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100 Jahre John F. Kennedy

geschrieben von: Redaktion am 29.05.2017, 16:27 Uhr
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Der Mann am Rednerpult sieht John F. Kennedy, der heute 100 Jahre alt geworden wäre, sehr ähnlich. Es handelt sich um den 46-jährigen dänischen Schau-spieler Caspar Phillipson, der in dem Film „Jackie“ tatsächlich den 35sten Präsidenten der USA spielte. Im September 2016 wurde der Streifen bei den Filmfestspielen in Venedig uraufgeführt. Phillipson war der Star der heutigen Gedenkveranstaltung für John F. Kennedy auf dem gleichnamigen Platz vor dem Rathaus Schöneberg. Genau also dort, wo er im Juni 1963 seine historische Rede hielt.

Die Zuschauerzahl war heute etwas bescheidenen, nur rund 300 Menschen hatten sich versammelt, 1963 waren es beim Original rund eine halbe Million. Damals hätte sich der 14-jährige Zeitzeuge Ed Koch auch einen Stuhl und ein Sonnendach gewünscht, vor allem ein frisches Glas Wasser. Caspar Phillipson hielt die Kennedy-Rede nach dem Originalmanuskript. Das war wirklich beeindruckend und sorgte – nicht nur bei den anwesenden Zeitzeugen – für Gänsehaut. Die Rede von Kennedy war nur sechs Minuten lang, was einem natürlich durch die Über-setzung und den nicht endend wollenden Applaus damals viel länger vorkam. Phillipson war in der Rolle grandios, da konnten die anderen drei Redner Tempelhof-Schönebergs Bürgermeisterin Angelika Schöttler, der Regierende Bürgermeister Michael Müller und der amtierende Botschafter Jeffry Hovernier nur schwer mithalten.

Am Ende dieses Beitrages dokumentieren wir die Rede vom 26. Juni 1963 im Wortlaut. Sie war wohl Kennedys kürzeste, aber eine der besten Reden. Der Präsident verstand es, Formulierungen zu wählen, die Eingang in die Geschichte fanden und somit zu Recht als historisch gelten. Schon bei seinem Amtsantritt 1961 setzte er Maßstäbe mit dem Satz: „Fragen Sie nicht, was Ihr Land für Sie tun kann – fragen Sie, was Sie für Ihr Land tun können“.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller sagte heute: „Kein anderer amerikanischer Präsident und erst recht kein anderer ausländischer Politiker hat sich so sehr mit den Berlinerinnen und Berlinern und den Deutschen insbesondere im Osten identifiziert wie John F. Kennedy mit seinem Bekenntnis ‚Ich bin ein Berliner‘. Viele ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger erinnern sich noch aus eigenem Miterleben daran. Im Kalten Krieg und in der spannungsgeladenen Situation nach dem Mauerbau war dieses vor der Weltöffentlichkeit gesprochene Wort Ausdruck des Engagements der USA und des Westens für Freiheit und Sicherheit. Deshalb hat gerade Berlin allen Grund, John F. Kennedy zu gedenken und ihn zu seinem 100. Geburtstag zu würdigen.“

Müller weiter: „Kennedy war ein inspirierender politischer Gestalter, der sein Land und dessen Möglich-keiten für eine bessere Zukunft einzusetzen wusste. Er war ein Demokrat, der sich vehement für Bürger- und Freiheitsrechte in den Vereinigten Staaten und international eingesetzt hat. Reformen, sozialer und insbesondere technologischer Fortschritt standen auf seiner politischen Agenda ebenso wie Beseitigung von Rassenschranken und gesellschaftliche Integration. Gerade weil sein Programm so große Hoffnun-gen geweckt hatte und weil er eine so charismatische Wirkung auf die Menschen ausübte, hat das Attentat ein halbes Jahr nach seinem Berlin-Besuch auch in unserer Stadt wie ein Schock gewirkt.“

