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Reisewarnung für die USA

geschrieben von: Redaktion am 03.08.2017, 15:01 Uhr
paperpress544 
Seit dem 20. Januar 2017 wird mir regelmäßig schlecht, wenn ich Nachrichten aus den USA höre und sehe. Seitdem ein Horrorclown im Weißen Haus herumpoltert, ist mir dieses Land fremd geworden, ja es ekelt mich zuweilen an. Und das sagt jemand, der unter amerikanischem Schutz in West-Berlin aufgewachsen ist. Ich weiß sehr wohl und werde das auch nie vergessen, was wir den Amerikanern zu verdanken haben. Ob ihre Motive immer nur menschlich oder manchmal auch berechnend waren, ist mir egal. Sie haben während der Blockade 1948/49 meine Eltern und mich nicht verhungern lassen und standen bis zur Wiedervereinigung treu an unserer Seite, da konnte kommen, wer und was wollte. Nach Berlin sind alle Präsidenten gekommen, John F. Kennedy war der erste, den ich live vor dem Rathaus Schöneberg erlebte, und bei allen anderen danach stand ich auf den Straßen und Plätzen und habe ihnen zugehört, den meisten auch zugewunken.

Mit dem Paper Press e.V. und unserem Partnerverein, dem CPYE e.V., habe ich gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen zwischen 1985 und 2015 46 Jugendbegegnungsreisen mit 584 Teilnehmerinnen und Teilnehmern organisiert, und zwischen 1999 und 2012 zusätzlich und teilweise parallel 39 Studienreisen mit 617 Erwachsenen. Ich selbst war zwischen 1985 und 2012 33-mal in den USA und habe dort insgesamt 616 Tage verbracht und das Land vom Atlantik bis zum Pazifik und von North Dakota bis Texas kreuz und quer bereist. Mit unseren Gruppen haben wir hunderte von Menschen, Gastfamilien und Politiker in New York, Washington oder Los Angeles getroffen. In aller Bescheidenheit kann ich sagen, dieses Land und viele Leute einigermaßen gut zu kennen. Mir sind die positiven wie negativen Seiten bekannt. Was sich jetzt allerdings dort abspielt, hat einen nie vorher gekannten Tiefpunkt erreicht, nicht bei Ronald Reagan und auch nicht bei George W. Bush jr.

Wenn ich jetzt in der Berliner Zeitung lese, dass acht Schülern aus Stuttgart die Einreise verweigert wurde, weil sie angeblich nicht das richtige Visum besaßen, werde ich traurig und wütend zugleich.

„Für acht Stuttgarter Schüler ist der Traum vom USA-Aufenthalt bereits am Flughafen in Amerika geendet. Beamte der US-Heimatschutzbehörde hinderten die drei Mädchen und fünf Jungen am vergangenen Wochenende am Flughafen in Denver an der Einreise in den Bundesstaat Colorado. Das Argument: Die 18-jährigen Schüler hätten keine korrekten Visa für ihren Aufenthalt“, zitiert die Berliner Zeitung „The Mountain Mail“ aus der Kleinstadt Salida, wo die Stuttgarter Jugendlichen vier Wochen verbringen wollten.

Über den Denver International Airport sind wir viele Male in die USA eingereist und mussten uns dort einer Prozedur unterziehen, die denen der DDR-„Grenzorgane“ in nichts nachstanden.

„Einen ganzen Tag lang hielten die Grenzschutzbeamten die Jugendlichen dem Bericht zufolge am Flughafen fest, bevor sie am späten Samstagnach-mittag wieder nach Hause fliegen mussten. Das Urlaubs-Debakel für die Schüler hat aus Sicht von Susan Masterson seinen Grund darin, dass die US-Grenzschützer die Visa-Regeln strenger auslegen als in der Vergangenheit.“ Damit ist wohl gemeint, bevor der neurotische Baulöwe aus New York in den USA etwas zu sagen hat.

