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Wer gehört zu Deutschland?

geschrieben von: Redaktion am 26.03.2018, 12:18 Uhr
paperpress551 
Wer in Deutschland geboren wurde, wer die deutsche Staatsbürgerschaft hat, gehört zu Deutschland. Dabei ist es völlig egal, aus welchem anderen Land die Vorfahren stammen. Niemand mit deutschem Pass kann abgeschoben werden, wohin denn auch und mit welcher Begründung? „Wir schicken Dich zurück ins Land Deiner Großeltern“ ist rechtlich nicht möglich. Ich weiß nicht, warum das alles so schwer zu verstehen und zu akzeptieren ist.

Auch die ersten beiden Sätze des Artikels 4 unseres Grundgesetzes sind unmissverständlich: „(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. (2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.“

Das Problem ist nur, dass jede Religion offen oder verdeckt für sich in Anspruch nimmt, die einzig wahre zu sein. Daraus ergeben sich zwangsläufig Konflikte zwischen den Menschen unterschiedlicher Religionen. Die Geschichte des Christentums, die uns in der Karwoche wieder deutlich vor Augen geführt wird, ist eine voller Leiden, Mord, Totschlag und Intoleranz. Dass sich die katholische und evangelische Kirche – zumindest in Deutschland – angenähert haben und jetzt sogar ein evangelischer Bischof bei der Trauer-feier eines katholischen Kardinals auftreten darf, war keineswegs immer so. Noch heute gibt es nicht wenige Katholiken, denen bei der Nennung des Namens Luthers nur ein Begriff einfällt: „Ketzer.“ Die überlieferte Hinrichtung des Jesus von Nazaret ist ein barbarischer Akt der Intoleranz gegenüber Andersdenkenden. Heute wird niemand mehr ans Kreuz genagelt, es gibt aber andere, genauso grausame Methoden, Menschen umzubringen, die aus Sicht eines fanatischen Mörders an den falschen Gott glauben.

Die ganze Republik ist mal wieder erschüttert von einem Vorgang an einer Grundschule. Nachzulesen in der Berliner Zeitung.

https://www.berliner-zeitung.de/berlin/religioeses-mobbing-zweitklaesslerin-von-mitschueler-mit-dem-tode-bedroht-29916888?utm

In einer zweiten Klasse wurde ein jüdisches Mädchen von muslimischen Jungs angepöbelt und bedroht, weil sie nicht an Allah glaubt. Dieser Vorgang ist kein Einzelfall, sondern Schulalltag. Und das seit Jahr-zehnten. Bekannt werden diese Fälle nur deshalb, weil sich Eltern an die Medien wenden. Der Vorfall in der Tempelhofer Grundschule erreichte bundespolitische Bedeutung, weil sich die Justizministerin und der Außenminister dazu geäußert haben. Zu Recht. Und zu Recht muss man sich darüber aufregen. Würden alle Tag für Tag an den rund 800 Berliner Schulen vorkommenden Ereignissen dieser Art publik gemacht, würde das viele Seiten in den Zeitungen füllen. Gerade Kinder achten nicht besonders auf korrekte Äußerungen anderen gegenüber. Die als Schimpfwort gemeinte Anrede „Jude“ wird seit Jahr-zehnten verwendet. Ich habe sie in meiner Zeit als Leiter von Jugendfreizeiteinrichtungen immer wieder vernommen. Und das liegt rund 30 Jahre zurück. Mit „Jude“ wurde jeder beschimpft, den man nicht leiden konnte, da spielte die Religionszugehörigkeit keine Rolle. Auch türkische und arabische Jugendliche sahen und sehen sich verbalen und körperlichen Bedrohungen ausgesetzt. Einschränken muss man diesen Satz natürlich dann, wenn der Anteil muslimi-scher Jugendlicher zwischen 80 und 90 Prozent in einer Klasse beträgt. Die Beschimpfungsbezeichnun-gen für deutsche Jugendliche, womit ich Jugendliche meine, deren Vorfahren schon in diesem Land lebten, sind auch nicht ohne. „Kartoffel“ ist noch die harmloseste anmache.

