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Beiträge: Oh Oh Oh, bei uns in Tempelhof

geschrieben von: Redaktion am 25.09.2006, 16:35 Uhr
paperpress536 
Toller Einstand für den CDU-Abgeordneten Scott Körber.
Beam Dich weg Scotty

In Tempelhof gibt es eine alte Volksweise, einen richtigen Gassenhauer. „Was ham wa für ne Feuerwehr bei uns in Tempelhof? Die Feuerwehr kommt angerannt, da is das Haus schon abgebrannt. Oh, Oh, Oh, bei uns in Tempelhof!“ Davon gibt es ein gutes Dutzend Strophen, die alle ähnlich tragisch enden.

Ich habe wirklich geglaubt, dass mich nichts mehr überraschen kann, was Politik in Tempelhof anstellt. Als ich allerdings am Wochenende in der Berliner Morgenpost, Berliner Zeitung und Tagesspiegel las, was der Tempelhofer Abgeordnete Scott Körber so für ein Verständnis von dieser Welt hat, bin ich um eine böse Erfahrung reicher geworden. Der Mann hat in Lichtenrade seinen Wahlkreis direkt gewonnen. Das haben andere auch, aber nicht mit 44 Prozent. Bestes Ergebnis Berlinweit. Dafür liefert er nun die peinlichste Geschichte Berlinweit.

Der Mann war krankgeschrieben, offenbar auch während des Wahlkampfes. Seine Tätigkeit im JobCenter Charlottenburg-Wilmersdorf, „er hat hier mal zwei Tage gearbeitet“ (JobCenter-Geschäftsführer Langguth gegenüber der Berliner Zeitung) konnte er die letzten 12 Monate nicht ausüben, weil er „aufgrund seines Bluthochdrucks nicht mehr im Publikumsbereich des Jobcenters arbeiten dürfe“ (Berliner Morgenpost).

Seine Wahlkampfeinsätze seien „positiver Stress“, sagte er der Berliner Morgenpost. „Da reagiere ich mich ab!“ Zusammenfassend: Arbeiten Nein, Politik Ja. Wird auch besser bezahlt. Er will als Politiker gegen Sozialmissbrauch kämpfen. Nein, Scotty ist kein Sozialschmarotzer. Ich bin ihm im Wahlkampf etliche Male begegnet. Er machte keinerlei kranken Eindruck auf mich, auch hatte ich nicht das Gefühl, dass ihm der übliche Publikumsverkehr im Wahlkampf etwas anhaben könnte. Ach ja, das ist ja positiver Stress. JobCenter-Kunden = krakmachend – CDU-Wahlkampfveranstaltungenbesucher = positiv belebend. Jeder ist halt so krank, wie es ihm sein Hausarzt attestiert. Der 35-jährige will sich jetzt im Abgeordnetenhaus um den Sport kümmern. „Ich möchte Olympia nach Berlin holen“, sagte er der Berliner Morgenpost. Na endlich findet sich mal einer für den Job. Olympia ohne Publikumsverkehr, ob das gut geht?

Erbärmlicher als das, was Arbeitsvermittler Körber so von sich gibt, ist vielmehr der Umstand, dass man ihn ein Jahr lang hat zu Hause rumsitzen lassen. Denn: für andere Tätigkeiten wäre er wohl einsetzbar gewesen. Das jedenfalls sagt Personalstadtrat Joachim Krüger aus Charlottenburg-Wilmersdorf. Eine andere Tätigkeit habe man für Herrn Körber nicht gefunden, sagt Stadtrat Krüger der Berliner Zeitung. Das ist ja wohl nicht zu glauben. Die Bezirke beklagen sich, oft zu Recht, über den ständigen Personalabbau. Viele Aufgaben können nicht mehr bewältigt werden. Und in so einer Situation will mir jemand erzählen, dass es absolut nichts im Großbezirk Charlottenburg-Wilmersdorg gibt, womit sich Herr Körber beschäftigen kann? Die Bezüge hat Körber während der gesamten Zeit natürlich voll weiter bekommen. Schließlich war er ja auch voll krank.

Diese Geschichte darf ich meinen Freunden in Amiland nicht erzählen. Sie gehen dort teilweise bis zu zwei oder drei Tätigkeiten nach und arbeiten gut über 60 Stunden die Woche, um zurecht zu kommen. Wenn ich denen sage, dass man mit bestimmten Krankheiten gar nicht arbeiten muss, aber voll bezahlt wird, schmuggeln die sich garantiert in mein Gepäck.

Um bei meinen Amilandfreunden zu bleiben. Die nennen so etwas Bull-Shit. Stadtrat Krüger, der angeblich für seinen Parteifreund keine Tätigkeit fand, ist in meinen Augen ein Versager. Was man so aus dem Citybezirk hört, neigt sich die Amtszeit von Herrn Krüger ohnehin dem Ende entgegen, was gut ist, denn der Job eines Personalstadtrates scheint wirklich überflüssig zu sein. Was Herrn Körber anbelangt, so habe ich natürlich Verständnis für dessen Kreisvorsitzenden Nico Zimmer und auch für den neuen Fraktionsvorstand. „Was sollen wir in einem solchen Fall machen?“, fragen sie die Berliner Morgenpost. Wenn man davon nichts weiß, wenig. Aber wusste wirklich niemand Bescheid? Für Herrn Körber war das eine „reine Privatangelegenheit“.

Ein Abgeordneter sollte eine Vorbildfunktion ausüben. Das ist ja wohl hier ziemlich daneben gegangen. Wer sich so verhält, ist für das Amt eines Abgeordneten einfach nicht reif. Die CDU kann ihn nicht wieder rauswerfen. Aber hoffentlich nie wieder aufstellen. Er sollte all dem aus dem Wege gehen und sich selbst wegbeamen. Wer seine Wähler derart verarscht, hat im Abgeordnetenhaus nichts zu suchen. Beam Dich weg Scotty.

Ed Koch

  
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