Willkommen bei PaperPress Jugendpolitischer Pressedienst
suchen  
Hauptmenü  

Online  
Es sind 5 Besucher und 0 _MEMBER0 online..

Anmeldung

Sprachen  
Sprache auswählen:


  

Ausnahmezustand in Schöneberg - Impressionen vom G20-Afrika-Gipfel

geschrieben von: Redaktion am 13.06.2017, 10:40 Uhr
paperpress542 
Wenn sich muskelbepackte Männer in schwarze Anzüge zwängen, ihr haarloser Kopf in der Sonne funkelt, sie ständig mit einer Hand den Knopf im Ohr festdrücken, ihre zahlreichen um den Hals hängen-den Ausweise im Wind umherflattern, und diese Szenerie von einem Hubschrauber aus beobachtet wird, dann geschieht Großes.

Der EUREF-Campus rund um den Schöneberger Gasometer war am 12. und 13. Juni Austragungsort des G20 Partnerschaftsgipfels mit dem Untertitel „Investieren in eine gemeinsame Zukunft!“ Allein neun afrikanische Staatspräsidenten folgten der Ein-ladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Aus zahllosen anderen afrikanischen Ländern waren Delegationen angereist.

Nachdem US-Präsident Donald Trump sein Land in die politische Isolation führt, muss Frau Merkel mehr und mehr die Führungsrolle in der Welt übernehmen. Auf dem Foto ordnete sie schon mal die Präsidenten zum traditionellen Gruppenbild, kritisch beobachtet von Finanzminister Wolfgang Schäuble. Mit dabei auch Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds, denn schließlich ging es um viel Geld.

Die Veranstaltung sorgte für zahllose Verkehrsstaus, die sich vom Flughafen Tegel über den Kurfürsten-damm, wo zeitweise die Ampeln abgeschaltet wur-den, bis zur Torgauer Straße in Schöneberg hinzogen. Jeder Staatsgast hat natürlich seine eigene Autokolonne, eingerahmt von Polizeifahrzeugen, vorn mit gelber, hinten mit grüner Flagge. Die Kapazitäten an Berliner Einsatzfahrzeugen reichten nicht aus, und so gehörten auch Funkwagen aus Brandenburg, Rheinland Pfalz und München zum Konvoi.

Währenddessen fuhr eine schwarze Limousine nach der anderen am Eingang zur Konferenz vor und je nachdem, welchen Ausweis der Gast hatte, musste er entweder durch die Sicherheitskontrolle oder durfte an ihr vorbeischreiten. Die Sicherheitskontrollen waren natürlich streng, der ganze EUREF-Campus war durchzogen von Absperrungen und Zugangswegen zu den einzelnen Veranstaltungsbereichen. Die auf dem Campus Beschäftigten erhielten vorab eine Zugangsberechtigung zu ihren Büros, Konferenzteilnehmer erhielten entsprechende Ausweise. Diese regelten aber auch, wo entlang man sich bewegen und in welche Räume man gehen durfte. Wer einen „All Access“-Pass hatte, war fein raus. Ansonsten habe ich noch nie so viele verschiedene Ausweise wie bei dieser Veranstaltung gesehen. Irgendwer hatte aber sicherlich den Überblick. Nur Frau Merkel und ihre Gäste brauchten natürlich keinen Ausweis.

So groß ist das Problem, sagte Merkel mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung in Afrika. Bis 2050 wird sich die Einwohnerzahl, die jetzt schon bei weit über einer Milliarde liegt, verdoppeln. Globalisierung sei kein Schicksal, dem wir uns tatenlos fügen müssen, sagte die Kanzlerin. Sie verwies auf das Symbol der G20-Präsidentschaft Deutschlands, dem Kreuzknoten. „Je stärker man dran zieht, desto besser wird er halten“, so Merkel. Was die Afrika-Politik anbelangt, sagte die Bundeskanzlerin selbstkritisch, dass wir nicht immer den richtigen Weg gegangen seien. Die-se Veranstaltung spricht aber nicht über, sondern mit Afrika. Es gibt viele Probleme auf diesem riesigen Kontinent, der über 30 Millionen qkm groß ist. Im Vergleich zu Europa das dreifache.
Merkels besonderes Interesse gilt der Jugend in Afrika. Der Altersdurchschnitt liege in Afrika bei 15 Jahren, so Merkel. Man müsse deshalb vor allem in Bildung und Qualifikation investieren.

Europa muss ein hohes Interesse daran haben, dass sich die Menschen in Afrika ein vernünftiges Leben aufbauen können. Die Angst vor weiteren unüberschaubaren Flüchtlingswellen war deutlich zu vernehmen, denn, wenn es zu viel Hoffnungslosigkeit gibt, wollen die Menschen weg, so Merkel. Die illegale Flucht bezeichnete Merkel als „schreckliches Schicksal.“ Vor allem Italien wäre von weiteren Flüchtlingsströmen betroffen. Das spiegelte sich auch im Statement des italienischen Regierungs-chefs Paolo Gentiloni wider, der derzeit den Vorsitz der G7-Gruppe innehat, oder sollte man inzwischen lieber sagen G6Gruppe, nachdem sich Trumps USA nach und nach aus der Wertegemeinschaft verabschiedet?

