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Ein Pfarrer geht in den Ruhestand

geschrieben von: Redaktion am 15.01.2018, 13:26 Uhr
paperpress549 
Das ist zweifelsohne eine der langweiligsten Überschriften der letzten Zeit. Dass Pfarrer in den Ruhestand gehen, ist wenig spektakulär. Wäre es auch, wenn nicht auf der Einladung zum Verabschiedungs-gottesdienst der Name Beppo Brehm und als Ort Martin-Luther-Gedächtniskirche, Berlin-Mariendorf, stünde. Außergewöhnlich ist erst einmal, dass jemand Beppo heißt. Heißt er auch nicht, sondern richtig Hans-Martin. Die Älteren unter uns können sich aber bestimmt noch an den bayerischen Volksschauspieler Beppo Brem (ohne H) erinnern. Als listiger Kriminalinspektor begeisterte er uns in über 100 Folgen der TV-Serie „Die seltsamen Methoden des Franz Josef Wanninger.“ Und wie das so ist, wenn es einen bekannten Fernsehstar gibt, dessen Familienname gleich klingt, schon hat man auch dessen Vor- als Spitznamen weg. Und so nannten 34 Jahre lang die Mariendorfer ihren Pfarrer mit den buschigen Augenbrauen à la Theo Waigel eben Beppo. Daran wird sich auch nichts mehr ändern.

Nicht seltsame, wie das bayerische Original, aber schon viele ungewöhnlichen Methoden wandte Beppo Brehm an, um seine Gemeinde zusammenzuhalten. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg schlesische Oberlausitz, wie der Firmenname komplett lautet, vertraute Beppo Brehm ein in vielerlei Hinsicht problematisches Kirchengebäude an.

Zitat Wikipedia: „Die Martin-Luther-Gedächtniskirche im Berliner Ortsteil Mariendorf ist ein Denkmal und Zeitzeugnis der besonderen Art. Sie wurde von 1933 bis 1935 auf der Grundlage lange bestehender Planungen erbaut. Bei der Gestaltung des Innenraums vermischten sich staatliche und kirchliche Symbolik. Dies ist bis heute erkennbar. Aus diesem Grund wird die Kirche seit etwa 2004, als sie durch ihren schlechten Bauzustand in die Schlagzeilen geriet, in der Presse gelegentlich auch als ‚Nazi-Kirche‘ bezeichnet. Die Gemeinde selbst sieht die Überreste dieser Gestaltung im Zeitgeist von 1933 als Denk- und Mahnmal.“

Im Kircheninnern befinden sich Fotos von Auschwitz / Birkenau, und am Tag der Befreiung des Konzentrationslagers am 27. Januar (19 Uhr) hält Pfarrer Brehm einen Gedenkgottesdienst in der Kirche ab. Zwar ist er zu diesem Zeitpunkt schon im Ruhestand, aber die Pflege der Erinnerungskultur an das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte, ist ihm ein Herzensanliegen. Offen geht er auch mit den Verstrickungen der Kirche während der Hitler-Diktatur um.

Zitieren wir noch einmal Wikipedia: „Ab 2004 wurde die Kirche nur noch ausnahmsweise für große Gottesdienste oder andere Einzelveranstaltungen genutzt, da der Turm baufällig war und erhebliche Sicherheitsvorkehrungen für Nutzungen erforderlich waren. Der Turm wurde bis Ende 2011 aus Mitteln des Bundes, des Landes Berlin, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Evangelischen Gemeinde Berlin-Mariendorf wieder instandgesetzt. Damit steht das Engagement des Landes Berlin wie auch der Bundesrepublik Deutschland für den Erhalt der Kirche als Baudenkmal von nationaler Bedeutung außer Frage.“

Und dass die Kirche heute wieder für Gottesdienste genutzt werden kann, ist vor allem auch dem unermüdlichen Einsatz von Pfarrer Brehm zu verdanken, dem es gelang, eine breite Öffentlichkeit für den Erhalt herzustellen. Wäre dies nicht gelungen, hätte das Gotteshaus vielleicht abgerissen werden müssen. Das ist der Gemeinde erspart geblieben.

34 Jahre in einer Pfarrei ist eine außergewöhnlich lange Zeit. Mehr als eine Generation. Beim Ab-schiedsgottesdient am 14. Januar war die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt. Unter den Klängen von Edward Elgars Marsch „Pomp and Circumstance“, vorgetragen vom Posaunenchor der Gemeinde, zogen die Ehrengäste in die Kirche ein. Beppo Brehms Predigt an diesem Tag konzentrierte sich auf ein Wort: „Danke.“ Für die an ihn gerichteten Dankesworte waren Superintendent Michael Raddatz und Brehms Pfarrerkollegen zuständig. Zwischendurch gab es immer wieder Applaus, eher selten in einer Kirche, und am Ende eine Standing Ovation.

