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Wohnen im Gasometer

geschrieben von: Redaktion am 19.03.2015, 11:31 Uhr
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Der Schöneberger Gasometer ist neben dem Rathaus am John-F.-Kennedy-Platz das Wahrzeichen des Bezirks und weit darüber hinaus. Das Rathaus Schöneberg wurde als Kulisse durch die historische Rede Präsident Kennedys 1963 weltbekannt. Der Bekanntheitsgrad des Gasometers kann sich auch sehen lassen, zumindest im deutschsprachigen Raum Europas. Jeden Sonntag erklären uns von hier aus Günther Jauch und seine Gäste die Welt. Das wird aber nicht ewig so bleiben, denn der Gasometer soll langfristig in den Obergeschossen ab 22 Metern als Hülle für besonderen Wohnraum geplant werden. Alle diese Wohnungen sollen in Zusammenarbeit mit CISCO entwickelt werden, um das Thema „Internet of Everything“ vor Ort zu realisieren. Im Bereich des geschlossenen Stahlmantels soll ein 5000 qm großer Ausstellungsraum der Energiewende entstehen mit integriertem Kongress-bereich. Wie das Innenleben der Stahlkonstruktion einmal aussehen wird, können wir nur erahnen. Was allerdings möglich sein kann, haben uns hochbegab-te Studenten im Rahmen des jährlichen Architektur-wettbewerbs TRANSFORMATION des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI e. V. gezeigt. Beeindruckende Pläne und anschauliche Modelle sind das Ergebnis einer spannenden Arbeit.

Mit einem Workshop vor Ort in Berlin begann das Projekt am 30. und 31. Oktober 2014. Es folgte die Bearbeitungszeit an den Unis im Wintersemester 2014/15. Den Abschluss bildete die Jurierung im AudiMax der TU im Wasserturm auf dem EUREF-Campus am 16. und 17. März 2015. Beteiligt an dem Wettbewerb hatten sich die TU Berlin, die UDK Berlin, die TU Braunschweig, die TU Dresden und die Universität Kassel.

In der Aufgabenstellung hieß es: „Innerhalb des bestehenden Stahlgerüstes des ehemaligen Gasometers sollen Wohnnutzungen geplant werden. Der Standort EUREF-Campus und die durch die bestehende Konstruktion vorgegebene Größe und Form einer möglichen baulichen Ergänzung erfordern die Entwicklung besonderer Wohnnutzungen (Wissenschaftler, Fellows, Studenten, Künstler etc.) und diese speziellen Wohnformen ergänzenden Einrichtungen Co-Working-Spaces, Ateliers, Gemeinschaftsräume, Räume für Fitness, Sport und Well-ness etc. Diese Einrichtungen können sowohl im Inneren der Wohnebenen als auch evtl. im Sockel-bereich des Gasometers platziert werden, dort wo gegenwärtig Günther Jauch tätig ist.
Wie die gesamte Bebauung des Campus ist auch für die Neubebauung CO²- Neutralität wichtige Anforderung. Im bestehenden Bebauungsplan wird entsprechend des Denkmalschutzes zwischen dem Konstruktionsgerüst (Durchmesser ca. 60 Meter) und der zu planenden Bebauung ein Abstand von einem Meter vorgeschrieben. Die Höhenentwicklung der Neubebauung innerhalb des Traggerüstes ist insoweit begrenzt, als die Neubebauung wegen Verschattung angrenzender Gebäude und freier Durch-sicht für die Erkennbarkeit als Industriedenkmals unterhalb der beiden letzten Gerüstfelder bleiben soll. Abweichungen davon erfordern neben einem überzeugenden Konzept auch eine plausible Begründung.“ Das war alles andere als eine leichte Aufgabe.

Mit welcher Leichtigkeit die jungen Architekturstudenten, die ich auch gern als Künstler betrachtet sehen möchte, an die Arbeit gingen, ist faszinierend. Nicht alle der 15 Entwürfe würden sich bei nüchterner Betrachtung realisieren lassen. Die Studenten ließen ihren kreativen Gefühlen freien Lauf, was bei so einem Wettbewerb möglich sein darf.

Viele Entwürfe könnte man sich sehr gut vorstellen, für einen Gasometer, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat. Aber, wie das bei Wettbewerben so ist, es gibt eine Jury aus Fachleuten, die mehr rational als emotional die Arbeiten bewerten. Und, es gibt immer nur einen Sieger.

Der 1. Platz ging an die Studenten Adrian von Kaenel und Jean-Joël Schwarz, von der UdK Berlin. Sie überzeugten die Jury mit ihrem Entwurf „BIUTA“, was so viel wie Bienenkorb bedeutet. Bienen gibt es ja bekanntlich schon auf dem Campus, so dass der Siegerentwurf einen guten Bezug zum Bestehenden hat. „Adrian von Kaenel und Jean-Joël Schwarz sei es insbesondere gelungen, Arbeiten, Wohnen und Freizeit in einem gesamtheitlich sinnvollen Konzept zu integrieren“, sagte Jurymitglied Dr. Eckart John von Freyend, Aufsichtsrat der EUREF AG, nach der Bekanntgabe der Gewinner. Und der Juryvorsitzen-de André Kempe, ATELIER KEMPE THILL, Rotterdam, sagte: „Der Entwurf besticht mit konzeptioneller Stärke, er entwickelt eine spezifische Typologie und Wohnform, die sich besonders auf die Gegebenheiten des Gasometers bezieht. Zudem ist der Entwurf konstruktiv sehr logisch und äußerst konsistent. Er geht von Kompaktheit aus, einem wesentlichen Kriterium für Nachhaltigkeit und Energieeinsparungen.“

Bei den Gewinnern des 2. Platzes (Wind up), Jessica Kroll und Larissa Geilen von der TU Braun-schweig, windet sich das Gebäude spiralförmig nach oben, bis über das Gerüstende des Gasometers hinaus.

Simon Mögel von der Universität Kassel wurde für seinen Entwurf „LuftRaum“ mit einer Anerkennung geehrt. Bei ihm scheint das Gebäude über dem Gasometer zu schweben.

Die Gewinner erhalten Preisgelder von insgesamt 10.000 Euro. Die offizielle Preisverleihung findet am 10. Oktober 2015 im Rahmen der Jahrestagung des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft in Karlsruhe statt.

Hätte der Autor dieses Beitrages in der Jury gesessen, wäre Christian Krug als Sieger nach Hause gegangen. Schönes Wohnen wird in diesem Entwurf bereits im Modell erlebbar. Der zu einer Seite offene Ring lässt genügend Licht in den Innenbereich zu. Im inneren und äußeren Ring befinden sich Balkone vor den Wohneinheiten. Das ist in einer Zeit der schlichten Architektur, in der kaum noch Balkone vorkommen, bemerkenswert. Berlin ist die Stadt der kleinen freien Flächen vor dem Wohnzimmer, auf denen man ohne das Haus verlassen zu müssen, die Sonne genießen und frische Luft tanken kann. „Sommer auf dem Balkon“ ist nicht nur der Titel eines Films. Frühstück auf dem Balkon ist ein großes Erlebnis inmitten der Stadt. Insgesamt gesehen, wie gesagt, haben alle Studenten beeindruckende Modelle entworfen. In einigen Jahren werden wir sehen, wie das Innenleben des Gasometers tatsächlich aussieht.

Ed Koch

  
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