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Da wird einem übel

geschrieben von: Redaktion am 24.04.2017, 07:14 Uhr
paperpress540 
Das Wort „stolz“ kommt in meinem Wortschatz nicht vor. Deshalb würde ein Satz wie „Ich bin stolz darauf, Deut-scher zu sein“, nie über meine Lippen kommen. Meine Beteiligung daran, dass Deutschland Exportüberschüsse zu verzeichnen hat, ist ohnehin gering. Mich nervt allerdings, dass uns das ständig vorgeworfen wird. Was ist das für ein Zeichen, wenn im französischen Präsidentschafts-wahlkampf die Kandidaten damit punkten können, dass sie unsere Exportüberschüsse kritisieren. Dann sollen die anderen doch gefälligst selbst Waren herstellen, die die eigenen Leute lieber kaufen als unsere. Sich auch noch dafür entschuldigen zu müssen, dass unsere Wirtschaft gut läuft, geht wirklich zu weit.

Vielleicht müssen wir uns auch noch dafür entschuldigen, dass wir in einem Land mit sehr stabilen politischen Verhältnissen leben. Unsere beiden Volksparteien CDU/CSU und SPD kommen zusammen auf knapp 70 Prozent. Auch wenn niemand Große Koalitionen sexy findet, mit 70 Pro-zent kann man aber ein Land durch jede Krise bringen. Die französischen Pendants zur Union (Republikaner) und SPD (Sozialisten) sind mit 20 bzw. 6,3!!! Prozent regelrecht abgeschmiert.

Die Franzosen haben offenbar von ihren Volksparteien die Nase voll und setzen auf einen Unabhängigen, der nun erst einmal eine Partei gründen muss. Was wissen wir über Emmanuel Marcron, der mit 23,9 Prozent den ersten Wahlgang gewann? Er ist ein Freund von Sigmar Gabriel, sagt Sigmar Gabriel. Soso. Seine und die Freude von Martin Schulz empfinde ich als ein wenig peinlich. Ganz schlimm ist, dass der Martin jetzt den Emmanuel auch noch in den kommenden zwei Wochen unterstützen will. Das schmälert vermutlich die Erfolgsaussichten des Unabhängigen bei der Stichwahl. Deutschen Politiker stünde es gut zu Gesicht, wenn sie sich raushielten. Nicht nur Marine Le Penn möchte ungern Vize-Kanzlerin von Angela Merkel in Europa werden.

Wenn das Wort stolz im Vokabular einen Landes ganz weit oben steht, dann in Frankreich. Lassen wir also den Franzosen ihren Stolz worauf auf immer, halten wir uns als gute Freunde im Hintergrund und mischen uns vor allem nicht in deren Wahlkampf ein. Die Rechtspopulistin Marine Le Penn, die vermutlich noch heute ein Glückwunschtele-gramm aus dem Weißen Haus bekommt, hat immerhin 21,7 Prozent erzielt. Die nächsten zwei Wochen werden hart, denn der „Front National“ ist gut im Mobilisieren. Noch ist die rechte Walküre nicht geschlagen. Und wer jetzt, wie Sigmar Gabriel, sagt, dass Marcron die Wahl gewinnen werde, kann am 7. Mai Recht bekommen, sich aber auch geirrt haben. Denken wir nur an Hillary Clinton, die auch schon jeder auf seinem Zettel hatte, und was dann geschah, wissen wir: Jetzt regiert der Enkel der „Mutter aller Bomben“ im Oval Office, und der hat Mama gleich mal nach Afghanistan entsorgt. Und nun zum neuen Spitzen-team der AfD für die Bundestagswahl 2017.

Was sind denn das für Vögel?

Bereitet mir Frankreich leichtes Bauchweh, so wurde mir gestern richtig übel, als ich diese beiden Spitzen-Vögel der AfD zur besten Sendezeit ertragen musste. Innerlich frage ich mich immer, ob die Medien der AfD diese Aufmerksamkeit gewähren müssen. Andererseits finde ich es richtig, dass man diese Gestalten ausführlich zu Wort kommen lässt, weil jeder Satz, jedes Wort mich in meiner angewiderten Ablehnung diesen Menschen und dieser Partei gegenüber bestärkt. Auch denen gegenüber, die diese Partei für wählenswert halten. Es gibt in unserem Land keinen vernünftigen Grund, AfD zu wählen.

An den 76-jährigen Quasselkopp Alexander Gauland hat man sich ja inzwischen als Nachbar von Brandenburg gewöhnt. So wie er sich nicht jeden als Nachbarn wünscht, geht es mir mit ihm.

Vergleiche hinken immer, deshalb will ich mich auch nicht dazu äußern, an wen mich die 38-jährige Alice Weidel erinnert, jedenfalls nicht an ihre Namensvetterin aus dem Wunderland. Die baden-württembergische Spitzenkandidatin der AfD hat ja eine Art zu sprechen, bei der man Gänsehaut bekommt. Vor dieser Frau kann man Angst kriegen. Da sind ja Frauke Petry und Beatrix von Storch harmlose Schwesternschülerinnen. Frauke Petry erleidet übrigens nun das gleiche Schicksal wie der von ihr abgesägte Parteigründer Bernd Lucke. Die Zerstrittenheit an der Spitze der Partei wäre allein ein Grund, sie nicht wählen zu können. Der Rechtsaußen Bernd Höcke, oder heißt er Björn, aus Thüringen ist ein weiterer von 1.000 Gründen. Alice aus dem rechten Sumpf schlägt aber alle bisherigen Gegenargumente.

Die geplante Änderung der Geschäftsordnung des Bundestages, nicht mehr den an Lebensjahren ältesten Abgeordneten zum Alterspräsidenten zu machen – was vermutlich Gauland sein würde – sondern denjenigen, der am längsten im Bundestag sitzt – was Wolfgang Schäuble wäre – halte ich für sinnvoll. Ich möchte einfach nicht, dass Gauland die Eröffnungsrede im Bundestag zur neuen Legislaturperiode hält. Mir ist bei dem Gedanken, dass die AfD überhaupt in den Bundestag einzieht, schon übel genug.

Ed Koch

  
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