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Einfach nichts mehr glauben...

geschrieben von: Redaktion am 27.12.2016, 16:26 Uhr
paperpress536 
„Fake-News“ verbreiten sich wie eine Seuche. Früher konnte man getrost als Wahrheitsbeweis sagen: „Das stand doch in der Zeitung“ oder „Das haben die doch im Radio gesagt!“ Die Dimension von Falsch-meldungen ist enorm. Selbst der pakistanische Verteidigungsminister glaubte, Israel wolle auf sein Land einen nuklearen Anschlag verüben. Vorsorglich wies er darauf hin, dass auch Pakistan über die Atom-bombe verfüge. Man darf sich dieses Szenario gar nicht weiter vorstellen. Was, wenn jemand ohne Faktencheck präventiv zurückschlägt? So wie ein Mann in Washington, der tatsächlich glaubte, Hillary Clinton betreibe einen Kinderpornoring in einer Pizzeria, woraufhin er in dem Restaurant um sich schoss. Man weiß ja nicht, was schlimmer ist, so zu reagieren oder überhaupt diesen Blödsinn zu glauben. Offenbar gibt es Menschen, die Israel und Frau Clinton alles zutrauen. Postfaktisch lässt grüßen.

Ist George Michael wirklich tot? Oder wie Britney Spears, deren Unfalltod getwittert wurde, nach wie vor am Leben? Angeblich, dieses Wort sollte man künftig vor alle Meldungen stellen, plant das Innen-ministerium ein „Abwehrzentrum gegen Desinformation“. Mit diesem Thema setzt sich heute Lorenz Maroldt in einem Tagesspiegel-Kommentar auseinander. Eine Behörde, die sich mit der Wahrheitsfindung beschäftigt, halte auch ich für problematisch. Was eine Regierung für wahr hält, muss nicht immer tatsächlich wahr sein. Beispiele gäbe es viele. Dass es aber einer – möglichst unabhängigen – Institution bedarf, die sich mit dem Faktencheck beschäftigt, ist zwingend notwendig.

Leiten wir nun über zu den Grautönen zwischen Wirklichkeit und Wahrheit. Noch kurz vor Jahresende lassen Lorenz Maroldt und Gunnar Schupelius (BZ) keine Gelegenheit ungenutzt, den Regierenden Bürgermeister Michael Müller vors Schienbein zu treten. In seinem Kommentar über die „Wahrheitsbehörde“ stellt Maroldt die Frage: „Und wie schätzte eine solche Wahrheitsbehörde wohl die Behauptung des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller ein, unmittelbar nach dem Anschlag vom Breitscheidplatz, die Situation sei ‚unter Kontrolle‘? Die Wahrheit war es jedenfalls nicht, der Täter lief noch unerkannt frei herum.“ Das ist blanke Demagogie. Es gibt zwei Aspekte, die zu erwähnen sind. 1. Schon kurz nach dem Anschlag war man einem vermeintlichen Täter auf der Spur. Das war die Nachrichtenlage. Dass diese Person nicht der Täter war, wie sich nach seiner Festnahme herausstellte, ist eine andere Sache. 2. Was aber der Regierende Bürgermeister meinte, und das ist nichts als die Wahrheit, ist, dass die Situation am Anschlagsort „unter Kontrolle“ war. Die Polizei sicherte den Tatort, Feuerwehr, Rettungsdienste und Krankenhäuser kümmerten sich um die Opfer. Und das alles geschah höchst professionell und effektiv. Darüber liest und hört man jedoch wenig.

Wenn man aber den Regierenden Bürgermeister mal wieder anpinkeln will, bastelt man sich flugs einen Kommentar drumherum zurecht.

Was Gunnar Schupelius anbelangt, versuche ich immer wieder zu ergründen, was in seinem Gehirn geschieht. In seiner heutigen Kolumne vermisst Schupelius einen „politischen Führer“ im Roten Rathaus. der ihm sagt, wo es langgeht. Den Bischöfen Dröge und Koch wirft er vor, dass ihre Weihnachts-ansprachen zu politische gewesen seien, weil sie sagten „Abschottung könne es in der globalisierten Welt gar nicht geben“ und „eine Obergrenze“ für die Einwanderung von Flüchtlingen und Migranten auch nicht. Müller hingegen wirft er vor, wie ein Pfarrer gesprochen zu haben, weil er sagte: „Hass hat in unserem Berlin keinen Platz. Das ist die zentrale Botschaft, die das christliche Weihnachten aus-macht.“

Schupelius erwartete offenbar Aussagen, wie wir sie aus Bayern kennen. „Hätte Herr Müller nicht sagen müssen, wie er denn dafür sorgen will, dass der Hass in unserem Berlin keinen Platz hat?“, fragt Schupelius scheinheilig. Wer die Antwort auf diese Frage weiß, hätte einen großen Schritt gegen den internationalen Terrorismus gemacht. Schupelius suggeriert mit seinem unsäglichen Kommentar, dass ein Bürgermeister die Mittel und Möglichkeiten hätte, gegen Hass und Intoleranz vorzugehen. Terroranschläge in den USA beispielsweise, wurden im Wesentlichen von Tätern mit amerikanischer Staatsbürgerschaft verübt. Und auch in Pseudodemokratien wie Russland oder der Türkei, ist kein Kraut gegen den Terror gewachsen.

Niemand hat ein Mittel gegen diesen Hass. Dass die sieben jungen Männer, die versuchten, einen Obdachlosen anzuzünden, Flüchtlinge sind, ist ein schwerer Rückschlag in der ohnehin aufgeheizten Diskussion. Vor allem ist es ein Rückschlag für die vielen Tausend anständigen Menschen, die bei uns Schutz vor dem Krieg in ihrer Heimat suchten. Ein schlimmes Jahr geht zu Ende, und das kommende kann kaum besser werden.

Ed Koch

  
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