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Müllers Entschuldigung ist überflüssig

geschrieben von: Redaktion am 08.04.2020, 11:29 Uhr
paperpress576 
Schon bei einer der ersten Begegnungen zwischen dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller und dem Botschafter der USA in Deutschland, Richard Grenell, war klar, dass dies nicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein würde. Grenell führt sich bis heute wie ein Besatzungsoffizier auf und hat offenbar nicht begriffen, dass er nur Botschafter und nicht Stadtkommandant ist.

Michael Müller und Innensenator Andreas Geisel haben in scharfen Worten verurteilt, dass 200.000 Schutzmasken, die für Berlin bestimmt waren, stattdessen in den USA landeten. Kein Einzelfall, denn auch französische Politiker beklagen, dass für ihr Land bestimmte Masken in die USA umgeleitet wurden. Müllers „Antiamerikanismus“ sei „wohlbekannt“ sagte der Botschafter und warf ihm vor „Fakestorys“ zu verbreiten. Müller Antiamerikanismus vorzuwerfen, ist eine bodenlose Unverschämtheit. Richtig ist, dass Grenell durch viele unfreundliche Bemerkungen zu einem angespannten Verhältnis zwischen den USA und Deutschland beigetragen hat. Und was die Fakestorys anbelangen, so belegt doch nachweislich die Regierung von Präsident Donald Trump von Anfang an den Spitzenreiterplatz. Trump hat in seinem Leben so oft gelogen oder die Wahrheit verdreht, dass man ihm nicht einmal mehr glauben mag, wenn er bei strahlendem Sonnenschein von schönem Wetter redet.

Ja, es ist „unmenschlich und inakzeptabel“, wenn Schutzmasken „in einem Akt moderner Piraterie“ verschwinden. Die „Schärfe der Äußerungen“ bedauerte Müller nun. Warum? Der Tatbestand bleibt doch wohl, nach allem, was wir wissen, bestehen. Hat sich Helmut Schmidt jemals dafür entschuldigt, die „Jammerossis zum Kotzen“ gefunden zu haben? Hat sich der frühere SPD-Fraktionsvorsitzende Herbert Wehner jemals dafür entschuldigt, den CDU-Abgeordneten Jürgen Wohlrabe eine „Übelkrähe“ genannt zu haben? Politik findet nicht auf dem Ponyhof statt.

Es steht außer Frage, dass wir den Vereinigten Staaten nach dem Krieg beim Wiederaufbau Berlins und Deutschlands sehr viel zu verdanken haben. Die Luftbrücke ist nur ein Beispiel. Unser demokratisches System ist heute besser als das der USA. Ein gemeinsames Problem ist in beiden Ländern der latente wie offene Rassismus. Vor weniger Tagen lief bei Phoenix ein interessanter Film: „Ein Hauch von Freiheit.“ Er erzählt „die Geschichte afroamerikanischer Soldaten, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland stationiert waren: Die schwarzen GIs kamen nach Deutschland, um das Land von Rassismus und Unterdrückung zu befreien. Doch in der eigenen Armee, aber auch in ihrer Heimat herrschte strikte Rassentrennung. Zurück in den USA erlebten die schwarzen US-Armeeangehörigen das Gleiche wie vor dem Krieg: Rassentrennung und Diskriminierung waren ihr Alltag.“ Und selbst im Zweiten Weltkrieg waren nicht alle US-Soldaten gleich. Die strikte Rassentrennung galt selbst in diesen Zeiten.

Zwischen 1985 und 2012 bereiste ich 35mal die USA von Ost nach West und Nord nach Süd, nicht als Tourist, sondern als jemand der Bildungsreisen für Jugendliche und Erwachsene veranstaltete. Zahllose Begegnungen mit den Menschen dort haben mich sicherlich nicht zum USA-Experten gemacht, aber zu jemand, der sich ein Urteil erlauben kann. In der Bilanz überwiegen die positiven Erlebnisse, ich bin aber auch denjenigen begegnet, die heute bedingungslos einem der unsäglichsten Präsidenten in der 244-jährigen Geschichte der USA folgen. David Dinkins war von 1989 bis 1993 der erste und bis-lang einzige afroamerikanische Bürgermeister von New York City. Während dieser Zeit sagte mir – ungefragt – ein Taxifahrer, in scharfem Ton, dass er Dinkins nicht mitfahren lassen würde, selbst wenn dieser am Straßenrand mit einem 100-Doller-Schein winken würde. Bis heute haben die USA diesen Rassismus nicht überwunden.

Donald Trump leugnet den Klimawandel, und beschuldigt die Weltgesundheitsorganisation die Corona-Krise „vermasselt zu haben“ und droht, die Beiträge zu kürzen. Ausgerechnet er, der die aufziehende Pandemie als Grippewelle abgetan hat. Schuld sind immer die anderen, die Chinesen und der Rest der Welt.

Unsere Freundschaft zu den USA wird die Präsidentschaft des Herrn Trump überdauern. Entschuldigen müssen wir uns jedoch für gar nichts.

Ed Koch

  
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