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Beiträge: Kampf um Jugendheim Schwanenwerder

geschrieben von: Redaktion am 12.08.2006, 11:20 Uhr
paperpress535 
Soll das Jugenderholungsheim auf Schwanenwerder geschlossen und verkauft werden?
Dazu ein Leserbrief von Lothar Duclos, der mit Betrachtungen zum Flughafen Tempelhof beginnt,
ein Bericht aus dem TAGESSPIEGEL,
eine Pressemitteilung der CDU
und Anmerkungen von paperpress
Schwanenwerder
Mehr, als nur eine Insel in der Havel

Leserbrief (Auszug)

Nachdem am 22. Juli 2006 das Oberverwaltungsgericht in Leipzig das endgültige Aus für den Airport Tegel nach Eröffnung von BBI-Schönefeld beschlossen hat, sollte und muss der Airport Tempelhof offen bleiben! Enttäuscht wären bei Schließung von Tempelhof nicht nur Geschäftsflugreisende, Politiker, Rundflugbegeisterte (Rosinen-bomber, Ju 52, Hubschrauber-Rundflüge und und und...) sondern auch der Candy-Bomber-Pilot Gail S. Halvorsen, stellvertretend für Piloten, die während der Luftbrücke Tempelhof angeflogen haben, um die Berliner während der Blockade West-Berlins zu versorgen. Was einmal weg ist, kommt nie wieder! Da soll nun verkauft werden, was sich später einmal als großer Fehler herausstellen könnte!

Ähnliches, zwar in einer anderen Kategorie, passiert zurzeit im Bezirk Tempelhof-Schöneberg! Da soll ein Juwel der Kinder- und Jugend-erholung des Bezirks, die Einrichtung auf der Insel Schwanenwerder still und heimlich zum Ende des Jahres 2006 aufgegeben werden. Grund: Geldmangel Da soll nun bald die Kinder- und Jugenderholung der Vergangenheit angehören, ein Skandal! Viele Tempelhofer haben hier als Kinder und Jugendliche ihre Ferien verbracht und die Kinder der Kinder...

Das ganzjährig genutzte Areal wird von Kitas, Schulklassen, Gruppen freier Träger sowie Ferienmaßnahmen mit Kinder- und Jugendlichen aus dem In- und Ausland wochenweise bzw. an Wochenenden immer mit großer Freude genutzt. Nun soll alles vorbei sein! Sollte also die letzte Heimstätte für Kinder und Jugendliche auf der Insel dicht gemacht werden, würde die Insel Schwanenwerder wieder zur Bonzen-Insel.

Wo bleibt der Aufschrei der Bezirks- und Landespolitiker, allen voran der Jugendhilfeausschuss, Abgeordnete u.a., die sich für den Erhalt des Feriendomizils Schwanenwerder, der schönsten Anlage des Bezirks, einsetzen! Auf der einen Seite wird Geldmangel als Grund angegeben, auf der anderen Seite wird in Berlin viel Geld (Millionen-beträge!) in den Sand gesetzt, nur weil anscheinend einige Damen und Herren in der Finanzverwaltung nicht aufgepasst bzw. nicht sach-gemäß gehandelt haben, Herr Sarrazin! Jüngstes Beispiel: Adlershof, verscherbelt an Spekulanten aus Sachsen-Anhalt für 370 000 Euro und ein Jahr später für mehrere Millionen weiterverkauft. Diesen Verkauf hätte das Land Berlin auch machen können, Millionen wären da in den Landessäckel geflossen! Die Liste könnte nun beliebig fortgesetzt werden, wie der Bund der Steuerzahler vor kurzem schwarz auf weiß allen zur Kenntnis gebracht hat - unglaublich, was uns so zugemutet wird! Lothar Duclos

