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Mehr als ein Ritual - Gedenken an die Berliner Luftbrücke

geschrieben von: Redaktion am 12.05.2017, 13:59 Uhr
paperpress541 
Es ist viel mehr als ein bloßes Ritual, wenn sich je-des Jahr am 12. Mai um 11 Uhr ein paar Hundert Menschen auf dem Platz der Luftbrücke versammeln, um des Tages zu gedenken, an dem die Berliner Luftbrücke endete. Luftbrücke? Damit können immer weniger, gerade junge Menschen, etwas anfangen. Die Schülerinnen und Schüler der Gail-Halvorsen-Schule in Dahlem, die Michael Müller bei der Feierstunde am Platz der Luftbrücke begrüßte, bilden da eine Ausnahme. Ihr Namenspatron war einer der mutigen Piloten, die zwischen dem 24. Juni 1948 und 12. Mai 1949 West-Berlin aus der Luft versorgten. Stalins Sowjetunion hatte den West-Teil Berlins vom Rest der Welt abgeschnitten. Mitten im Kalten Krieg wollte der sowjetische Diktator die Westalliierten zur Aufgabe West-Berlins zwingen. Man stelle sich vor, wie sich die Lage des geteilten Deutschlands entwickelt hätte, wenn Berlin voll und ganz in die DDR aufgegangen wäre. Die Wiedervereinigung hätte 1990 in der Form nicht stattfinden können. Es war eine ebenso geniale wie mutige Leistung der USA, Groß-Britanniens, Frankreichs und vieler anderer Staaten, eine Luftbrücke von Westdeutschland nach Berlin einzurichten. Im 90-Sekunden-Takt flogen die „Rosinenbomber“ nach Berlin in den drei ihnen zu-stehenden Luftkorridoren. Die drei Zinken am Kopf des Luftbrückendenkmals erinnern an diese drei Korridore, die nach Westen zeigen. Auf dem Flughafen von Frankfurt steht das Gegenstück zum Berliner Denkmal, ausgerichtet gen Osten.

Michael Müller würdigte in seiner Rede die Verdienste der Piloten, von denen einige ihr Leben verloren. Es wird geschätzt, dass etwa 100 Menschen durch Unfälle ums Leben kamen. Gail Halvorsen wurde dadurch bekannt, dass er für die Kinder, die am Rande des Flughafens Tempelhof standen und den Maschinen beim Landen zusahen, Süßigkeiten an kleinen Fallschirmen aus dem Cockpit herunterwarf.

Mercedes Wild war noch zu klein, um den stärkeren Jungs einen dieser Fallschirme abjagen zu können. Und so schrieb sie an Gail Halvorsen und klagte ihr Leid. Eines Tages kam per Post ein Päckchen voller Schokolade mit einem rührenden Brief des Candy-Piloten. Jahre später, Halvorsen war inzwischen Kommandant des Flughafens Tempelhof geworden, trafen sich beide wieder. Und Mercedes zeigte ihm seinen Brief. Und wie heißt es so schön? Das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Als Halvorsen dann zurück in die USA ging, besuchte er immer wieder nach Berlin und wohnte bei den Wilds in Friedenau. Gail Halvorsen sprach sehr häufig bei vielen Veranstaltungen über die Berliner Luftbrücke und seine Erfahrungen.

Man muss sich das vor Augen führen: Der Krieg war 1945 beendet. Die Soldaten kehrten in ihre Heimat-städte zurück. Und drei Jahre später meldet sich die Militärführung und bittet darum, den gerade erst besiegten Feind vor dem Verhungern zu bewahren. Da ging so manchem Piloten sicherlich einiges durch den Kopf.

Gail Halvorsen mit seiner Frau bei einem seiner vielen Besuche in Berlin. Als jemand, der während der Blockade in West-Berlin zur Welt gekommen ist, habe ich Gail Halvorsen mehrfach für seinen Einsatz auch zur Rettung meiner Familien gedankt.

Die Feierstunde auf dem Platz der Luftbrücke folgt in jedem Jahr einem eingespielten Plan. Militärmusik, Gebet, Rede des Regierenden Bürgermeisters, Bei-trag einer Schülergruppe – diesmal der Chor der Gail-Halvorsen-Schule – Parade der Kränze, richten der Kranzschleifen, gefolgt vom „Guten Kameraden“, ein rund 100 Jahre altes Militärmusikstück, das immer wieder für eine Gänsehaut sorgt. Zum Schluss erklingen die Nationalhymnen der USA, Frankreichs, Groß Britanniens und Deutschlands.

Ja, ein Ritual, aber eben viel mehr als das. Gerade in einer Zeit, in der wir uns um die demokratische Entwicklung in den USA sorgen, weil dieses Land von einer Geisterbahn-Administration unter Führung eines Horror-Clowns regiert wird, müssen wir uns auf die besonderen Beziehungen zwischen den USA und Deutschland besinnen. Natürlich ist die Demokratie in den USA nicht in Gefahr, dazu ist sie zu stark, und hält auch den jetzigen Präsidenten aus. Die Rettung Berlins im Kalten Krieg, den Wiederaufbau unseres Landes aus Schutt und Asche, haben wir im Wesentlichen den USA zu verdanken. Sie hätten uns auch – zu Recht – am langen Arm verhungern lassen können.

Man erinnere sich nur an den Morgenthau-Plan, benannt nach dem US-Finanzminister (1944), aus Deutschland einen Agrarstaat zu machen, auf des-sen Boden nie wieder etwas Gefährliches aus Stahl hätte entstehen können. Durchgesetzt hat sich der Marshall-Plan, benannt nach Außenminister George C. Marschall (1947-1949). Mit rund 12,4 Mrd. Dollar, die heute einem Wert von 129 Mrd. Dollar entsprechen, haben die USA Europa wieder aufgebaut. Deutschland hat allein 1,4 Mrd. Dollar davon erhalten. Alles lange her, man sollte sich aber immer wie-der daran erinnern. Und der 12. Mai eines jeden Jahres ist dazu die beste Gelegenheit.

Gern hätten wir an dieser Stelle die Rede des Regierenden Bürgermeisters abgedruckt. Im Gegensatz zum letzten Jahr gelang es der Senatspressestelle nicht, die Rede unmittelbar nachdem sie gehalten wurde, ins Netz zu stellen. Sollte das noch im Laufe des Tages gelingen, reichen wir sie nach, spätestens in unserer Printausgabe.

Ed Koch

  
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