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Lebensfreude gegen den Terror

geschrieben von: Redaktion am 05.06.2017, 08:45 Uhr
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Es ist unerklärlich, warum unsere freie und demokratische Lebensweise von einer verblendeten radikalen Minderheit so sehr gehasst wird. In den Augen dieser Terroristen sind wir Ungläubige, die vernichtet werden müssen. Sie nennen sich selbst „Islamischer Staat“ und suggerieren mit diesem Etikett, Krieg gegen andere Staaten führen zu dürfen. Es ist ein Krieg, der nicht auf Schlachtfeldern ausgetragen wird, sondern in unseren Städten. Und meistens suchen sie sich Ziele aus, die unsere Freiheit und Lebensfreude, die diesen Menschen suspekt ist, treffen sollen und treffen. Ob die Redaktion eines Satiremagazins, ein Fußballspiel, ein Konzert oder ein Weihnachtsmarkt. Der aufwendige Einsatz von Sprengstoff und Schusswaffen wird abgelöst durch einfachste Mittel. Es reichen ein Kleinbus und ein paar Messer, um Menschen zu ermorden und uns unter Schock zu setzen.

Was kann man dem entgegensetzen? Immer mehr Sicherheitsmaßnehmen in den Städten, mehr Polizeipräsenz, vermutlich irgendwann höhere Bordsteine und durch Poller geschützte Fußgängerzonen. Die Terroristen werden aber immer neue Möglichkeiten finden, ihr Werk fortzusetzen. So wenig es gelingen wird, den internationalen Terrorismus auszulöschen, wird es dem so genannten IS gelingen, uns in die Knie zu zwingen. Langfristig werden sie vermutlich aber doch erreichen, dass es sich viele von uns zweimal überlegen, auf ein Straßenfest zu gehen oder andere Veranstaltungen mit vielen Menschen zu besuchen.

Turin hat gezeigt, dass es schon ausreicht, ein paar „harmlose“ Böller zu zünden, um eine Massenpanik auszulösen, bei der 1.500 Menschen verletzt zurück-bleiben. Manchester und London sind Beispiele dafür, dass den Terroristen nichts heilig ist, nicht mal mehr Kinder, die ein Rockkonzert besuchen, oder Menschen, die sich einfach nur in einem Vergnügungsviertel mit Freunden treffen wollen. Es gibt schon längst keine unantastbaren Ziele mehr, auch keine Menschengruppen. Jede Altersstufe ist im Visier dieser Mörderbanden.

In unserer Mai-Ausgabe haben wir in einem Interview mit dem Experten Berndt Georg Thamm die Geschichte der Entwicklung des Terrorismus erzählt. Die Unterzeile der Überschrift lautete: „Es wird wohl noch schlimmer werden!“ Die vorhersehbare Wahrheit dieses Satzes ist sehr schnell eingetreten. Der Beitrag ist nachzulesen unter:

http://www.paperpress-newsletter.de/pdfs/541_mai_2017/01.05.2017%20-%20Terrorismus.pdf

Die Geschichte des Terrors muss ständig ergänzt werden: 22. Mai: Manchester – 22 Tote, 59 Verletzte, 26. Mai Ägypten: 29 Tote, 22 Verletzte, 31. Mai: Afghanistan: mindestens 90 Tote, 400 Verletzte, 3. Juni: London: 7 Tote, 48 Verletzte. In Manchester hat sich der Attentäter mit seiner Bombe selbst in die Luft gesprengt, in London wurden die drei Terroristen von der Polizei erschossen. Die Information, dass das „Ausschalten“ der Terroristen der Polizei in nur acht Minuten gelang, mag beruhigend klingen. Wie lange aber acht Minuten sein können, werden die Zeugen und vor allem die Verletzen in ihrem ganzen Leben nicht mehr vergessen.

Die Auftragskiller des IS lösen mit ihren Anschlägen aber auch eine beispiellose weltweite Solidarität aus. Die Regierungen können, werden und müssen dem Terror geeignete Mittel entgegensetzen. Die einfachen Menschen greifen zu anderen Mitteln: Lebens-freue und Musik. In über 50 Ländern auf fünf Kontinenten wurde am Pfingstsonntag ein Konzert aus Manchester übertragen. Initiiert hatte es Ariana Grande, deren Konzert am 22. Mai in Manchester mit dem Bombenanschlag endete.

Es war eine richtige Entscheidung, dieses Benefiz-Konzert zugunsten der Opfer aus Manchester, einen Tag nach dem Anschlag in London, dennoch durch-zuführen. Dem Rundfunk Berlin-Brandenburg gebührt das Lob, dieses Konzert – sozusagen für die deutschen Fernsehzuschauer – übertragen zu haben. Das Konzert war ein Zeichen an all diejenigen, die in ihren Zimmern sitzen und sich weitere Anschlagsziele und –methoden ausdenken. Sie werden unsere Lebensfreude trüben, aber nicht vernichten können. Das Konzert selbst war eine Ariana-Grande-Show. Das war angemessen und stand ihr zu. Bewundernswert, wie sie das gemeistert hat, schließlich war ihr Konzert Ziel eines Terroranschlags. Für die 1993 in Florida geborene Sängerin war der Auftritt am 4. Juni mit Sicherheit nicht leicht. Sie stand die drei Stunden gut durch, betrat immer wieder die Bühne, sang allein oder mit anderen Künstlern gemeinsam.

