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Hapel enthüllt

geschrieben von: Redaktion am 03.03.2017, 10:26 Uhr
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Es gibt Vorgänge in der Berliner Verwaltung, die dauern richtig lange. Kaum noch jemand hatte damit gerechnet, dass die Galerie der Tempelhofer Bezirksbürgermeister komplettiert werden würde. Im Eingangsbereich des Rathauses thronen die ehemaligen Verwaltungschefs in einer nicht zugänglichen Galerie. Das Gelände sei zu niedrig und berge somit Absturzgefahren. Früher hingen die Portraits in einem Lichthof zum Bürgermeisterbüro, dort, wo am 2. März das Bild des letzten Tempelhofer Bürgermeisters Dieter Hapel enthüllt wurde. Und ginge es nach dem Wunsch der Kulturstadträtin Jutta Kaddatz, sollen die Ölgemälde dort auch bald wieder öffentlich zugänglich zu sehen sein. Vorerst wird das Werk des Spandauer Künstlers und Tempelhofer Lokalreporters der Berliner Woche, Horst-Dieter Keitel (HDK), im Eingang des Rathauses an die Wand gehängt.

Ab 1. Januar 2001 hatte das neue wiedervereinte Berlin nicht mehr 23, sondern nur noch zwölf Bezirke. Tempelhof wurde mit Schöneberg zusammengelegt. Bezirksbürgermeister war der 1951 in Berlin geborene Dieter Hapel (CDU). Erst 2005 gab es einen Antrag in der BVV, „von der SPD“, wie die heutige Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) in ihrer Rede betonte, die Galerie der Bürgermeister mit einem Ölgemälde von Dieter Hapel zu komplettieren. Lassen wir einmal die Geschichte unberücksichtigt, warum es bis zum 2. März 2017 gedauert hat, ehe das Bild enthüllt werden konnte.
Korrekter Weise muss man sagen, das zweite Bild, denn die erste Version wurde verworfen. Unser Leser Gerhard Steitz schrieb uns im August 2013, als das erste Hapel-Bild vorgestellt wurde, dass er sich für dieses einen Platz in Hapels Hobby-Keller vorstellen könnte. Die verschränkten Arme, die Brille haltend, all das sei nicht ideal. Außerdem wirke Hapel älter und nicht 13 Jahre jünger. Das Bild soll natürlich den Portraitierten zeigen, so wie er während seiner Amtszeit aussah.

Nun also die zweite, lässige, jugendliche Version, so wie Dieter Hapel von 1997 bis 2001 aussah. Im Mittelpunkt das Tempelhofer Wappen auf der Krawatte. Ein paar Worte zur Person Dieter Hapel: „Er besuch-te eine Hauptschule und schloss 1971 die Handelsschule ab. 1974 legte er die Verwaltungsprüfung für den gehobenen Postdienst ab und wurde Postinspektor. 1970 trat Hapel der CDU bei. Bei der Berliner Wahl 1975 wurde er in die Bezirksverordneten-versammlung im Bezirk Tempelhof gewählt. Da Peter Lorenz als Bundestagsabgeordneter gewählt wurde, rückte Hapel im Januar 1981 in das Abgeordnetenhaus von Berlin nach. Im Dezember 1997 schied der bisherige Bezirksbürgermeister von Berlin-Tempelhof Wolfgang Krueger aus und Hapel wurde zu seinem Nachfolger gewählt. Im Zuge der Verwaltungsreform in Berlin wurden im Januar 2001 die Bezirke Tempelhof und Schöneberg zum Großbezirk Tempelhof-Schöneberg zusammengelegt. Hapel blieb nun zu-nächst Bezirksbürgermeister von Tempelhof-Schöneberg, bei der Berliner Wahl im Oktober 2001 wurde Ekkehard Band (SPD) sein Nachfolger.“

Seine Vita zeigt eine gewisse Bodenständigkeit. Kein Karriere-Politologe, sondern ein Mann aus dem Volk. Ideologisch im rechten Spektrum der CDU angesiedelt, mit großer Nähe zu Heinrich Lummer. Als innenpolitischer Sprecher und Fraktionsgeschäftsführer vertrat er häufig die „Law and Order“-Linie. Schon als JU-Vorsitzender in Tempelhof war mit ihm nicht zu spaßen. Die Besetzung des Geländes der heutigen ufaFabrik wurde von Hapel entschieden bekämpft. Im Laufe der Jahre ist Hapel aber ein Fan dieses Kulturzentrums geworden. Wenn sich Juppy und Hapel heute treffen, zeigt sich die Zuneigung fast überschwänglich. So ändern sich die Zeiten und mit ihnen die Menschen, oder erst die Menschen und dann die Zeiten?

