also keine Rede davon sein, dass pri-vate Träger die Ausnahme darstellen. Ganz im Gegenteil: Das Geschäft mit den Wohnungslosen befindet sich im Wesentlichen in privater Hand.

Wer fragt bei den privaten Anbietern nach der Angemessenheit der Ausstattung? Fragt auch je-mand nach der Vergütung der Mitarbeiter? Das Augenmerk liegt auf den Gemeinnützigen, weil sich für diese jeder Bürger zuständig fühlt. Was die Gewerblichen machen, interessiert wenig.

Ehlert hat, und das durchaus erfolgreich, versucht, sich gegen die gewerbliche Konkurrenz zu behaupten. Das, was er an Steuern durch die Gemeinnützigkeit gespart hat, hat er investiert, vor allem in Immobilien, vom Aufwand her weniger in Fahrzeuge. Ehlert hat viele Ausschreibungen gewonnen, weil seine Konzepte überzeugten. Er wollte als Investor ernst genommen werden und unter Beweis stellen, dass sein Unternehmen leistungs- und finanzstark ist. Dass er meinte, dies durch einen Maserati dokumentieren zu müssen, hat sich als Fehler herausgestellt, für den er sich inzwischen mehrfach entschuldigt hat. Damit hätte man es auch belassen und die Treberhil-fe erhalten können. Darum ging es aber nicht. Ehlert war der Branche zu gefährlich geworden, vor allem durch sein Social-Profit-Projekt, über das wir inzwischen viele Male berichtet haben und sicherlich immer wieder darauf zurückkommen müssen, weil dies, und nicht der Maserati, der Genickbrecher für Harald Ehlert war.

Zum Vorwurf der Erschleichung der Gemeinnützigkeit durch fal-sche oder unterlassene Angaben

In einem weiteren Teil seiner zweistündigen Ausführungen ging Ehlert auf den Vorwurf der Er-schleichung der Gemeinnützigkeit ein. Dabei ging er ausführlich auch auf seine persönliche Situ-ation und Arbeitsbelastung ein. Am Anfang stand der Treberhilfe Berlin e.V. Daraus erwuchs die gemeinnützige GmbH, „um neben dem bisherigen Betrieb von Einrichtungen die investive Tätig-keit zu stärken.“ „Das Ziel“, so Ehlert, „war es, das Stammkapital aus den Überschüssen zu er-höhen um die Kreditwürdigkeit der Gesellschaft zu verbessern. Gleichzeitig habe ich mich intern bereit erklärt, meinen Gesellschaftsanteil zu nutzen, um persönlich haftend in Bürgschaften von Krediten einzutreten, um weitere Möglichkeiten für Investitionen zu schaffen.“

„Die Investitionsfrage war für die Treberhilfe Berlin gGmbH von zentraler Bedeutung, da der ho-he gewerblich Anteil an der Obdachlosenunterbringung in Berlin auch auf die Investitionsschwä-che vieler gemeinnütziger Organisationen zurückzuführen ist.“

„Die tatsächlichen Verhältnisse in der Arbeit mit Wohnungslosen sind politisch und in den Ver-bänden immer zurückhaltend diskutiert worden, obwohl sie hinreichend bekannt waren. Der größte Teil der Arbeit mit den Wohnungslosen ist seit den 70er Jahren in Westberlin tatsächlich von gewerblichen Unternehmen gemacht worden, der gemeinnützige Bereich hat sich dort hinein ‚emanzipiert’. Die tatsächlichen Verhältnisse haben zur Zeit meines Einstiegs in die Arbeit mit Wohnungslosen als ehrenamtlicher Student, in Berlin 1983 dazu geführt, dass Bordellbesitzer in der Potsdamer Straße ihre Etablissements schlossen, um in 4-Bettzimmern 50 DM pro Person und Nacht einzunehmen, was ihrem Bordellertrag für das Zimmer am Tag entsprach, um weni-ger Ärger mit ‚der Sitte’ zu haben, wie sie sagten. Meine Antwort darauf war es, über zwei Jahr-zehnte, bis in die Haftung für Millionenbeträge zu gehen, um diese Zustände, an die ich mich bis heute gut erinnere, nachhaltig und professionell zu bekämpfen. Die letzte Konsequenz dieser Bemühungen war es, die gGmbH mit Ihren investiven Möglichkeiten zu gründen, um endlich die Voraussetzungen im Immobilienbereich für die wirksamere Hilfe schaffen zu können. Die Über-schüsse und die Investitionen waren der Schlüssel für eine echte Wirksamkeit der Arbeit.