In einem Beitrag des TAGESSPIEGEL vom 5.8.2006 stellt dieser die Frage: Bald keine Schülerferien mehr auf Schwanenwerder? „Das Schullandheim des Bezirks Tempelhof-Schöneberg am Nordufer von Schwanenwerder gehört seit den ersten Nachkriegsjahren zum Bild der Insel. Doch nun sind seine Tage möglicherweise gezählt. Jugend-stadträtin Angelika Schöttler (SPD) lässt prüfen, ob sich der Bezirk die in einer Vorkriegsvilla untergebrachte Naherholungsstätte für Kita- und Klassenfahrten ‚weiter leisten kann.’ Ein Defizit von 260 000 Euro im Jahr muss sie dafür ausgleichen. Wird die Stätte geschlossen, wäre dies kein Einzelfall in Berlin. Auch andere Bezirke wie Pankow oder Steglitz-Zehlendorf haben in den vergangenen Jahren traditions-reiche Schullandheime aufgegeben. Zur Mauerzeit hatten West-Berliner Schulen wenig Auswahl: Es gab nur einige Heime am Wann-see und bezirkseigene Freizeitstätten in Westdeutschland, damit die Kinder der Inselstadt auch mal in die Ferne reisen konnten. Seit dem Mauerfall kamen aber im Umland Einrichtungen von privaten oder gemeinnützigen Trägern wie der Kirche hinzu, die Konkurrenz wuchs – und die Lehrer können seit den 90er Jahren auch frei entscheiden, ob sie am Ponyhof im Fläming, auf Schwanenwerder oder im privaten Kinderland am Werbellinsee buchen“, berichtet DER TAGESSPIE-GEL. „Neben Schwanenwerder hat der Bezirk ein weiteres Heim am Sandwerder in Wannsee. Beide zusammen benötigen einen Jahres-zuschuss von 500 000 Euro. „Dieses Geld“, sagt Schöttler, „geht unseren Jugendclubs verloren.“ Würde das besonders defizitäre Heim auf Schwanenwerder geschlossen, könnte man dessen Grundstück teuer verkaufen. „Und das Heim am Sandwerder“, meint Schöttler, „effizienter betreiben.“ CS

In einer Presseerklärung vom 1. August 2006 spricht sich die Tempelhof-Schöneberger CDU für den Erhalt von Schwanenwerder aus. Obwohl aus dem Jugendamt zu hören ist, dass noch keine endgültige Entscheidung gefallen sei, behauptet die CDU, dass „die zuständige Jugendstadträtin Angelika Schöttler (SPD) das Schullandheim Schwanenwerder zum 31.12.2006 schließen“ will. Für das Haushaltsjahr 2007 seien keine Personalmittel mehr eingestellt. Allerdings war dies schon 2005 bei den Beratungen des Haushaltsplanes 2006/2007 bekannt. Es handelt sich also um keine neue Erkenntnis. Dennoch vermutet die CDU: „Offenbar will die SPD die Schließung vor den Wahlen im September geräuschlos dingfest machen. Entgegen der Beschlusslage des Jugendhilfeausschusses (JHA), der gefordert hatte, ein Gesamtkonzept für Schwanenwerder, Sandwerder und Teufelssee vorzustellen, versucht die sozialdemokratische Stadträtin die Betroffenen nun vor vollendete Tatsachen zu stellen.“

Der JHA hat nach Angaben der CDU ausdrücklich darum gebeten, bei der Weichenstellung zu dieser Frage eingebunden zu werden. „Um die Schließung zu rechtfertigen, rechnet das Jugendamt die Auslastung und den Sanierungsbedarf absichtlich schlecht“, wirft die CDU dem Jugendamt vor. „Dabei sind die aktuellen Zahlen der Lage geschuldet, dass vielen Einrichtungen im ersten Halbjahr mitgeteilt worden ist, dass Anmeldungen für 2007 nur unter Schließungsvorbehalt angenommen werden, was folglich zu einem Rückgang der Anmeldungen geführt hat.“ Den Sanierungsbedarf hat übrigens nicht das von der Sozialdemokratin Angelika Schöttler geführte Jugendamt, sondern das Hochbauamt des CDU-Stadtrates Gerhard Lawerentz errechnet.

