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Michael Müller - Beliebtester Berliner

geschrieben von: Redaktion am 28.02.2015, 14:13 Uhr
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Beim Besuch im Lindenhof war dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) die gute Laune anzumerken. Die Vorsitzende der Abteilung Schöneberg, Anne-Kathrin Helmstorf, begrüßte den Mann, der den Beliebtheitsspitzenwert von 1,8 in der jüngsten Forsa-Umfrage der Berliner Zeitung er-reichte. Damit liegt er 0,3 Punkte über dem besten Wert, den Klaus Wowereit während seiner gesamten Amtszeit je hatte. Die am 28. Februar veröffentlichte Umfrage unter 1.002 Berlinern, die zwischen dem 16. und 26. Februar 2015 durchgeführt wurde, sieht die SPD bei 29%, das sind 2% mehr als bei der Umfrage von Anfang des Monats. Die CDU kommt auf 25% (-1), die Grünen unverändert auf 18%, die Linke 13 (-1), die FDP ist wieder da, 4% plus 1 Hamburg-Effekt, die Piraten verharren auf 3% und die AfD verliert einen Punkt und landet jetzt bei 4%. Die Berliner würden allerdings bei der Bundestags-wahl etwas anders abstimmen: SPD 24 (+3), CDU 30 (-1), Grüne 15 (+1), FDP 4 (+1), Linke 17 (-2) und AfD 4 (-1).

Der Lindenhof, betrieben von der GeWoSüd, ist eine der schönsten Wohnanlagen im Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Er ist der südlichste Zipfel des Wahlkreises von Michael Müller, gehört aber schon zur SPD-Abteilung Schöneberg. Rund 40 Nachbarn aus der Siedlung folgten der Einladung der SPD zu einem Frühstück mit dem Regierenden Bürgermeister. Der sprach in einem kurzen Statement über den Zuwachs an neuen Berlinern, den Wohnungsbau und warb natürlich für Olympia.

Danach genehmigte sich der Regierungschef ein Marmeladenbrötchen und einen Kaffee, zog von Tisch zu Tisch und plauderte mit den Frühstücksgästen.

Das Thema „NoGoAreas“ spielte im Lindenhof keine Rolle, dafür wird in den Medien und im Internet um-so heftiger diskutiert. Nachdem Müller erklärt hatte, dass er keine Problemviertel in Berlin sehe, wird versucht, ihm das Gegenteil zu beweisen. Die Diskussion hatte der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, entfacht, als er in einem RBB-Interview davor warnte, in bestimmten Gegenden die Kippa zu tragen. Friedenau würde vermutlich niemand auf die Liste der Problemviertel Berlins setzen, dennoch ist gerade dort der Rabbiner Daniel Alter von offenkundig arabisch-stämmigen Jugendlichen, wegen des Tragens der Kippa, verprügelt worden.

Das Hauptproblem in Großstädten scheint die Ghettoisierung zu sein. In Vierteln, in denen überwiegend arabische Einwanderer wohnen, sind, nicht nur Juden, sondern auch Christen, gefährdeter als andernorts. Man muss aber ganz nüchtern sehen, dass ein Berliner jüdischen Glaubens unbeschadet durch Neukölln und den Wedding laufen kann, ohne dass ihm etwas passiert. Voraussetzung: er trifft auf aufgeklärte und tolerante Menschen. Wenn er auf eine Gruppe bildungsferner Jugendlicher trifft, deren Weltbild durch die blutigen Auseinandersetzungen im Gaza-Streifen geprägt ist, kann die Begegnung sehr schlimm ausgehen. Das kann aber auch überall woanders so sein. Es sind immer Einzelfälle, und jeder Einzelfall ist einer zu viel und die Summe der Einzelfälle ist unerträglich. Wir leben aber – nicht erst seit Neuestem – in einer Welt, in der eine Menge fanatischer Menschen unterwegs ist, die ihren Frust mit Gewalt an anderen abreagiert. Ob Christ, Atheist, Jude, Moslem, Hindu oder was auch immer, gerät man an jemand, der oft nur schlechte Laune haben muss, wird man schnell zum Opfer. Die Vorfälle auf U-Bahnhöfen gehören auch dazu. Es ist dasselbe Prinzip, zur falschen Zeit am falschen Platz zu sein. Auch wenn es kalt klingen mag, so ist doch aber die Wahrscheinlichkeit, durch Gewalt zum Opfer zu werden, statistisch sehr gering. Ich weiß, dass das jeder Betroffene natürlich anders sieht, zu Recht, dennoch sind die Vorfälle gering, gemessen an der Gesamtbevölkerungszahl beziehungsweise an der Zahl der Begegnungen von Menschen.

