Willkommen bei PaperPress Jugendpolitischer Pressedienst
suchen  
Hauptmenü  

Online  
Es sind 4 Besucher und 0 _MEMBER0 online..

Anmeldung

Sprachen  
Sprache auswählen:


  

Beiträge: Kein Platz für Jugend

geschrieben von: Redaktion am 24.11.2006, 10:05 Uhr
paperpress539 
Schlechter Start – Schlechte Signale
Jugend verschwindet aus dem Namen der Senatsverwaltung
Das muss man dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und SPD-Landeschef Michael Müller lassen. Mit dieser Entscheidung hätte nun keiner gerechnet, Prof. Dr. Jürgen Zöllner, den Wissenschaftsminister aus Mainz, nach Berlin zu locken. Was für ein Geschenk, sogar mit Schleife, das der rheinlandpfälzischen Ministerpräsidenten und SPD-Vorsitzenden Kurt Beck Klaus Wowereit gemacht hat. Sogar am Tag der Bekanntgabe der neuen Mitstreiter im Senat, wurden weitere Namen gehandelt. Gut informierte Journalisten nannten noch Steffen Reiche aus Brandenburg als möglichen Kandidaten. Wie viele dieser möglichen Kandidaten nun tatsächlich gefragt worden sind und abgesagt haben, wird niemand erfahren. Einige Zeitungen haben ganz tolle journalistische Leistungen vollbracht und einfach Namen genannt, wie Gesine Schwan, und am nächsten Tag behauptet, sie hätte abgewinkt. Außer dieser Tageszeitung hat sie allerdings niemand gefragt. Sie wäre nun noch zwei Jahre älter als Jürgen Zöllner, der mit 61 genauso alt ist wie sein Vorgänger Klaus Böger. Nichts gegen ältere Herrschaften, aber ein Generationswechsel findet an der Spitze des Jugendressorts nun wirklich nicht statt. Menschen, die sich im siebten Lebensjahrzehnt noch einmal verändern wollen, verdienen unseren Respekt. Nach allem, was man hört, ist der Professor aus Mainz, der dort 15 Jahre lang als Wissenschaftsminister tätig war, ein sympathischer Mensch. Er strahlt auch eine gewisse Freundlichkeit aus. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er hat Medizin studiert und war Professor für Physiologische Chemie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Rudolf Scharping berief ihn 1991 ins Amt, bei Kurt Beck war er seit Mai dieses Jahres zuletzt stellvertretender Ministerpräsident. Bürgermeister von Berlin und damit Stellvertreter von Wowereit wird wieder Harald Wolf. Neu mit dem Titel versehen wird Ingeborg Junge-Reyer und nicht der neue Supersenator. Jürgen Zöllner gibt also einiges auf für den neuen Job in Berlin. Die Berliner Parteifreunde waren von seiner Vorstellung in der Fraktion sehr beeindruckt.

„Er ist schon ein Schwergewicht“, sagte ein Teilnehmer. Die Wissen-schaftsinstitutionen dieser Stadt überschlugen sich förmlich mit loben-den Vorausäußerungen. Nur wenige haben aber im Jugendbereich dieser Stadt schon realisiert, dass, wenn von Professor Zöllner die Rede ist, stets nur Wissenschaft, Forschung und die Hochschulen erwähnt werden. Niemand spricht im Zusammenhang mit ihm von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien. Zöllners inzwischen früheres Ministerium trägt die Bezeichnung Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur. Auch mit den allgemeinbildenden Schulen also hatte er bislang wenig zu tun. Bildung, Frauen und Jugend werden in Rheinland-Pfalz von der sympathischen Ministerin Doris Ahnen verantwortet. Die Neukonstruktion in Berlin mit der Supersenatsverwaltung Bildung, Wissenschaft und Forschung und dem nicht erwähnenswerten Anhängsel Jugend ist keine gute Lösung. Ebenso ist es unsinnig, die Kulturverwaltung an die Senatskanzlei anzuschließen, denn diese hat alles im Auge zu behalten und darf nicht in den Ver-dacht geraten, irgendetwas besonders wichtig zu nehmen.