Ausschreibungen zur Übernahme der letzten städtischen Heime wurden dreimal von der Tre-berhilfe Berlin gewonnen, die Treberhilfe konnte sich gegen die gewerbliche Konkurrenz durch-setzen. Der Erfolg der Treberhilfe zugunsten der Wohnungslosen wird nur mit den wirklichen Zahlen über die Marktsituation in der Wohnungslosenarbeit in Berlin klar. Die gGmbH wurde ge-gründet, um noch wirksamer professionell durch die Beendigung der Armut den Geschäften mit ihr entgegentreten zu können. Die gGmbh konnte von 2007 an als gemeinnütziger Immobilienin-vestor auf Augenhöhe mit gewerblichen Konkurrenten agieren. In der Folge dieser Haltung habe ich persönlich Bürgschaften für Kredite in Höhe von über drei Millionen Euro übernommen. Die Haftung für diese Bürgschaften war nicht durch die Gesellschaft abgeschirmt sondern ich hafte bis heute dafür persönlich. Das Immobilienvermögen der Treberhilfe erhöhte sich von 2006 bis 2009 von rund 690.000 Euro auf rund 6,7 Mio. Euro und hat sich damit nahezu verzehnfacht. Über sechs Mio. Euro wurden hier investiert.“

Ehlert war Berlin inzwischen zu klein geworden. Er hielt Ausschau auf andere Bundesländer, um seine Erfolgsgeschichte zu verbreiten. Letztlich kam es nur zu einer Gründung in Brandenburg. Die Expansion auf andere Bundesländer wurde jäh durch den inszenierten Skandal um die Tre-berhilfe gestoppt. „In Sachsen habe ich Mitte der 90er Jahre gemeinsam mit Frau Biedenkopf der Treberhilfe Dresden e.V. auf die Füße geholfen. Wir haben damals Know-How und EDV für die Vereinsfreunde nach Dresden gebracht, und das ungeheure Engagement, das damals eh-renamtlich in Dresden erbracht wurde, unterstützt.“ Ausgerechnet das Diakonische Werk Berlin Brandenburg hat Ehlert von 2007 an gebeten, die Treberhilfe Brandenburg zu errichten, bzw. das Engagement in Brandenburg voran zu treiben.

Die gemeinnützigen Investitionen und Innovationen der Treberhilfe Berlin zwischen 2006 und 2009

„Das Gesamtengagement für zusätzliche und neue Aktivitäten im satzungsgemäßen Zweck der Treberhilfe Berlin lag, ohne dass öffentliche Förderungen in Anspruch genommen wurden, in dieser Zeit bei mehr als 6,75 Mio. Euro. Die für die Betriebserhaltung bestehender Einrichtungen eingesetzten Investitionen, treten mit weiteren rund 2 Mio. Euro hinzu. Das Gesamtengagement der Treberhilfe Berlin für Investitionen und neue Entwicklungen betrug rund 9,45 Mio. Euro in dieser Zeit, ohne dabei auf Fördermittel zurück zu greifen oder Spenden einzusetzen. Zur Absi-cherung dieser Investitionen habe ich mit rund 3 Mio. Euro entsprechend gebürgt.

Die eingesetzten Mittel wurden selbst erwirtschaftet und durch Kredite finanziert, die ich in nicht unerheblichem Umfang privat abgesichert habe. Die Preise für die von uns erbrachten Leistun-gen lagen nicht über denen anderer Anbieter. Aufgrund dieser Daten erklärte das Unternehmen Kienbaum, es halte die Treberhilfe Berlin für eines der erfolgreichsten Sozialunternehmen Deutschlands.“

