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Heißes Pflaster

geschrieben von: Redaktion am 04.12.2018, 18:40 Uhr
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Ach ja, wenn die Nachrichtenlage schwach ist, warten wir alle auf Meldungen wie diese: „Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) fühlt sich nach eigenen Angaben in Berlin schwer verunsichert. ‚Wenn ich dort ankomme, denke ich immer: ‚Vorsicht, Sie verlassen den funktionierenden Teil Deutschlands‘, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstag). Seiner Ansicht nach klappt einfach gar nichts in dieser Stadt.“

„Ich komme mit dieser Mischung aus Kriminalität, Drogenhandel und bitterer Armut auf der Straße als spießbürgerliche baden-württembergische Grünen-Pflanze schlicht nicht klar. Ich will diese Verhältnisse in Tübingen nicht.“

Der Reihe nach: Tübingen: 89.500 Einwohner, 108 qkm, Berlin: 3,6 Mio. Einwohner, 890 qkm.

Boris Palmer gehört zu den umstrittensten Grünen Politikern. Immer wieder macht er Ärger und fällt unangenehm auf. „Zuletzt war Palmer in den Schlagzeilen, weil er in Tübingen mit einem Studenten aneinandergeriet und dessen Personalien auf-nehmen wollte. Als dieser sich weigerte, soll Palmer den Studenten und dessen Begleiterin fotografiert haben. Die Begleiterin zeigte Palmer daraufhin wegen Nötigung an.“ Palmer zeigte tatsächlich seinen Dienstausweis mit der Nr. 1000, gültig bis zum 12.01.2023.

Die Befugnisse sind klar. In Tübingen kann der Oberbürgermeister tatsächlich seine Einwohner bei Verstößen abkassieren. Kein Wunder, dass es Ba-den-Württemberg so gut geht, wenn der Sheriff Inkassovollmachten hat. Ich möchte Palmer mit seinem Ausweis mal in der Rigaer Straße sehen, oder auf dem Champs-Élysées in Paris. Aber nicht einmal in Tübingen kommt er mit der Nummer durch. Die Tübinger überzogen ihn mit einem Shit-Storm. Große Klappe in Tübingen, Angsthase in Berlin.

Ja, Berlin ist ein schlimmes Pflaster. Wie bin ich heute bloß nach Hause gekommen, wo doch nichts klappt. Kein Bus, keine Straßenbeleuchtung, zu Hause ist die Heizung kalt und aus der Dusche rieselt Staub. Entsetzlich.

Auf diese Äußerungen eines schwäbischen Dampf-plauderers lohnt es sich nicht einzugehen. Staats-sekretärin Sawsan Chebli, die es auch gut draufhat, sich immer wieder Kritik einzufangen, würde eher ersticken wollen, als nicht doch noch einen Kommentar abzusondern. Warum nur? Kann sie nicht einfach mal die Finger stillhalten. „Lieber Herr #Palmer, bleiben Sie zu Hause, wenn’s in #Berlin so unerträglich ist. Wir Berliner brauchen Sie hier nicht! Bin sicher, Sie finden andere Themen, um die gefährliche Sucht nach Aufmerksamkeit zu befriedi-gen.“, twitterte sie. Muss man jemand, der doch nur einmal eine Meldung bei n-tv wert sein will, noch beleidigen?

Und Ramona Pop hat auch nichts anderes zu tun, als darauf einzugehen: „Lieber Boris Palmer, niemand zwingt dich nach Berlin zu kommen", schreibt sie auf Twitter. „Wenn Du Metropole, Vielfalt, Tempo und Lebenslust nicht erträgst, kannst Du woanders die Kehrwoche zelebrieren und Dich als Hilfssheriff bla-mieren.“ Was sagt Herr Palmer eigentlich über Paris?