In Berlin war man in den fünfziger Jahren besonders stolz darauf, eine Senatsverwaltung zu haben, die sich mit Kinder-, Jugend- und Fami-lienangelegenheiten beschäftigte. Schon als zu Zeiten der legendären Hanna-Renate Laurien Schule und Jugend in eine Verwaltung zu-sammengepackt wurden, gab es erste Bedenken der Jugendpolitiker, ob das für ihren Bereich sinnvoll sei. So richtig bewiesen wurde dies nie. Schule dominierte stets alles andere. Zu argumentieren, dass das, was Jugend betrifft, also Jugendhilfe, Kita, Schule, Freizeit, zusammengehöre, ist nicht bis ins Letzte durchdacht. Die sicherlich sinnvolle Vernetzung von Schule und Jugend ist bis heute ohnehin nicht gelungen. Schule und Jugendhilfe sind zwei völlig getrennt zu betrachtende Politikfelder. Das Einschulungsalter vorzuverlegen, war sinnvoll. Die Horte pädagogisch den Schulen zu unterstellen, ist unsinnig. Schulen haben von Sozialpädagogik wenig Ahnung. Wie denn auch. Ihr Ansatz ist ein völlig anderer.

Schlag ins Gesicht der Jugendpolitik

Nun erfolgt aber wirklich ein Schlag ins Gesicht der Jugendpolitik in dieser Stadt. Der Begriff Jugend verschwindet völlig aus dem Namen der Senatsverwaltung, die jetzt „Bildung, Wissenschaft und Forschung“ heißt. Für das Wort „Jugend“ war im Titel kein Platz mehr? Lächerlich. In der Koalitionsvereinbarung steht einiges über Kinder, Jugendliche und Familien. Unbestritten. Die neue Regierung will viel für die Jugend, die doch die Zukunft ist, tun, erwähnt aber nicht einmal mehr ihren Namen. Was soll das?

Als einziger Partei ist den Grünen dieser Umstand bislang aufgefallen. In einer Presseerklärung teilen sie mit: „Nachdem Rot-Rot bereits in der letzten Legislaturperiode die "Familie" aus dem Ressortnamen gestrichen hat, steht jetzt auch "Jugend" auf der Streichliste. Jugend- und Familienpolitik drohen damit im neuen "Super-Bildungsressort", besetzt mit einem rheinland-pfälzischen Wissenschaftspolitiker, gänz-lich vernachlässigt zu werden.

Wie wichtig gerade in Berlin eine starke und eigenständige Familien- und Jugendpolitik ist, zeigen die Nachrichten der letzten Wochen. Berlin gilt als Hauptstadt der Gewalt und Vernachlässigung von Kin-dern. Bei uns wächst jedes vierte Kind in Armut auf, am stärksten betroffen sind Kinder aus Zuwandererfamilien. Kinder aus armen Familien sind häufiger krank und haben deutlich schlechtere Bildungschancen. Schlechte Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt sind damit vorprogrammiert. Perspektiv- und Chancenlosigkeit sind auch Ursachen steigender Gewaltvorfälle unter Jugendlichen. Der neue Senator ist gefordert, Jugend- und Familienpolitik nicht unter die Räder kommen zu lassen. Das Zukunftsressort Wissenschaft braucht starke Kinder und Jugendliche!“ Diesen Ausführungen kann man sich nur anschließen. Aber, wo bleiben die Proteste der Jugendverbände? Bis Redaktionsschluss (24.11.2006, 10.00 Uhr) lag uns nichts vor.

  
Anmeldung  




 


Registrierung

Impressum  
p a p e r p r e s s
Ed Koch (Herausgeber und verantwortlich für den Inhalt)
Träger: Paper Press Verein für gemeinnützige Pressearbeit in Berlin e.V.
Vorstand: Ed Koch - Mathias Kraft
Postfach 42 40 03
12082 Berlin
Email: paperpress[at]berlin.de
PDF-Newsletter-Archiv:
www.paperpress-newsletter.de

Diese WebSite wurde mit PostNuke CMS erstellt - PostNuke ist als freie Software unter der GNU/GPL Lizenz erh�ltlich.