Und wie das in einer Behörde, und die Kirche ist auch eine Behörde, so ist: ein Nachfolger konnte noch nicht präsentiert werden. Im Februar soll er kommen. Bei vielen Reden schimmerte eine gewisse Ängstlichkeit vor der Zukunft durch, was wird kommen, welche Akzente setzt der Neue? In 34 Jahren hat Beppo Brehm das Gemeindeleben geprägt. Er ist das Gesicht der Gemeinde. Da halfen auch keine tröstenden Worte von ihm, dass er dann und wann mal vorbeischauen werde. Auch als Ruhestandspfarrer darf er weiter Gottesdienste abhalten, und sogar Trauungen vornehmen.

Einen festen Termin in diesem Jahr hat er schon, wenn sich mein Vorstandskollege des Paper Press e.V., Mathias Kraft, in den ewigen Bund der Ehe begeben wird. Schon im zarten Alter von 14 Jahren wurde Mathias von Bep-po Brehm eingesegnet, das verbindet natürlich.

Ein Gottesdienst funktioniert nach bestimmten Regeln, die schwer zu durchbrechen sind, vom Applaus einmal abgesehen. Es war eine würdevolle Veranstaltung in der Martin-Luther-Gedächtniskirche, die berührendsten Momente fanden aber anschließend im Gemeindehaus statt, wo sich alle Generationen versammelt hatten. Schon die Kindergarten-gruppe intonierte „We will rock you“ und wies damit, sicherlich ungewollt, darauf hin, dass in Beppo Brehm auch ein Rocker steckt. Dazu gleich mehr.

Was mich an der Feier besonders berührte, war die Vielfältigkeit der Aktivitäten dieser Gemeinde, die vor allem eine sehr musikalische ist. Es wurde viel gesungen. Und begannen die Kita-Kinder mit einer Rock-Hymne, so endete das Programm mit einer Senioren-Jazz-Formation. Besonders viel Mühe hatte sich die Junge Gemeinde gegeben, die seit Jahrzehnten im Keller des Gemeindehauses zu Hause ist. Da bekannt ist, dass Beppo Brehm gern das Nacht-Journal sieht, weil er vorher keine Zeit für Nachrichten hat, produzierten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein „Keller-Nacht-Journal“ mit Berichten aus dem Leben ihres Pfarrers.

Auch Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler ließ es sich nicht nehmen, Beppo Brehm Dankesworte mit auf den Weg zu geben. Ein Journalist bezeichnete Brehm einmal als Don Camillo, was weit entfernt von der Realität ist. Don Camillos Pendant war ja der kommunistische Bürgermeister Peppone. Aber weder ist Angelika Schöttler Kommunistin, noch hat sie sich mit Beppo Brehm, wie in den Filmen, geprügelt, denn die Zusammenarbeit mit dieser Gemeinde ist vorbildlich für den ganzen Bezirk, sagte Frau Schöttler.

Ausdrücklich bedankte sie sich für die Unterstützung der Gemeinde beim bezirklichen Rocktreff und dem Spielfest. Die Rock-Ini, die den Rocktreff 1984 gegründet hat und seitdem trägt, startete im selben Jahr, als Beppo Brehm seinen Dienst aufnahm. In all den Jahren hat er den Rocktreff unterstützt und versäumte keine Veranstaltung. In diesem Jahr wird er entspannt, ohne Gottesdienstverpflichtung, am Rocktreff teilnehmen können.

Einer der Höhepunkt in der 34-jährigen Geschichte des Rocktreffs fand am Pfingstsonntag, dem 4. Juni 2006, statt. Die Veranstaltung begann um 11 Uhr mit einem Gottesdienst auf und vor der Rocktreff-Bühne im Fußballstadion des Volksparks Mariendorf. Das Motto des Gottesdienstes lautete in Anspielung auf das Pfingstfest: „Der Geist weht, wo er will.“ Ein typischer Beppo. Nicht extra erwähnt werden muss, dass die Sonne hell und klar an diesem Pfingstsonntag über dem Stadion schien.

Zur musikalischen Umrahmung des Gottesdienstes traten die Fraggel-Singers auf, ein Eigengewächs der Kirchengemeinde, 1995 von Bernd Strützke gegründet, der zuvor auch schon an der Wiege des Rock-treffs stand. Beppo Brehm sagte: „Es darf auch applaudiert werden.“ Wie bei seinem Abschiedsgottes-dienst, und selbstverständlich traten später im Gemeindehaus auch die Fraggel-Singers auf. So schließt sich der Kreis.

Ohne allzu pathetisch werden zu wollen: In Marien-dorf geht eine Ära zu Ende. Hans-Martin „Beppo“ Brehm hat Spuren hinterlassen und große Fußabdrücke. Bleibt zu hoffen, dass sein Nachfolger in diese hineinwächst, sicherlich mit Gottes Hilfe. Wir wünschen Beppo Brehm einen entspannten Ruhestand, vor allem Gesundheit, und diesen Wunsch weiten wir auf seine Frau Petra ausdrücklich aus.

Ed Koch



  
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