Als Bezirksbürgermeister war Dieter Hapel allseits geachtet, weil er die Probleme des Kiezes in den Vordergrund seiner Arbeit stellte, weitestgehend ideologiefrei. So wie ein Bürgermeister eben sein Amt versehen sollte. 81 Jahre nach seiner Gründung als einer von 20 Bezirken im neuen Groß-Berlin war Tempelhof Geschichte. Ein abgeschlossenes Kapitel. Dieter Hapel ist nicht nur der letzte Tempelhofer Bürgermeister, sondern auch der erste Tempelhof-Schöneberger. Das Rathaus Schöneberg wurde Amtssitz des Bürgermeisters und Hapel zog in das Büro von Ernst Reuter und Willy Brandt. Freude daran hatte er nur ein knappes Jahr, weil dann der Berliner CDU-SPD-Senat zerbrach, Eberhard Diepgen abtreten musste und ein anderer Tempelhofer, nämlich Klaus Wowereit Regierender Bürgermeister wurde. Die daraus folgende Auflösung des Parlaments und Neuwahlen brachte eine andere Mehrheit zustande, der Tempelhofer Ekkehard Band (SPD) wurde neuer Bürgermeister des Großbezirks. Im Rathaus Schöneberg gibt es auch eine Bürgermeistergalerie, im Vorraum des BVV-Saales. Dort allerdings nur mit Schwarz-Weiß-Fotos. Diese Galerie endet vorläufig mit der letzten Schöneberger Bürgermeisterin Dr. Elisabeth Ziemer (Grüne). Hapel erinnerte daran, diese Galerie fortzusetzen, mit ihm und Ekkehard Band.

Die Enthüllung des Hapel-Portraits im Rathaus Tempelhof war seit langer Zeit mal wieder ein gesellschaftliches Ereignis. Denn sonst findet hier kaum noch etwas Spektakuläres statt, abgesehen vom Verwaltungsbetrieb. Die Musik spielt in Schöneberg. Tempelhof ist ziemlich abgehängt. Auf der Einladung für die Enthüllung war vermerkt, dass das Rathaus nicht barrierefrei sei. Seit fast einem Jahr funktionieren die Aufzüge nicht. Die Arbeiten dauern an. Im April sollen sie vielleicht beendet sein. Zweiter Hin-weis: die Veranstaltung könne höchsten bis 20.45 Uhr dauern, weil um 21.00 Uhr das Rathaus schließt. Das Rathaus Schöneberg ist hingegen rund um die Uhr geöffnet und verfügt über Aufzüge in jeder Ecke des Hauses.

Die Bezirksgebietsreform 2001 war richtig. 23 Bezirke waren einfach zu viel Kleinstaaterei. Wie diese Fusion allerdings durchgeführt wurde, war an Unprofessionalität nicht zu überbieten. Anstatt einen orts-teilbezogenen, geographisch und an den Einwohner-zahlen orientierten Neuzuschnitt mit Bezirksnummern umzusetzen, ging es nur um politische Strate-gien. Welcher Neubezirk könnte welcher Partei von Nutzen sein. CDU und SPD, die damals über eine knappe Zweidrittelmehrheit zur Änderung der Berliner Verfassung verfügten, haben eine historische Chance zur Neuordnung Berlins verstreichen lassen. Tempelhof und Schöneberg passen heute so wenig zusammen wie vor 16 Jahren. Tempelhof hätte eher zu Steglitz gepasst und Schöneberg zu Tiergarten und/oder Kreuzberg. Friedenau zu Wilmersdorf usw. Darum ging es den damaligen politischen Entscheidern aber nicht.

Tempelhof ist heute ziemlich abgehängt vom Bezirksgeschehen. Zumindest setzte die damalige CDU durch, dass Tempelhof zuerst im Bezirksnamen genannt wird. Bei der CDU haben die Tempelhofer das Sagen, bei den Grünen die Schöneberger. Lediglich die SPD ist ausgewogen in beiden Bezirkshälften unterwegs. Bildungsstadträtin Jutta Kaddatz will das Rathaus Tempelhof neu beleben. Dazu wünschen wir ihr viel Erfolg, funktionierende Aufzüge und längere Öffnungszeiten.

Ed Koch

  
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