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Es lebe der Optimismus

geschrieben von: Redaktion am 26.12.2018, 15:18 Uhr
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Ersparen wir uns an dieser Stelle die Aufzählung all dessen, warum es den Menschen in Deutschland besser geht, als in den meisten anderen Regionen der Welt. Die Liste wäre sehr lang. Da aber alles relativ ist, misst man sein Wohlergehen an deutschen und nicht an Maßstäben von Entwicklungsländern. Das hohe Niveau, auf dem viele Deutsche zu jammern pflegen, nützt einem Rentner wenig, der, um über die Runden zu kommen, aufstocken oder Arbeiten gehen muss. Es gibt Armut in unserem Land, obdachlos sein oder verhungern muss jedoch niemand. Nach Angaben der Welthungerhilfe sterben jeden Tag weltweit mehr als 7.000 Kinder unter fünf Jahren an den Folgen von Hunger und Mangelernährung. Keines davon in Deutschland.

Der Tagesspiegel, den der Satiriker Dieter Nuhr in seinem Jahresrückblick, neben Spiegel und Süd-deutscher Zeitung, als „schlecht gelaunte Stimmungsmacher“ bezeichnete, veröffentlichte am zweiten Weihnachtsfeiertag eine Studie des 77-jährigen Zukunftsforschers Horst Opaschowski, die er gemeinsame mit dem Meinungsforschungsinstitut „Ipsos“ gemacht hat.

Kaum war der Gänsebraten verdaut, lässt uns der Tagesspiegel zum Jahresende mit der Veröffentlichung der Studie wissen, dass die Stimmungslage in Deutschland so schlecht ist wie seit fünf Jahren nicht mehr.“ Das war es dann mit der guten Laune und dem Optimismus für 2019. Die Deutschen fühlten sich wie im Paternoster, so wie Politiker bei der Bild-Zeitung. Die Deutschen sähen den „anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung und fragen sich mit Sorge, wie lange es noch so weitergeht, wann der Abschwung kommt.“ Wir werden den Abschwung nicht verpassen: Spiegel, Süddeutsche und der Tagesspiegel werden uns rechtzeitig informieren. Vor-her habe ich zumindest keine Zeit, mich darum zu kümmern. Nur 17 Prozent der Befragten sehen mit Zuversicht und Optimismus in die Zukunft. 2014 waren es noch 45 Prozent. Was ist geschehen? Hat 2015 unser Land derart herabgezogen?

„Eine breite Mittelschicht“, das ist jener Teil der Gesellschaft, zu der sich Friedrich Merz zählt, „lebt derzeit nach dem Paternoster-Prinzip. Sie fährt mit dem Paternoster nach oben, ist sich aber sicher, dass es auch wieder abwärts geht, sobald man oben angekommen ist“, sagt Opaschowski. Woher weiß man bloß, wenn man oben angekommen ist. Wenn sich Friedrich Merz sein drittes Flugzeug leisten kann? „50 Prozent der Befragten befürchten, dass eine wach-sende Fremdenfeindlichkeit den sozialen Frieden gefährdet.“ Dafür muss man Verständnis haben. Es ändert aber nichts an den persönlichen Zufriedenheitswerten. Als Beispiel für die Gefahr, die der soziale Frieden ausgesetzt ist, nennt die Studie jene zwei Fußballer mit türkischen Migrationshintergrund, die den türkischen Präsidenten als den ihren bezeichneten. „Die Bevölkerung erwarte, dass Zuwanderer sich zu wenigstens 51 Prozent dem Land verbunden fühlten. Anstatt zu sagen: ‚Erdogan ist mein Präsident‘ hätten sie besser sagen sollen: ‚Erdogan ist mein zweiter Präsident.‘ Oder gleich Vizepräsident. Was für ein unglaublicher Schwachsinn.

Weitere Sorgen: Die Hälfte der Deutschen verfüge „nicht über Eigentum in Form von Wohnung, Haus oder auch nur Auto. Jeder Zweite habe auch finanzielle Sorgen und Angst vor der Zukunft. ‚Es fehlt den Menschen an Rücklagen und Absicherungen‘, schlussfolgert Opaschowski. Die Politik müsse auf diesem Gebiet mehr tun. ‚Die Eigentumsbildung ist ungeheuer wichtig.‘“ Hört auf Merz, kauft Aktien. Wichtiger als Eigentum zu schaffen, über das sich die Erben freuen können, ist die Sorge der 35- bis 54-jährigen, „ob die eigene Rente sicher sei und sie sich im Alter eine Betreuung leisten können.“ Wenn diese minimale Grundausstattung eines Sozialstaates durch die Bundesregierung nicht garantiert wer-den kann, müssten sich die Menschen wirklich große Sorgen machen. Wie sagte einst der Polit-Comedian Norbert Blühm 1986: „Die Rente ist sicher!“ Seit 1986 wird dies jeder Rentner bestätigen können. Die Höhe und die Ungerechtigkeiten lassen wir ein-mal an dieser Stelle beiseite.

Ein bemerkenswerter Satz der Studie lautet: „Das Krisengefühl der Deutschen braucht keine große Krise.“ Was passiert, wenn die Kabine des Paternosters oben angekommen ist? Dreht sie sich oder bleibt sie senkrecht. Weniger Sorgen als ältere Menschen machen sich die jüngeren. 26 Prozent der jüngeren Befragten geben sich als Optimisten zu erkennen. Und an ein gutes Zusammenleben von Deutschen und Flüchtlingen glauben ebenfalls 26 Prozent der Teenager. Noch ein Hoffnungsschim-mer: Für 60 Prozent der 14- bis 34-Jährigen ist die Frage nach einer glücklichen Ehe oder Partnerschaft am wichtigsten. Und so kommt Herr Opaschowski zu dem Schluss: „Ein etwas jugendlicherer und positiver gestimmter Blick in die nahe Zukunft täte den Deutschen gut.“ Die Überschrift des Berichts im Tagesspiegel über die Studie hält also nicht, was sie suggeriert. Was bleibt beim Leser hängen? Zum Glück hat der Tagesspiegel im April 2017 einen Artikel über die „Vorzüge des Optimismus“ veröffentlicht. „Die Menschen sind von Natur aus optimistisch. Schätzungsweise 80 Prozent von uns blicken zuversichtlich in die Zukunft.“ In diesem Sinne wünschen wir ein erfreuliches Jahr 2019.

Ed Koch

  
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