Der überwiegende Teil unserer Bevölkerung ein-schließlich der Kinder und Jugendlichen verhält sich Grundgesetz konform und weiß, was Toleranz bedeutet. Auch wenn man es nicht verstehen kann, dass ein Mitschüler an einen anderen Gott als man selbst, oder an gar nichts glaubt, so akzeptiert man es zumindest und lässt ihn in Ruhe.

Wir leben seit langer Zeit in einer Gesellschaft, in der viele Eltern der Meinung sind, dass der Staat für die Erziehung ihrer Kinder zuständig sei. Schulen sind keine Erziehungsanstalten. Sie haben vornehmlich Wissen zu vermitteln und darauf zu achten, dass sich die Schüler tolerant und demokratisch verhalten. Kindertagesstätten seien Bildungseinrichtungen, wird immer wieder gesagt. Richtig. Meines Erachtens ist es die Hauptaufgabe einer Kita den Kindern ein auf Toleranz ausgelegtes Miteinander zu vermitteln. Je-der hat die gleichen Rechte, egal, wie er aussieht und woher seine Großeltern stammen. Wenn das während der Kita- und anschließenden Grundschul-zeit erreicht wird, ist viel gewonnen.

Verantwortlich für die Erziehung der Kinder zu an-ständigen Menschen sind aber hauptsächlich die Eltern. Sie haben nicht nur bis zur Vollendung des 18ten Lebensjahres das Sorgerecht, sondern vor allem die Sorgepflicht. Kein achtjähriger muslimischer Junge käme von allein auf die Idee, ein jüdisches Mädchen zu bedrohen, wenn er nicht bei seinen Eltern dieses Verhalten abgeguckt hätte. Ein Kind kann in einer intoleranten und verschlossenen Familie nicht zu einem toleranten und weltoffenen Menschen wer-den. Und Staatliche Einrichtungen dienen nur bedingt als Reparaturwerkstatt für von Eltern angerichtete Schäden. Wir haben in Deutschland ein massives Problem, das an dem Beispiel der Tempelhofer Grundschule zum soundsovielten Male deutlich wird. Wir schaffen es nicht einmal, die Kinder ausreichend zu betreuen, wer soll sich dann noch um die Eltern kümmern? Und gerade um diese muss man sich sorgen. Wie gesagt, das betrifft immer nur einen kleinen Teil, der aber größer zu werden scheint und zu einer massiven Belastung unseres Gemeinwohls führt.

Was soll denn aus dem achtjährigen muslimischen Jungen werden, wenn er 18 ist? Und wie viel Angst kann das gleichaltrige jüdische Mädchen in ihrem späteren Leben ertragen?

„Bereits seit etwa drei Jahren kommt es in der Schule zu religionsmotivierten Vorfällen. Zuletzt Ende Februar.“, zitiert die Berliner Zeitung den Vater des jüdischen Mädchens. Und was ist geschehen? „Es kam jeweils zu einer Gegenüberstellung zwischen den Schülern“, berichtet der Vater. „In Anwesenheit von Schulleiter und Sozialarbeiter wurde der Vorfall thematisiert. ‚Für meine Tochter war diese Gegen-überstellung traumatisierend‘, sagt der Vater.“ „Grundsätzlich werden bei Streitigkeiten die Schüler angehört und danach entsprechende Schritte eingeleitet.“, sagt der Schulleiter der Berliner Zeitung. Streitigkeiten? Gegenüberstellung? Sind das die geeigneten pädagogischen Maßnahmen? „Die Eltern seien eingeladen worden. ‚In der entsprechenden Klasse gab es ein Projekt zum Thema Toleranz‘. Bei allen Vorfällen habe man mit Schulaufsicht und Polizei das weitere Vorgehen abgestimmt.“ In dem Artikel der Berliner Zeitung wird der Erfolg des Projektes wie folgt beschrieben: „Das Mädchen wurde mit ‚Jude, Jude‘-Rufen schikaniert.“

Der Vater des Mädchens fordert, dass der Senat „ein Instrumentarium anbieten“ muss, „um nicht nur gegen solche einzelnen Regelverletzungen vorzugehen, sondern insbesondere solche Themen wie Toleranz, Religionsfreiheit, westliche Werte sowie das friedliche Miteinander kontinuierlich den Kindern zu vermitteln.“ Was heißt hier Instrumentarium? Die Lehrpläne müssen diese Themen enthalten, notfalls zu Lasten an-derer Fächer.

