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Ein hohes Gut - Nachrichtenmagazine von ARD und ZDF

geschrieben von: Redaktion am 03.01.2018, 08:15 Uhr
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Ich zahle die Rundfunk- und Fernsehgebühren an ARD und ZDF gern. Sie sind mit 17,49 im Quartal mehr als angemessen. Eigentlich sogar sehr preis-wert, wenn man anschaut und anhört, was einem dafür geboten wird. Die beiden wichtigsten Nachrichten-Magazine des Deutschen Fernsehens, „Tagesthemen“ (ARD) und „heute-journal“ (ZDF), feierten am 2. Januar ihr 40-jähriges Bestehen. Das ist ein Grund zum Gratulieren und auch zum Danke sagen. Nirgendwo anders wird man über die Ereignisses eines Tages so gut informiert, wie in diesen Magazinen, die beide gleichgut sind und sich auf einem sehr hohen journalistischen Niveau befinden.

Den Älteren unter uns ist ja noch die Zeit in Erinnerung, wo erst um 10 Uhr das Fernsehprogramm startete, dann nach 12 eine Mittagspause machte und um 16 Uhr fortgesetzt wurde. Nach der Spät-ausgabe der Tagesschau war dann Zappen duster. Hans-Joachim Kulenkampff las uns eine Nachtgeschichte vor, gefolgt von der Nationalhymne. Und dann, ab ins Bett. Eine schöne Zeit. Heute ist jeder Sender 24 Stunden online, selbst der Kinderkanal, in dem des Nachts ein „meist deprimiertes Kastenweißbrot“ namens Bernd ununterbrochen vor sich hin quatscht und dafür sogar schon den Grimme-Preis erhalten hat.

Informationen bekommt man heute schon beim Frühstück. Bereits um 6 Uhr starten die Morgenmagazine im wöchentlichen Wechsel von ARD aus Köln und ZDF aus Berlin. Bis 9 Uhr ist man bestens informiert und unterhalten. Ja, auch Unterhaltung gehört dazu. Allerdings in einer angenehmen Art und Weise, anders als bei den Magazinen der privaten Sender, die Spiel-Shows gleichen und weitestgehend unerträglich sind.

Neben den Magazinen am Morgen und Abend füllen die Mittagsmagazine von ARD und ZDF um 13 Uhr die entstandene Nachrichtenversorgungslücke aus. Das ARD MiMa kam bislang vom Bayerischen Rundfunk aus München und das des ZDF aus der Sende-zentrale in Mainz. Seit dem 2. Januar ist nun der RBB für das Mittagsmagazin verantwortlich, es wird aus dem Zollernhof Unter den Linden gesendet, von wo aus auch das ZDF-Morgenmagazin die TV-Geräte erreicht. Und in Kürze wird auch das ZDF Mittagsmagazin nach Berlin umziehen und ebenfalls aus den Studios am Zollernhof senden. Bei so viel Konzentration auf die Hauptstadt fragt man sich, wann das ARD MoMa von Köln nach Berlin kommt. Wenn Sie mich fragen, hoffentlich nie. Wir sind stolz auf unsere föderale Struktur in Deutschland, die Vielfalt bedeutet. Es ist nicht gut, wenn sich alles allein in Berlin abspielt. Tagesschau und Tagesthemen, heute und heute-journal, mögen bitte dort bleiben, wo sie sind, in Hamburg und Mainz. Es muss auch den Blick von außen auf die Hauptstadt geben.

28 Jahre lang war München als Standort für das Mittagsmagazin gut genug und sehr erfolgreich mit täglich um die zwei Millionen Zuschauer. Hannelore „Hansi“ Fischer war das Gesicht der Sendung mit ihrem angenehmen süddeutschen Akzent. Es ist kaum zu glauben, aber der Bayerische Rundfunk ist offenbar in Geldnot und kann sich das Mittagsmagazin nicht mehr leisten. Das reiche Berlin springt da gern ein. Ich habe ja schon viel erlebt, dass aber aus finanziellen Gründen die Bayern etwas an Berlin abgeben, ist nicht zu fassen.

Hannelore Fischer hat sich den Abschiedsschmerz bei der letzten Sendung am 29. Dezember erspart und ist bereits im Oktober ausgestiegen. Sie äußerte sich in Medien „tief getroffen und sehr enttäuscht“ über die Entscheidung des Bayerischen Rundfunks, das Mittagsmagazin zu opfern. Sie hätte sich ein „Wir schaffen das“ gewünscht. Auch wenn die Übergabe am 29. Dezember in einer Schalte zwischen München und Berlin freundschaftlich kollegial klang, so sickerte in einem Beitrag doch durch, was die Bayern von uns halten. In einem Rückblick auf 28 Jahre wurde auch immer wieder erwähnt, an welcher Stelle zu welcher Zeit Bayern München und Hertha BSC in der Bundesliga-Tabelle stand. Herthas Name fehlte in dieser Liste dann und wann. Ich habe großes Verständnis für diesen Seitenhieb.

