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Das ging unter die Haut

geschrieben von: Redaktion am 27.08.2017, 10:01 Uhr
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Wenn ein Chor und ein Orchester aus Hiroshima kommen und der Komponist des Hauptwerkes des Konzertabends in Hiroshima geboren wurde, weiß man, dass das bestimmende Thema dieser geschundenen japanischen Stadt nicht ausgelassen werden kann. „Sternlose Stille“ geht auf einen Kompositionsauftrag der Dresdner Frauenkirche aus dem Jahre 2009 zurück. Toshio Hosokawa schuf ein Oratorium, das die Bombennacht von Dresden im Februar 1945 mit dem Abwurf der Atombombe über Hiroshima im August desselben Jahres verbindet.

Besonders berührend sind die von den Schauspie-lern Nina Petri und Heikko Deutschmann live zur Musik gesprochenen Augenzeugenberichte zweier Kinder während der Bombenangriffe auf Dresden. Hält sich die Musik anfangs leise im Hintergrund, wird sie immer lauter und überdeckt letztlich die Worte. Das ging unter die Haut. Verbunden wurde das Schrecken von Dresden mit einem Gedicht von Masao Masunishi über den Abwurf der Atombombe. „Als ich im Kindergarten mit Bauklötzern spielte, fiel die Atombombe. Die Decke des Zimmers stürzte ein. Mein Bruder Yocchan starb. Ich erlitt eine Kopfverletzung. Wir flüchteten mit unserer Lehrerin zum Berg Koi und sahen die Flammen auf der andren Seite des Berges aufsteigen. Keiner sagte ein Wort.“

Es ist als Nichtbeteiligter unmöglich zu sagen, ob Toshio Hosokawa in seinem Oratorium die Katastrophen von Dresden und Hiroshima hinreichend be-schreibt, auch er ist kein Augenzeuge. Jeder hat aber die Bilder vor Augen und konnte sie mit der Musik verbinden. Die Besetzung auf der Bühne war beeindruckend, 60 Studenten der Elisabeth University of Music, Hiroshima, im Chor und nochmals so viele im Orchester, dazu die beiden Sopranistinnen Yoshiko Kobayashi und Miyuki Fujii.

Ich hätte mir, ehrlich gesagt, bei diesem Thema mehr Wucht als Zeichen für die immensen Zerstörungen und Tötungen von unschuldigen Menschen gewünscht, und am Ende des Werks laut klingender Optimismus, der deutlich macht, dass das Leben weiter geht und der Mensch in der Lage ist, trotz der Trauer um die Toten, Zerstörtes wieder aufzurichten. Die Dresdner Frauenkirche ist ein Symbol dafür, dass kein Krieg alles auslöschen kann. Dass die DDR die Ruine der Frauenkirche als Mahnmal unberührt ließ und erst der „Klassenfeind“ nach der Wiedervereinigung für den Neuaufbau sorgte, ist eines dieser vielen falsch verstandenen Symbole des zu Recht untergegangenen Sozialismus kommunistischer Prägung.

Es bedurfte weder der Zerstörung Dresdens noch des Abwurfs der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki, mit dem die USA eine rote Linie dauerhaft überschritten haben. Deutschland hätte auch ohne dieses Massaker im Mai 1945 die Kapitulationsur-kunde unterschrieben, und Japan war auch ohne „Little Boy“ und „Fat Man“, wie die Amerikaner verniedlichend ihre Todesbomben nannten, am Ende. Es wird einem Angst und Bange, heute jemand im Weißen Haus sitzen zu haben, der einen atomaren Einsatz nicht ausschließen will. Warum lernt niemand etwas aus der Geschichte.

In diesem etwas düstereren Beitrag soll aber nicht zu kurz kommen, dass das Konzert am 26. August aus zwei Teilen bestand. Begonnen hat der Abend mit Beethovens „Meeresstille und glückliche Fahrt“. Das klang fast wie eine Entschuldigung für das Konzert am Vorabend, als sich das Meer farbspritzig über den Saal ergoss. Man glaubt, nur, weil man regel-mäßig „Klassik Radio“ hört, kenne man alle Werke von Beethoven. Weit gefehlt. Es handelt sich um die Vertonung eines Goethe-Gedichts, was mir bislang auch unbekannt war. „Tiefe Stille herrscht im Wasser, ohne Regung ruht das Meer, und bekümmert sieht der Schiffer, glatte Fläche ringsumher.“ In feinstem Deutsch sagen die japanischen Studenten Goethes Zeilen zu einer wunderbaren Musik. Ich sage es ja immer wieder: Young Euro Classic ist vor allem auch etwas für Entdecker.

Und dann, vollendet schöne Musik in einer angeblich unvollendeten Symphonie von Franz Schubert. Bis heute ist man sich nicht sicher, ob es nun die siebte oder achte ist und ob Schubert jemals die Absicht hatte, die Symphonie zu beenden. Egal. Dieses Werk ist eines der schönsten der Musikgeschichte. Öffnen Sie google, geben Sie Schuberts Unvollendete ein, klicken Sie „you tube“ an und genießen Sie eine halbe Stunde lang das Wunder der Musik.

Ed Koch

  
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