Dass der Jugendhilfeausschuss in so wichtige Entscheidungen, welche Einrichtungen aufgegeben werden bzw. erhalten bleiben sollen, eingebunden sein will, ist als verständlich. Das wird aber nach paperpress vorliegenden Informationen auch geschehen. Und zwar schon auf der nächsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 4. September 2006. Auch die BVV wird sich am 30. August 2006 mit einer Großen Anfrage der CDU mit diesem Thema beschäftigen.



Das Haus auf Schwanenwerder von der Inselstraße aus gesehen.

Beide Häuser und Grundstücke zu erhalten, wird vielleicht nicht möglich sein. Die CDU wird, wenn es zum Schwur kommt, sagen müssen, wie aus ihrer Sicht die Finanzierung sichergestellt werden soll. Sandwerder oder Schwanenwerder, das ist offenbar auch ein Konflikt der ehemaligen Bezirke Schöneberg und Tempelhof. Schöneberg brachte Sandwerder, Tempelhof Schwanenwerder mit in die Bezirksehe ein. Die Tempelhofer Lobby, angeführt von dem ehemaligen Leiter Schwanenwerders, Lothar Duclos, fragt, warum soll Schwanenwerder verkauft werden und nicht Sandwerder? Dazu hat sich Stadträtin Schöttler gegenüber dem TAGESSPIEGEL geäußert. Gerade deshalb sammelt Lothar Duclos inzwischen eifrig Unterschriften für den Erhalt von Schwanenwerder und bittet um Zusendung von Postkarten an ihn, um diesem Wunsche Nachdruck zu verleihen. (Lothar Duclos, Postfach 460108, 12211 Berlin).

Schwanenwerder und/oder Sandwerder, das sind hier die Fragen, zu denen sich der JHA wird äußern müssen. Ginge es nach der Jugendstadträtin Angelika Schöttler, würden beide Einrichtungen erhalten bleiben, sagte sie gegenüber paperpress. Es liegt jedoch nicht allein in ihrer Hand. Deshalb ist nicht auszuschließen, dass dennoch eine Einrichtung auf dem Sarrazinschen Jugendprojektevernichtungsaltar geopfert werden muss. Vom möglichen Erlös eines der Grundstücke, erhält der Bezirk vom Finanzsenator ein Trinkgeld, das meiste verschwindet im großen Schuldenloch der Stadt. Man wird den Aufprall des Geldes am Boden dieses Loches nicht einmal hören können.

Frau Schöttler hat natürlich Recht, wenn sie sich auch um die anderen Freizeiteinrichtungen im Bezirk sorgt. Um diese zu erhalten, müssen immer wieder Opfer gebracht werden. Wenn jedoch die Finanzierung der Jugendarbeit in Berlin weiterhin bergab geht, wird irgendwann nichts mehr vorhanden sein, was sich opfern lässt. Spätestens dann sollte man den Posten des Finanzsenators und einiger anderer abschaffen.

Schwanenwerder ist einem bundesweiten Publikum durch die Erfolgsserie „Praxis Bülowbogen“ bekannt geworden.

Foto: Serienstar Günther Pfitzmann (1924-2003), links, Sohn Andreas, vorn hockend, Axel Bähr, Produktionsleiter von Praxis Bülowbogen, rechts, und Lothar Duclos (Mitte) von 1974 bis 2002 Leiter des Jugenderholungsheims auf Schwanenwerder.

Pfitzmann kam nicht nur zum Drehen nach Schwanenwerder. Wenn er mit seinem Fahrrad unterwegs war, berichtet Lothar Duclos, hielt er oft für ein Schwätzchen an. Pfitzmann war ein großer Freund und Befürworter der Kinder- und Jugenderholung auf der Havelinsel, aber auch der Berliner SPD-Landes- und –fraktionsvorsitzende Michael Müller, der häufig zum Kinderferienlager die Insel besuchte und Spielsachen und Geld spendete. Schwanenwerder gehört zur Tempelhofer Geschichte wie die Luftbrücke und der Flughafen Tempelhof. Es steht zu befürchten, dass alles bald der Vergangenheit angehört.

Die Fotos auf dieser Seite hat uns Lothar Duclos zur Verfügung gestellt.
Fotos nur in der Printausgabe.


  
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