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Was machen Sie heute Abend?

geschrieben von: Redaktion am 03.09.2017, 12:22 Uhr
paperpress545 
Also ich bin beim Abschlusskonzert von Young Euro Classic. Und Sie? Tatort schauen? Fällt heute aus. Das Fernsehprogramm ist heute auf gleich vier Sendern gleichgeschaltet: ARD, ZDF, RTL und SAT.1. Dort läuft das so genannte „Duell“ zwischen Frau Merkel und Herrn Schulz. Sandra Maischberger, eine der vier Fragesteller, verspricht, dass es, anders als beim Tatort, keine Toten geben wird. Falsch. Denn die Toten beim Tatort sind nicht echt. Politisch tot könnte aber heute Abend einer der beiden Kanzlerkandidaten sein.

Es ist jedoch nicht darauf zu hoffen, dass irgendetwas Überraschendes oder Sensationelles heute ab 20.15 Uhr passiert. Merkel und Schulz werden ihre alt bekannten Argumente und Standpunkte austauschen. Den Trumpf, den Martin Schulz nach Ansicht von Morgenpost-Kolumnist Hajo Schumacher hat, wird dieser nicht ausspielen. „Martin Schulz könnte sich ehrlich machen und der Kanzlerin das Fortführen des bisherigen Bündnisses anbieten“, meint Hajo Schumacher. Nein, bis zum letzten Atemzug wird Martin Schulz dabei bleiben, Kanzler werden zu wollen, wie vor ihm Frank Walter Steinmeier und Peer Steinbrück.

„Warum traut sich eigentlich niemand zu sagen, dass Martin Schulz als Mensch womöglich okay ist, als Kandidat aber ganz sicher eine Flasche? Die SPD bräuchte einen Justin Trudeau, aber sie bietet nur einen trübseligen Verwalter, wie Angela Merkel sie serienweise verfrühstückt hat“, schreibt Hajo Schumacher in seiner Kolumne.

Dieses TV-Format, 90 Minuten, zwei Kandidaten und vier Moderatoren, ist Murks. Es müssten vier Runden mit jeweils einem Moderator geben, ähnlich wie in den USA, und zwar auf jedem Sender der Reihe nach zu einem bestimmten Schwerpunktthema. Das wollte Angela Merkel nicht. Sie wird wissen, warum. Sie diktierte den Sendern, wie es zu laufen hat. Kleinlaut gab ZDF-Chefredakteur Frey zu, dass es entweder dieses eine Duell oder gar keins gegeben hätte. Dann bitte gar keins. Wo kommen wir dahin, wenn die Politiker das Fernsehprogramm bestimmen?

Und wenn schon nur eine Sendung, warum dann mit diesen Talk-Langweilern, die man wirklich nicht mehr sehen und hören möchte. Warum setzt man nicht Merkel und Schulz Thomas Gottschalk gegenüber, oder Günter Jauch, aber bloß nicht Markus Lanz.

Und wenn Sie schon den Abend zu Hause verbringen wollen oder müssen, dann lesen Sie doch bitte ein gutes Buch oder schauen sich alternativ „Zwei sind nicht zu bremsen“ bei Kabel 1 an. Nein, es geht nicht um Merkel und Schulz, sondern um Spencer und Hill. Oder ein Klassiker: In 80 Tagen um die Welt auf RTL 2, statt in 90 Minuten durch den politischen Alltag. Ich könnte auch „Gefragt – Gejagt“ im RBB empfehlen. Und wieder geht es nicht um Martin und Angela, sondern um Bommes, wer immer das sein mag. Bei ZDF neo gibt es ab 20.15 Uhr „Ein starkes Team“, womit auch nicht die CDU Chefin und der SPD Vorsitzende gemeint sind. Sie sehen also, es gibt zum so genannten Duell eine Menge Alternativen.

Denjenigen, die ihre Wahlentscheidung von dem heutigen Meinungsaustausch zwischen Merkel und Schulz abhängig machen, ist ohnehin nicht zu helfen. Wer sich bislang keine Meinung gebildet hat, an welcher Stelle er sein Kreuz machen soll und auf neue Erkenntnisse in den nächsten drei Wochen wartet, sollte dann doch lieber erst gar nicht zur Wahl gehen. Ein wenig Interesse am gesellschaftlichen Leben sollte man immer haben und nicht nur ein paar Wochen vor einer Wahl. Niemand wird in einer Demokratie gezwungen, sich am gesellschaftlichen und politischen Leben zu beteiligen. Wer sich aber verweigert, sollte dann auch seine Klappe halten.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend, in Ihrer Stammkneipe, bei Young Euro Classic oder The Cast – die Opernband in der Bar jeder Vernunft, oder wo auch immer, bloß nicht vor der Einheitsglotze von ARDZDFRTLSAT.1.

Ed Koch

  
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