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Ich Deutsch - Raed Saleh hat ein Buch geschrieben

geschrieben von: Redaktion am 16.07.2017, 07:38 Uhr
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„Ein wichtiges und überfälliges Buch, das den Kern unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts neu definiert.“ Montags-Demo in Dresden war gestern, heute heißt es „Montagsbuchvorstellung“. „Kein Platz für Extremisten – Demokraten holen sich den öffentlichen Raum von Pegida und Co. zurück.“ Unter diesem Motto lädt der Hoffmann und Campe-Verlag am 17. Juli nach Dresden ein. Anlass ist die Vorstellung des Buches „Ich Deutsch“ von Raed Saleh und Markus Frenzel.

Der Verlag kündigt das Buch wie folgt an: „Neue Spielregeln für unser Land: modern, weltoffen und rigoros demokratisch. Als Raed Saleh mit fünf Jahren aus Palästina nach Deutschland kam, konnte ihm niemand sagen, was das ist – ein Deutscher. Wie verhält man sich richtig? Wie tickt dieses Land? Und welche Werte sind unumstößlich? Weil Saleh diese Orientierungsprobleme aus eigener Erfahrung kennt, kann er Neubürgern überzeugend davon erzählen und so die entscheidenden Antworten geben. Außer-dem wendet Saleh den Spieß nach rechts, indem er eine Grenze um unseren demokratischen Konsens zieht. In Zeiten, in denen immer mehr Menschen Fake News, Pegida oder AfD auf den Leim gehen und Flüchtlingsheime brennen, ist es nötiger denn je, die Vorzüge unserer offenen Gesellschaft zu unter-streichen.

Deutsche Leitkultur – das klingt immer noch nach Ordnungsfanatismus und Tradition, nach CSU, Bier-zeltgepolter und erregt geführter Kurzzeitdebatte. So darf es nicht bleiben. In seinem Plädoyer für eine neue Leitkultur entert Raed Saleh, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, diesen einstigen Kampfbegriff der Rechten von links. Er zeigt Neuankömmlingen wie Rechtswählern die Möglichkeiten unserer Demokratie und Grenzen der Toleranz auf.“

Da kann man wirklich gespannt sein. Dass die Buch-vorstellung in Dresden erfolgt, ist offenbar Teil der Marketingstrategie. Man wolle den „öffentlichen Raum von Pegida und Co.“ zurückholen. Nun, um sich einer Pegida-Demonstration in Dresden entgegenzustellen, kommt Saleh eine Woche zu spät, denn am 10. Juli fand die letzte Demo statt. Am 17. Juli sind in Dresden acht andere Demonstrationen angemeldet, darunter eine der AfD zum Thema „Meinungsfreiheit“ und eine der Jusos, „Kein Platz für rechten Populismus.“

Raed Saleh wird sicherlich den Berliner Journalisten, die nicht zum zeitgleich stattfindenden Sommerfest der DEHOGA Berlin gehen dürfen, erklären, warum er unbedingt in Dresden sein Buch vorstellen muss. Und auch darüber, wie es zum Titel „Ich Deutsch“ kam, werden wir Montagabend mehr wissen. Der Titel ist einprägsam und provokativ, bedient aller-dings auch das Klischee, dass Mitbürger mit Einwandererhintergrund nicht richtig Deutsch können, was – zugegeben – auch auf viele „Urdeutsche“ zu-trifft.

„Raed Saleh, geboren 1977 in Palästina, kam als Kind nach Berlin und wuchs in einem sozialen Brennpunkt im Bezirk Spandau auf. Seit 2011 ist er Vorsitzender der SPD-Fraktion im Berliner Landtag. Klaus Wowereit nannte ihn ‚einen der kreativsten und vielversprechendsten Köpfe in der SPD‘“. Klaus Wowereit soll allerdings auch gesagt haben, dass Saleh „Fraktionsvorsitzender nicht kann.“ Inzwischen ist er sechs Jahre Vorsitzender und wurde immer wieder im Amt bestätigt. Bei der Frage, ob er Fraktionsvor-sitzender kann, lautet die Antwort schlicht: „Die einen sagen so, die anderen sagen so!“

Saleh polarisiert. In seinem Heimatbezirk Spandau gibt es jene, die ihm bedingungslos folgen, und andere, die ihn regelrecht hassen. Wer nicht für ihn ist, ist halt gegen ihn, und das bekommen sie zu spüren. Sein Lebensziel ist nach wie vor, Regierender Bürgermeister zu werden. Bei einem Mitgliederentscheid werden ihm geringe Chancen eingeräumt, so wie 2014, als er auf Platz drei hinter Müller und Stöß mit mageren 18,6 Prozent landete. Das schmerzt ihn bis heute. Sollte es, wann und warum auch immer, eine Diskussion um die Nachfolge von Michael Müller geben, müsste Saleh bei einem Mitgliederentscheid vermutlich gegen die jetzigen Senatoren Andreas Geisel und/oder Matthias Kollatz-Ahnen antreten. Einzige Möglichkeit für Saleh ohne Mitgliederentscheid Regierender Bürgermeister zu werden, wäre ein Putsch, spätestens ein Jahr vor der Wahl (nächster Termin 2021), bei dem er von der Fraktion nominiert und vom Landesparteitag bestätigt werden müsste. Ohne Nachweis, dass er Bürgermeister kann, wären seine Chancen, eine Abgeordnetenhauswahl zu gewinnen, gering. Welcher Sozialdemokrat oder Sozialdemokratin auch immer 2021 Regierender Bürgermeister/in werden will, wird es vermutlich mit Monika Grütters als CDU-Gegenspielerin zu tun bekommen.

