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Einfach widerlich

geschrieben von: Redaktion am 20.12.2018, 07:00 Uhr
paperpress560 
Was für ein lächerlicher Skandal. Der Spiegel hat in den eigenen Reihen jemand entdeckt, der sich jahrelang die Geschichten seiner Reportagen offenbar ausgedacht hat. Auch in der Süddeutschen Zeitung, der Welt und dem Tagesspiegel sind vermutlich Fake-Storys abgedruckt worden. Diese Enthüllung wirft mich in meinem Bild über die Medien nicht aus der Bahn. Ich glaube seit langen ohnehin nur das, was ich selbst beurteilen kann. Ich habe zu viele Pressekonferenz mitgemacht, über die am nächsten Tag zehn verschiedene Versionen in zehn verschiedenen Zeitungen erschienen sind.


Auch dass es den Spiegel trifft, beunruhigt mich nicht. Schon seit Jahrzehnten lese ich dieses Blatt nicht mehr, das sich dem Enthüllungsjournalismus verschrieben hat und dessen Gründer und Heraus-geber für jeden geschassten Politiker eine Kerbe in seinen Schreibtisch ritzte. Habe ich gehört. Und wenn es nicht wahr sein sollte, so hätte ich es Rudolf Augstein zugetraut.

Ausgerechnet Springers Chefkolumnist Franz Josef Wagner, dessen Outfit so ungepflegt daherkommt wie seine Kommentare in der Bild-Zeitung, schwingt sich zum Moral-Apostel auf.

Wagner schreibt zu dem Vorfall: „Es ist, als würde es von unten nach oben regnen. Nein, viel schlimmer. Es ist, als hätten Paparazzi den Papst im Bordell erwischt. Der Spiegel muss zugeben, dass er über Jahre Lügengeschichten gedruckt hat.

Ich kannte Rudolf Augstein, den Gründer. Er hätte den Laden dichtgemacht. Manches Bier habe ich mit ihm getrunken. Gelogen hat er nie. ‚Sagen, was ist‘ war sein Motto. Augstein kam aus dem Krieg. Er war Offizier, und er wollte die Welt besser machen, moralischer. Es ist Winter 2018, ein Zeitungskiosk, der Lügen-‚Spiegel‘ liegt auf dem Tresen. Ich bin traurig, ich kaufe ihn nicht. Der Tod eines Traumes ist nicht weniger traurig als der wirkliche Tod. Ein Nachrichtenmagazin, das Lügengeschichten druckt, ist ein Hütchenspieler. Lügengeschichten im Spiegel. Der Lesestoff geht uns aus.“

Es ist mal wieder an der Zeit, Helmut Schmidt, der am 23. Dezember 100 Jahre alt geworden wäre, zu zitieren: „Ich finde das zum Kotzen!“, sagte er mehr als nur einmal, und immer hatte er recht. Zum Bei-spiel 2003 (Quelle stern) „Altbundeskanzler Helmut Schmidt hat die ‚Weinerlichkeit‘ vieler Ostdeutscher kritisiert. ‚Es wird über manches geklagt, was nicht beklagenswert ist‘, sagte der SPD-Politiker der ‚Sächsischen Zeitung‘ in Dresden. So seien die Renten im Osten real zum Teil höher als in West-deutschland. ‚Trotzdem klagen viele über ihre Rente. Das finde ich zum Kotzen.‘“

Ausgerechnet die Bild-Zeitung, die als „Organ der Niedertracht“ bezeichnet wurde (Max Goldt) und mit der der Presserat mehr als mit jeder anderen Zeitung beschäftigt ist, kommentier diese Spiegel-Affäre. Das NDR Medienmagazin zapp berichtet regelmäßig über die abenteuerliche Berichterstattung der Bild-Zeitung. Schon 66 Jahre lang belästigt dieses Blatt die Geschmacksnerven der Deutschen. Wolfgang Neuss hat einmal die Auflage der Bild-Zeitung mit der Größe des Volksbildungsloches ver-glichen.1,5 Mio. Auflage, und angeblich eine Reich-weite von neun Millionen. Zehn Prozent Volksbildungsloch verkraftet jede Gesellschaft.

„Ein Nachrichtenmagazin, das Lügengeschichten druckt, ist ein Hütchenspieler.“ Und was ist die Bild-Zeitung? Der Offizier Augstein wollte die Welt also besser und moralischer machen? Langsam glaube ich, dass der Kommentar von Wagner auch eine erfundene Geschichte ist. Augstein hätte nie den Laden dicht gemacht, wie Axel Springer und Nachfolger nie Bild dicht gemacht hätten, egal wie oft der Presserat vorstellig wurde. Wagner hat also mit Augstein so manches Bier getrunken. Toll, wen der so alles kennt. Ich war im März 1970 mit Rudolf Augstein in der Hamburger Staatsoper. Wir ließen uns das Trommelfell bei der Rockoper „Tommy“ von „The Who“ fast zerstören. Wer bietet bessere Begegnungen mit Augstein?

Der Bild-Zeitung würde ich nicht einmal das Datum glauben, das auf der Titelseite steht. Egal um welches Medium es geht, eine gesunde Distanz und Skepsis ist immer angebracht. Alexander Gerst ist wieder zurück auf Mutter Erde. Das kann man glauben. Helene Fischer hat einen Neuen. Tja. Kann sein, muss nicht sein.

Kann das wahr sein: „Betr: Argumente für Deine Diskussion unterm Weihnachtsbaum“, lautet die Überschrift einer E-Mail an die Mitgliedschaft, die direkt aus der Werkstatt der SPD-Vorsitzenden Andrea Nahles und ihren fleißigen Polit-Elfen kam. „Damit Du für Dein persönliches Debattencamp unterm Tannenbaum gut gewappnet bist, haben wir für das Weihnachtsessen einen kleinen Merkzettel mit all den Dingen vorbereitet, die wir dieses Jahr erreicht haben.“ (Quelle: Tagesspiegel Checkpoint). Was wir Ihnen aber sicher vermelden können, ist das Datum des Heiligen Abends am Montag, dem 24. Dezember 2018. Wie sagte Karl Valentin so richtig: „Wenn die stille Zeit vorbei ist, wird es auch wieder ruhiger.“ Stand heute auch im Checkpoint.

Ed Koch


  
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