Eigentlich ist alles Unnütze zu Schwaben Bobbele gesagt. Aber noch nicht von jedem. Die CDU fährt großes Geschütz auf. Und der Generalsekretär Stefan Evers sieht sogleich das Ende des Zuzugs aus Schwaben gekommen: „Es ist noch nicht so lange her, dass Schwaben gerne nach Berlin gekommen sind. Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Man kann nur hoffen, dass die Berliner Grünen sich die drastische Wortmeldung ihres Parteifreundes aus Tübingen zu Herzen nehmen und bei der Sicherheit endlich umdenken. … Berlin ist eine großartige Stadt - und gerade deshalb müssen wir alles dafür tun, dass Menschen sich hier sicher fühlen. Es sollte die Grünen nachdenklich stimmen, dass der Rest der Republik die politische Wurstigkeit dieses Senats regelmäßig lautstark beklagt.“

Der Rest der Republik kann es gar nicht abwarten, seinen Abenteuerurlaub in Berlin zu verbringen. Nur noch knapp die Hälfte der Berliner sind hier geboren. Die rund 40.000 jährlichen Neu-Berliner, da-runter keine Geflüchteten, sondern Menschen aus allen Städten Deutschlands und Europas, haben augenscheinlich mit ihrem Leben abgeschlossen. Bei den TOP 100 Geburtsstädten der in Berlin lebenden Menschen, liegt Hamburg auf Platz 1, Wismar auf 100. Tübingen ist nicht dabei, als einzige baden-württembergische Stadt belegt Heidelberg Platz 48.

Die CDU ergreift jeden Strohhalm, um in die Stadt-kritik einzustimmen, selbst wenn sie von einem sehr schillernden grünen Provinzpolitiker kommt.

CDU lädt Palmer ein

Die CDU ist sich dabei für nichts zu schade. Selbst nicht für diese Pressemitteilung des Fraktionsvorsitzenden Burkard Dregger: „Es ist ein Alarmsignal, wenn Berliner und unsere Besucher sich zunehmend unsicher fühlen in unserer Stadt.“, schreibt Dregger. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Berliner Angst haben, dass unsere Gäste sich unsicher fühlen oder verschreckt werden. Das wirft kein gutes Licht auf unsere Stadt. Ich lade Herrn Palmer zu einem Treffen ein. Meine Fraktion und ich werden ihm gern bei einem seiner nächsten Berlin-Besuche unsere Strategien vorstellen, um die tatsächliche und gefühlte Sicherheit zu verbessern. Gleichzeitig fordere ich den Senat auf, gemeinsam mit unserem Touristen-Marketing Visit Berlin bei einer Umfrage unter Berlinern und Besuchern abzufragen, wie sicher sie sich in Berlin fühlen.“ Im März hat die Berliner Morgen-post eine Umfrage veröffentlicht, wonach sich 56,6 Prozent der Berliner sicher in ihrer Stadt fühlen, 42,5 Prozent nicht. Das ist zweifelsohne kein berauschendes Ergebnis. Jede Straftat am Menschen ist eine zu viel. Ob wir es aber wahrhaben wollen oder nicht, in Millionenmetropolen gehört Kriminalität zum Alltag. Das ist nicht beruhigend, aber Realität.

Meinetwegen könnte die ganze Stadt videoüber-wacht werden. Führt die Kontaktbereichsbeamten wieder ein, das war damals eine bessere Zeit. Die Verwahrlosung der Sitten beginnt aber im Straßen-verkehr, lange vor einem tätlichen Angriff auf Leib und Leben. Tempo 30. Ja, auf jedem Reifen. Kreuzung zuparken. Kein Problem, niemand schaut zu. Bei Rot über die Ampel. Das ist heutzutage Normalität. Niemand ahndet es, weil niemand zuschaut.

In einem Punkt gebe ich der CDU recht: „Der Umgang von Vertretern des Senats mit der Kritik des Tübinger Oberbürgermeister Palmer an der Sicherheit Berlins ist unwürdig und schädlich für unsere Stadt. Wirtschaftssenatorin Pop sagt auf Twitter, niemand zwinge ihn, nach Berlin zu kommen. Die Staatssekretärin des Regierenden Bürgermeisters Chebli rät ihm, zu Hause zu bleiben. Das ist dünnhäutig und nicht souverän.“, sagt Burkard Dregger. Richtig.

Sinnvoll wäre es gewesen, wenn niemand auf Palmer reagiert hätte. Das würde aber nur funktionieren, wenn man Pop und Chebli ihre iPhones wegnähme.

Ed Koch

  
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