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Hajo Schumacher plus 6

geschrieben von: Redaktion am 11.09.2016, 12:25 Uhr
paperpress533 
Niemand soll sagen, er habe sich vor der Wahl am 18. September kein Bild über Personen und Programme der Parteien machen können. In allen Zeitungen sind jeweils „exklusiv“-Interviews erschienen oder Namensartikel, im Fernsehen gab es Diskussionsrunden und zusätzlich unzählige Veranstaltungen aller möglichen Organisationen, auf denen allein oder in Gruppen die Kandidaten zu Wort kamen. Das Format, wie es die Berliner Zeitung und der Tagesspiegel praktizierten, mit den Kandidaten einzeln zu reden, hat etwas für sich, aber auch die großen Runden wie bei der IHK, dem RBB oder der Berliner Morgenpost, sind spannend. Hat man in den Einzelgesprächen die Möglichkeit, sich sehr gezielt mit dem jeweiligen Kandidaten zu beschäftigen, so leben die Diskussionen mit allen Spitzenkandidaten auch davon, dass sich diese untereinander streiten. Das nervt manchmal, weil jeder darauf beharrt, Recht zu haben und sich die Behauptungen widersprechen und man als Zuhörer nicht in der Lage ist, diese Aussagen sofort auf ihren Wahr-heitsgehalt zu überprüfen.

Von allen diesen Diskussionen war die bei der Berliner Morgenpost am Freitag, dem 9. September, mit einem gewissen Abstand die unterhaltsamste. Die Zeitung lud in den Zoo-Palast ein und der Kinosaal 2 war bis auf den letzten Platz belegt. Man hatte, so Chefredakteur Carsten Erdmann, doppelt so viele Anmeldungen wie Plätze. Wer dann einen Platz sicher hatte, war Teilnehmer einer lebhaften und auch von Heiterkeit geprägten Veranstaltung. Den wesentlichsten Anteil daran trug Morgenpost- und RadioEins Kolumnist Dr. Hajo Schumacher. Ohne ihn wäre die Veranstaltung ähnlich langweilig abgelaufen wie im RBB oder bei der IHK. Getreu seinem Pseudonym trat er den Kandidaten gekonnt gegen die Achillesferse. Am souveränsten bewegte sich Michael Müller durch die zwei Stunden, ruhig, sachlich und bestimmt, während Ramo-na Pop und Klaus Lederer manchmal etwas zu hektisch versuchten, auf der einen Seite Müllers SPD Paroli zu bieten und sich andererseits als möglichen Koalitionspartner zu empfehlen. Frank Henkel, der auch laut und kräftig sprechen kann, ist bei solchen Formaten immer viel zu leise und zurückhaltend. FDP-Spitzen-kandidat Sebastian Czaja verteidigte vehement sein Hauptthema im Wahlkampf, die Offenhaltung von Tegel, und hat dabei augenscheinlich eine andere rechtliche Einschätzung als Müller, Henkel, Pop und Lederer. AfD-Mann Georg Pazderski, den Schumacher häufig mit Herr Oberst ansprach, wartete erneut mit sei-nen merkwürdigen Vorstellungen von Eigentumswohnungen für alle auf. Zu den meisten anderen Themen konnte er wenig beitragen, und die Argumente in Sachen Flüchtlinge sind sattsam bekannt.

Unter:
http://www.morgenpost.de/politik/article208219529/So-stritten-die-Spitzenkandidaten-im-Wahlforum.html
kann man den Verlauf der Diskussion und die angesprochenen Themen nachlesen.

Klaus Lederer hatte schon mehrfach das Pech, bei Diskussionsrunden dieser Art neben Georg Pazderski sitzen zu müssen. Und so blieb es, nicht allein wegen der Nähe nicht aus, dass sich die beiden in die Haare kriegten. Unter das Publikum hatte sich eine größere Gruppe AfD-Anhänger gemischt, die mit Sicherheit keine Morgenpost-Abonnenten sind. In den sozialen Medien wurden die Anhänger dieser Partei aufgefordert, sich für die Veranstaltung anzumelden. Sinn und Zweck sollte, wie sich herausstellte, nicht die Teilnahme an einer demokratisch geführten Diskussion sein, sondern allein, um jede Äußerung von Pazderski mit Applaus zu unterstützen, und Andersdenkende mit Buh-Rufen einzuschüchtern. Peinlicher Höhepunkt war, dass jemand aus der AfD-Clique Klaus Lederer als „Volksverräter“ beschimpfte. Da griff Hajo Schumacher ein und verwahrte sich gegen diese Bezeichnung. Der Applaus darauf war beruhigender Weise deutlich lauter als der von der AfD ausgehende Geräuschpegel.

Die AfD, die an solchen Aktionen ja immer völlig unschuldig ist, und sich gar nicht ihrer vielen aktiven Fans und deren Handlungen erwehren kann, hat mal wieder ihr wahres Gesicht gezeigt. Wer nicht in der Lage ist, den demokratischen Diskurs zu ertragen, gehört in kein Parlament.

In mehreren Beiträgen habe ich kein Verständnis für AfD-Wähler ge-zeigt. Ich dürfe die AfD-Wähler nicht verteufeln und nicht alle über einen Kamm scheren, wurde mir mitgeteilt. Richtig. Die AfD wählten in Mecklenburg-Vorpommern auch Menschen, die vorher SPD (16.000), CDU (23.000), Grüne (3.000) und Linke (18.000) gewählt haben. Diese könnten die Parteien vielleicht zurückgewinnen. Die AfD wählten aber auch Menschen, die sich rechts neben der CSU befinden, wo eigentlich kaum noch Luft ist. 20.000 NPD-Wähler wechselten zur AfD. Erschreckend auch, dass der größte Block, nämlich 56.000 Menschen bisher gar nicht an Wahlen teilgenommen haben. (Quelle: ARD – Infratest dimap) Das ist alles ganz schrecklich, dennoch, eine Partei, in der sich rechtes Gedankengut etabliert, ist nicht wählbar. Und jeder Wähler muss wissen, mit wem er sich einlässt. Ich bleibe dabei: Kein Verständnis für AfD-Wähler. Die Entnazifizierung hat in Deutschland weitestgehend geklappt, wenn auch nicht gleich zu Beginn in der ersten Bundesregie-rung. Für mich gilt nach wie vor der Satz von Bertold Brecht aus dem Theaterstück „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch.“

Was den aufhaltsamen Aufstieg der AfD anbelangt, müssten nun wirk-lich endlich einmal die so genannten etablierten Parteien aufwachen und tätig werden. Es muss ihnen gelingen, deutlich zu machen, dass es zu ihnen keiner Alternative bedarf. Über den Weg, den die bayerische Regionalpartei CSU einschlägt, lacht sich die AfD krumm. Und auch die Wähler: Warum CSU wählen, wenn wir gleich das ganz rechte Original wählen können. Jeder mögliche AfD-Wähler sollte sich den Satz von Frank Henkel dreimal durchlesen: „Die AfD verrät alles, was Deutschland stark gemacht hat, sie passt nicht zum christlichen Menschenbild."

Ed Koch

  
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