Willkommen bei PaperPress Jugendpolitischer Pressedienst
suchen  
Hauptmenü  

Online  
Es sind 13 Besucher und 0 _MEMBER0 online..

Anmeldung

Sprachen  
Sprache auswählen:


  

Berliner Stromkästen verbinden Nationen

geschrieben von: Redaktion am 15.02.2017, 16:55 Uhr
paperpress538 
Man nimmt sie kaum wahr, die 17.000 Stromkästen am Straßenrand. Die grauen Kabelverteilerschränke verteilen die Energie zu den Hausanschlüssen. 2013 hat die Stromnetz Berlin GmbH angefangen, mit Wettbewerben an Schulen und Kindertagesstätten aus den unscheinbaren Schränken farbenfrohe Kunstwerke entstehen zu lassen. Inzwischen tragen zehn Prozent der Kästen zu einem farbenfroheren Stadtbild bei. Also noch viel Luft nach oben.

In der Stromnetzzentrale in der Puschkinallee 52 ist seit gestern und noch bis zum 31. März eine Ausstellung zu sehen, wie das schlichte Bemalen der Kästen einen Beitrag zur kulturellen Bildung leisten kann.

Im Rahmen ihrer Ausstellungsreihe „Chronik eines Ortes“ hat die Berliner Künstlerin Jenny Brockmann im Auftrag der Stromnetz Berlin GmbH ein ungewöhnliches Projekt initiiert. Knapp 30 Stromkästen wurden in Zusammenarbeit mit geflüchteten Menschen im letzten Jahr im Berliner Straßenland gestaltet.

Bisher war Jenny Brockmann mit „Chronik eines Ortes“ in Städten wie Istanbul, New York und Tel Aviv auf den Spuren deutscher Emigranten unter-wegs. „Als ich 2015 von Stromnetz eingeladen worden bin, aus meiner künstlerischen Arbeit heraus ein Projekt der kulturellen Bildung zu entwickeln, war es für mich naheliegend, das Projekt ‚Chronik eines Ortes‘ zu erweitern und Menschen einzubeziehen, die hierher immigriert sind,“ berichtet Jenny Brock-mann über die Idee zu dieser Arbeit. Und so entwickelte sie ein Projekt der kulturellen Bildung für Menschen aus Flüchtlingsunterkünften in Berlin.

Die Natur hat die Vorlage für die Motive geliefert, die nun auf den Stromkästen zu sehen sind. Gesammelte Blätter von Bäumen aus dem Plänterwald und dem Botanischen Garten wurden zeichnerisch auf Schablonen übertragen und so auf die Kästen ge-sprüht. „Gemeinsam etwas Neues entwickeln, gestalten, Kultur über die Natur verbinden, das ist ein ungewöhnlicher aber funktionierender Weg, der Menschen aus verschiedenen Nationen zusammenbringt.“ findet auch Thomas Schäfer, Geschäftsführer vom Stromnetz Berlin. So leistet das Unternehmen einen weiteren wichtigen Beitrag für eine tolerante Stadt.

Innensenator Andreas Geisel nahm aus „alter“ Verbundenheit zu Jenny Brockmann an der Ausstellungseröffnung teil. Er kennt die Künstlerin seit 2004 aus seiner Zeit als Stadtentwicklungsstadtrat und später Bezirksbürgermeister von Lichtenberg. Im Kaskel-Kiez, wo Heinrich Zille fünf Jahre lebte, haben Geisel und Brockmann viele Kunstprojekte im öffent-lichen Raum realisiert. Der Kaskelkiez ist auch bekannt als Victoriastadt und befindet sich im Ortsteil Rummelsburg im Südwesten von Lichtenberg.

Senator Geisel hob in seiner Rede zur Ausstellungs-eröffnung die besondere Bedeutung von Kunst im öffentlichen Raum hervor. Der öffentliche Raum sei viel zu wenig bunt, so Andreas Geisel.

„Das künstlerische Projekt ‚Chronik eines Ortes‘ verfolge ich seit diversen Jahren“, sagt Jenny Brock-mann. „Es ist ein Performance-Installationsprojekt, bei dem ich mich in den Städten Istanbul, New York und Tel Aviv auf den Spuren von Deutschen Emigranten begeben und mit Zeichnungen, Fotografien, Collagen, Materialsammlungen und Aufnahmen von Wetterdaten an einer Ortbeschreibung gearbeitet habe.

Die Realisierung des Projektes beschreibt Jenny Brockmann wie folgt: „Ich habe mit vier verschiedenen Unterkünften im Berliner Stadtraum zusammen-gearbeitet. Wichtig hierbei waren die Absprache mit den Hauptverantwortlichen der Unterkunft und die Zusammenarbeit mit Sozialpädagogen oder Lehrern vor Ort, die bereits einen Bezug zu den Bewohnern und Kenntnisse der Infrastruktur des Hauses hatten.

Teilweise habe ich mit geschlossen Gruppen, wie zum Beispiel Lerngruppen, das Projekt umgesetzt. Teilweise durften auch andere Bewohner dazukommen. Übersetzer und Helfer haben die Projekte begleitet, die jeweilige Unterkunftsleitung hat uns Räumlichkeiten und weitere Dinge zur Verfügung gestellt.“

Über ihre besonderen Erfahrungen im Umgang mit geflüchteten Menschen sagt Jenny Brockmann: „Am ersten Tag des Projektes sind wir in den Botanischen Garten auf den Spuren der Pflanzen aus dem Mittleren Orient gegangen. Der Botanische Garten mit den wundervoll gestalteten und bestückten Gewächshäusern ermöglicht ein Eintauchen in eine andere Welt. Das Zeichnen hat vielen neue Möglichkeiten gezeigt, sich auszudrücken. Der Ausflug in den Plänterwald an unserem zweiten Exkursionstag hatte etwas Besonderes. Die Ruhe, die von der mitten in Berlin anzutreffenden Natur ausgeht, hat alle beeinflusst.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten Menschen, trotzdem sie hier eine Unterkunft haben, nach wie vor auf der Flucht sind. Sie haben Angst vor Verfolgung, es plagen sie Sorgen um die Ange-hörigen und Freunde, die sie im Kriegsgebiet zurück-lassen mussten, und das Warten auf die Papiere, um hier arbeiten und eigenständig wohnen zu können, ist zermürbend. Das Leben ist instabil, ungesichert und kann jederzeit bodenlose Löcher unter ihren Füßen freigeben.

Das Projekt hat ihnen die Möglichkeit gegeben, ein-mal aus diesem sorgenschweren Alltag auszubrechen und die Stadt kennenzulernen, wie wir Berliner sie täglich erleben. Ich habe viel Wärme und Dank über diesen Austausch als Feedback bekommen.“

Zusammenstellung: Ed Koch
Quelle: Stromnetz Berlin GmbH

  
Anmeldung  




 


Registrierung

Impressum  
p a p e r p r e s s
Ed Koch (Herausgeber und verantwortlich für den Inhalt)
Träger: Paper Press Verein für gemeinnützige Pressearbeit in Berlin e.V.
Vorstand: Ed Koch - Mathias Kraft
Postfach 42 40 03
12082 Berlin
Email: paperpress[at]berlin.de
PDF-Newsletter-Archiv:
www.paperpress-newsletter.de

Diese WebSite wurde mit PostNuke CMS erstellt - PostNuke ist als freie Software unter der GNU/GPL Lizenz erh�ltlich.