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Gail Halvorsen - Legende der Luftbrücke

geschrieben von: Redaktion am 27.11.2016, 09:32 Uhr
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Gail Halvorsen, kürzlich 96 Jahre alt geworden, ist einer der letzten noch lebenden amerikanischen Piloten, die West-Berlin zwischen Juni 1948 und Mai 1949 aus der Luft versorgten. Stalins Sowjetunion hatte die zwölf Westsektoren Berlins abgeriegelt. Die gegen Hitler-Deutschland gemeinsam kämpfenden Westalliierten und die Sowjetunion befanden sich nur drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in einem neuen, Kalten Krieg, diesmal gegen sich selbst gerichtet. Zankapfel war West-Berlin, Mitten in Ostdeutschland gelegen und unter sowjetischer Verwaltung. Für West-Berlin teilten sich die USA (6 Bezirke), Groß Britannien (4 Bezirke) und Frankreich (2 Bezirke) die Verantwortung. Aus Ostdeutschland wurde am 7. Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik, eine Diktatur nach sowjetischem Vorbild. Bereits am 23. Mai 1949 gründete sich die Bundesrepublik Deutschland mit freiheitlicher demokratischer Grundordnung, zu der West-Berlin emotional und wirtschaftlich, aber nicht rechtlich gehörte. Der weitere Verlauf der Geschichte ist bekannt.

Die Berliner Luftbrücke war eine logistische Meister-leistung ohne Beispiel. Zwei Millionen Tonnen Lebensmittel und andere Verbrauchsgüter wurden in rund 280.000 Flügen nach Berlin gebracht. 100 zivile und militärische Opfer waren zu beklagen. Genauso wichtig wie die Versorgung der Stadt aus der Luft war der damit bekundete Wille, West-Berlin nicht aufzugeben. Diese starke Haltung trug letztlich dazu bei, dass Stalin aufgab und die Grenzen wieder öffnete. Wären die Westalliierten damals eingeknickt und hätten sie West-Berlin aufgegeben, sähe der Verlauf der Geschichte bis hin zur Wiedervereinigung ganz anders aus. Berlin war das Symbol der Teilung und ist das Symbol der Wiedervereinigung. Das darf nie vergessen werden. Ebenso wenig, wem die Berliner das zu verdanken haben, vornehmlich dem amerikanischen Volk. Angesichts der aufgeheizten Debatte um einen neuen Präsidenten, darf man die tiefen Beziehungen zwischen den USA und uns nicht vergessen.

Dass Deutschland den Zweiten Weltkrieg begonnen hat, bezweifeln heute nur noch wenige ewig Gestrige. Und dass der Tag des Endes des Zweiten Welt-kriegs, der 8. Mai 1945, nicht verklärt als „Tag der Niederlage“, sondern als „Tag der Befreiung“ begangen werden muss, steht außer Frage, wenn auch hier Geschichtsklitterer ein anderes Bild zeichnen wollen. Verständlich und nachvollziehbar wäre eine Haltung auf Seiten der Sieger gewesen, uns hier in den selbst verursachten Trümmern verrecken zu lassen. Das Gegenteil war jedoch der Fall. Schon am 27. November 1945 gründeten in den USA 22 Wohlfahrtsverbände die private Hilfsorganisation CARE („Cooperative for American Remittances to Europe“), um Hilfsaktionen für Europa zu koordinie-ren. Auch die US-Armee beteiligte sich und stellte aus ihren Depots 2,8 Millionen überflüssig gewordene Armeerationspakete für die ersten Lebensmittel-lieferungen zur Verfügung.

Anfangs wurden die Pakete in europäische Länder außer Deutschland verschickt, aber schon im Dezember 1945 endete das Verbot, auch Menschen in Deutschland zu helfen. Ab dem 5. Juni 1946 war es dann möglich, CARE-Pakete in die Amerikanische Besatzungszone zu schicken. Vom 21. Juni 1946 an durften CARE-Pakete in die Britische Besatzungszone und ab Dezember 1946 auch in die Französische Besatzungszone gesandt werden. Im März 1947 begann CARE, Pakete zu verschicken, deren Inhalt die Organisation selbst zusammenstellte. Sie enthielten mehr Fleisch, mehr Fett und mehr Kohlenhydrate. Der Nährwert eines dieser Pakete betrug etwa 40.000 Kilokalorien. 100 Millionen CARE-Pakete wurden in ganz Europa verteilt. Fast zehn Millionen Pakete erreichten zwischen 1946 und 1960 West-deutschland; davon gingen drei Millionen nach West-Berlin, insbesondere 1948/1949 über die Berliner Luftbrücke.

2016 stand im Zeichen von 70 Jahre CARE. Am 24. November wurde mit einem Fest im Deutschen Technikmuseum das Jubiläumsjahr beendet. Und zu diesem Anlass lud man Gail Halvorsen nach Berlin ein. Berlin ist für ihn, wie er immer wieder sagt, seine zweite Heimat, unzählige Male war er hier, bei allen Jubiläen und anderen Anlässen besuchte der die Stadt. Inzwischen wurde in Zehlendorf sogar eine Schule nach ihm benannt. Es gab viele Piloten, die sich um die Luftbrücke verdient gemacht haben, aber nur einer erlangte Weltruhm mit einer ebenso kleinen wie genialen Idee.

Am Vormittag des 24. November besuchte er zuerst das Berliner Abgeordnetenhaus und traft dort mit Parlamentspräsident Ralf Wieland und dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller zusammen. Anschließend besuchte er die nach ihm benannte Schule in Dahlem.