26. Juni 1963 vor dem Rathaus Schöneberg. John F. Kennedy spricht zu den Berlinern:

„Meine Berliner und Berlinerinnen, ich bin stolz, heute in Ihre Stadt zu kommen als Gast Ihres hervorragenden Regierenden Bürgermeisters (Willy Brandt), der in allen Teilen der Welt als Symbol für den Kampf- und Widerstandsgeist West-Berlins gilt. Ich bin stolz, auf dieser Reise die Bundesrepublik Deutschland zusammen mit ihrem hervorragenden Herrn Bundeskanzler (Konrad Adenauer) besucht zu haben, der während so langer Jahre die Politik der Bundesregierung bestimmt hat nach den Richtlinien der Demokratie, der Freiheit und des Fortschritts.

Ich bin stolz darauf, heute in Ihre Stadt in der Gesellschaft eines amerikanischen Mitbürgers gekommen zu sein, General Clays, der hier in der Zeit der schwersten Krise tätig war, durch die diese Stadt gegangen ist, und der wieder nach Berlin kommen wird, wenn es notwendig werden sollte.

Vor zweitausend Jahren war der stolzeste Satz, den ein Mensch sagen konnte, der: Ich bin ein Bürger Roms. Heute ist der stolzeste Satz, den jemand in der freien Welt sagen kann: Ich bin ein Berliner. Wenn es in der Welt Menschen geben sollte, die nicht verstehen oder nicht zu verstehen vorgeben, worum es heute in der Auseinandersetzung zwischen der freien Welt und dem Kommunismus geht, dann können wir ihnen nur sagen, sie sollen nach Berlin kommen.

Es gibt Leute, die sagen, dem Kommunismus gehöre die Zukunft. Sie sollen nach Berlin kommen. Und es gibt wieder andere in Europa und in anderen Teilen der Welt, die behaupten, man könne mit dem Kommunismus zusammenarbeiten. Auch sie sollen nach Berlin kommen. Und es gibt auch einige wenige, die sagen, es treffe zwar zu, dass der Kommunismus ein böses und ein schlechtes System sei, aber er gestatte es ihnen, wirtschaftlichen Fortschritt zu erreichen. Aber lasst auch sie nach Berlin kommen.

Ein Leben in Freiheit ist nicht leicht, und die Demokratie ist nicht vollkommen. Aber wir hatten es nie nötig, eine Mauer aufzubauen, um unsere Leute bei uns zu halten und sie daran zu hindern, woanders hinzugehen.

Ich möchte Ihnen im Namen der Bevölkerung der Vereinigten Staaten, die viele tausend Kilometer von Ihnen entfernt lebt, auf der anderen Seite des Atlantiks, sagen, dass meine amerikanischen Mitbürger stolz, sehr stolz darauf sind, mit Ihnen zusammen selbst aus der Entfernung die Geschichte der letzten 18 Jahre teilen zu können. Denn ich weiß nicht, dass jemals eine Stadt 18 Jahre lang belagert wurde und dennoch lebt in ungebrochener Vitalität, mit unerschütterlicher Hoffnung, mit der gleichen Stärke und mit der gleichen Entschlossenheit wie heute West-Berlin. Die Mauer ist die abscheulichste und stärkste Demonstration für das Versagen des kommunistischen Systems. Die ganze Welt sieht dieses Eingeständnis des Versagens. Wir sind darüber keines-wegs glücklich; denn, wie Ihr Regierender Bürger-meister gesagt hat, die Mauer schlägt nicht nur der Geschichte ins Gesicht, sie schlägt der Menschlichkeit ins Gesicht. Durch die Mauer werden Familien getrennt, der Mann von der Frau, der Bruder von der Schwester, und Menschen werden mit Gewalt auseinandergehalten, die zusammen leben wollen.

