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Heroische Symphonie und mystische Tänze

geschrieben von: Redaktion am 01.08.2019, 10:35 Uhr
paperpress568 
11. Tag – Montag, 29. Juli 2019

Die „Heroische Symphonie“

Seit jeher ranken sich viele Geschichten um die Musik von Ludwig van Beethoven. Sicher ist wohl, dass seine dritte Symphonie fast nach „Bonaparte“ benannt worden wäre, wenn sich dieser nicht zum Kaiser gekrönt und damit bei Beethoven in Ungnade gefallen wäre. Eroica, die „Heroische“, hat nichts, wie schlichte Gemüter glauben mögen, mit Erotik zu tun, oder doch? Sascha Hingst, der Pate des Abends, ging auf die Geschichte der Symphonie ein, ein interessanter Vortrag vor Beginn des Konzerts, das mit einem Paukenschlag und kräftiger Orchestermusik begann. Miguel Farias Werk „Retratos australes" entstand erst in diesem Jahr.


Das Orquesta Sinfónica Nacional Juvenil, das Nationale Jugendorchester Chiles, das zum ersten Mal bei Young Euro Classic dabei war, zeigte also gleich zu Beginn, was es drauf hat und was sein Dirigent Maximiano Valdés in der Lage war, aus den jungen Chilenen herauszuholen.

Der Gitarrist Luis Orlandini, der seit seinem Ge-winn des renommierten Münchner ARD-Musikwettbewerbs schon in aller Welt gastiert hat, brillierte mit dem Konzert für Gitarre und Orchester von Heitor Villa-Lobos aus dem Jahre 1951.

Und dann nach der Pause 50 Minuten Beethoven pur. Seine dritte Symphonie erfüllte den Konzerts-aal mit dieser aufregenden Musik. Der Genuss wur-de nur durch einige Besucher gestört, die immer noch nicht begriffen haben, dass man zwischen den Sätzen nicht applaudiert. Halten wir ihnen zugute, dass sich die Begeisterung einfach Luft machen musste.

Mit drei Zugaben chilenischer Musik spielte sich das Orchester in die Herzen der Konzertbesucher.

Seit mehr als 25 Jahren gibt es dieses Orchester bereits und ist die Spitze einer imposanten Pyramide von nicht weniger als 500 Jugendorchestern im ganzen Land. Somit können sich die jungen Musikerinnen und Musiker mit Fug und Recht als Botschafter Chiles fühlen.

Wolfgang Spranger
Ed Koch

12. Tag – Dienstag, 30. Juli 2019

Mystische Tänze

Schon zum achten Mal gestaltete das von John Neumeier gegründete Bundesjugendballett unter der künstlerischen Leitung von Kevin Haigen einen außergewöhnlichen Abend bei Young Euro Classic. Seit seiner Gründung war das Ballett somit jedes Jahr bei YEC. Der Abend, an dem die Musik nur eine begleitende Rolle spielt, gehört also inzwischen zum festen Bestandteil des Festivals. In die-sem Jahr präsentierten die jungen Künstler Choreo-grafien aus dem bestehenden Repertoire sowie neue Kreationen zu kammermusikalischen Werken verschiedenster Epochen.

Eigentlich hätte man das sehr ausführliche Programmheft in der Hand halten müssen, um alles, was auf der Bühne zu sehen und zu hören war, zu verstehen und einordnen zu können. Die Zwischen-ansagen waren teilweise akustisch und auch inhalt-lich schwer zu verstehen. Dass etliche davon in englischer Sprache vorgetragen wurden, erhöhte nicht gerade das Verstehen.

Das klassische Ballett ist etwas für Liebhaber und Kenner. Diese saßen im fast ausverkauften Konzertsaal. Der Schlussapplaus war überwältigend, und, was beim Ballett eher selten ist, zum 20sten Festival wurde eine Zugabe getanzt. Nicht irgendeine, sondern jene, mit der das Bundesjugendballett 2012 zum ersten Male bei YEC auftrat, eine Choreo-grafie von John Neumeier mit Musik von Ludwig van Beethoven. Das Foto von John Neumeier ent-stand 2012 bei den Proben.

Der Autor dieses Beitrages hatte das Vergnügen, alle acht Auftritte des Bundesjugendballettes bei Young Euro Classic miterlebt zu haben. Darunter waren viele, die weniger mystisch und dunkel waren und mehr Lebensfreude vermittelten. Es war dies-mal zu düster und ziemlich farblos, und auch die Musik vermochte es nicht, einen mitzureißen. Das galt natürlich nicht für die hervorragenden Tänze-rinnen und Tänzer, die Erstaunliches leisteten.

Die erste Choreographie des Abends hieß „Infinite Identities“ (Unendliche Identitäten) mit Gustav Mahlers Klavierquartett in a-Moll. „Hier ist mein Geheimnis. Es ist ganz einfach: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“, lauteten die Worte zu „In the Blue Gar-den“, Auszüge aus einer Choreografie von John Neumeier, die schon 1994, lange vor Gründung des Balletts, uraufgeführt wurde.