Und nun? „Schnell, spöttisch, provozierend: Das ‚ARD-Mittagsmagazin‘ arbeitet daran, seinen Ruf als altbackene Biedermeier-Sendung hinter sich zu las-sen“, schreibt die Berliner Zeitung und kommt zu dem Eindruck nach der ersten Sendung: „Das neue RBB-Moderatoren-Gespann Jessy Wellmer und Sascha Hingst entsorgt den Staub, den das Magazin unter der jahrzehntelangen Federführung des Bayerischen Rundfunks angesetzt hatte.“ Mehr Dreck konnte man den Bayern wohl nicht hinterherschmeißen. Was für eine arrogante Bewertung. „Mehr Ber-liner Schnauze, mehr Nachrichten aus Berlin und aus dem Regierungsviertel: So hatte die ARD die Komplettüberarbeitung der Sendung beworben.“ Nichts von dem wurde in der Auftaktsendung erfüllt. Dem neuen MiMa aus Berlin fehlt der Schwung, den die Morgenmagazine verbreiten. Aus dem Regierungsviertel ließ sich zum Auftakt niemand blicken. Als Stargast live im Studio wurde Thomas Baumann, stellvertretender Chefredakteur im ARD Hauptstadt-studio präsentiert. Gregor Gysi erschien nicht persönlich, sondern in einem Filmbeitrag, wie alle anderen auch.

Nun gut, erste Sendung, Jahresanfang, das kann sich ja noch ändern. Niemand habe mehr eine Aus-rede, nicht persönlich vorbeikommen zu können, da das Regierungsviertel nur drei Minuten entfernt liege, sagte Jessy Wellmer optimistisch. Und, man könne bei einem Live-Gespräch im Studio besser nachfragen, als bei einer Schalte. Häh? Was für ein Unsinn. Die spannendsten Dialoge fanden bei Schalten und nicht face-to-face im Studio statt. Wir erinnern uns an Slomka/Gabriel. Das war doch großes TV. Die heutigen technischen Möglichkeiten sind so perfekt, dass man sich von jedem Ort aus mit jedem unterhalten kann. So auch mit dem neuen sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, der live aus Dresden zugeschaltet wurde. Es wird sich zeigen, wie viele Politiker tatsächlich den Weg ins Studio finden.

„Der Start der Sendung kommt schon ziemlich frech und Berlinisch daher“, meint der Kommentator der Berliner Zeitung. Ja, liebe Freunde, das ist es, was uns Berliner so beliebt macht. „Unterm Strich: Die erste Sendung war ein flotter, druckvoller Auftakt für das neue ‚MiMa‘-Zeitalter, ohne zu grell oder zu überdreht zu sein. Das macht Spaß und Hoffnung. Angenehm für die Augen des Zuschauers ist auch das neue, moderne Studio-Design in Blau, Weiß und Silbergrau.“, lautet das Fazit der Berliner Zeitung.

Der Tagesspiegel bewertet die erste Sendung kritischer: „Der erste Eindruck: Da wäre mehr möglich gewesen. Natürlich gibt es die sichtbaren Veränderungen bei Personal und Ambiente. Vor allem von der Nähe zur Bundespolitik erwarten sich die ARD und RBB-Intendantin Patricia Schlesinger viel. Am Premierentag fehlte allerdings das politische Berlin im Studio. Stattdessen wurde reichlich ARD-Kompetenz mit Korrespondenten-Schalten und -Berichten in bester ‚Weltspiegel‘-Manier, mit Thomas Baumann als Studiogast und dem ‚Tagesthemen‘-Jubiläum bewiesen. Wenn Wünsche zum Jahresbeginn erlaubt sind, dann sicherlich auch zum Start einer neuen ‚Mittagsmagazin‘-Epoche: Gerne mehr Berlin, sowohl das politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche, aber auch das lebensnahe, Stichwort: Knastausbrüche. Aber vor allem: Viel Mut zu Neu-em.“ Nun, die Berliner Knastausbrüche muss man dem bundesweiten Publikum nicht auch noch vor die Nase halten. Wenn das MiMa aus Berlin einen Sinn haben soll, dann vielleicht den, unserer Stadt ein besseres Image zu verleihen. Eine zweite Abendschau mit überregionalen Themen braucht kein Mensch.

Ich kenne die finanziellen Verhältnisse des Bayerischen Rundfunks nicht, hätte mir aber gewünscht, dass das Mittagsmagazin weiterhin aus München kommt. So wären die wichtigen Nachrichtensendungen von Hamburg über Berlin, Köln und Mainz bis München regional verteilt geblieben. Berlin sollte sich manchmal etwas bescheidener geben.

Ed Koch

  
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