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Schuld war die CDU

geschrieben von: Redaktion am 07.04.2020, 07:05 Uhr
paperpress576 
Heute vor 44 Jahren wurde paperpress geründet. Schuld war die CDU. Und das kam so. Der Jugend-club „Bungalow“ am Mariendorfer Damm 123, wo heute eine große Kindertagesstätte steht, war vermutlich die kleinste Jugendeinrichtung Berlins, aber eine der aktivsten. Es fand dort nicht nur die übliche Bespaßung der Jugendlichen mit Tischtennis und Feten statt, sondern ein sehr umfangreiches inhaltliches Programm. Ausstellungen, Filmfestivals, Diskussionsveranstaltungen mit interessanten Menschen aus Kultur und Politik und vieles mehr.

Diese Veranstaltungen mussten natürlich beworben werden. Da der Jugendclub eine Einrichtung des Jugendamtes Tempelhof war, galten für Veröffentlichungen strenge Maßstäbe. Die Kette: der Jugendclubleiter schreibt einen Text, der geht an den zu-ständigen Sachbearbeiter im Amt Jugendförderung, der leitet ihn weiter an den Amtsleiter, dieser schickt ihn ins Büro des Jugendstadtrates, wo zuerst der Jugendamtsdirektor raufschaut, dann zeichnet der Jugendstadtrat die Pressemitteilung ab und schickt sie an die Pressestelle, wo erneut eine Bearbeitung stattfindet, letztlich setzt der Bezirksbürgermeister sein OK darunter und die Pressestelle verschickt die Meldung – 1976 noch per Post – an die Medien. Wenn man Glück hatte, stand in der Pressemitteilung noch das drin, was der Jugendclub-leiter verfasst hatte. Und wenn die Medien dann den Veranstaltungshinweis endlich veröffentlichten, war es meist zu spät.

Um diesen Verwaltungsweg, in dem sich sieben Mitarbeiter um einen Veranstaltungshinweis kümmerten, abzukürzen, gründeten die Jugendlichen des „Bungalow“ ihren eigenen Pressedienst mit dem schönen Namen paperpress. Auf die Veranstaltungen wurde nun rechtzeitig in den Medien hingewiesen. Natürlich gefiel das den Leuten vom Amt nicht. Ihnen wurde dadurch die Kontrolle entzogen. Vor allem den damaligen Jugendstadträten der CDU war paperpress von Anfang an ein Dorn im Auge. Zur Eskalation kam es, als eine von paperpress angekündigte Veranstaltung im „Bungalow“ vom CDU-Jugendstadtrat verboten wurde. Schülerrinnen und Schüler der Gustav-Heinemann-Oberschule hatten ein Projekt mit den Namen „Schüler sehen und interpretieren Staeck“ durchgeführt. Im Stile des politischen Grafikers Klaus Staeck kreierten die Jugendlichen Plakate mit kritischen Botschaften. Gezeigt werden sollten die Werke im „Bungalow“. Was in der Schule, für die ein SPD-Stadtrat verantwortlich war, möglich war, durfte im Jugendclub, der unter der Fuchtel des CDU-Mannes stand, nicht gezeigt werden. Die Ausstellung fand dann übrigens im wenige Kilometer entfernten Rathaus Kreuzberg statt. Das war die Geburtsstunde der politischen Berichterstattung in paperpress. Zwar wurden wei-terhin Veranstaltungshinweise veröffentlicht, der politische Teil nahm jedoch immer mehr an Umfang und Bedeutung zu. Vor allem setzte sich paperpress mit dem nicht immer nachvollziehbaren Demokratieverständnis der CDU-Jugendstadträte auseinan-der.

paperpress wurde zum Hassobjekt. Besonders wurden Artikel dieses Jugendclubleiters in paperpress beäugt. Das führte zum Maulkorberlass. Ihm wurde verboten, sich öffentlich über „Belange des Jugend-amtes“ zu äußern. Es ging hier nicht um Dienstgeheimnisse. Der Maulkorberlass bewirkte genau das Gegenteil. Es gab genügend Nachwuchsjournalisten in der Redaktion, die nicht beim Bezirksamt beschäftigt waren und ungehindert ihre Meinung äußerten.

Man kann sich heute kaum noch vorstellen, was alles unternommen wurde, um paperpress aus dem Weg zu räumen. Immer schwieriger wurde es für das CDU-geführte Jugendamt als 1979 der Trägerverein, der Paper Press e.V., gegründet und als gemeinnützig anerkannt wurde. Nun stand eine „juristische Person“ gegenüber. Ja, paperpress war damals ein Kampfblatt für, auch wenn es hochtrabend klingen mag, demokratische Rechte von Jugendlichen in städtischen Freizeiteinrichtungen. Die Jugendstadträte von damals sind längst Geschichte, weitere folgten ihnen, ob von der CDU oder der SPD, deren Weltbild ein anderes war. Ab 1996 entspannte es sich.

In den heißen Anfangsjahren und auch danach, gab es immer wieder Versuche, den Leiter des Jugend-clubs loszuwerden. Als es einen kritischen Bericht über den damaligen Neuköllner CDU-Jugendstadtrat gab, war sich dieser nicht zu fein, von seinem Tempelhofer Kollegen zu verlangen, diesen Typen raus-zuschmeißen. Wer aber glaubt, dass diese Ansinnen nur von Seiten der CDU formuliert wurden, der irrt. Auch ein SPD-Bezirksbürgermeister forderte, diesen Mitarbeiter zu entfernen. Ein anderer SPD-Politiker aus einem Nachbarbezirk erzählte uns, dass er paperpress zwar toll finde, er aber nicht gewusst hätte, wie er mit dem Jugendclubleiter umgegangen wäre, wenn dieser in seinem Bezirk tätig gewesen wäre.

In 44 Jahren gab es nur zwei Gegendarstellungen in paperpress. Einmal, weil es eine Verwechselung gab und ein Politiker erwähnt wurde, der nicht, wie berichtet an einer Veranstaltung teilgenommen hatte, und ein zweites Mal, weil ein Zitat aus einer Tages-zeitung übernommen wurde, das nicht ganz korrekt war. Was lernen wir daraus? Niemals abschreiben. Gibt es nach 44 Jahren noch Ziele? Ja, das 50-jährige Jubiläum 2026.

Ed Koch

  
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