Die Rolle Ehlerts als privater Gesellschafter in einer
gemeinnützigen GmbH

„Ohne der Staatsanwaltschaft, den Ermittlern oder den Medienvertretern etwas nachsagen zu wollen, ist bisher eine öffentliche Diskussion zu meiner Person und auch zur Treberhilfe geführt worden, die eher als kulturelle Neiddebatte nicht aber als Faktenanalyse umgesetzt wurde. Die Frage nach den tatsächlichen Leistungen des Unternehmens und meines tatsächlichen wirt-schaftlichen und persönlichen Engagements hat nicht stattgefunden.“ Das ist wohl wahr. Der Staatsanwaltschaft sollte man so und so nichts nachsagen, den Medienvertretern kann Ehlert getrost alles Mögliche nachsagen, haben sie doch viele Sargnägel für die Treberhilfe durch ihre emotionale und weniger das Gesamtbild betrachtende Berichterstattung gegossen

„Im Rahmen meiner Bürgschaften habe ich die persönliche Haftung in Höhe von über 12 Jahres-gehältern, bezogen auf meine als hoch kritisierten Durchschnittsbezüge 2006 bis 2009 über-nommen. Diesen persönlichen Einsatz kenne ich weder von anderen Kollegen in der Branche, noch von den führenden Funktionären der Verbände.“

„Die erwirtschafteten Überschüsse der gGmbH setzen sich in den Jahren 2006 bis 2009 nach den Abschlüssen wie folgt zusammen: 2006 rund 232.000 Euro, 2007 rund 609.000 Euro, 2008 rund 1,155 Mio. Euro und 2009 rund 400.000 Euro. Aus den Überschüssen der vier Jahre ergibt sich ein Gesamtbetrag von rund 2,4 Mio. Euro. Wenn das Unternehmen nicht gemeinnützig wä-re, entfielen auf diesen Betrag rund 800.000 Euro Steuern, wenn man von einem Drittel des Be-trags pauschal ausgeht. Der verbleibende Betrag nach Steuern, die bei fehlender Gemeinnützig-keit hätten gezahlt werden müssen, beträgt somit rund 1,6 Mio. Euro. Mein Unternehmergewinn hätte ohne die Gemeinnützigkeit für die Jahre 2006 bis 2009 die Hälfte der rund 1,6 Mio. Euro, also rund 800.000 Euro betragen. Das ist die Summe auf die ich als Gesellschafter, für die Ge-meinnützigkeit tatsächlich verzichtet habe. Für die Investitionen standen daher rund 1,6 Mio. Eu-ro mehr zur Verfügung, eben diese eingesparten Steuern und der Unternehmergewinn, der nicht an mich ausgezahlt wurde. Dabei wird klar, dass ich persönlich keinerlei Gewinn aus dem Steu-ervorteil der Gemeinnützigkeit erzielt habe. Im Gegenteil, der Steuervorteil für die Treberhilfe war nur etwa so hoch wie mein Verzicht auf meinen Unternehmergewinn. Die Gemeinnützigkeit ist kein moralisches Attribut, sondern ein steuerrechtliches, das berechnet werden kann.“

Dass sich Ehlert bei seinem Job im wahrsten Sinne des Wortes fast aufgeraucht hat, erwähnen wir nur am Rande. Eine 70-Stunden-Arbeitswoche ist auch für andere engagierte Unternehmer keine Seltenheit. Dass das zu Lasten der Gesundheit geht, ist unausweichlich.

Die Beschaffung des Dienstwagen Maserati Quattroporte im Zusammenhang mit der Investorenrolle des Unternehmens 2007

„Die ab dem Jahr 2007 geplanten Aktivitäten der Treberhilfe Berlin als Investor machten es nach Ansicht der Gesellschafter notwendig, ein Fahrzeug zu beschaffen, das dem Image des ‚Ob-dachlosenhilfevereins’ nicht entsprach, sondern deutlich machte, dass die Treberhilfe wirtschaft-lich leistungsfähig ist. Der Treberhilfe Berlin traute kaum jemand zu, Immobilien zu erwerben und den Marktpreis bezahlen zu können.

Dass jemand mit dem Arbeitspensum von Harald Ehlert einen Dienstwagen fährt und sich in die-sem auch fahren lässt, ist kein Aufreger. Jeder weiß, dass so ein Auto ein fahrendes Büro ist. Trotz Freisprecheinrichtung dürfte es für alle Verkehrsteilnehmer beruhigender sein, wenn sich der Fahrer auf die Straße und nicht auf sein Handy konzentriert.