16 Unterrichtsstunden sind in der zweiten Jahrgangsstufe für Deutsch, Mathematik, Heimat und Sachunterricht, Kunst und Musik vorgesehen. Die Aufteilung der Stunden erfolgt durch die Lehrer. „Im Fach Heimat- und Sachunterricht erwerben die Schülerinnen und Schüler grundlegendes Wissen über das Zusammenleben der Menschen in Vergangenheit und Gegen-wart, über ihren Wohnort und die Region, über die belebte und unbelebte Natur und über die sie umgebende Welt. Dabei greift der Unterricht die Lebenswirklichkeit der Kinder auf und führt diese allmählich an methodisch sachgemäße Vorgehens-weisen her-an.“ Darin ist doch alles enthalten, oder? Hinzu kommen zwei Stunden Religion/Ethik. Und warum beschimpfen und bedrohen sich die Kinder dennoch? Nichts mitbekommen im Unterricht?

Ich habe einen ganz anderen Verdacht und schieße mich damit erneut auf die Eltern ein. Was immer Lehrer im Unterricht zu vermitteln versuchen, ein entsprechender Satz des Vaters seinem Sohn gegenüber macht alles zunichte.

Richtig schlecht wird einem an der Stelle im Artikel, wo der Vater erzählt, dass in „Whatsapp-Gruppen der Grundschüler auch ein Enthauptungsvideo des IS kursierte.“ „Der Schulleiter bestätigt das. Es sei des-halb eine Anzeige bei der Polizei gestellt worden und in diesem Fall habe es auch einen Elternbrief gegeben.“

Ich habe Verständnis für überforderte Lehrer. Was sollen sie anders machen, als Briefe an die Eltern schreiben? Es gibt aber auch Schulen, die mit harten Maßnahmen dafür sorgen, dass die Kinder das erlernen, was in einer weltoffenen Gesellschaft erforderlich ist. Friedrich-Bergius-Schule in Friedenau. Schul-leiter Michael Rudolph: „Regeln sind da, um mit allen Menschen gut zusammenleben zu können.“ Quelle: rbb|24

So einfach kann es sein. Es widerstrebt einem Pädagogen, Härte und Zwang anzuwenden, um Toleranz zu erreichen. Streichel- und Bonbonpädagogik haben meines Wissens aber auch keinen Erfolg gehabt.

Wenn es gelingt, heute Kinder auf den richtigen Weg zu bringen, haben wir morgen die Eltern, um die wir uns nicht sorgen müssen und auch nicht um deren Kinder.

Meine Meinung ist ganz eindeutig. Der Schlüssel zum Erfolg liegt hauptsächlich bei den Eltern. Die Eltern müssen sich die Zeit für ihre Kinder nehmen. Ist es immer erforderlich, dass beide Eltern berufstätig sind? Würde ein Gehalt für eine bestimmte Zeit nicht ausreichen? Selbst wenn ein zweites Einkommen erforderlich wäre, hoffentlich nicht allein deshalb, damit jeder sein eigenes Auto hat, gäbe es verschiedene Modelle, mit denen man Zeit für seine Kinder freiziehen könnte. Wenn möglich, ab und zu mal von zu Hause aus arbeiten? Ganztagsbetreuung in Kita und Schule sind letztlich nur Mittel, um zu verhindern, dass Kinder schon am frühen Nachmittag auf ihre Eltern treffen. Die wichtigsten Punkte für die Erziehung eines Kindes sind elterliche Zuwendung und Zuneigung. Ist das so schwer zu verstehen?

Ed Koch

  
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