Was von Berlin gilt, gilt von Deutschland: Ein echter Friede in Europa kann nicht gewährleistet werden, solange jedem vierten Deutschen das Grundrecht einer freien Wahl vorenthalten wird. In 18 Jahren Frieden und der erprobten Verlässlichkeit hat diese Generation der Deutschen sich das Recht verdient, frei zu sein, einschließlich des Rechtes, die Familien und die Nation in dauerhaftem Frieden wiedervereinigt zu sehen, in gutem Willen gegen jedermann.

Sie leben auf einer verteidigten Insel der Freiheit. Aber Ihr Leben ist mit dem des Festlandes verbunden, und deshalb fordere ich Sie zum Schluss auf, den Blick über die Gefahren des Heute hinweg auf die Hoffnung des Morgen zu richten, über die Freiheit dieser Stadt Berlin und über die Freiheit Ihres Landes hinweg auf den Vormarsch der Freiheit überall in der Welt, über die Mauer hinweg auf den Tag des Friedens mit Gerechtigkeit. Die Freiheit ist unteilbar, und wenn auch nur einer versklavt ist, dann sind nicht alle frei. Aber wenn der Tag gekommen sein wird, an dem alle die Freiheit haben und Ihre Stadt und Ihr Land wieder vereint sind, wenn Europa geeint ist und Bestandteil eines friedvollen und zu höchsten Hoffnungen berechtigten Erdteiles, dann, wenn dieser Tag gekommen sein wird, können Sie mit Befriedigung von sich sagen, dass die Berliner und diese Stadt Berlin 20 Jahre die Front gehalten haben.

Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger dieser Stadt West-Berlin, und deshalb bin ich als freier Mann stolz darauf, sagen zu können: Ich bin ein Berliner.”

Heute kann sich kaum noch jemand vorstellen, was das für eine Zeit Anfang der 1960er Jahre war, welt-weit und gerade in Berlin. Am 20. Januar 1961 trat John F. Kennedy sein Amt als Präsident an. Nur 1.036 Tage dauerte seine Amtszeit, in der es um Krieg und Frieden in der Welt ging. 16 Jahre nach Ende des II. Weltkrieges stand der III. Weltkrieg vor der Tür. In diese Zeit fielen „das Scheitern der Invasion Kubas in der Schweinebucht, die fortwährend schwelenden Unruhen in Vietnam und die Verstärkung des militärischen US-Engagements dort, der Bau der Berliner Mauer im August 1961, die Kubakrise im Oktober 1962 um die Stationierung von sowjetischen Atomraketen in der westlichen Hemisphäre.“ Im wikipedia-Eintrag heißt es zu Kennedy lapidar: „Nennenswerte politische Erfolge konnte er wegen der Kürze seiner Amtszeit als Präsident nicht erzielen.“ Nun, da kann man auch anderer Meinung sein. Kennedy hat durch sein entschlossenes Verhalten in der Kuba-Krise möglicherweise einen Krieg verhindert.

Am Bau der Mauer führte 1961 kein Weg vorbei. Die DDR blutete aus, die Menschen verließen das Land scharenweise. Die DDR musste sich einmauern. Augenscheinlich war Berlin eingemauert, in Wirklichkeit aber die DDR. Wie sagte Kennedy in Berlin? „Sie leben auf einer verteidigten Insel der Freiheit. Aber Ihr Leben ist mit dem des Festlandes verbunden.“ Von West-Berlin aus konnte man in alle Welt reisen. Der Radius der Ost-Berliner war hingegen äußerst beschränkt. Niemand, auch nicht Kennedy, wollte im August 1961 einen Krieg wegen West-Berlin riskieren. Die Taktik war eine andere, und sie ist aufgegangen. Abwarten, bis der Kommunismus an sich selbst scheitert. Den Gefallen hat er uns 1989 getan. Diejenigen haben Recht behalten, die immer an die Wiedervereinigung glaubten. 1989 wäre Kennedy 72 Jahre alt gewesen, hätte also den Fall der Mauer noch erleben können. Es wäre für ihn ein Triumpf gewesen.

Zusammenstellung: Ed Koch
Quellen: Senatskanzlei, wikipedia, Fotos privat.

  
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