Wer in der Stadt unterwegs ist, begegnet überall Menschen, die er nicht kennt und von denen er nicht weiß, wie sie ticken. Noch einmal: das Problem sind die Gebiete, in denen nur bestimmte Ethnien leben, die sich dort einrichten, wenig Kontakt zum Rest der Stadt haben und langsam und allmählich ihren eigenen Rechtsraum schaffen. Diese Fehler sind nicht mehr zu beheben. Schließlich kann man die Menschen nicht umsiedeln und dadurch für eine ethnische Mischung in Berlin sorgen. Man hätte beim Zuzug von Einwanderern von Anfang an darauf ach-ten müssen, dass sich keine Ghettoisierung bildet.

Ein weiterer Kernpunkt des Problems ist der Mangel an Toleranz gegenüber allen anderen Menschen. Toleranz lernt man nicht im arabischen Fernsehen, das man in Berlin empfangen kann. Auch nicht in Moscheen, in denen Hassprediger auftreten. Toleranz und Empathie lernt man – im Normalfall - zu-erst in der Familie, dann in der Kita und in der Schule.

Für mich sind in diesem Dreiklang die Eltern das problematischste Glied in der Kette. Das beginnt schon damit, dass es viele Eltern nicht für nötig halten, vor ihren Kindern aufzustehen und sie mit einem Frühstück zu versorgen, bevor sie sie in die Kita oder Schule bringen. Viele Kinder regeln ihr Morgenleben selbst, aufstehen, waschen, und essen? Letzteres ist der nächste Problemfall. Wenn Jugendfreizeiteinrichtungen, die einen Mittagstisch für Schulkinder anbieten, berichten, dass ihre „Kunden“, wenn sie um 14 Uhr kommen, die erste Mahl-zeit am Tage erhalten, dann ist das ein Zustand, der völlig inakzeptabel ist. Mein Lehrer hat häufig gesagt und dabei zuerst auf seinen Bauch und dann auf den Kopf gezeigt, wenn hier nichts ist, ist dort auch nichts. Wie kann man mit leerem Magen am Unterricht teilnehmen? Ein Blogger mit dem aufschluss-reichen Namen „Telegehirn“ hat mich vor einigen Jahren beschimpft, ich würde mich für eine Sippen-haft einsetzen, weil ich gefordert hatte, hart gegen Eltern vorzugehen, die ihre Kinder vernachlässigen. Natürlich ist das Quatsch und hat nichts mit Sippen-haft zu tun. Die Eltern haben sich gefälligst um ihre Kinder zu kümmern, und ich bin nach wie vor der Meinung – im Einklang mit Heinz Buschkowsky – dass man sie bestrafen sollte, falls sie es nicht tun. Bestrafen mit Geldabzug, was denn sonst. Das ist das einzige, was weh tut.

Sich nicht um die eigenen Kinder so zu kümmern, wie es in einer aufgeklärten Gesellschaft üblich ist, ist für mich ein Straftatbestand, den es zu ahnden gilt. Für die Versäumnisse der Eltern wird beim Er-kennen von Vernachlässigungen immer das Jugendamt in Anspruch genommen. Millionenbeträge müssen dann durch „Hilfen zur Erziehung“ aufgewendet werden, weil einige Eltern nicht den angeborenen Instinkt in sich tragen, für ihren Nachwuchs sorgen zu müssen.

Die immer wieder erhobene Forderung nach einem Kinderführerschein ist natürlich Unsinn. Was soll mit den Eltern und vor allem den Kindern geschehen, wenn die Eltern den „Führerschein“ nicht bestehen? Nein, es muss andere Wege geben. Wenn ein Kind zur Welt kommt, müsste automatisch der Staat auftreten und sich das familiäre Umfeld des Kindes ansehen. Nicht in jedem Einzelfall würde das helfen, weil es auch Vernachlässigungen in so genannten wohl situierten Familien gibt. Man würde aber durch geschulte Sozialarbeiter Gefahren im Vorfeld erkennen und Maßnahmen einleiten können. Ich weiß, undurchführbar und erst recht nicht zu finanzieren. Allein die Untersuchungen der Gesundheitsdienste reichen nicht aus. Wir müssen also mit den menschlichen Unzulänglichkeiten leben, woraus immer wieder Jugendliche entstehen, die mangels Bildung und Perspektiven aus Frust vor allem auf alles einprügeln, das ihnen über den Weg läuft.

Ich glaube nicht, dass Mitbürger jüdischen Glaubens mehr gefährdet sind als andere. Muslime und Menschen mit dunkler Hautfarbe sind auch höchst gefährdet, wenn sie in Gegenden unterwegs sind, in denen deutschstämmige Jugendliche einer Gesinnung nachhängen, die leider durch die Rote Armee und die US Army 1945 nicht endgültig vernichtet wurde. Ich würde alle Jugendlichen der siebten und achten Klassen „zwangsweise“ an einer Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz-Birkenau teilnehmen lassen und den Ethikunterricht zum täglichen Hauptfach erklären, hier allerdings schon ab Klasse Eins.

Ed Koch

  
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