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Etwas Klassisches

geschrieben von: Redaktion am 16.12.2018, 09:14 Uhr
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Bei der Ankündigung, jetzt etwas Klassisches vortragen zu wollen, haderte Heinz Erhardt, der Urvater aller Comedians, mit der Aussprache des Wortes. Nach mehreren vergeblichen Versuchen sagte er, also, Sie hören jetzt was Altes. Ja, es geht um Altes, aus dem 18ten und 19ten Jahrhundert. Da waren in Europa Komponisten wie Ludwig van Beethoven (1770-1827), Peter Tschaikowski (1840-1893), Richard Wagner (1813-1883), Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Johannes Brahms (1833-1897) und Gustav Mahler (1860-1911), der noch den Beginn den 20sten Jahrhunderts erlebte, damit beschäftigt, musikalische Wer-ke aufs Notenpapier und in die Konzertsäle zu bringen, an denen sich die Welt bis zu ihrem physikalischen Ende erfreuen wird. Ich weiß, die Liste ist längst nicht vollständig, es sollen nur einige Beispiele genannt werden.

Was zwischen 1730 und 1900 an Musik entstand, ist in ihrer Größe und Qualität danach nie wieder erreicht worden. Als eine der wenigen Ausnahmen würde ich noch Carl Orffs (1895-1982) Carmina Burana gelten lassen. Mit dem Namen Carl Orff verbinde ich ansonsten quälenden Musik-unterricht an der Schule mit den nach ihm benannten Instrumentenarsenal.

In den 1700er und 1800er Jahren ging es nicht wie heute um E- und U-Musik, also ernste und unterhaltende Musik. Es gab nur diese Musik, die keineswegs immer ernst war, sondern, siehe Mozart, fröhlich und lebensbejahend. Mit den viel zu vielen verschiedenen Musikrichtungen, mit denen wir uns heute auseinandersetzen müssen, hatten Beethoven und Wagner keine Probleme. Nur ihre Musik war auf dem Markt, allerdings in keinem Plattenladen, sondern nur live im Konzertsaal ohne jegliche Möglichkeit, einen dieser Abende in Ton und Bild der Nachwelt zu erhalten. Die Werke von damals waren alles in einem, Schlager, Pop, Heavy Metal und Rock’n’Roll. Die Hits dieser Jahre hießen Walküre oder Kleine Nachtmusik. Welche Heavy Metal Band hat je mit einem überdimensionierten Holz-hammer auf eine Holzplatte geschlagen und einen unglaublich dumpfen Sound erzeugt, wie es Gustav Mahler im 4. Satz seiner 6. Symphonie anstellt?

Viele klassische Werke haben es, was ehrlich gesagt grauenvoll ist, in die Schlagerwelt geschafft. Gioachino Rossinis Wilhelm Tell wurde 1963 in einem Twist eines gewissen Charly Cotton mit dem Titel „Papa Tell war ein großer Held“ vermanscht. Dafür sollte sich der Produzent Christian Bruhn noch heute schämen. Auch Beethovens Neunte musste für alle möglichen „modernen“ Interpretationen herhalten. Einen weiteren grausamen Schlager präsentierte uns Freddy Breck mit: „Du bist die Schönste der Welt für mich, Bianca. Durch jedes Feuer geh' ich für dich, Bianca.“ Wäre doch bloß diese Platte im Feuer zerschmolzen. Das Ursprungswerk, das Breck und seine Produzenten vergewaltigten, ist das wunderschöne „Capriccio Italien" von Peter Tschaikowsky. Eine andere Qualität haben Instrumental-Interpretationen klassischer Werke von Musikern des Hier und Heute. Da gibt es viel sehr gut Gelungenes. Das trifft auch für Interpretationen aus dem Bereich der elektronischen Musik zu. Nichts aber geht über die reine Klassik. Tschaikowskis Symphonien, vor allem die Num-mern 4, 5 und 6. Traumhaft. Sein Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll mit dem fulminanten Auftakt, oder seine Ballettmusiken Schwanensee und Nussknacker. Die Werke von Beethoven, alle neun Symphonien, eine grandioser als die vorangegangenen. Nichts kann einen in so unterschiedliche Stimmungen versetzen wie diese Musik. Am Ende des Weihnachtskaufrausches Mahlers 4. Satz der 5. Symphonie zu hören, beruhigt die Sinne. Und wenn eine Nachrichtensendung, das Hamburg Journal des NDR, mit dem Hauptthema aus dem 4. Satz von Brahms 1. Symphonie, beginnt, dann ist das mehr als eine Würdigung eines in der Hansestadt geborenen Komponisten.

Wenn man sich anschaut, wie es im 18ten und 19ten Jahr-hundert in Europa aussah, dann ist die Bewunderung über die Schaffenskraft der Komponisten umso größer. Absolutismus, Französische Revolution, Zeitalter des Kapital und des Imperialismus. Kriege ohne Ende. Es verging fast kein Tag, an dem nicht irgendwo in Europa eine Schlacht statt-fand. Wie konnte in dieser Zeit diese großartige Musik entstehen? Vermutlich, weil es kein Radio und Fernsehen gab und man nicht alles mitbekam in seinem kleinen Fürstentum. 300 Kleinstaaten gab es allein auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Und jeder Herzog oder König beauftragte und finanzierte die Komponisten seiner Zeit. Jede staatliche Förderung heutzutage hat nichts Vergleichbares hervorgebracht.

Der Musikunterricht schon in der Grundschule hat mich an die Klassik herangeführt. Der Bolero von Maurice Ravel, einem der späteren Komponisten (1875-1937), wurde zu einem meiner Lieblingswerke. Meine Begeisterung für klassische Musik vertrug sich gut mit der Beatles- oder Bon-Jovi-Lebensphase. Von der Senatsjugendverwaltung wurde in den 1970er und 1980er Jahren der Besuch von Konzerten, u.a. in der Philharmonie gefördert. Die Karten kosteten nur ein paar Mark. Als Begleiter von Jugendlichen in meiner damaligen beruflichen Tätigkeit, hatte ich oft die Gelegenheit, die Berliner Philharmoniker unter Herbert von Karajan oder Leonard Bernstein in der Philharmonie zu erleben.

Heute spielt die Zukunft der Musik bei Young Euro Classic, dem weltweit wichtigsten Festival zur Förderung junger Orchester. Beim Anteil der jungen Konzertbesucher ist noch viel Luft nach oben. Beste Gelegenheit, Ihren Kindern und Jugendlichen schon jetzt Tickets zu schenken. Noch bis zum 31. Dezember findet eine „Early-Bird-Ticket-Aktion“ statt, bei der man unter www.young-euro-classic.de schon jetzt Karten zum Wunschtermin und Sonderpreis erwerben kann. Das 20ste YEC-Festival findet im Konzerthaus am Gendarmenmarkt vom 19. Juli bis 4. August 2019 statt.

Und wie wäre es als Einstieg mit einem Klassik-Tonträger unterm Weihnachtsbaum? Die klassische Musik ist, gleichrangig mit der Literatur, das wertvollste Kulturgut dieser Menschheit, die sich in nicht allzu ferner Zeit durch selbst verursachte irreparable Klimaschäden selbst vernichten wird. Mit Beethoven geht es sich leichter unter.

Ed Koch

  
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