Halvorsen war der erste Pilot, der vor der Landung auf dem im US-Sektor Berlins befindlichen Flughafen Tempelhof für die dort neugierig auf kleinen Trüm-merbergen auf der Neuköllner Seite wartenden Kin-der an kleinen Fallschirmen befestigte Süßigkeiten abwarf. Diese Aktionen („Operation Little Vittles“ – Operation Kleiner Proviant) brachten den an der Luftbrücke beteiligten Piloten und Flugzeugen den Namen „Rosinenbomber“ (in den USA „Candy Bomber“) ein. Da die Flugzeuge in Tempelhof im 90-Sekunden-Takt einflogen, konnten die wartenden Kinder seine Maschine vom Boden aus nicht von den anderen unterscheiden. Er verabredete deshalb mit den Kindern, dass er beim Anflug mit den Trag-flächen „wackeln“ würde (daher sein Spitzname „Onkel Wackelflügel“), um sich zu erkennen zu geben.

Diese Aktionen wurden bald von der Presse aufgegriffen und publiziert. Dies löste eine Welle der Unterstützung aus, Halvorsen und seine Crew hatten bald täglich 425 Kilo Süßigkeiten zum Abwurf zur Verfügung. Zum Ende der Luftbrücke hatten insge-samt etwa 25 Flugzeugbesatzungen 23 Tonnen Süßigkeiten über Berlin abgeworfen. Als Motiv für den Abwurf von Schokolade, Kaugummi und anderen Süßigkeiten äußerte Halvorsen, dass er dies getan habe, um den an Not und Entbehrungen gewöhnten Kindern im zerbombten Berlin eine Freude zu machen. Viele Zeitzeugen sind sich einig, dass diese Aktionen das Bild der US-Amerikaner im Nachkriegsdeutschland maßgeblich positiv beeinflusst haben.

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag des Endes der Luftbrücke flog Halvorsen im Mai 2009, diesmal als Passagier, erneut in einem „Rosinenbomber“ über das Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof und warf rund 1.000 Schokoladepäckchen über dem Rollfeld ab.

Im Jahr 1974 wurde Gail Halvorsen das Große Bundesverdienstkreuz verliehen. Bei den Olympischen Winterspielen 2002 in seiner Heimatstadt Salt Lake City trug er auf Einladung der deutschen Mannschaft das Namensschild mit der Aufschrift „Germany“ bei der Eröffnungsfeier ins Stadion.

Im September 2008 führte Halvorsen unter dem Jubel zehntausender Zuschauer als Grand Marshal der traditionsreichen German-American Steuben Parade in New York City den Festzug auf der Fifth Avenue.

Am 15. Juni 2013 wurde im Berliner Stadtteil Dahlem eine Sekundarschule nach Halvorsen benannt: Die ehemalige 9. Integrierte Sekundarschule - 2011 aus der Fusion der Alfred-Wegener-Oberschule und der Beucke-Oberschule hervorgegangen - trägt seitdem den Namen „Gail S. Halvorsen Schule“. Der zu diesem Zeitpunkt 92-jährige Namensgeber enthüllte in einem Festakt persönlich das Namensschild. Damit erinnert, neben der Clay-Schule, die zweite Berliner Schule mit ihrem Namen an die Zeit der Berliner Luftbrücke. Zugleich wurde zum zweiten Mal eine Berliner Schule nach einem noch lebenden Namensgeber benannt.

Ein Kapitel im Leben des Gail Halvorsen darf nicht vergessen werden. Ein kleines Mädchen mit dem schönen Namen Mercedes wohnte während der Luftbrücke und noch heute in der Friedenauer Hähnelstraße, der Einflugschneise zum Flughafen Tempelhof. Sie hütete ihre weißen Hühner sehr sorgsam in der Hoffnung, dass sie fleißig Eier legten. Doch die brummenden Flugzeuge wirkten sich auf diesen Wunsch nicht sehr positiv aus. Um an die begehrten Fallschirme mit den Süßigkeiten zu gelangen, war Mercedes zu klein. Also schrieb sie Gail Halvorsen einen Brief. Und eines Tages erhielt sie tatsächlich ein Päckchen von ihm mit Schokolade.

Gail Halvorsen ging nach dem Ende der Luftbrücke zurück in seine Heimat, kam aber 1970 zurück und war hier bis 1974 Kommandant des Flughafens Tempelhof. An einem Abend im Jahr 1972 nahm Col. Halvorsen eine Einladung eines Berliner Pärchens, Mercedes und Peter Wild, an, das er noch nie zuvor getroffen hatte. Eine junge Mutter zweier Jungen, die selbst eine Ausbildung zur Pilotin gemacht hatte, begrüßte ihn herzlich in einem alten Wohnblock in Friedenau. Sie hatte eine Vitrine in der Wohnung, in der sie ihre Schätze aufbewahrte. Daraus nahm sie nun einen Brief. „Bitte lesen Sie das“, sagte sie zu Col. Halvorsen. Der Brief begann: „Meine liebe Mercedes“. Es war der Brief, der dem Päckchen, das er ihr geschickt hatte, beilag. Nach 24 Jahren trafen sich endlich die Menschen, die während der Berlin-Blockade schon Freundschaft geschlossen hatten.

Aus dem Besuch bei den Wilds 1974 entwickelte sich eine innige Freundschaft, die bis heute währt. Wenn Gail Halvorsen in Berlin ist, ist Mercedes Wild immer dabei.

Text: Ed Koch – Quellen: wikipedia – paperpress-Archiv


  
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