Am Ende des Konzerts sang sie „Somewhere Over the Rainbow“, da flossen dann nicht nur bei ihr, sondern auch bei vielen der überwiegend jungen Konzertbesucher die Tränen.

„Irgendwo da oben, über dem Regenbogen, ganz weit oben...All die Träume, die du mal geträumt hast, damals in dem Schlaflied. Die Singvögel fliegen, und die Träume, die du mal geträumt hast, werden wirklich wahr!

Eines Tages werde ich einen Wunsch an einen Stern schicken, und dort aufwachen, wo ich die Wolken ganz weit hinter mir lassen kann, wo Sorgen und Ärger einfach so schmelzen, wie Zitronenbonbons. Ganz hoch oben über den Schornsteinspitzen, da wirst du mich finden. Irgendwo da oben, über dem Regenbogen,

Ich sehe saftig grüne Bäume, und tiefrote Rosen, ich schau ihnen beim Blühen zu, für dich und für mich, und ich denke so bei mir, wie wundervoll und schön die Welt doch ist.

Ich sehe den blauen Himmel und weiße Wolken, und den strahlend schönen Tag, aber ich mag auch die Dunkelheit und ich denke so bei mir, wie wundervoll und schön die Welt doch ist.

Die Farben des Regenbogens strahlen so schön am Himmel und spiegeln sich auf den Gesichtern der Leute, die vorbeikommen. Ich sehe Freunde, die sich die Hand geben, die fragen: Wie geht’s dir? Ja und sie sagen wirklich auch „Ich liebe dich“. Ich höre Babys weinen, schaue zu, wie sie heranwachsen. Sie werden noch so viel lernen, viel mehr, als wir je wissen werden. und ich denke so bei mir, wie wundervoll und schön die Welt doch ist.“

Ein schöneres Lied zum Abschluss dieses Konzerts hätte man sich nicht wünschen können. Dass sehr viele Künstler bei diesem Konzert auftreten wollten, war verständlich und ist ein gutes Zeichen. Gut wäre es jedoch gewesen, es noch um eine Stunde zu verlängern, damit Take That, Robbie Williams, Katy Perry und Justin Bieber mehr als nur zwei Songs hätten vortragen können. Natürlich lässt sich dieses Konzert nicht mit anderen dieser Art vergleichen. Die Live Aid Konzerte in den 1980er Jahren hatten einen anderen Hintergrund. Die „Welt“ schreibt heute: „Unter Schock kann selbst die beste Musik nicht heilen.“ Das ist richtig. Ein wenig lindern konnte das Konzert schon.

Die Medien berichten seit Jahren routinemäßig über Terroranschläge in der ganzen Welt. Nach jedem neuen Anschlag läuft das inzwischen eingespielte Programm ab. Bundespräsident, Bundeskanzlerin, der Außenminister, die Parteivorsitzenden und Oppositionspolitiker äußern ihren Abscheu, sprechen den Angehörigen ihr Mitleid und dem betroffenen Land ihre Solidarität aus und in Berlin wird das Brandenburger Tor mit der Nationalflagge des jeweiligen Landes angestrahlt, aber nur, wenn eine unserer Partnerstädte betroffen ist. Das ist alles in Ordnung. Sofort beginnt aber der Streit über mehr Videoüberwachung, Verstärkung der Polizei, Hochsetzung der Sicherheitsstufen etc. In Groß Britannien wurde die Sicherheitsstufe gerade erst wieder herabgesetzt. Müßig zu diskutieren, ob der Anschlag von London hätte verhindert werden können, wenn das Militär weiterhin durch die Straßen patrouilliert wäre.

Wenn ich allerdings höre, dass jeweils nach einem Anschlag die Polizeipräsenz erhöht werden soll, dann frage ich mich schon, was das soll. Wir brauchen – ob uns das passt oder nicht – ständig eine hohe Sicherheitsstufe. Auch Terroristen sehen fern und bekommen alles mit. In London hört man, dass die drei Attentäter der Polizei bekannt waren. Woran erinnert mich das? Vielmehr bewegt mich aber, was diese, teilweise sehr jungen Menschen, dazu bringt, mit einem Auto in eine Menschenmenge zu fahren, Messer zu zücken und wahllos Menschen zu ermorden. Da scheinen auch Psychotherapeuten ratlos zu sein. Die Hauptaufgabe kann nur sein, alles daran zu setzen, um diese Leute vorher unschädlich zu machen. Und das wird nur mit gewissen Einschränkungen unserer eigenen Freiheit gelingen. Mit dem Satz, dass es viel zu viel Toleranz gegen Extremismus gebe, wird Theresa May am Donnerstag die Wahlen in Groß Britannien gewinnen.

Am meisten bewegt mich aber das Schicksal der überlebenden Opfer von Anschlägen und der Hinterbliebenen der Ermordeten. Das Leben dieser Menschen ist für immer aus den Fugen geraten. Der Regenbogen hat nur noch Graustufen.

Ed Koch

  
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