Das Bundesjugendballett präsentierte schwermütige Gedanken an diesem Abend: „Perfektion ist nicht etwas glatt Poliertes. Perfektion ist etwas, das wir in anderen entdecken und das sich in uns widerspie-gelt. Wenn die Perfektion sich uns entzieht, macht das nichts, solange uns das, was wir im Augenblick haben, genug ist.“ Tanzen Sie das mal, nicht ein-fach. Oder „Wir sollen still sein, aber nicht zu still. Wir sollen schön sein, aber nicht zu schön. Wir sollen intelligent sein und gleichzeitig auch noch witzig. Aber wenn wir etwas sagen, können wir sicher sein, dass das, was er gesagt hat, zuerst gehört wird. Denn mal zeigt es die Vorderseite, mal die Rückseite: ein Ahornblatt im Fallen.“

Oder mal auf Englisch: „The digital future: What kind of home will it be? Will we be masters in a community of masters or something else - guests, fugitives or unwitting slaves? When it comes to the digital future, we are at the very beginning. Rapid pace of connection, oceans of data... But how all this will be used? And, to what purpose? And who will decide?“ Frei übersetzt: „Die digitale Zukunft: Was für ein Zuhau-se wird es sein? Werden wir Meister in einer Gemeinschaft von Meistern oder etwas anderem sein - Gäste, Flüchtlinge oder unwissende Sklaven? Wenn es um die digitale Zukunft geht, stehen wir am Anfang. Schnelle Verbindungs-geschwindigkeit, Datenmeere ... Aber wie wird das alles genutzt? Und zu welchem Zweck? Und wer wird entscheiden?“ Das sind ebenso aktuelle wie wichtige Fragen unserer Zeit. Ich finde es äußerst bemerkenswert, und meine das ganz ernst, dass das Bundesjugendballett diese Themen tänzerisch und musikalisch darzustellen versucht.
Die letzte Choreographie an diesem Abend, abgesehen von der Zugabe, nannte sich „Von 55 Engeln behütet“ (Foto: auf der Bühne waren es nur vier Engel, aber immerhin himmlisch), mit den einleitenden Worten: „In meiner Seele hebt ein Kämpfen an seltsamster Art, das ein unteilbar Wesen mehr voneinander reißt als Himmel und Erde.“ So viel nachdenken musste ich bei YEC lange nicht, schweißgebadet verließ ich das Konzerthaus in die abgekühlte Sommernacht mit der Erkenntnis, dass Tanz und Musik viel tiefgründiger sind, ja sein müs-sen, als wir es oberflächlich wahrnehmen. Was lernen wir daraus: Vorher immer das Programmheft gründlich studieren.

Zum Schluss noch ein paar Worte über das auf Initiative von Prof. John Neumeier gegründete Bundes-jugendballett, das in seiner Form in Deutschland einzigartig ist. Acht professionelle Tänzerinnen und Tänzer zwischen 18 und 23 Jahren tanzen für maxi-mal zwei Jahre zusammen in der vom Bund geförderten jungen Compagnie, die Ballett wieder näher zu den Menschen bringen möchte. Das Ensemble tanzt daher nicht nur in Opernhäusern, Konzertsälen und Theatern, sondern auch in Schulen, Seniorenresidenzen, Clubs und sogar Gefängnissen. Tanz, Musik und Gesang sind bei den Auftritten der jungen Compagnie mit ihren Partnern gleichwertige Künste. Das Bundesjugendballett ehrt die Vergangenheit mit der Einstudierung von Werken der Ballettgeschichte, erlebt die Gegenwart in der Arbeit mit zeitgenössischen Choreografen unterschiedlichen Alters und Stils und investiert in die Zukunft des Tanzes durch eigene Kreationen und die Förderung junger Choreografie-Talente. Die Tänzerinnen und Tänzer kommen aus der ganzen Welt. Ihre Heimat ist das Ballettzentrum Hamburg – John Neumeier, ihre Sprache ist der Tanz.

13. Tag – Mittwoch, 31. Juli 2019

Schon allein die Zusammensetzung des Galilee Chamber Orchestra ist eigentlich eine Sensation: Es ist das erste professionelle Orchester in Israel, das zu gleichen Teilen aus arabischen und jüdischen Musikern besteht. Und dann kommt noch ein brillan-ter Pianist dazu, der als Sohn aus christlicher Familie in Nazareth geboren wurde und heute in Berlin lebt. Das ist die wundersame Geschichte, die hinter dem Konzert des Galilee Chamber Orchestra bei Young Euro Classic steht, das damit zum ersten Mal im Konzerthaus Berlin auftat.

Die Herausforderungen, die der Pianist und Dirigent Saleem Ashkar seinen Musikern gestellt hatte, waren nicht gerade klein: Gemeinsam haben sie das 2. Klavierkonzert B-Dur und die 1. Symphonie C-Dur von Ludwig van Beethoven gespielt. Und dazu noch ein neues Werk des außerordentlich vielseitigen Komponisten Wisam Gibran. Auch er stammt aus Nazareth – wie Saleem Ashkar.

Ed Koch
unter Verwendung und Bearbeitungen von
Texten des Festivals Young Euro Classic




  
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