Willkommen bei PaperPress Jugendpolitischer Pressedienst
suchen  
Hauptmenü  

Online  
Es sind 6 Besucher und 0 _MEMBER0 online..

Anmeldung

Sprachen  
Sprache auswählen:


  

Ein Scheiß-Job

geschrieben von: Redaktion am 08.08.2019, 09:20 Uhr
paperpress568 
Mitleid muss man mit Bildungssenatorin Sandra Scheeres nicht haben. Selbst gewähltes Schicksal. Sie wurde ja nicht gezwungen, die Verantwortung für die Berliner Schulen zu übernehmen. Aber jeden Tag vorgehalten zu bekommen, dass man eigentlich zu blöd ist, um diesen Job zu machen, schlägt si-cherlich irgendwann aufs Gemüt. Scheeres ist ständig in der Stadt unterwegs, eröffnet eine Schule nach der anderen, gibt Millionen für die Sanierung aus und versucht Lehrkräfte auf einem leergefegten Markt zu akquirieren. Alles, was Scheeres macht, wird grundsätzlich als zu gering bewertet. Zu gering sind offenbar auch die Plätze an den Schulen. Die Folge davon, die Schülerzahlen in den Klassen zu erhöhen, ist bildungspolitisch gesehen der schlechteste Weg.


Die Kinder seien ja unsere Zukunft und um in dieser bestehen zu können, müssen sie gut Deutsch lesen und schreiben können, rechnen wäre auch nicht schlecht, einen dortigen Mangel kann man mit dem Rechner auf dem Smartphone aber immer noch ausgleichen. Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendwer vorrechnet wie schlimm die Lage an den Schulen ist. Der Tagesspiegel hat vor ein paar Ta-gen gefordert, dass der Regierende Bürgermeister Michael Müller das Ressort von Frau Scheeres übernehmen und damit zur Chefsache erklären soll. Der Ordner mit den Rücktrittsforderungen, die Sandra Scheeres erreicht, ist inzwischen gut ge-füllt. Die Frage ist nur, was sich mit einer oder einem neuen Bildungssenator kurzfristig ändern kann. Manchmal bewirkt ein neuer Kopf an der Spitze neuen Schwung. Ob der ausreichend wäre, ist hier die Frage, die man sich auch im Baubereich stellen könnte. Würden mehr Wohnungen gebaut, wenn Katrin Lompscher in den Ruhestand ginge? Wäre das grüne Verkehrschaos beendet, wenn sich Regi-ne Günther einen anderen Job suchte?

Auf der Skala der beliebtesten Senatsmitglieder, die Forsa im Auftrage der Berliner Zeitung monatlich ermittelt, befinden sich Günther, Lompscher und Scheeres seit vielen Monaten auf den letzten drei Plätzen. Ein Austausch allein von Scheeres käme für die SPD nicht in Frage. Scheeres sieht keine Bildungskrise und vermittelt mit ihrer ruhigen Art stets den Eindruck, alles im Griff zu haben. Es nimmt ihr nur keiner ab. Genauso verhält sich Frau Lompscher. Immer wieder erklärt sie, wie gut alles funktioniere, bloß keiner will es glauben. Wenn das Gesicht eines Politikers immer wieder in Zusammenhang mit Defiziten gebracht wird, ist schnell der Punkt erreicht, an dem man machen und versprechen kann, was man will, niemand hört mehr zu.

Die SPD hat 2016 beim Zusammenschmieden von R2G ein paar grobe Fehler gemacht. Man hätte wissen müssen, dass mit dem Bildungsbereich kein Blumentopf zu gewinnen ist. Warum hat man nicht Klaus Lederer gezwungen, dieses Ressort zu über-nehmen, anstatt ihn sich in der Kultur wohlfühlen zu lassen? Wie konnte man ausgerechnet der Linken die Stadtentwicklung und das Bauen anvertrauen? Dieses Ressort hätte die SPD behalten müssen. Ich hätte gern einen Linken oder Grünen als Innensenator gesehen. Das wäre ein Spaß geworden. Die SPD hätte sich lieber um die Wirtschaft kümmern sollen, ein Bereich, in dem Ramona Pop auch nicht so recht vorankommt. Ja, ich weiß, hätte, hätte…

Schulsenatoren hatten schon immer einen schwierigen Job. Ganz früher war aber alles irgendwie entspannter, oder? Walter May (SPD) war der erste Schulsenator 1949, als sich die Nachkriegswirren in Berlin beruhigt hatten. Heute erinnert die zur Arbeiterwohlfahrt gehörende „Stiftung Sozialpädagogisches Institut Berlin »Walter May« an ihn. An Joachim Tiburtius (CDU, 1951-1963) erinnert heute die Autobrücke über die A103 und Schloss-straße in Steglitz. Einem der Väter der bundesdeutschen Gesamtschulen Carl-Heinz Evers (SPD, 1963-1970) wurde kein Denkmal gesetzt. Auch nicht Gerd Löffler (SPD, 1970-1975) oder dem einzigen Liberalen in dem Job, Walter Rasch (FDP, 1975-1981), der ja noch am Leben ist.

Die wohl präsenteste Bildungssenatorin in Berlin war Hanna-Renate Laurien (CDU, 1981-1989), die spätere Präsidentin des Abgeordnetenhauses. Sie hatte den „Laden“ im Griff, ihre starke Persönlichkeit überdeckte alle Probleme, die es immer schon an den Schulen gab. Nach ihr ist in Lankwitz, rund 700 Meter von ihrer früheren Wohnung ein Platz benannt. Nur kurz im Amt war Sybille Volkholz (parteilos für die AL, später Grüne, 1989-1990). Sie hat sich später um die Lesepaten an den Grundschu-len Verdienste erworben. Dann kam Jürgen Klee-mann (CDU, 1991-1996), zuvor Bürgermeister von Zehlendorf. Er musste die Bildungssysteme beider Stadthälften nach der Wiedervereinigung zusammenfügen. Keine leichte Aufgabe.

1996 begann die bis heute andauernde Phase sozialdemokratischer Bildungssenatoren. Ingrid Stahmer (1996-1999), Klaus Böger (1999-2006), Jürgen Zöllner (2006-2011) und seit 2011 Sandra Scheeres. Wann begann eigentlich die Tätigkeit des Bildungssenators ein Scheiß-Job zu werden? Welche Plätze oder Brücken wird man einst nach den hier Erwähnten benennen? Gegenwärtig haben wir allerdings im Bildungsbereich andere Probleme.

Ed Koch

  
Anmeldung  




 


Registrierung

Impressum  
p a p e r p r e s s
Ed Koch (Herausgeber und verantwortlich für den Inhalt)
Träger: Paper Press Verein für gemeinnützige Pressearbeit in Berlin e.V.
Vorstand: Ed Koch - Mathias Kraft
Postfach 42 40 03
12082 Berlin
Email: paperpress[at]berlin.de
PDF-Newsletter-Archiv:
www.paperpress-newsletter.de

Diese WebSite wurde mit PostNuke CMS erstellt - PostNuke ist als freie Software unter der GNU/GPL Lizenz erh�ltlich.