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Widerstand gegen Zerstörung

geschrieben von: Redaktion am 03.11.2019, 14:33 Uhr
paperpress571 
Wir haben überlegt, ob es Sinn macht, jetzt bereits zum fünften Male über die Anbringung einer Gedenktafel für den Widerstandskämpfer Wolfgang Szepansky zu berichten. Diejenigen, die schon viermal die Tafel mutwillig und mit Vorsatz zerstörten, könnten durch eine Berichterstattung in den Medien animiert werden, ihr schmutziges Werk fort-zusetzen. Nein, haben wir entschieden, man muss sich diesem geschichtslosen Pack stellen. Und wenn es immer und immer wieder feierliche Einweihungen einer neuen Tafel geben muss. Der Widerstand gegen die Zerstörung darf niemals enden.

Im März dieses Jahres wurde die Gedenktafel für Wolfgang Szepansky in der Kreuzberger Methfesselstrasse zum vierten Mal durch vermutlich Rechtsradikale zerstört. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, das Aktive Museum – Faschismus und Widerstand in Berlin e.V. und die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V. haben in einer gemeinsamen Aktion die Gedenktafel erneuern lassen und setzen damit ein Zeichen gegen diesen politisch motivierten Akt der Zerstörung.

Rund 100 Menschen waren am 2. November anwesend, als die neue Tafel enthüllt wurde. Zu Beginn wurde Wolfgang Szepanskys Tochter Regina gedacht, die am 13. September 2019 verstorben ist. Oliver Schworck, Jugend- und Schulstadtrat in Tempelhof-Schöneberg, bezog sich in seiner Rede auch darauf, dass er als ehemaliges Vorstandsmit-glied des Paper Press e.V. Wolfgang Szepansky noch persönlich kennengelernt hat und auch an den Anti-Faschistischen Stadtrundfahrten teilnahm. Angesicht des zunehmenden Rechtspopulismus und der An-wendung von rechter Gewalt, plädierte Schworck für ein breiteres Gedenken an die Zeit des National-sozialismus, insbesondere im Stadtbild und schlug vor, dass eine Straße in Berlin nach Wolfgang Szepansky benannt werden sollte. Gedenktafeln sind sehr wichtig und sorgen dafür, dass kurz inne-gehalten wird, Straßennamen sind aber ständiges Zeugnis und Erinnerung.

Thomas Szepansky, der als ältester Sohn für die Familie sprach, erklärte, dass es notwendig sei, immer wieder an die Arbeit der vielen Anti-Faschisten zu erinnern und er stolz auf seinen Vater sei, der ihm und seinen Geschwistern mit seiner Lebensphilosophie der Achtung des Einzelnen und der Verdammnis von Krieg und dem Eintreten für Frieden und Verständigung immer ein Vorbild war.

Einig waren sich alle Anwesenden, dass sollte auch die fünfte Gedenktafel geschändet oder entwendet werden, es eine weitere geben wird. Möge es soweit nicht kommen und man sich an der jetzigen Tafel zum 110ten Geburtstag von Wolfgang Szepansky am 9. Oktober 2020 in der Methfesselstraße wiedersehen kann.

Wolfgang Szepansky wurde am 9. Oktober 1910 im Wedding geboren. Er wuchs in der Kurfürstenstraße in Mariendorf, damals noch ein Vorort von Berlin, auf. Wolfgang, der in einer sozialistischen Familie groß gewordene Junge, ging in eine kommunistische Kindergruppe. Als Malergeselle und Mitglied im Kommunistischen Jugendverband arbeitete er poli-tisch und war aktives Mitglied in der Arbeitertheaterbewegung. Für den Jugendverband arbeitete er als Organisationsleiter des Unterbezirks Tempelhof.

Am 11. August 1933 schrieb er an die Mauer der damaligen Schultheiß-Brauerei in der Lichterfelder Straße (1876-1935) „Nieder mit Hitler! KPD lebt! Rot Front!” Den Namen Methfessel wurde der Straße erst am 30. September 1935 von den National-sozialisten gegeben, die damit einen Komponisten und Dichter ehrten, dessen Volksweisen gut zu ihrer Ideologie passten. „Es ist an der Zeit, Wolfgang nicht nur mit einer Tafel zu ehren, sondern auch mit der Benennung einer Straße, warum nicht dieser Straße hier im Zentrum Berlins.“, sagte Oliver Schworck.

Wolfgang Szepanksy wurde nach seiner Aktion fest-genommen und kam in das berüchtigte KZ Columbiahaus hier in der Nähe am Flughafen Tempelhof. Nach seiner Entlassung und vor der Verhängung einer Haftstrafe organisierte die KPD im Januar 1943 seine Flucht aus Deutschland. Es folgten Exil in Holland, Internierungslager, Gefängnis und die Haft im KZ Sachsenhausen, wo er im April 1945 auf den Todesmarsch Richtung Ostsee geschickt wurde. Wolfgang überlebte diese Strapazen. Nach der Befreiung durch die britische Armee kam er im Mai 1945 zurück nach Berlin. Für ihn war klar, es muss einen politischen Neuanfang geben und so war er Mitorganisator des Antifaschistische Jugendaus-schusses Tempelhofs, der sich am 18. Juni 1945 im Eckener-Gymnasium in Mariendorf konstituierte. Aus ihm ging der spätere Jugendwohlfahrtsaus-schuss und politisch die Freie Deutsche Jugend her-vor.

Beruflich wurde er an der Werner-Stephan-Schule Zeichenlehrer, bekam jedoch Anfang der Fünfziger-jahre im Zuge des Kalten Krieges in West-Berlin Berufsverbot. Er Wurde Klubhausleiter bei der West-Berliner Reichsbahn, spielte Theater, sang, dichtete und malte Bilder gegen Not, Unterdrückung und Krieg.

Seit dem Ende der 70er Jahre berichtete er in Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen und bei Veranstaltungen über sein Leben und den Kampf gegen den Nationalsozialismus und führte die Jugend zu Stätten der Unterdrückung und des Widerstands. Er war Zeitzeuge und Mitorganisator der Anti-Faschistischen Stadtrundfahrten durch Tempelhof. Seit 1980 nahm er bis kurz vor seinem Tot an 65 der insgesamt 67 Fahrten teil. Dafür gebührt ihm auch heute noch der Dank des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg.

Für sein Engagement wurde er am 26. September 1996 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, das er gleichzeitig mit seiner Frau Gerda erhielt. Sein Leben lang trat er mit all seiner Kraft für Frieden und Verständigung ein. Bis zu seinem Tod am 23. August 2008 lebte Wolfgang in Berlin-Mariendorf im Hirzerweg.

Textquellen: Fachbereich Kultur und Geschichte Bezirksamt
Friedrichshain-Kreuzberg, Uwe Januszewski,
Rede Bezirksstadtrat Oliver Schworck.
Bearbeitung und Kommentierung Ed Koch


  
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