Ob Saleh bei seinen Plänen das hilft, was der Verlag seines Buches über ihn schreibt, wird sich dann zeigen: „Längst strahlt sein Wirken über die Hauptstadt hinaus, so verlieh ihm die Europäische Rabbinerkonferenz einen Toleranz-Preis, die SPD in Lindau setzte ihm den Sozialistenhut auf – eine Auszeichnung für politische Vordenker.“

Noch ein Wort zum Co-Autor des Saleh-Buches. Der Verlag schreibt: „Markus Frenzel, Jahrgang 1976, arbeitete über zwanzig Jahre als Journalist, u.  a. für den SWR, die Deutsche Welle, ARTE und zuletzt als Redakteur des ARD-Magazins Fakt. Er wurde mit zahlreichen renommierten Journalistenpreisen aus-gezeichnet. Heute ist Frenzel einer der engsten Vertrauten von Raed Saleh.“ Es fehlt allerdings eine nicht unwichtige Funktion. Markus Frenzel ist Pressesprecher der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin, also Angestellter von Saleh. Soviel nur zur Vollständigkeit.

Und was steht nun drin in dem Buch? Die rbb-Abendschau hat am 15. Juli schon ausführlich berichtet:

https://www.rbb-online.de/abendschau/archiv/20170715_1930/saleh-buch-ich-deutsch.html

Auch die großen Tageszeitungen beschäftigt das Thema:

https://www.morgenpost.de/bezirke/spandau/article211253011/Der-Anti-Sarrazin-aus-Spandau.html
http://www.tagesspiegel.de/politik/berlins-spd-fraktionschef-zur-islam-debatte-raed-saleh-wirbt-fuer-neue-deutsche-leitkultur/20064878.html

http://www.berliner-zeitung.de/berlin/berliner-spd-raed-saleh-wirbt-fuer-eine-neue-deutsche-leitkultur-27973654

„Natürlich brauchen wir eine deutsche Leitkultur", ist Saleh überzeugt. In einer Umfrage des Tagesspie-gels schließen sich (Stand 16.07.2017 08:00 Uhr) 34,9% mit „Ja, auf jeden Fall“ an. „Eher Ja“: 23,4%. „Unentschieden“: 7,9%, „Eher Nein“: 17,5% und „Auf keinen Fall“: 16,3%. Viele Talk-Shows haben Saleh schon gebucht. Salehs Leitkultur als Sommer-Fernsehprogramm.

„Natürlich brauchen wir eine deutsche Leitkultur. Es geht um einen moralischen, politischen, kulturellen Minimalkonsens. Wir können es auch ‚kulturellen Leitfaden‘ oder ‚Hausordnung für unser Land‘ nen-nen. Jeder moderne Staat hat eine solche ‚Hausord-nung‘ und bestimmt sie immer wieder neu (...)“

„70 Prozent der Einwohner Berlins gehören keiner Glaubensrichtung an. Hier brauchen wir auch ein Umdenken bei den Muslimen. Junge Muslime müs-sen den Wert von Religionsfreiheit akzeptieren und wertschätzen wie die Meinungsfreiheit, wie die Frau-enrechte oder die Rechte von Minderheiten. (....)“

„Wenn ich mich heute als braven Muslim bezeichnen würde, würde ein Imam wohl zu Recht den Kopf schütteln, aber ich versuche, die religiösen Regeln so gut wie möglich einzuhalten. In Berliner Zeitungen werde ich manchmal als säkularer Muslim bezeich-net, das trifft es wohl recht gut. So habe ich mein ganzes Leben lang noch keinen Alkohol getrunken, auch wenn ich gerne mal wissen würde, wie es ist, wenn man eine Nacht durchzecht. Auch Schweine-fleisch esse ich keins. Aber das machen heute in Deutschland immer mehr Menschen und längst nicht nur Muslime. Trotzdem bin ich zu einem großen Weihnachtsfan geworden. Mein Faible gehört beiden Festen – Weihnachten und dem Zuckerfest. (....)“

Quelle der Zitate: Berliner Morgenpost

Beobachten wir also das Drumherum des Saleh-Buches und versuchen herauszufinden, was echtes Anliegen und was Marketing in eigener Sache ist. Warum diese Debatte im Sommer 2017 geführt wer-den muss, hat sich mir noch nicht erschlossen. Auch nicht, dass dieses Buch „wichtig“ und „überfällig“ ist und dass es „den Kern unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts neu definieren“ muss.

Zusammenstellung und Kommentierung: Ed Koch

  
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