„Masterson ist eine Lehrerin aus Salida, die das Aus-tausch-Programm ‚Rocky Mountain Language Adventure‘ seit 2012 organisiert hatte. Seit Beginn des Programms waren die Schüler immer mit Touristen-visa eingereist. Zwar arbeiteten die Jungen und Mädchen, darunter auch ältere Geschwister der jetzt abgewiesenen Schüler, auch während ihres vierwöchigen Aufenthalts in Geschäften und Organisationen von Salida. Das geschah aber immer ehrenamtlich und laut Masterson ohne Bezahlung.

Bislang war das kein Problem. Am vergangenen Wochenende aber befanden die Kontrollbeamten am Flughafen, dass das ehrenamtliche Engagement Arbeit darstelle und daher für die Einreise ein anderes Visum nötig sei. Sie ließen sich auch nicht davon beeindrucken, dass die Büros des Gouverneur von Colorado, John Hickenlooper, und des Senators Michael Bennet sich für die Schüler einsetzten und blieben bei ihrem Nein zur Einreise.“

John Hickenlooper, früherer Bürgermeister von Denver und jetziger Gouverneur von Colorado, den wir oft bei unseren Reisen besuchten und von ihm immer wieder sehr herzlich empfangen wurden. Wenn nicht einmal er den Jugendlichen aus Stuttgart helfen konnte, liegt in den USA wirklich einiges im Argen.

„Jamie Ruiz, Sprecher der US-Grenzschutzbehörde, betonte, es handele sich um ein Problem mit den Papieren. Es sei bedauerlich, dass die Jugendlichen Unannehmlichkeiten gehabt hätten, aber sie könnten ja ein anderes Visum beantragen, dass ihnen ehren-amtliche Arbeit in den USA erlaube.“ Diese Äußerung ist an Dummheit nicht zu überbieten. Hinter dem Vorgehen steckt System und volle Absicht. Die US-Behörden müssen sich ja wohl denken können, dass sich die Jugendlichen keine zweite Reise werden leisten können. Wer soll die Flugkosten aufbringen? „Einer der Schüler will das aber auch sowieso nicht mehr. Laut dessen Eltern, so berichtet Masterson, hat er beschlossen, nie wieder in die USA zu reisen.“ Das kommt dabei heraus. Wir haben in den 20 Jahren unserer USA-Reisen immer Wert darauf gelegt, dass sich Menschen begegnen. Nur so können Vorurteile durch Wahrheiten ersetzt werden. Die Abschottungspolitik der USA wird diesem Land noch teuer zu stehen kommen.

„Der Fall der abgewiesenen deutschen Schüler in Colorado erinnert an einen ähnlichen Vorfall vor zwei Jahren. Im August 2015 erregte das Erlebnis einer 20-jährigen Deutschen Aufsehen, die Verwandte in Cleveland besuchen wollte. US-Behörden hatten offenbar Zugriff auf das Facebook-Konto der jungen Frau und schlossen aus Unterhaltungen dort, dass sie illegal in den USA arbeiten wollte und wiesen sie ab.“ Dass die USA jeden durchleuchten, der in ihre heile Welt reisen will, ist bekannt. Ansatzweise kritische Äußerungen können schon dazu führen, dass man nicht einreisen darf. Wann wird man aber, so muss man fragen, nicht nur bei der Einreise abgewiesen, sondern gleich ins Gefängnis gesteckt? Früher hieß es, „ein kluges Wort und schon ist man Kommunist“, heute reichen kritische Äußerungen schon für einen Terrorverdacht aus. Paradebeispiel dafür ist die Türkei, dessen Gebaren zum Glück noch deutlich von dem in den USA entfernt ist.

Mein Wunsch war es immer, noch einmal zu meinem siebzigsten 2019 für eine Woche nach New York zu reisen. Davon nehme ich so lange Abstand, wie Mr. Trump den Präsidenten spielt. Außerdem würde ich vermutlich gleich beim Einreiseversuch inhaftiert, weil ich den Präsidenten Horrorclown nenne, was ich bis zum Beweis des Gegenteils nicht zurücknehme.

Ed Koch

  
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