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Was für eine Art Bürgermeister hätten Sie denn gern?

geschrieben von: Redaktion am 11.03.2015, 18:19 Uhr
paperpress515 
Die so genannte „Hauptstadtpresse“ verstehe ich schon seit Jahren nicht mehr. Das sind Journalisten, die für die Berliner und bundesweiten Medien aus der Hauptstadt berichten. Eines der Lieblingsthemen sind die jeweiligen Regierenden Bürgermeister der Stadt, die, da Berlin auch Bundesland ist, im Range eines Ministerpräsidenten zusätzlich fungieren.

Im letzten Jahr wurde Klaus Wowereit kontinuierlich runtergeschrieben. Immer wieder fanden die Medien nicht namentlich genannt werden wollende Parteifuzzis, die Wowereits Rückzug forderten. Alle diese Hintergrundinformanten hatten zu wenig Arsch in der Hose, als dass sie mit ihrem Namen die Forderung unterschreiben wollten. Seit langem war klar, dass Wowereit nicht bis zum Ende der Legislaturperiode 2016 im Amt bleiben würde. Man konnte es aber nicht abwarten und schrieb und schrieb und schrieb den einst so beliebten Bürgermeister in den Keller. Als er dann sein Amt aufgab, schwenkte die Medienmeute um. Ein Nachruf jagte denselben, Tränen flossen aus den Blättern, Wowereit stand nun plötzlich kurz vor der Heiligsprechung. So einen verlogenen Dreck hat man selten zu Gesicht bekommen.

Nun gibt es seit fast 100 Tagen (Stichtag Frühlings-anfang 20. März) einen neuen Regierenden Bürgermeister, den man in den ersten Wochen mehr als wohlwollend ausleuchtete. Als Michael Müller nun zum beliebtesten Berliner Politiker mit Werten gekürt wurde, die Wowereit während seiner gesamten Amtszeit nicht erreichte, verloren die Medien schnell wieder die Freude an einer positiven Berichterstattung. Den Vogel einer wirklich miesen Persönlichkeitsstudie schoss heute der Tagesspiegel auf Seite Drei ab. Der Autor Ulrich Zawatka-Gerlach ist seit gefühlten Jahrzehnten politischer Redakteur des Tagesspiegels. Was ihn zu diesem Konglomerat aus Unterstellungen und herabwürdigenden Bemerkungen veranlasst hat, weiß ich nicht. Da der Tages-spiegel eine innerredaktionelle demokratische Struktur hat, will sagen, jeder kann schreiben, was er will, ist diese Seite Drei sicherlich kein Befehl von oben. Es mag eine Bagatelle sein, nicht zu wissen, wie die Frau des Regierenden Bürgermeisters heißt. Einem Ulrich Zawatka-Gerlach darf es jedoch nicht passieren, Frau Monika zu erwähnen, wenn sie in Wahrheit Claudia heißt. Mehr als peinlich.

Was aber für eine Art Stadtoberhaupt wünschen sich denn die Vertreter der Hauptstadtpresse? Die Bevölkerung äußert sich bei Meinungsumfragen und im nächsten Jahr bei der Abgeordnetenhauswahl. Die Journalisten müssen jeden Tag irgendetwas von sich geben. Da beobachtet man den Regierenden Bürgermeister genau, jede Geste wird registriert, Mundwinkel oben oder unten, schmallippig, angespannt, entspannt und so weiter. Was für einen Nachrichtenwert haben diese Angaben?

Während seiner Amtszeit wurde Klaus Wowereit als Partymeister diffamiert, obgleich er nicht viel mehr oder weniger Veranstaltungen in der Stadt besucht hat, als seine Vorgänger Diepgen und Momper. Gut, denen hat man keinen roten Damenschuh hingehalten. Sekt hat aber auch Wowereit nie aus diesem Schuh getrunken. Eine geglückte Falle eines Foto-grafen. Wie schlimm ist es um einen bestellt, so sein Geld verdienen zu müssen? Das, was man Wowereit immer vorwarf, vermisst man nun plötzlich bei Müller. Früher war mehr Lametta! Müller fehle es am Glamourfaktor. Was? Wozu braucht ein Politiker Glamour? Und wer bitte läuft umhüllt davon durchs Land? Frau Merkel? Herr Gabriel? Herr Gauck? Da glimmt nichts.

Müller aber sei langweilig. Das können auch nur Leute behaupten, die ihn nicht kennen. Unauffällig. Ist das ein Manko? Was soll Michael Müller machen? Laut schreiend ein Lokal betreten und „Jetzt komm ich“ rufen? Soll er auf den Tisch springen oder sein Hemd aufreißen? Was erwartet die Sensationspresse von einem Politiker? Bei Wowereit spielte das Thema schwul sein in den Medien immer auch eine Rolle. Und nun, ein heterosexueller Bürgermeister ist nicht genau so normal, sondern langweilig? Was ist das für eine Logik? Was war denn Eberhard Diepgen für ein Bürgermeister? Der Inbegriff des wandelnden Mehltaus. Bei allen Verdiensten Eberhard Diepgens für die Stadt, abgesehen von der Fehlentscheidung, in Schönefeld den Hauptstadtairport bauen zu wollen, ist Müller im Gengensatz zu Diepgen geradezu ein Comedian.

Was würde Zawatka-Gerlach über Olaf Scholz schreiben, wäre er in Hamburg tätig? Schauen wir uns mal die gegenwärtigen deutschen Ministerpräsidenten an. Wo ist da auch nur der Hauch von Glamour zu entdecken? Müller ist Müller, authentisch und seriös, was man sich von so manchem Beitrag in den Medien auch wünschen würde. Am 20. März rechnet die Hauptstadtpresse mit Müller ab. Spätestens dann weiß er, dass er alles richtig gemacht hat.

Ed Koch

  
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