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Alles EDEKA?

geschrieben von: Redaktion am 19.02.2017, 08:27 Uhr
paperpress538 
Das Beste, was mir in Zusammenhang mit EDEKA einfällt, ist die Werbung mit Friedrich Liechtenstein. Das war wirklich supergeil. Das Zweitbeste war meine Ausbildung bei der EDEKA zum Groß- und Außenhandelskaufmann zwischen 1967 und 1970. Gegessen wird immer, sagte mein Vater und besorgte mir den Ausbildungsplatz. Und das, wo ich doch lieber bei einer Konzertagentur angefangen hätte. Doch, man glaubt es kaum, es gab keine entsprechenden Ausbildungsplätzte. Nun, ich überstand die Ausbildung bei der EDEKA mit sehr ordentlichem Abschluss, wechselte dann aber doch in die Unterhaltungsbranche. Dachte ich. Ich übernahm die Leitung der „Jugendtanzbar Bungalow“ am Mariendorfer Damm. Musikveranstaltungen, Bands, Disco, das volle Programm. Was mich hätte stutzig machen sollen, war der Arbeitsvertrag. Denn den schloss ich mit dem Jugendamt Tempelhof ab, das Betreiber des „Bungalow“ war und heute noch ist, allerdings gibt es die Jugendtanzbar nicht mehr, dafür das Jugendfreizeithaus Bungalow.

Berufsbegleitend musste ich „Erzieher“ werden, wurde aber wenigstens als „Sozialarbeiter“ bezahlt und durfte mich auch so nennen, was mir bei Reisen in die USA nicht sonderlich zugutekam. Auf Socialworker reagiert man dort eher mitleidig als begeistert. Meine als Groß- und Außenhandelskaufmann erworbenen Kenntnisse halfen mir im Leben zwar weiter (Management, Schriftverkehr, Buchhaltung etc.), nutzen aber in einer Behörde wenig. EDEKA wäre wohl längst pleite gegangen, wenn sie so wie eine öffentliche Verwaltung arbeiten würde. Es gelang mir in 45 Jahren nicht, der Berliner Verwaltung kaufmännische Strukturen zu vermitteln. Dennoch war ich im ÖD immer mehr Entertainer als Ärmelschonerträger und meine Krawatten hatten in der Mitte auch keinen Knick. Sie wissen schon, vom Einstecken in die Schreibtischschublade, damit man beim Einschlafen nicht vom Stuhl kippt.

Ich schweife ab, wollte ich mich doch an dieser Stelle über meinen ersten Arbeitgeber aufregen. Das erste, was ich lernte war, dass EDEKA übersetz „Einkaufs-genossenschaft der Kolonialwarenhändler“ heißt und 1907 in Leipzig gegründet wurde. EDEKA wird bis heute von vielen – inzwischen fast nur noch großen – Einzelhändler getragen. Der klassische „Tante-Emma-Laden“ lebte gut unter dem EDEKA-Dach. Heute ist EDEKA ein (fast) alles verschlingender Lebensmittelriese, an dem man kaum vorbeikommt. Netto ist die preiswerte Variante des EDEKA-Konzerns. Sehr zu empfehlen.

Meine Eltern kauften traditionell bei Reichelt in der Steglitzer Schlossstraße ein. Und ich übernahm die Gewohnheit. Reichelt war immer etwas teurer, dafür sehr viel besser als andere. Bolle gibt es nicht mehr, auch Carisch Kaffee ist aus dem Stadtbild verschwunden und bei Kaisers werden gerade die Namensschilder gewechselt. 2002 übernahm EDEKA Reichelt. Es wurde etwas kramiger in den früher so ordentlichen Geschäften. Aber wenigstens stand noch Reichelt am Eingang, wenn auch neben dem großen blauen E auf gelben Grund.

Nun ist Schluss mit Reichelt. EDEKA verkündet stolz, dass alle so genannten „E-Reichelt“-Märkte ab sofort nur noch EDEKA heißen. Das Reichelt-Logo verschwindet in den Berliner Geschichtsbüchern. Fast aus dem Bus gefallen wäre ich vor ein paar Tagen, als es entlang der Potsdamer Straße ging. Gegen-über des alten BVG-Gebäudes prangt ein großes Plakat an einem Hausgiebel. „Ein Stück Berlin.“ Da-mit ist das Hamburger Unternehmen EDEKA gemeint, dessen Mindener Unternehmsteil Berlin versorgt. Reichelt ist ein Stück Berlin, EDEKA wohl kaum. Und für diese geschichtslose Tilgung eines Traditionsnamens gibt der Kanzlerinnen-Friseur Udo Walz sein Pokerface her. Dieser Mann ist sich wirklich für Nichts zu schade. Udo Walz, ein Stück Berlin aus Waiblingen bei Stuttgart.

Wenigstens muss ich nicht mit ansehen, wie mein alter Reichelt am Westphalweg in Mariendorf seinen Namen verliert, weil ich dort weggezogen bin. Nun kaufe ich bei Kaisers ein, gleich um die Ecke meiner neuen Wohnung. „Der Supermarkt in Ihrer Nähe!“ Und jetzt der Schock: „Wir lieben Lebensmittel“ prangt seit einigen Tagen am Schaufenster und das grelle gelbe E auf schwarzem Plakat strahlt mich an. Aus Kaisers wird EDEKA. Ich werde dieses Unter-nehmen einfach nicht los.

Ed Koch

  
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