„Die Anzahlung für das Fahrzeug (Maserati) betrug 20.000 Euro, die Finanzierungsrate lag bei rund 1.500 Euro monatlich. Der Zinssatz wurde, als Entgegenkommen an die Treberhilfe Berlin, bei dieser Finanzierung auf rund 1,9 % abgesenkt. Der Zinssatz lag bei vergleichbaren Finanzie-rungen anderer Hersteller zu diesem Zeitpunkt bei rund 8 % und damit 4-mal so hoch. Dass die tatsächliche Belastung im Geldfluss so gering war, wurde in dem Diakonie-Gutachten nicht aus-geführt und in der Folge von der Staatsanwaltschaft nicht ermittelt. Die Beschaffung selbst war also sowohl sparsam als auch wirtschaftlich. Zum einen war das Fahrzeug günstiger als ver-gleichbare deutsche Fabrikate, zusätzlich verbesserten die sehr guten Sonderkonditionen der Finanzierung den Vergleich zu anderen Fahrzeugen.“ In dem vom damaligen Diakonie-Chef Thomas Dane in Auftrag gegebenen Gutachten, wurden die Kosten für den Maserati nach Auf-fassung von Harald Ehlert künstlich hochgerechnet. „Die Berechnung erweckt den Anschein, als wolle man nachweisen, dass der Kostenvergleich mit der Beschaffung eines Audi A8 doch zu Ungunsten des erworbenen Fahrzeugs ausgehen würde“, so Ehlert. Dane wurde übrigens noch während der Affäre von der Diakonie ins Saarland geschickt, nicht ohne ihm vorher den höchs-ten Orden des Verbandes zu verleihen.

Die öffentliche Stadtrundfahrt mit einem Journalisten
Ende November 2008

Im November 2008 fuhr Ehlert mit einem freien, für den TAGESSPIEGEL tätigen Journalisten, in einem anderen Dienstwagen der Treberhilfe durch Berlin und zeigte ihm Einrichtungen der Tre-berhilfe. Diese Exkursion war die Grundlage für den berühmten Artikel „Hol schon mal den Ma-serati“, der am 22. Dezember 2008 auf Seite 3 des TAGESSPIEGEL erschien. Niemand interes-sierte sich damals dafür. Nur paperpress berichtete am 24.12.2008 über den Artikel. Der Schlusssatz in meinem Beitrag zum Heilig Abend lautete: „Ich gönne jedem die Früchte seiner Arbeit, Neid kommt in meinem Vokabular nicht vor, wie sich Harald Ehlert hier allerdings präsen-tiert, halte ich für vollkommen daneben.“ Das hat Ehlert inzwischen auch eingesehen und sich entschuldigt. Der Artikel von 2008 zeigt jedoch deutlich auf, dass Ehlert mit dem Maserati öffent-lich umging. Der Vorwurf der Täuschung geht also ins Leere. Und so lautete Ehlerts Schlusswort am 18. Oktober: „Ich mag vielleicht ein Provokateur sein, aber sicher kein Täuscher!“ Niemand kann ernsthaft behaupten, nichts von dem Maserati gewusst zu haben. Den Grund dafür, dass es bis Februar 2010 dauerte, ehe die Empörung hoch kochte, kennen wir: Social Profit!

Das Schlusswort bezieht sich lediglich auf den 18. Oktober. Am Mittwoch, dem 23.10.2013, geht es um 9.30 Uhr weiter. Vermutlich in Saal 504, obwohl am letzten Freitag auf dem Zettel, nachdem ich lange suchte, 501 stand. Dafür befand sich am Saal 501 kein Hinweis auf 504, wäre ja auch zu viel verlangt. An der Tür zu Saal 504 befand sich aber ein Hinweis, dass das dortige Verfahren irgendwo anders stattfindet. Mit der Übersichtlichkeit hat man beim Landgericht so seine Probleme. Wenn Sie den weiteren, wirklich interessanten und spannenden Ausführungen von Harald Ehlert zuhören möchten, planen Sie bei Ihrem Besuch fünfzehn Minuten mehr ein, nicht für die Sicherheitskontrolle, sondern für das Herausfinden, in welchem Saal dieses fürchterlichen Gebäudes der Nachhilfeunterricht über die Berliner Sozialbranche fortgeführt wird.

Ed Koch

  
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