Apropos Werte: Es gab sogar schon einmal G8, dann hat dieses Gremium allerdings auf die Zusammenarbeit mit Russland verzichtet, nachdem Putin die Krim annektierte. In Deutschland hat die Linke gerade deutlich gemacht, dass für sie eine Verurteilung dieser völkerrechtswidrigen Aktion nicht in Frage kommt. Jeder schadet sich selbst so gut er kann.

Nach Angela Merkel ergriff Guineas Präsident Alpha Condé das Wort. Er ist gleichzeitig Vorsitzender der Afrikanischen Union. Ihm folgte der italienische Pre-mierminister Gentiloni. Und danach traten die anderen acht afrikanischen Staatspräsidenten ans Rednerpult, die von Ägypten, der Elfenbeinküste, Ghana, Mali, Niger, Ruanda, Senegal und Tunesien. Alle folgten Merkels Aufruf, kein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Die Entwicklung Afrikas ist auch ein europäisches Problem. Und zwar ein sehr großes. Überall finden immer wieder bewaffnete Konflikte statt und hat sich die Korruption in vielen Regierungen etabliert. Lupenreine Demokratien haben sich nicht gerade im Gasometer versammelt. Bloß was ist die Alternative? Zuschauen oder wegschauen wie der Kontinent versinkt? Wohl kaum. Investieren klingt auf den ersten Blick gut, weil jedem Investment eine Rendite folgt. Ob sich diese längerfristig einstellt, ist ungewiss. Aber selbst wenn wir das Geld abschreiben, ist es immer noch gut investiert. Reiche müssen Armen helfen. Das geschieht, wenn auch vielleicht noch zu wenig.

Gerd Müller, der Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, sagte am letzten Sonntag im „Bericht aus Berlin“ einen sehr richtigen Satz auf die Frage, ob man den Entwicklungshilfeetat nicht analog zum Verteidigungshaushalt erhöhen müsse. Mit Blick auf die USA waren seine Worte, wer 2,0 für die Verteidigung fordere, müsse auch die 0,7 für die Entwicklungshilfe aufbringen. Die USA lägen derzeit bei 0,2 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts. Deutschland hat 2016 erstmals das von der UN vorgegebene Ziel von 0,7 Prozent erreicht. Deutschlands Verteidigungs-ausgaben liegen bei 1,2 Prozent, die USA liegt uneinholbar mit 3,61 Prozent vorn. Ein Zustand, der sich unter Trump noch vergrößern wird.

Zurück zum Afrika-Gipfel. Die Staats- und Regierungschefs bestritten den ersten Teil der Veranstaltung und machten sich direkt danach auf den Weg zu anderen Terminen. Im zweiten Teil kam dann die zweite Riege zu Wort. Finanzminister Wolfgang Schäuble und der bereits erwähnte Gerd Müller. Gefolgt von denen, die in ihren Ländern für das Geld zuständig sind. Und am Schluss Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds, sowie Weltbankpräsident Jim Yong Kim. An Tag zwei der Veranstaltung tagten dann Arbeitsgruppen nach Statements von Bundesbankpräsident Jens Weid-mann und dem Afrika-Beauftragter der Bundesregierung Günter Nooke. Und am Ende steht wie immer bei solchen Konferenzen der Wunsch, dass den Worten Taten folgen mögen. Was Afrika anbelangt, könnte das sogar gelingen, weil der Faktor Angst vor neuen Flüchtlingen sehr groß ist.

Für den EUREF-Campus war der G20-Afrika-Gipfel die bislang größte Bewährungsprobe in Sachen Großveranstaltung. Die Liste der bisherigen Events ist lang, diesmal waren aber die Sicherheitsvorkehrungen umfangreich wie nie zuvor. Wie oft Angela Merkel schon auf dem Campus war, werden Statistiker festgehalten haben, jedenfalls sehr oft und wesentlich häufiger als so mancher Kommunalpolitiker aus dem nicht weit entfernten Rathaus Schöneberg.

EUREF-Chef Reinhard Müller kann mit der logistischen Leistung seines Teams zufrieden sein. Nicht nur das Ambiente des Campus und der Räumlichkeiten, von der Kathedralen ähnlichen Kuppel des Gasometers, über das Audi Max, der Schmiede bis hin zur Werkstatt, überzeugten die Teilnehmer, sondern auch das Catering, für das Sternekoch Thomas Kammeier mit seiner Crew zu-ständig war.

Einen Tag vor der Veranstaltung erschien im Tages-spiegel ein größerer Beitrag über den EUREF-Campus, nachzulesen unter

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/euref-campus-am-gasometer-die-stadt-der-zukunft-im-zentrum-berlins/19917832.html

Und während auf dem Campus die Entwicklung voranschreitet, verkommt die Grünfläche davor. Die Welt schaut auf den Campus, der Bezirk schaut weg.

Zusammenstellung: Ed Koch

  
Anmeldung  




 


Registrierung

Impressum  
p a p e r p r e s s
Ed Koch (Herausgeber und verantwortlich für den Inhalt)
Träger: Paper Press Verein für gemeinnützige Pressearbeit in Berlin e.V.
Vorstand: Ed Koch - Mathias Kraft
Postfach 42 40 03
12082 Berlin
Email: paperpress[at]berlin.de
PDF-Newsletter-Archiv:
www.paperpress-newsletter.de

Diese WebSite wurde mit PostNuke CMS erstellt - PostNuke ist als freie Software unter der GNU/GPL Lizenz erh�ltlich.